3.11. OMD / Orchestral Manoeuvres in the Dark – Düsseldorf, Mitsubishi Electric Halle 2017

Ab nach Düsseldorf, ich bin eher spät – habe es aber doch noch gut geschafft, alle Parkplätze schon voll – gefühlt aber auch “in echt” – ich gehe eher selten in so große Hallen wie die Mitsubishi Halle, die in diesem Falle auch auf Electric nicht verzichten kann und will.

OMD live Düsseldorf
OMD live Düsseldorf

5 Euro fürs parken – wieso ist das nicht im Ticket mit drin? WTF? Naja, ich bin jetzt drin. Groß. Die Tribünen sind alle zugänglich und gar nicht so schlecht belegt.

Während ich eintrete spielt bereits Holygram. Die sind gar nicht so eine schlechte Wahl, sie haben ganz klar einen New Wave Sound, sehr 80s. Die minimale Anzahl von Bildern ist der Tatsache geschuldet, dass mit diesem Licht und diesem Handy die Menschen einfach eher schemenhaft und pixelig aussehen. Ich habe keine Kamera dabei. Das sieht dann leider eher so aus:

Holygram

Es gab sogar ein paar (wenige) schwarze Besucher, was auch zeigt, wie breit OMD insgesamt gewirkt haben. Hätte man mich gefragt, ob OMD oder Human League oder vielleicht Heaven 17 die größere Halle füllen könnten, hätte ich vielleicht falsch geraten, Human League spielten in deutlich kleinerem Rahmen. Aber zurück zu Holygram, deren Gesang doch in manchen kleinen Passagen etwas in die OMD-Richtung zeigte passten gut dazu – oh, ist das alles lange her aber sie erinnern einfach sehr an Dinge, die A Flock of Seagulls und andere weckten, aber nicht nur die. Sie sind eine klassische Band mit Gitarre, Bass und Synth (offenbar ein Roland JX3P) und es schien gut zu gefallen. Ich stehe jetzt in der neunten Menschenreihe, der festere Kreis um die Bühne ist noch nicht so eng. So voll ist es dann nicht aber voll genug. Jetzt ist Umbaupause und gegen 20:00 klatschen einige. Es ist übrigens nett, wie freundlich die sind, kein Gedrängel, man ist fair zueinander und lässt genug Abstand, auch einige Paare finden sich nach Getränkeholen™ wieder. Das sind alles Leute in meinem Alter und schlimmer – unter 35 ist hier vermutlich kaum jemand. Es geht aber sicher im Durchschnitt gut über die 40 hinaus. Das ist genau die Menge, die OMD von “damals” kennen und zwar als sie “klein” waren. Damit ist deren Anforderung vielleicht doch eher “alte Sachen”? So rattert es im Kopf, denn zu tun ist nichts. Man muss nicht kämpfen und nicht quetschen. OMD Hörer sind nicht Rockenrohl™. Übrigens gibt es keine bestimmte Optik, wie man so als OMD-Mensch aussehen muss oder sollte. Nicht Wave, nicht irgendwie dark geprägt, was zeigt – die waren Pop und haben es einfach mehr geschafft als andere Synthpop-Bands, von denen es natürlich neue und alte gibt, aber – wer von denen füllt diese Halle? OMD hat es jedenfalls geschafft.

So gegen 20:00 geht es los. Grünes Licht. Der Rest ist schwarz und es gibt “La Mitrailleuse” und ein bisschen “Art eats Art” und Vögel aus “Ghost Star” als Intro. Future. Die Band betritt die Band. Hinten stehen zwei Native Instruments “Workstations” mit Rechner und Keyboard – in der Mitte das Schlagzeug. Andy bekommt je nach Song Bass oder Gitarre “reingereicht” – oder ist “frei”.

Andy spricht mit uns und ist absolut gut drauf – auf Deutsch! “Heute neue Lieder, alte Lieder”.
Es stimmt, es gibt einiges von der neuen CD Punishment of Luxury (inkl. dem Titelstück), What have we Done (mit Paul Humphries als Sänger), überhaupt wird “Herr Humphreys” gelegentlich nach vorne gebeten und Andy McCluskey zieht sich hinter den Synth, also eigentlich den Controller mit Rechner zurück. Es gibt auch einfach neue Sounds, Syncs und Britzel gabs bisher so “gritty” bei OMD nicht. Aber immer wieder die Kraftwerk’esquen Sequenzen mit kurzem Decay (also schnell) und – das klingt überzeugend und fett. Die Es ist eindeutig ein Highlight, wenn nach Tesla Girls (!) Andy einige Leute im Publikum anspricht “Neu! und Kraftwerk T-Shirt” – ja, Düsseldorf ist ihre spiriruelle Heimat. Wir fühlen uns wohl. Wir als Hörer übrigens auch, weil wir uns an vielen Stellen verstanden fühlen. Die wissen genau wo sie sind, was ihre und unsere Geschichte ist und wo sie hin gehören. OMD bringen Genetic Engineering. Zwischen den Songs kommuniziert Andy mit uns, trifft auch den Nagel, viele viele deutsche Worte und Sätze. Herr Humphreys, kommen sie… Forever live and die wird gespielt. Huch – was jetzt – das Licht geht aus, alle vier stellen sich in eine Reihe vorn auf, der Spot kommt von rechts – 2 haben kleine Keyboards, na – das kennen wir von Kraftwerks Taschenrechner – und genau das ist es auch, sieht sehr gut aus – es ist aber ein Hommage, keine Kopie. Überhaupt haben wir es hier mit einer intelligenten Pop-Musik-Band zu tun, nicht mit einem Clone, jedoch einer der sich klar zu seinen Wurzeln bekennt und die sind eben nunmal in Düsseldorf – die Leute wissen wann sie gemeint sind, auch bei kleinen nicht deutschen Einlagen spielen alle mit wie eine Maschine. Wir verstehen uns!

Der Sound jetzt ist sooo bekannt, ich habe ihn schon so oft gehört und mich damals gefragt – wie haben die das gemacht – Forschungsklang – das kaputte Melotron von Maid of Orleans! Nachdem der Drummer mit Recht beklatscht wurde durch einen extrem fetten Sound der Toms und entsprechend präzises Spiel. Und nach dem Song und dem davor bekommt der Drummer die Liebe in Applaus zurückgeklatscht. Ach, klatschen – es ist das einzige, was etwas komische Gefühle in mir auf bringt, wenn Leute alle Viertel klatschen schon zu Beginn. Muss man auf alles denn..? Doch, Andy will das auch später – Hände sagt er, Hände hoch! Ja, ja – es ist ja auch nicht mehr so schlimm, das war nur im Intro und etwas danach störend, wir sind ja nicht bei Helene. Also – ja, dann reißt Andys Charme auf – mit Blick auf die Songliste “ihr seit zu intelligent”, es kommt nämlich ein Lovesong, danach Locomotion vom Junk Culture Album und es wird etwas seichter.
Komisch, davor hatte ich etwas Angst, war aber doch gut, ohne Kitsch. Etwas, in das sogar VNV schonmal hinein treten. Also, Paul – we have a problem – zu intelligent, passt zu Düsseldorf. Nach gut anderthalb Stunden spielen sie Enola Gay, es ist vorbei. 21:30. Aber wie jede anständige Band kommen sie bald wieder – noch einmal 3 Stücke und Electricity beginnt als letztes, alle freuen sich, wir haben ja verstanden – wir kriegen was zum tanzen und was fürs Gehirn. Das haben wir bekommen. “1976” war das, was jetzt kommt, sagt er auf Deutsch. Eben jenes Electricity was OMD ins Leben rief mit dem alten Drumbox-Beat. Abschied während des Songs, die Beatbox läuft wieder während diese passiert und die vier die Bühne verlassen. Paul und Andy sichtlich befreundet, glücklich und mit Freude, die beiden Bühnenmusiker haben heute gezeigt, dass sie toll sind, Saxophon live, Drums die knallen wenn sie es sollen. Nun, nicht ganz 2 Stunden ist eine echte Leistung, sie haben es absolut genossen, wir auch. Die Halle lehrt sich irrsinnig schnell. Wie schnell das geht.

Technikzeug, Abbau und Krams..