Split: Sounds, Gequietsche, Kompositionen, was ist Musik!?

Dieses Thema im Forum "Ansätze / Konzepte" wurde erstellt von READYdot, 20. April 2009.

  1. Split aus diesem Thread: Ist Doepfer murks?

    Ich hoffe der Titel ist ungefähr das Thema...!?

    Nein, nein. Was ich sage ist nur daß, auch wenn es Regeln gibt, sowie beim Komponieren (Musik oder Kunst), sind diese kein Garant dafür daß etwas nachher allgemein als schön empfunden wird. Nicht mehr und nicht weniger.

    Es stimmt schon daß vieles in der Kunst vom Kunstmarkt bestimmt wird. Trotzdem gibt es auch hier weiter Werte an denen auch das modernste und verrückteste oder schrottigste Werk sich messen muss. Auch wenn es für den Aussenstehenden so scheint als würde nur noch Schrott produziert werden, hier dann wirklich pluralistisch-relativistisches "Kultur"-Verständnis, bleibt aber als Wert oder Messlatte immer noch die Tradition, ob sie nun als Wegweiser oder als Gegenbeispiel fungiert. Es reicht aber nicht jegliche Form von Neuem als relativistisch anzusehen, denn dann negierst du alle Neuerungen der Kunst, bei der Renaissance angefangen: die Perspektive war auch ein neues, modisches Zeug. Damit man sich auf alten Werten ausruhen kann müssen Neue geschaffen werden um sich der alten erst mal bewußt zu werden.

    Da kann ich dir eigentlich nur zustimmen. ABER... das YT-Gefiepe hat ja auch auf gar keinen Fall irgendeinen künstlerischen Wert oder möchte es diesen haben, hier geht es vor allem um das Vorzeigen von Patches, um den Austausch, das Kennenlernen... vergleiche es in diesem Fall mit Modell-Eisenbahn-Freaks. Du kannst es auch meiner Meinung nach nicht mit dem Retro-Vintage in ein Boot setzen. Bei den Modularen geht es nicht ums Retro-Vintage... nur im Falle halt von Moog und dergleichen verstorbenen Systeme. Es geht um Technik, um Physik, etc. Transendenz kann aber auch durch dieses Medium erreicht werden. Die Transendenz ergibt sich ja durch das Manipulieren, das Benutzen, das Biegen, etc. des jeweiligen Mediums, oder besser kann sich dadurch ergeben. Die Absicht die bei den Modularen dahinter sticht in den Fällen von denen du redest ist aber seltenst ein Überschrieten von Grenzen, der des guten Geschmacks vielleicht, ja. Aber was ist ein Modular anderes als ein Synthesizer den man selbst aus Teilen zusammenbaut!?

    Das ist deine Sicht der Dinge. Jemand der ein bestimmtes Modul kauft, denkt aber nicht über künstlerische Benutzbarkeit dieses nach, sondern über all die Möglichkeiten die man damit ausprobieren und ausreizen kann. Akustische Spielwiese. Ob es nun Schrott ist liegt wie schon vorher erläutert auch im Auge/Ohr des Betrachters/Zuhörers.

    MfG!
     
  2. Ich habe den Post von Andreas hier auch nochmal aufgegriffen:

     
  3. Anonymous

    Anonymous Guest

    Ich finde Ihr verhakt euch in einer Diskussion, die mit der Ausgangsfrage von Summa "Haben Melodien keinen Anspruch auf interessante Sounds?" nicht mehr soviel zu tun hat. Diese Frage hat diese Diskussion doch ausgelöst, nicht wahr?

    Aber gut; Ich frage mich ehrlich gesagt, warum nun überhaupt so stark kategorisiert werden muss? Das eine wird vom klassischen Ansatz der Kompositions- und Harmonielehre her entwickelt , das andere ist eher der rhythmische und geräuschhafte Ansatz, der sich durch technische Experimente aus sich selbst entwickelt. Dann gibt es noch den dritten Weg, der beides miteinander kombiniert und zuguterletzt noch das simple Gequietsche und Gerumpel, das einfach nur sagen will: "Hey hört mal, was mit meinem Baukasten alles so geht - toll oder?" Ist es wichtig, was davon nun Musik, oder Kunst ist?

    Ob etwas künstlerisch wertvoll ist oder nicht, oder ob es einfach nur uninterressantes Geblubber ist, oder ob das Ganze musikalisch zwar gut, aber klanglich uninteressant ist usw., entscheidet in der Regel ohnehin die Masse der Hörer für sich selbst.
     
  4. vor vielen tausenden von jahren haben unsere vorfahren am lagerfeuer gesessen, sich bis zum *geht_nimmer* diverse pilze und vergorenes obst reingezogen, mit knüppeln und steinen auf hohle baumstämme gekloppt und den vollmond angesungen.

    das war damals schon gewissermaßen kunst und damit auch künstlerisch wertvoll ;-)
    evtl. war das sogar um klassen besser als die volksverdummung ala DSDS und diese ganze „wohlkomponierte“ chartmukke- aber das spielt jetzt hier keine rolle…
     
  5. Neo

    Neo aktiviert

    Du sagst es und für viele hat sich seitdem auch nichts geändert. :lol: ;-)
     
  6. sadnoiss

    sadnoiss aktiviert

    Wozu auch? Die haben doch genau das gemacht worum es geht, seltsame oder nicht seltsame Gefühle mit ebensolchen Geräuschen auszudrücken. Dass die Baumstämme heutzutage Midi haben ist doch ganz egal ...

    Und Kunst??? Da möchte ich meine Meinung zu mit dem klassischen Spruch
    zum ausdruck bringen :D
     
  7. Neo

    Neo aktiviert

    Ist eine Frage des Anspruchs und hier wird ja mit zwei vollkommen verschiedenen Ansätzen diskutiert. Ist ein Klang, schon Musik ? Ich verneine das, aber anscheinend gibt es viele die anderer Meinung sind.

    Wo das Problem ist ? Die Ergüsse werden ja der Welt aufgedrängt, ähm angeboten und allein von der Quantität ist kaum noch ein durchkommen, bzw. aussuchen möglich, was jetzt Musik ist und was schlicht Krach.

    Es gibt Musik die ich ganz schrecklich finde, aber wo ich zumindest zugeben muß das es sich um Musik handelt. Heute wo selbst ungewollt erzeugte Sounds als Musik bezeichnet werden, gibt es eine Beliebigkeit die der Tod jedes halbwegs sinnvollen schaffens ist. Dann ist jeder versehentlich gemachte Bleistiftstrich auch mit Picasso gleichzusetzen.
    Gegen vieles was aus der sogenannten Electroszene kommt, ist "Schni, Schna, Schnappi" tatsächlich noch hohe Kunst.
     
  8. Klang = Musik? Jein IMO
    Ein Klang kann Musik in jenem seine Ohren sein.
    Aber wenn ich da an sowas hier denke
    https://www.sequencer.de/synthesizer/viewtopic.php?t=33077
    Sind dicke Klangteppiche, aber das ist keine Musik, sondern fällt unter Kakophonie.
    Sind "coole" Sounds, ist interessant, aber defintiv keine Musik.
    Damit ich Musik als jene empfinde muss ich mich darin fliessen lassen können. Schranz und Gabber ist IMO keine Musik mehr. Da wirds aber viele geben die was andres sagen.

    Liegt vieles auch irgendwo im Auge des Betrachsters.
    Man kennt das doch dass die heute 70j sagen, so vonwegen das sei keine Musik mehr (Techno etc) Wenn Ihr wisst was ich meine.

    Das ist ein Thema da scheiden sich die Geister, da wird man NIE auf einen gemeinsamen Nenner kommen.
     
  9. diese diskussion ist schon älter als dieses forum und wurde hier schon bis zum abwinken durchgekaut:
    es gibt einige sehr alte instrumente wie zb maultrommel oder didgeridoo, die im wesentlichen nur über klang klang und/oder rythmik artikuliert werden. jetzt kann man latürnisch viele totschag-argument für und wider rauskramen…

    kakophonie isses eher, wenn man endlos drüber streitet und dabei neben dem spass an der sache auch die toleranz flöten geht - auf der anderen seite jeder konserven-mainstram-mist bis in den himmel hochgelobt wird ;-)



    :roll: genüssliches furzen kann ja auch als musik durchgehen, vorallem weil jede menge erleichternde emotionen damit verbunden sind :harhar:
     
  10. Anonymous

    Anonymous Guest

    Hier, die Jungs von Wikipedia haben sich echt ne Mühe gemacht, Musik zu erklären. Ist genügend Stoff, um sich sogar sachlich über Einzelheiten zu unterhalten. Auch die Dynamik innerhalb der Entwicklungsgeschichte ist hübsch dargelegt. Das wäre dann hier zu finden: http://de.wikipedia.org/wiki/Musik

    Ich selber bin immer froh, wenn ich die gewünschten Tasten in der jeweils benötigten Geschwindigkeit treffe (gilt auch für Saiten), mir was halbwegs Gescheites einfällt, das ich nicht gleich wieder vergesse und das Zeug bezahlen kann, was ich unbedingt haben will. Wenn ich das alles hingekriegt habe, freue ich mich und da ist es mir egal, was Musik denn eigentlich genau ist :D
     
  11. Tasten :?: was issn das und warum muss man die auch noch treffen :?:


    ;-)
     
  12. schaf

    schaf -

    du baust ein beziehung zu ihnen auf ....polygamie halt...

    der wiki artikel ist gut ausgearbeitet
     
  13. Max

    Max aktiviert

    ...und ist kein Klang ueber eine bestimmte Zeitspanne auch Musik? (John Cage - 4:33)

    ...oder sogar nicht mal eine Zeitspanne? (John Cage - 0:00)
     
  14. schaf

    schaf -

    sowas wie "keine zeit" aber auch "kein klang" gibt es für mich nicht aber ich bilde mir ein, dass ich die aussage vom herrn cage begreife...

    absolute stille in so räumen die "akustisch tot" sind ist grausam und mir wir da schlecht und ein wenig schwindelig

    deswegen mag ich cage er bringt einen zum nach denken...
     
  15. Ich kenne Cage überwiegend vom Lesen und finde ich viele seiner anderen Ausführungen absolut faszinierend.
     
  16. Anonymous

    Anonymous Guest

    Ich habe dein Post aus dem anderen Thread mal hier beantwortet, weil das hier wohl besser reinpasst Psychotronic.

    Du meinst jetzt aber nicht wirklich ohne jeglichen Klang, oder ? "Alle Meine Entchen" geht auch mit nur einem Sinus und einer Orgelhüllkurven. Die Melodie bleibt auch bei grauenhaften Klängen noch erhalten und man erkennt sie.

    Ich habe in den letzten Tagen für mich festgestellt, dass es wohl sinnvoll ist, wenn ich das was ich in meinen Sachen mache, also wenn nicht der Zufall waltet, den tonalen Aspekt (ich hoffe das nennt man so) mehr herausschäle, weil so halten das viele eben nur für Klang/Sound. Mir gefällt das zwar, wird aber offensichtlich nicht verstanden. Ich will das wie, was und warum bez. meinem Kram auch nicht erläutern, habe aber begriffen das es so nicht auf dauer funktioniert und die Zeiträume in denen ich etwas mache wohl zu lang sind in dieser "Das am besten bis gestern Gesellschaft" wo alles im Eiltempo ablaufen muss, möglichst noch an einen festen Takt gebunden bzw. in einem festen Raster. Deshalb sollte ich das dann eben offensichtlicher gestallten. Mal sehen ob das klappt. Ach so, ich habe eben meist nur einen Akkord über den gesamten Zeitraum anliegen und mache alles andere über Automation der Synthese Parameter, also über die klangliche Ebene. Sage das nur falls du das noch nicht wusstest.
     
  17. John Cage ist der grösste Heuchler der Musikgeschichte. Dennn wenn er selber wirklich praktiziert hätte was er ständig gepredigt hat, hätte er die Klappe gehalten und garkeinen Ton "Musik" "komponiert". Denn seiner Meinung nach war der Strassenlärm vor seiner Wohnung in NYC ja schon Musik. Das mag von einer mystisch-spirituellen Perspektive aus ja durchaus stimmen -nur macht sich jemand, der diesen radikalen Standpunkt vertritt, als Musiker selber überflüssig. Cage hat es sich aber dennoch nicht nehmen lassen, sich für Kompositionsaufträge bezahlen zu lassen und für seine Konzerte Eintritt zu verlangen. Pseudomystische Heuchelei.

    "Wenn die Kunst im Weglassen besteht, ist es dann nicht die höchste Kunst, garnichts zu machen?"
    (Michael Ende, "44 Fragen an den geneigten Leser")
     
  18. EinTon

    EinTon -

    Er hat nicht nur 4:33 geschrieben...
     
  19. Ich halte solche Superlative ja gerne für eine Kinderei. Deine weiteren Ausführungen kommen mir auch so vor, als wüsstest Du nicht, wovon spirchst.

    Ich kenne Cage ironischer Weise (?) eher vom Lesen als vom Hören und kann Dir versprechen, sowohl Stücke, wie die genannten, als auch das eigene Komponieren trotz der Auffassung, dass wir Menschen von Geräuschen und damit Musik umgeben sind, passt alles zusammen.

    Auch das Ende-Zitat zeigt , dass Du nicht verstanden hast, worum es Cage ging. Es war nicht die Absicht deutlich zumachen, dass die "Kunst im Weglassen besteht", sondern es ging um die Bedeutung der Stille (also die Zeit zw. [musikalischen] Ereignissen) und die Frage, ob es sowas wie eine vollständige Stille überhaupt geben kann.

    Um Missverstädnisse zu vermeiden: Es ist mir völlig egal, was Du von Cage hälst. Was mich dagegen stört ist das Ausgeben von Halb- und Unwissen aus dem vor allem Ablehnung spricht als sachlich fundiertes Statement.
     
  20. "I have nothing to say and I am saying it."
    -John Cage

    Interessant auch in diesem Zusammenhang:

    "If you have nothing to say, you won't find it in music."
    -Keith Jarrett

    Soll sich jeder selber einen Reim drauf bilden. :)

    Danke, Dir auch einen wunderschönen Tag. :)
     
  21. Moogulator

    Moogulator Admin

    Das find ich an so Musikdiskussionen cool, es gibt keinen Konsenz, weil Musik mindestens so vielseitig ist wie deren Macher.
     
  22. gringo

    gringo aktiviert

    Du verwechselst das nicht mit einem Goa Openair?
     
  23. Anonymous

    Anonymous Guest

    :D

    Er hat aber recht. Religiöse Rituale sind ganz oben auf der Liste als Ursache für Musik unserer Vorvorfahren. Und um den wahren "Blick" zu kriegen, haben die ja ohne BTM-Gesetz noch keinen Anlass gehabt, auf irgendeine "Gabe der Götter" zu verzichten.

    Allerdings hat sich da nicht so viel dran geändert, wenn ich mir so manches Festival anschaue. Na ja, und Gesetze werden ja auch immer wieder mal "aktualisiert" :)
     
  24. Moogulator

    Moogulator Admin

    Das mit der Religion stimmt schon. Allein welche Musiker alles die 93 als Symbol nutzen und alles, was da dran hängt..
     
  25. Max

    Max aktiviert

    Du verwechselst ihn mit Schoenberg...
     
  26. Bei dem hat er ja lange studiert. Irgendwoher muss es ja kommen. :lol:

    Edit: Aber im Gegensatz zu Cage hatte Schönberg wenigstens konventionelle Harmonielehre begriffen. Mit anderen Worten: Er kannte wenigstens die Regeln, bevor er sie brach.

    Von Cage stammt ja die Aussage, dass Musik eine Frage der Hörbereitschaft des Hörers sei. (Hm, ob das auch für Analogklang gilt? :twisted:) Das ist ja wie wenn ein Koch sagt, Speise sei eine Frage der Essbereitschaft des Gastes, und z.B. einen alten Turnschuh auf dem Teller serviert.
     
  27. Max

    Max aktiviert

    Ich denke, Cage waren die Regeln durchaus auch bewusst...

    Persoenlich kann ich halt mit Cage sehr viel anfangen, mit Schoenberg dagegen kaum etwas. Ich moechte aber auch nicht ausschliessen, dass sich mir Schoenberg irgendwann noch erschliesst - oder dass ich Cage irgendwann doof finde.

    Wie auch immer, ich finde deine Aussagen sehr dogmatisch, da ist es natuerlich schwer Gedanken auszutauschen.
     
  28. Nachtrag: Cage ist mit dem Bestreben, seine Arbeiten auf östliche mystische Bewusstseinslehren zu beziehen (er hat ja auch eine Zeit lang Zen-Buddhismus praktiziert), so wie viele Westler gewissen fundamentalen Missinterpretationen verfallen, welche Ken Wilber als "Boomeritis-Buddhismus" bezeichnet und in seinem Buch "Integrale Spiritualität" so treffend beschreibt.
    Dessen Blütezeit war aber erst in den Sechzigern. In diesem Sinne war Cage immerhin seiner Zeit voraus. Wenigstens das muss man ihm zugute halten. :lol:
     
  29. Max

    Max aktiviert

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