Kennt Ihr auch so viele mit Technik angebende Veröffentlichungsverweigerer?

Musik ist nur Hobby und ich nutze dazu gerne und viele Samples. Da will ich mir um Copyright keinen Kopf machen. Also veröffentliche ich nix. So einfach ist das.
 
veröffentlichen, wozu?

ich würde mit all meiner Musik, in einem Jahr , auf Spotify nichtmal das Geld für einen einfachen Cheeseburger bei McDonalds verdienen
Das klingt bei dir, als ob die Wörter "Veröffentlichung" und "Spotify" in irgendeinem nachvollziehbaren sachlichen Zusammenhang stehen würden.
Veröffentlichungen im bekannten Sinne (nicht im Wortsinn, um den geht es nicht) fangen für mich bei CDs oder Downloads bei Bandcamp an.

In der ursprünglichen Fragestellung sind derart viele Vorab-Vorwürfe versteckt (nicht besonders gut freilich), dass ich mir nur zwei Bemerkungen erlaube:
Synthesizer sind Musikinstrumente, keine Veröffentlichungsinstrumente. Von einem Klavier- oder Cellobesitzer werden auch keine regelmäßigen Veröffentlichungen (ja noch nicht mal Aufnahmen des Gespielten) erwartet, bloß weil heutzutage ja jeder via DAW alles selbst machen kann (was selbstverständlich ein draller Irrglaube ist), soll möglichst jede/r auch das Internet damit zukleistern?
Es gibt im Gegenteil schon viel zu viele Synthmusiker, die viel zu früh und ohne jede Selbstreflexion alles Mögliche irgendwo ausstellen (ja, sollte jemand auf meinen Soundcloud-Account kucken, wird da auch einiges aus dieser Kategorie stehen). Ich bin ehrlich gesagt dankbar für jeden solchen Beitrag, über den ich nicht versehentlich stolpere (von Demos mal abgesehen, das ist was anderes).
Sollte ich (solo - ohne die Hilfe musikalischer Freunde) mal irgendetwas Würdiges zustandebringen, das es wert ist, veröffentlicht zu werden, werde ich das auch tun - mein Höhlen-Video auf Youtube zähle ich ganz bewusst nicht als Veröffentlichung (die steht noch aus, dann nämlich als Blu-ray auf Bandcamp oder so).

Und mit Technik angeben werde ich IMMER - dafür sind wir doch hier!

Schöne Grüße
Bert
 
Ich leide weder an Selbstüberschätzung noch an Narzissmus... Warum sollte ich etwas "veröffentlichen" (wenn's im Internet weniger anhören als Nachbarn, wenn ich [zu] laut aufdrehen ;-))
 
Wenn ich mir vorstelle, ich könnte Gitarre spielen und würde im Hobbykeller ein bisschen Fuddelmusik machen, bin selber aber nicht Mark Knopfler und wüsste auch gar nicht wer das sein soll und mich fragt irgend jemand, der Mark Knopfler sein könnte, warum ich meine Musik nicht online stelle, dann gebe ich ihm diesen Spoller zu lesen. Man muss dazu wissen, dass ich die Musik von Mark Knopfler furchtbar finde. :cool:
 
Zuletzt bearbeitet:
Veröffentlichen bringt heute nichts mehr, es sei denn man hat Bock drauf sich musikalisch zu
prostituieren und seine Fratze ständig in die "digitale Öffentlichkeit" zu stecken, wobei Letzteres
wesentlich mehr Arbeit macht, als das Musikmachen selbst.

Verständlich, dass da die Motivation nicht mehr so groß ist.

Ich spiele und mache hier sauviel, mische und mastere teils für andere Bands,
habe sauviel Spaß daran herumzuprobieren, aber auch zu vergleichen, auf Forschungsreise zu gehen,
einfach nur mit der Gitarre oder Synth ein neues Hallplugin zu befeuern.
Der Großteil meiner Zeit ist es einfach vor mich hinzuspielen.
Ich habe sogar - und das nur aus bock - an verschiedenen Kursen der Tontechnik in meiner freien Zeit
teilgenommen, bin ausgebildeter Tontechniker, hab jahrelang bei relativ bekannten Gitarristen
Unterricht bekommen und arbeite dennoch nicht als Tontechniker oder stehe neben Kerry King auf der Bühne,
dafür hat es für ne handvoll Gigs in Kneipen gereicht - auch wenn ich mich dabei nicht so wohl gefühlt habe.
Bin halt kein Mensch, der gern in der Öffentlichkeit steht.

Mich nun in die Richtung eines mit Technik angebenden Veröffentlichungsverweigerers stecken zu wollen,
finde ich nicht nur frech, sondern auch perfide und sehr wahrscheinlich neidgetrieben.
Das geht jetzt nicht explizit an den TE, sondern der allg. Vibe im Forum, der von mehreren
Leuten ausgeht, bei verschiedenen Themen.

Ich hatte in meinem Leben viele VÖs und fast genauso viele Aliase, einiges auf Vinyl, einiges
auf namhaften Compilations, die man damals noch bei Saturn und co kaufen konnte und noch viel
mehr als Digitale Veröffentlichung, überwiegend Remixe, teilw. für sehr namhafte Künstler/DJs,
habe nebenbei einige DDC Top 20 Maxis gemastert ... naja, oder sagen wir mal laut gemacht -
Wirklich gut, von heutigem Standpunkt aus, war meine Arbeit nicht :D

Diese Zeit war für mich der Sweetspot. Ich konnte meinen Scheiss zuhause machen und musste
mich nicht um öffentliche Präsenz sorgen. Sowas macht mir einfach keinen Spaß.

Ist alles lange her, aber dennoch höre ich doch nicht auf Musik zu machen oder mir das aufgebaute Studio inkl. Erfahrung
von irgendwelchen Neidhammeln schlecht zu machen oder gar unterstellen zu lassen ich würde nichts auf die Kette
bekommen, was faktisch nicht stimmt. Ich habe meine Prioritäten verschoben, habe festgestellt, dass sich mit Musik
allein keine Aufmerksamkeit generieren lässt und nebenbei auch für mich den Weg gefunden meine Musik
nicht mehr aktiv anderen zu zeigen, ausser meine Idee-Müllhalde, aber was ich wirklich mache, kennt niemand aus
meinem Umfeld, auch hier nicht. Und ich fühle mich ziemlich wohl damit niemandem irgendwas beweisen zu müssen.

Zugegeben, es ist auch anstrengend, sich aus einer Diskussion, die in die Richtung geht irgendwie herauszuwinden,
da ständig immer irgendwer Beweise fordert, was für mich eigtl schon das Ende der Diskussion ist, da sie nicht
auf Augenhöhe geführt werden kann und ich mich nicht missionarisch verpflichtet fühle.

Input nimmt man mit, adaptiert es für sich, aber es geht nie darum, dass irgendwer Recht hat.
Das schöne an Musik und Musiktechnik ist, dass alles auf der rein subjektiven Ebene stattfindet.
Alles kann kontextabhängig als gut oder als schlecht dastehen und jeder hat nunmal seinen
eigenen Kontext.
 
Zuletzt bearbeitet:
Das klingt bei dir, als ob die Wörter "Veröffentlichung" und "Spotify" in irgendeinem nachvollziehbaren sachlichen Zusammenhang stehen würden.
Veröffentlichungen im bekannten Sinne (nicht im Wortsinn, um den geht es nicht) fangen für mich bei CDs oder Downloads bei Bandcamp an.


für mich nicht, aber leider für viele andere
Bandcamp , toll dort würde es dann mit Glück für einen Big Mac mit Pommes reichen

unter "Veröffentlichen". verstehe ich einen Release.... was Leute dann kaufen

als ich angefangen habe, habe ich davon geträumt mal etwas zu veröffentlichen
als die Sachen besser wurden, habe ich mich nicht getraut und dachte: ich brauche erst noch mehr Equipment
heute... lohnt es sich nicht mehr

wäre ich 10-20 Jahre früher geboren.... wäre ich vielleicht auf ZYX gelandet .... dem Spotify der 80er
da hätten wir nur das Problem gehabt, dass Gear sehr teuer und im Prinzip unerreichbar war....

man kann es drehen und wenden, es soll eben nicht sein

muss aber auch nicht sein, ich darf doch trotzdem Musik machen und die einem kleinen Kreis zu hören geben.... das würde ich eben nur nicht VÖ nennen
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich sage sofort: Schwieriges Thema, bei dem ich vermute, dass den einen oder anderen aus der Reserve locken könnte (Vielleicht auch mich?).
Ich habe vor ca. 6 Jahren erst, im Alter von bereits 48 Jahren mit Musik machen angefangen. Zuerst nur Epiano, über die Jahre hat natürlich GAS zugeschlagen und heute sind es über 30 Synthis/Grooveboxen, auch DIY und natürlich das ganze weitere Equipment wie Mixer, Spezialkabel, Ständer, etc..
Ist und bleibt aber alles nur Hobby und ich habe wenig Ambitionen auf Live-Auftritte hinzuarbeiten. Was ich aber mache, sind kleine Live-Jams im Wohnzimmer per Video aufzunehmen und dann bei Youtube hochzuladen. Einfach nur für mich selbst um einen schönen, kreativen Moment meines Lebens für mich und andere festzuhalten.
Ich habe immer mal wieder gleichgesinnte Menschen kennengelernt, die mir erzählen, dass sie Musik machen, sogar ähnlich wie ich. Sie erzählen mir stundenlang von der eingesetzten Technik, ihrem Gear, Software, Plugins, was ich natürlich sehr interessant finde. Aber wenn es zur Frage von mir kommt, wo kann man Deine Sachen hören/sehen, heißt es: Nirgendswo………
Komischerweise kenne ich mindestens 5 Leute mit diesem Verhalten. Ist das Zufall? Auf Nachfrage nach dem „Warum“ kommen relativ ausweichende Antworten: Zuviel Arbeit, zu schlecht, etc..
Aus meiner Sicht war es nie so einfach wie heute, seine „Kunst“ der Öffentlichkeit zu präsentieren. Youtube, Soundcloud, etc. . Ich habe sogar das Gefühl, dass es nie einfacher war als heute, eine Vinyl deines Schaffens pressen zu lassen. Aber das ist jetzt ein anderes Thema.
Womit ich auf meine anfängliche Frage im Threadtitel zurückkomme? Kennt ihr sie auch? Oder geht es nur mir so?
Bin auch 48, mache seit meinem 16 Lebensjahr Elektronische Musik. Lange Zeit nur aus Spaß, für eine Demoszene und kleine Releases auf Sampler Compilation und Netlabels. Wenn man in der Spirale mal drin ist hat man das Gefühl immer Output generieren zu müssen, zumindest ging es mir so. Nach Kind, Kranken Eltern und einer depressiven Phase hab ich nur noch Spaß an den Instrumenten an der Technik, wie bei einem Chemiebaukasten oder Fantasie Legoprojekt und dass ist gut so.
 
da hätten wir nur das Problem gehabt, dass Gear sehr teuer und im Prinzip unerreichbar war....

Wäre doch mal interessant gegenüberzustellen was heute der Durchschnitt über die Jahre
für PluginSales und Plugin Abos, evtl auch normale Vollversionen ausgibt und was Ende der
80er, Anfang der 90er ein Setup damals gekostet hätte, was so der damaligen Zeit entspräche.

Von mir ausgehend Techno... wie sah so´n Setup aus?
- nen mackie 1604
- nen Mittelklasse Kassettendeck
- ne 909 oder vergleichbare Drummachine
- nen Sampler
- 2 Multieffektgeräte, evtl alesis?
- nen günstiger Kompressor
- nen FM Synth
- ne 303
- nen jd800, alpha juni, juno 106 oder so

Und das wäre schon viel gewesen und wäre schon für gebraucht damals für 6000,- DM möglich
und entspräche ca 6300-7000€ heute kaufkraftbereinigt. Wenn ich mal alles überschlage, was ich so
in den letzten 20 Jahren für Software ausgegeben habe, wäre das mindestens das Doppelte, wenn nicht
sogar das Dreifache, also wäre das in etwa eine entspannter Invest damals von 5-7 Jahren.

Das war nciht unerreichbar, aber klanglich heute recht spannend
 
Es gibt im Gegenteil schon viel zu viele Synthmusiker, die viel zu früh und ohne jede Selbstreflexion alles Mögliche irgendwo ausstellen
Das erinnert mich an einen Roast vom Statistik-Prof vor ewigen Zeiten - glücklicherweise war ich nicht der Grund: "Bevor Sie im Plenum eine Frage stellen, überlegen Sie erst einmal, ob das für andere auch relevant ist."

Muss man nicht so sehen - kann man aber. Aufmerksamkeit ist eh ein ultra knappes Gut, warum also diese Luft für sich beanspruchen, ohne sich wenigstens ernsthaft darum zu bemühen, dass das Produkt auch einen allgemeinen Wert hat.
 
Und das wäre schon viel gewesen und wäre schon für gebraucht damals für 6000,- DM möglich
und entspräche ca 6300-7000€ heute kaufkraftbereinigt.
Stimmt schon - bloß war ich damals 15 und da hatte es gerade für einen ST und einen D10 gereicht. 🤷‍♂️ Ein paar Jahre später stand da auch ein Tascam 4-Spurgerät, ein Polysix und ein Ensoniq Mirage. Hat Spaß gemacht, aber an "professionelle" Veröffentlichungen war nicht wirklich zu denken (Talent und etwas Erfahrung braucht man ja auch noch). ;-)
 
sicher hätte man sich mitte der 80er Jahre Analoge Synths und Drummachines kaufen können ...ich meine so ist House/Techno/Acid entstanden
wenn man älter war und Geld verdient hat

aber doch nicht als Schüler oder Lehrling!! da hätte man eisenhart sparen, nebenjobs und verwandte anbetteln müssen
Was ist mit Moped, Autoführerschein, 1. Auto, Klamotten, Platten , Party?? Nein, nein.... nicht jeder hatte reiche Eltern
 
Haben andere doch auch geschafft udn viele kamen da ausm Untergrund/Arbeiterviertel.

Alles ging in die Musik. Hab ich auch gemacht. Jobben während der Schule, erstes Lehrlingsgehalt war der Yamaha CS1x 1996.
Andere gingen feiern, Mofateile kaufen, ich hing daheim am PC :D Ging sogar schon mit dem Konfirmationsgeld los.
Erstes Keyboard geschenkt bekommen. Technics AX-5 .. da stand sogar Synthesizer drauf. Die 4 Spuren, die das Ding konnte
mussten im Sequenzer unquantisiert per Hand eingespielt werden.

Obwohl ich da schon spät dran war. Ich wäre gerne min. 10 Jahre älter
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich kenne das aus beiden Richtungen: Ich habe schon Leute (vergeblich) zu Veröffentlichungen ermuntert und bin auch selbst schon ermuntert worden, ohne das sofort umzusetzen.

Ich frage mich auch manchmal: wozu veröffentliche ich überhaupt ab und zu was?

Die eigene Freude, wenn ich glaube, etwas Schönes zustande bekommen zu haben … Die möchte ich dann gerne teilen. Da ist zwar auch Ego im Spiel (ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass zwei, drei oder zehn Daumen hoch mich nicht freuen würden), aber da Musik machen für mich weniger "Leistung" ist als vielmehr "erfolgreiches Experimentieren", ist diese Freude nicht unbedingt so sehr Zufriedenheit mit mir selbst (ich weiß selbst, dass ich als ewiger Amateur viel mehr Produktions-Skills "bräuchte", um "konkurrieren" zu können …), sondern eher begeistertes Staunen darüber, was da entstanden ist. Weil es mich selbst inspiriert und folglich potenziell auch andere – aber das ist vom Zufall abhängig. Ich bringe was in die Welt, was vorher nicht da war – ist das nicht wunderbar?

Ich hatte eine Zeit Anfang der 90er, als ich, nach Jahren in g/b/dr-Bands, mit elektronischer Klangerzeugung anfing und überhaupt nicht wusste, "wie man das macht" – ich hatte keine Ahnung von Studiotechnik und Produktion, und genau diese Unbedarftheit war es, die direkt zu Ergebnissen und ein paar VÖs auf Source Records bzw. km20 führte … gerade weil mein Zeug neu und frisch war und sich nicht sklavisch an den gerade gängigen Hörgewohnheiten oder Produktionsstandards orientierte, sondern meine eigene, spielerisch entwickelte Interpretation von "elektronischer Musik" darstellte. In der Zeit gab es kein youtube und keine Webforen, noch wusste nicht jeder immer und überall alles über weltweit jede Musik, sondern man kannte nur einen kleinen Teil dessen, was auf Platte oder CD rauskam – die Zeit war in dem Moment genau reif für einen wie mich, und ich war in der richtigen Stadt und im richtigen Umfeld dafür. Es hat einfach alles gestimmt. Die Bestätigung durch ein so feines Label war eine wunderbare Erfahrung, die mich bis heute trägt, und ich bin immer noch super-dankbar für die Freundschaft und die damals geschenkt erhaltene Möglichkeit, Musik zu veröffentlichen und auch in Clubs aufzulegen.

Ich weiß aus meiner Erfahrung, dass eine VÖ zum genau richtigen Zeitpunkt mit ein bisschen Glück Interesse bei Leuten wecken und sogar Resonanz erzeugen kann. Einmal war es eine Vinyl-Platte, die ich selbst rausbrachte … Geld kostet das natürlich, aber Musik ist mir heilig und spielt für mich in einer komplett anderen Kategorie. Deswegen verdiene ich mein Gear mit einem Beruf, der nichts mit Musik zu tun hat.

Zusammengefasst: Also, warum nicht?
Selbst Null Resonanz würde mich nicht unbedingt abhalten, aber ein bisschen Interesse hilft schon sehr :)
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich hatte eine Zeit Anfang der 90er, als ich, nach Jahren in g/b/dr-Bands, mit elektronischer Klangerzeugung anfing und überhaupt nicht wusste, "wie man das macht" – ich hatte keine Ahnung von Studiotechnik und Produktion, und genau diese Unbedarftheit war es, die direkt zu Ergebnissen und ein paar VÖs auf Source Records bzw. km20 führte … gerade weil mein Zeug neu und frisch war und sich nicht sklavisch an den gerade gängigen Hörgewohnheiten oder Produktionsstandards orientierte, sondern meine eigene, spielerisch entwickelte Interpretation von "elektronischer Musik" darstellte. In der Zeit gab es kein youtube und keine Webforen, noch wusste nicht jeder immer und überall alles über weltweit jede Musik, sondern man kannte nur einen kleinen Teil dessen, was auf Platte oder CD rauskam – die Zeit war in dem Moment genau reif für einen wie mich, und ich war in der richtigen Stadt und im richtigen Umfeld dafür. Es hat einfach alles gestimmt. Die Bestätigung durch ein so feines Label war eine wunderbare Erfahrung, die mich bis heute trägt, und ich bin immer noch super-dankbar für die Freundschaft und die damals geschenkt erhaltene Möglichkeit, Musik zu veröffentlichen und auch in Clubs aufzulegen.

Das ist genau der Vibe, der mir heute fehlt.

Insb. die entregionalisierung von Musik war nicht besonders förderlich. Weder für einen Künstler selbst, noch für den Hörer.
Ich vermisse regelrecht diese Zeit - nicht, weil ich zurückmöchte, das wäre ja auch heute möglich, wenn diese Umstände nicht
so "beschissen" wären. Dieser digitale Mist, globalisiert verteilt, macht einfach nur noch müde. Von der Pluginflut, über musikalische
Überstimulation der Streamingplattformen, bis hin zu Werbevideobefeuerung auf Youtube. Egal, ob als Musiker, Produzent, Konsument,
Urlauber, Autoliebhaber, Hobbyist, egal welches Thema - du wirst ständig daran erinnert alles mögliche zu verpassen.

Der eine geht darin auf, der andere unter.
 
Haben andere doch auch geschafft udn viele kamen da ausm Untergrund/Arbeiterviertel.

ja in Chicago, wo es Triftstores gab , wo man 1985 für 50$ ne 808 oder 303 kaufen könnte

aber wo ich wohnte.... da gab es ein Musikgeschäft, da gabs für 100 Mark vielleicht ne Mundharmonika


Alles ging in die Musik. Hab ich auch gemacht. Jobben während der Schule, erstes Lehrlingsgehalt war der Yamaha CS1x 1996.

na, wir reden ja von einer anderen Zeit
1984 waren Synthesizer nicht für Lehrlingsgehälter zu haben


1996 habe ich auch angefangen ... zu spät
 
Ich kenne das aus beiden Richtungen: Ich habe schon Leute (vergeblich) zu Veröffentlichuzngen ermuntert und bin auch selbst schon ermuntert worden, ohne das sofort umzusetzen.

Ich frage mich auch manchmal: wozu veröffentliche ich überhaupt ab und zu was?

Die eigene Freude, wenn ich glaube, etwas Schönes zustande bekommen zu haben … Die möchte ich dann gerne teilen. Da ist zwar auch Ego im Spiel (ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass zwei, drei oder zehn Daumen hoch mich nicht freuen würden), aber da Musik machen für mich weniger "Leistung" ist als vielmehr "erfolgreiches Experimentieren", ist diese Freude nicht unbedingt so sehr Zufriedenheit mit mir selbst (ich weiß selbst, dass ich als ewiger Amateur viel mehr Produktions-Skills "bräuchte", um "konkurrieren" zu können …), sondern eher begeistertes Staunen darüber, was da entstanden ist. Weil es mich selbst inspiriert und folglich potenziell auch andere – aber das ist vom Zufall abhängig. Ich bringe was in die Welt, was vorher nicht da war – ist das nicht wunderbar?

Ich hatte eine Zeit Anfang der 90er, als ich, nach Jahren in g/b/dr-Bands, mit elektronischer Klangerzeugung anfing und überhaupt nicht wusste, "wie man das macht" – ich hatte keine Ahnung von Studiotechnik und Produktion, und genau diese Unbedarftheit war es, die direkt zu Ergebnissen und ein paar VÖs auf Source Records bzw. km20 führte … gerade weil mein Zeug neu und frisch war und sich nicht sklavisch an den gerade gängigen Hörgewohnheiten oder Produktionsstandards orientierte, sondern meine eigene, spielerisch entwickelte Interpretation von "elektronischer Musik" darstellte. In der Zeit gab es kein youtube und keine Webforen, noch wusste nicht jeder immer und überall alles über weltweit jede Musik, sondern man kannte nur einen kleinen Teil dessen, was auf Platte oder CD rauskam – die Zeit war in dem Moment genau reif für einen wie mich, und ich war in der richtigen Stadt und im richtigen Umfeld dafür. Es hat einfach alles gestimmt. Die Bestätigung durch ein so feines Label war eine wunderbare Erfahrung, die mich bis heute trägt, und ich bin immer noch super-dankbar für die Freundschaft und die damals geschenkt erhaltene Möglichkeit, Musik zu veröffentlichen und auch in Clubs aufzulegen.

Ich weiß aus meiner Erfahrung, dass eine VÖ zum genau richtigen Zeitpunkt mit ein bisschen Glück Interesse bei Leuten wecken und sogar Resonanz erzeugen kann. Einmal war es eine Vinyl-Platte, die ich selbst rausbrachte … Geld kostet das natürlich, aber Musik ist mir heilig und spielt für mich in einer komplett anderen Kategorie. Deswegen verdiene ich mein Gear mit einem Beruf, der nichts mit Musik zu tun hat.

Zusammengefasst: Also, warum nicht?
Selbst Null Resonanz würde mich nicht unbedingt abhalten, aber ein bisschen Interesse hilft schon sehr :)
gut beschrieben..
bei mir war es ende der 90er in B....
ich hatte damals mein ersten gehversuche mit nem atari st, tascam 4 spur und einem k11 gemacht.
meine erste vö ist wirklich "nur" mit 606/707 mks 50/tx81z/ms 404 und einem studiomaster 16 channel welches rauchte und krachte,
einem hall und einem bodentreter delay enstanden.
nach heutiger sicht natürlich "etwas gewöhnungbedürftig" was soundspektrum und abmischung angeht,
trotzdem war ich damals stolz wie bolle, und habe mich dann einfach ständig weiterentwickelt mit gear und sound/mischung.
ist ja auch schön, eine entwicklung zu sehen.. ;-)
 
Zuletzt bearbeitet:
Meine Liste oben bezog sich auf Ende 80er/Anfang 90er, nicht 1996
ja
Da sind wir wieder an diesem Punkt:
da hätte man eisenhart sparen, nebenjobs und verwandte anbetteln müssen

Was ist mit Moped, Autoführerschein, 1. Auto, Klamotten, Platten , Party??


hätte man viel mehr wollen müssen... als nur wollen
im Sinne von ...ich wünsche mir nichts mehr als das und tue alles dafür....
verzichte dafür auf alles andere und werde jede Klinke putzen die es gibt
Information, Kontakte , Beschaffung,.... das war doch alles viel viel schwerer und aufwandsintensiver

1984 auf dem Land war Musikproduktion ... ein Traum in weiter Ferne

ich wollte ein Keyboard/ Synthesizer.... mein Vater meinte: du kannst ja nichtmal Blockflöte....

1994 sah es schon anders aus
 
Wo es gerade technisch wird – habt ihr denn früher etwas veröffentlicht, wo es noch nicht so war, dass es eigentlich "egal" war? Also meiner Ansicht vor 2006 spätestens.
 
Nochmal kurz eine Anmerkung zum Threadtitel:

Dieser suggeriert, alle Technik begeisterten die nichts veröffentlichen sind Angeber.

„Veröffentlichtluchungsverweigerer“ ist ebenso äußerst negativ behaftet.

Es gab auch mal den Begriff „Wehrdienstverweigerer“. Letztere mussten alternativ Zivildienst leisten und haben mE in Altenpflege oder Behindertenbetreuung mehr zum Gemeinwohl beigetragen als sich der allabendlich auf der Stube besaufende Wehrdienstleistende.

Moralisch müsste man eigentlich dem Wehrdienstleistenden „Zivildienstverweigerer“ unterstellen.

PS: Ich war W12 Wehrdienstleistender und habe miterlebt wie die Bundeswehr „volkswirtschaftlichen“ Schaden anrichtet. Könnte jetzt einen Roman an Punkten aufzählen, weiß aber nicht ob ich mich rechtlich dann auf Glatteis bewege. Nur folgendes Beispiel:
Wie kann/konnte es sein, dass Wehrdienstleistende per Fahrbefehl besoffene Offiziere (=hoch besoldete Staatsbeamte) auf Staatskosten an ihre Privatadressen fahren müssen?
 


Neueste Beiträge

News


Zurück
Oben