Festival 22. - 23.9.2023 Berlin @ Silent Green: Future Soundcape Festival

ich gönnte mir ein wochenendticket für das festival und möchte hier meine eindrücke wiedergeben.

FR: als ich gegen 21 uhr eintraf war die Betonhalle noch leer. auf der bar/lounge-ebene eine halbe treppe höher saßen sich in einem kleineren raum Hannan Jones & Shamica Ruddock an einem tisch gegenüber. den grundstock ihres konzerts bildete ein sich minimal verändernder drone. als topping kamen die im RC 505 geloopten sounds ihrer preiswerten percussion-instrumente und alltagsgegenstände, die sie natürlich noch mit den üblichen hall- und echo-fx verzierten. auf eine wand wurden bilder und texte (?) projiziert. gefühlt alles in allem schon 100 mal erlebt.

erster auf der bühne der Betonhalle war Bruce, ein musiker/sänger aus London, der per handzeichen seine vorgefertigten tracks vom mann am mixer starten ließ. die musik war schon pop, aber sehr vertrackt und zu "arty", um mmn ein großes publikum zu erreichen. er kann singen und performte in seinem (DIY?) mantel-was-auch-immer-outfit beeindruckend auch mit tänzerischen mitteln synchron zu seiner musik. und die hatte es in sich, was komposition und sounds betrifft. was da aus den boxen geballert kam war erste sahne, vergleichbar etwa mit den sounds von Clark und Autechre. die kostproben bei youtube usw. sind auch schön, haben aber nicht die wucht und energie, die Bruce´ musik jetzt verströmt. seine texte handeln in erster linie von beziehungen aller art. der (mehrstimmige) gesang erinnerte mich an Animal Collective oder - noch früher - Sudden Sway.
war ich beim aufmacher noch skeptisch, hat er mich mit dem zweiten song abgeholt und mit seiner performance beeindruckt: Bruce? almighty!

nach kurzer pause kamen dann wieder ein laptop-only(?)-duo auf die bühne: upsammy & Jonathan Castro.
sie lieferten auch etwas wie Autechre, AFX o.ä. ab ohne mich wirklich zu überzeugen. nach soviel tempreichen abfeuern von sample-schnipseln in großer lautstärke hat´s mir dann auch gereicht für diesen abend. ich war müde und auch genervt von den leuten um mich herum, die alle miteinander quatschten - respektlos gegenüber den künstlern, als auch dem zahlenden und zuhörenden publikum.
den auftritt des letzten duos Zoë Mc Pherson + Alessandra Leone, das ich mir soundmässig ähnlich erwartete, konnte und wollte ich mir nicht mehr geben.

wenn ihr möchtet erzähl ich noch vom zweiten festivalabend.
 
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SA: Markus Popp a.k.a. Oval in der Betonhalle. ich freute mich mal wieder was von ihm zu hören. "Systemisch" fand ich damals ziemlich gut, von seinen in der zwischenzeit veröffentlichten alben habe ich kein einziges gehört. ich war also gespannt, wie sich seine musik seit 1994 so entwickelt hat. natürlich war auch er mit laptop und controller auf der bühne und es ging auch gleich zur sache: nur war die anlage irgendwie zu laut eingestellt. die glasklaren sounds, die ich von ihm kannte, hörten sich für mich alle übersteuert an. vielleicht war´s auch absicht, denn auch Ovals tracks (vom aktuellen album "Romantiq"?) gingen ziemlich ab, was sound und bpm betraf. auch Popp selbst war am controller mit vollem körpereinsatz zugange. gegen ende wurde es etwas bedächtiger und der sound wurde auch besser. ein solider auftritt und guter start in den abend.

nach einer halben stunde saß dann Sofie Birch hinter einem größeren Casio und anderem kram auf der bühne. im schoß hatte sie irgendein saiteninstrument, vielleicht eine kleine Zither? klang jedenfalls ganz schön zusammen mit ihrem sphärischen gesang und reichlich reverb. auch hier war ein looper im einsatz und es wurde layer um layer aufgetürmt. ich entfernte mich und machte es mir an anderer stelle gemütlich. ich dachte an yoga-matten und räucherstäbchen, saubere bäche und vogelgesang. auch an "Behind the Gardens ...", was keine häme ist, denn ich besaß das album damals auch und mag das Vollenweider-stück noch immer.
nach Ovals rauen und wilden geräuschcollagen tat der ruhige Sofie Birch-sound ohne beat eigentlich ganz gut.

nach einer weiteren pause erschienen dann die beiden künstlerinnen Klara Lewis & Nik Colk Void , die mir hier von @Donauwelle wärmstens empfohlen wurden. allein durch ihre präsenz wurde es gleich leiser in der halle. die leute, die es sich noch beim Sofie Birch-ambient vor der bühne in großen sitzsäcken gemütlich gemacht hatten, wurden wie ich mit einem superlauten weißen rauschen (die älteren werden sich noch an den fernsehsendeschluß erinnern ; )) aufgeschreckt. gleichzeitig sprangen zwei direkt ins publikum gerichtete stroboskope an. meine augen brauchten schon ein paar minuten, sich auf diese neue situation einzustellen.
musikalisch ging es dann aber richtig an los. drones, die sich zu zauberhaften obertonmelodien entwickelten, um dann unvermittelt durch ein rhythmisches sample beendet zu werden. das scheint ihr konzept zu sein: das publikum in sicherheit wiegen - nicht einlullen! - und dann wieder aufhorchen lassen. wie kerzenwachs, der auf die haut tropft. einen sekundenbruchteil schmerzhaft hinterlässt der wachs doch eine geschmeidige oberfläche - naja ...
etwa nach 30 minuten blieben sie dann aber ´ne weile bei tanzbaren 130+ bpm hängen. menschen, die bisher von der musik zur bewegung animiert und doch immer abrupt gebremst wurden, konnten nun über einige minuten tanzen. jedenfalls bis zum nächsten cut.
dieses großartige konzert von Klara Lewis & Nik Colk Void wurde auch durch die maßgeschneiderten visuals von Pedro Maia zum erlebnis.

dieser letzte auftritt war wohl nicht nur für mich der höhepunkt des festivals.
gutes timing der kurator:innen also, die mit der auswahl der künstler:innen wieder einmal ein gutes näschen hatten und ein großartiges festival auf die bühne brachten.

ich habe auch in diesem jahr mit gut einem dutzend gleichaltriger den altersdurchschnitt des wohl 200köpfigen studentischen publikums etwas nach oben verschoben. dem alter zuzurechnen ist wohl meine konzentrationsfähigkeit auf das dargebotene einerseits, aber auch meine niedrige toleranzgrenze gegenüber denjenigen, die diese nicht haben.
hoffentlich muss ich im nächsten jahr nicht wieder das bild des alten weißen mannes abgeben, der hier und da höflich aber bestimmt um ruhe bittet ; )
 
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