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Kunst und Finanzierung

Das hat jetzt nicht direkt mit Synthesizern zu tun, aber irgendwie dann doch.


 
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  • #61
Das ist unter anderem meine Motivation, weil ich davon aus gehe, dass das schon angedeutete Szenario eh passieren wird, dass die Kulturförderung nicht nur stirbt, sondern hier sehr spezielle Maßstäbe angelegt werden. Analog dazu wäre, wenn man nur Mozart fördert, weil alt und Synth geht nicht weil ist zu neu, gibts erst seit 50 Jahren - das ist nicht gut.

Eine Jury und sowas - das wäre schwer und eine Kommission die bestimmt, was würdig ist?

Das alles ist problematisch bis hin zu "Staatskunst" - das hatten wir - sowas will wohl auch keiner. Kunst ansich ist mir zwar lieber als keine, aber da miuss man sehr gut überlegen, wie schwer Kultur wiegt. Und auch, was uns verloren geht, wenn wir ernsthaft nur noch verteidigen oder nur subventionen bringen für Dinge, die ansich keine Grundversorgung sind. Da gäbe es ausreichend Beispiele für aus vielen Bereichen.

Würde unbedingt dazu noch sagen - ganz allgemein wird zu viel über Geld definiert - manches wäre auch schon anders, wenn wir unsere Stadt oder unsere Möglichkeiten als "wir" begreifen würden. Solang es wirklich offen ist und wir eher über Kunst reden als nur Krieg und Straßenverkehr.
ich verkürze das - vermutlich werden aber viele drauf kommen, was gemeint ist.

Der schlanke Staat ist natürlich oft, ähnlich wie Technologieoffenheit und noch mehr entBürokratisierung leider heute ein Subtext, der eher politisch ist.
Würde man das wirklich so meinen - und wirklich sinnlose Bullshit Jobs, Verwaltung und Co - so organisieren ,dass wir die Leute wirklich frei hätten für gutes Zeug und das nicht automatisch Armut bedeutete oder zB. Leuten mit Hilfebedürftigkeit nicht helfen, weil die Kasse nicht stimmt - wären wir nicht mehr sozial.
Ja- sowas kann man auch über Menschlichkeit reglen, so denn alle menschlich sind und handeln.

Aktuell scheint mir aber eher das erste zu sein wenn Leute entlastet werden eine andere Gruppe diesen Teil eher argwöhnisch beäugen. Das IST bereits Politik.
Und - deshalb muss man da viel reden, ich glaube sogar, dass es gut wäre, wenn wir uns die Zeit nähmen und dennoch Lähmungen verhindern - im Zweifel geht es weiter und man hilft, weil man anständig ist. Nett ist, Liebend ist.
Ja, und da gibt es etliche Optionen sehr zu stolpern - ich denke es würde sehr schwierig sein und werden.
Aber das ist spannend und gibt Chance zu ganz neuen und menschlichen Optionen, ..
Kultur muss nicht dasselbe wie nutzlosen Käse zu finanzieren.
Mir wäre es sogar lieb, wenn es keine Gelder für 1-2 Themen der Mode ginge, sondern es wieder wirklich um Kunst geht - nicht um eine "bezahlte Message", die ggf. gut gemeint ist.

Hoffe, dass das überhaupt noch besprechbar ist - denn ich müsste es nur ein wenig anders beschreiben und wir hätten sämtliche Dinge enthalten, die heute Leute gegeneinander laufen lässt.


Wenn wir wüssten ,wie viel Power ein Typ hat, der einfach engagiert etwas tut - ohne "Geld", so kann man weiter kommen, wir müssten nur leider eine sehr kluge und liebevoll handelnde Welt haben - damit das geht. Und ich meine diese Worte nicht lustig, ich meine das so.
Das ist fast das Wichtigste, denn technokratisch könnte man das was ich hier skizziere schwer bis gar nicht lösen.

Und viele denken auch so.
 
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M.i.a.u.: sllk
  • #62
Wenn wir wüssten ,wie viel Power ein Typ hat, der einfach engagiert etwas tut - ohne "Geld", so kann man weiter kommen, wir müssten nur leider eine sehr kluge und liebevoll handelnde Welt haben - damit das geht. Und ich meine diese Worte nicht lustig, ich meine das so.
Das ist fast das Wichtigste, denn technokratisch könnte man das was ich hier skizziere schwer bis gar nicht lösen.
Von solchen Menschen gibt es in Deutschland ganz viele. Die nennen sich Ehrenamtliche und machen das in ihrer Freizeit. Für die Gesellschaft.
 
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M.i.a.u.: Rolo, robworld, JanTenner und eine weitere Person
  • #63
Ja, auf jeden Fall - aber ich meine nicht mal sowas wie bewusst Helfen sondern auch - gemeinsam "ein Haus bauen", eine Brücke oder irgendwas oder simplere kleinere Sachen - man arbeitet am Ende ohne Nachdenken für alle - idealerweise also bemerkt einer das da irgendeiner am Auto Zeug abschraubt, dass dann sofort Hilfe da ist, man hilft wenn irgendwo der Strom fehlt und zwar mit sinnvollen Mitteln - es kann wirklich auf kleinster Ebene sein.

Ohne so organisierte Dinge..

Klar, ideal klaut keiner Autos oder zerstört sie, weil eh jeder jedem positiv gesinnt ist und so handelt.
Das ist natürlich "naiv" - das passiert nicht, solang alle nicht eher alle gegen alle machen - so wie jetzt - das war schonmal besser - im Extremfall stülpen sie dir aber dann auch wieder ihre Moral auf und so weiter.
Das ist also extrem schwer zu machen - und zu behalten.

Im Kleinen - wie im Großen.
Aber um alles dankbar, egal was.
 
  • #64
Ja, auf jeden Fall - aber ich meine nicht mal sowas wie bewusst Helfen sondern auch - gemeinsam "ein Haus bauen", eine Brücke oder irgendwas oder simplere kleinere Sachen - man arbeitet am Ende ohne Nachdenken für alle - idealerweise also bemerkt einer das da irgendeiner am Auto Zeug abschraubt, dass dann sofort Hilfe da ist, man hilft wenn irgendwo der Strom fehlt und zwar mit sinnvollen Mitteln - es kann wirklich auf kleinster Ebene sein.

Ohne so organisierte Dinge..

Klar, ideal klaut keiner Autos oder zerstört sie, weil eh jeder jedem positiv gesinnt ist und so handelt.
Das ist natürlich "naiv" - das passiert nicht, solang alle nicht eher alle gegen alle machen - so wie jetzt - das war schonmal besser - im Extremfall stülpen sie dir aber dann auch wieder ihre Moral auf und so weiter.
Das ist also extrem schwer zu machen - und zu behalten.

Im Kleinen - wie im Großen.
Aber um alles dankbar, egal was.
Nun ja. Das klappt auf Dörfern vielleicht noch ganz gut. Wobei... als meine Schwester und ihr Ex-Mann vor langer Zeit in ein Dorf zogen, haben sie sich auch recht bewusst von den Dörflern ferngehalten. Mein Ex-Schwager war beruflich viel unterwegs, Dorf-Feuerwehr und so ging zeitlich nicht und da hatte er auch keinen Bock drauf. Waren im Kopf eben doch eher Städter. Fanden die Dörfler wohl auch eher doof. Eben unterschiedliche Welten.

Jedenfalls: in der Stadt helfen... ich sehe das ja hier bei uns, Neubau-Siedlung. Als wir hier alle neu vor 17 Jahren hingezogen sind, da gab es eine Familie, die hat jedes Jahr ein Sommerfest für unsere Ecke organisiert. Beim Aufbau haben ein paar geholfen, beim Abbau dann weniger. Gekommen sind von 55 Parteien unserer Gemeinschaft immer nur etwa die Hälfte. Der Rest wollte wohl eher nichts mit der Nachbarschaft zu tun haben. Ging ein paar Jahre, dann hatten die eine Familie auch keine Lust mehr, dass sie immer alles organisieren muss. Und seit dem gab es kein Sommerfest mehr.
Selbst bei privaten Partys ist das schon ein Problem. Wir haben auch ein paar Partys gemacht, diverse Nachbarn eingeladen. Kamen auch gerne... nur selber haben sie nie Partys gemacht. Mitnehmen ist okay, aber selber machen ist zu viel Aufwand.

Und wenn es schon bei solchen Sachen hakt, dann dürften noch größere Projekte noch wesentlich schwieriger werden.

Vermutung: unsere Gesellschaft spaltet sich immer mehr in spezielle Interessensgruppen auf, so dass man immer weniger Gemeinsamkeiten hat bzw. es immer schwieriger wird, Dinge auszurichten, an denen dann auch viele teilnehmen und sich beteiligen wollen. Selbst so einfache Sachen wie gemeinsames Grillen werden gefühlt immer komplizierter, weil es immer jemanden mit Empfindlichkeiten oder Einschränkungen gibt. Der eine will kein Schwein essen, der andere gar kein Fleisch, der dritte hat irgendwelche Unverträglichkeiten gegen bestimmte Mehle oder Gemüse... und so ziehen sich die Leute immer mehr zurück und machen nur noch ihr Ding und ein großes Ganzes gibt es nicht mehr.
 
  • #65
Ja, das ist auch was, was sich auch projezieren lässt auf andere Gemeinschaften - wenn einer zu viel machen muss und andere das "ausnutzen" oder aber man etwas zurückgezogener denkt etc. - dann wird das schwieriger und auch ich bin eher nicht so der Vereinstyp. Selbst in der Schweiz wählen auch nicht alle obwohl sie es alle dürfen.

Manchmal ist man auch mehr und weniger eingespannt oder fühlt sich nicht "dabei" und sowas ist und kann man nicht erzwingen, da hast du Recht.

Ich fänd auch schlimm, wenn ständig jemand hier vor der Tür steht und Eier oder sowas haben will - wer nicht anständig einkaufen kann, der nervt dann auch und sitzt anderen auf dem Schoß. Aber - das berühmte Ding mit dem Werkzeug zB - so eine Bohrmaschine braucht man in so einer Siedlung von 17 Leuten selten gleichzeitig, also wenn es da nur eine gäbe, sparen viele Resourcen.

Aber das ist schon drei Ecken weiter - hier würde ich eher schon ausreichend finden, das minimale bei Kunst und Support zu prüfen und das ist meiner Ansicht erstmal das möglichst niedrigschwelligen umsetzen-können.
Hilfreiches leichter, anderes schwerer, was eher belastet.

Jeden Tag laute Party hätte ich auch keine Lust - besonders wenn das so stumpfer Kram ist, Demomuckentechnoschlager was auch immer.
Da muss man eine gute Mitte von "Lust" bis "Hilfe" bis "Offen dafür" finden
Schlimm wird's wenn der Küchendienst verteilt wird - Wie in WGs, die Egoismen einiger würden mich dazu treiben hier und da doch lieber allein zu wohnen, aber wenn es verbunden ist und man so hilfreich ist - dann ist das gut, deshalb muss man nicht alles offen haben müssen.

Es muss also Optionen geben. Daher fand ich die Idee mit Gewerbe und Kunst zu machen, die Geräusche macht durchaus sinnvoll.
 
  • #66
Der schlanke Staat ist natürlich oft, ähnlich wie Technologieoffenheit und noch mehr entBürokratisierung leider heute ein Subtext, der eher politisch ist.
Würde man das wirklich so meinen - und wirklich sinnlose Bullshit Jobs, Verwaltung und Co - so organisieren ,dass wir die Leute wirklich frei hätten für gutes Zeug und das nicht automatisch Armut bedeutete oder zB. Leuten mit Hilfebedürftigkeit nicht helfen, weil die Kasse nicht stimmt - wären wir nicht mehr sozial.
Ja- sowas kann man auch über Menschlichkeit reglen, so denn alle menschlich sind und handeln.
Der schlanke Staat ist sicher auch ein Politikum. Es werden ja z.B. auch unzählige NGOs (die in Wirklichkeit gar nicht so "N" sind) finanziert, die dafür da sind, eine bestimmte Message in die Breite zu tragen. Das gibt keiner freiwillig auf, egal in welcher politischen Fraktion, kostet aber viel Geld (von uns allen). Es geht beim "Schlanken Staat" nicht darum, Leute für andere Aufgaben frei zu bekommen, sonderun darum, unnötige Kosten (und Kostenempfänger) schlicht loszuwerden und wieder dem Markt zuzuführen.
Und selbstverständlich muss Leuten geholfen werden, die unverschuldet in Not geraten sind (Unfall, Behinderung usw.) Aber halt nicht unbedingt Leuten, die locker auch einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen könnten, die der "Markt" (das sind wir alle) benötigt.
Andreas
 
  • Zustimmung
M.i.a.u.: robworld
  • #67
Ah, verstehe - du willst einfach auch das nicht zwangsweise in "Kultur bitte bei K einsortieren" bringen.
So wie eine Wand, die man besprühen "DARF".

Ich meine nur, dass man nicht Kunst und Kultur auschließlich darüber definieren sollte, dass man sich eine temporäre autonome Zone schafft, in der zufällig auftauchende Aktionskünstler zufälliges Zeug machen und niemand vorher weiß, ob 3 oder 3000 Zuschauer kommen und wer hinterher wieder aufräumt.

Man ist nicht gleich hoffnungslos verbürgerlicht und verblödet nur weil irgendwas auch mal nach Plan abläuft.

Wenn man öffentliche Fördergelder erhalten will, dann ist das halt einfach so, dass man dazu ein Konzept vorlegen muss wo Ziel des Projekts, verplante Fremd- und Eigenmittel usw. drinstehen, und sich dann auch streng daran halten und das hinterher dokumentieren muss, sonst gibt es nämlich nächstes Jahr keine Fördergelder mehr. :)

Das mit dem Selbermachen und Unabhängigsein rennt bei mir offene Türen ein, aber mit einem Durchschnittseinkommen lässt sich halt kein Haus kaufen und ein Theater darin betreiben.
 
  • #68
Ich fänd auch schlimm, wenn ständig jemand hier vor der Tür steht und Eier oder sowas haben will - wer nicht anständig einkaufen kann, der nervt dann auch und sitzt anderen auf dem Schoß. Aber - das berühmte Ding mit dem Werkzeug zB - so eine Bohrmaschine braucht man in so einer Siedlung von 17 Leuten selten gleichzeitig, also wenn es da nur eine gäbe, sparen viele Resourcen.
Nee, ich habe von einem Sommerfest im Jahr gesprochen, nicht Party jede Woche. Aber selbst einmal im Jahr scheint für manche Menschen schon zu viel zu sein.
 
  • #69
Das ist spätestens einfach Politik - weil natürlich gibt es hier ja auch nur den Status als e.V. - also indirekter Erleichterung.
Hier muss es politisch werden, wenn es darum geht besondere Dinge in der Demokratie zu ändern oder genau aufrecht halten, Transparenz einfordern oder zB. Umwelt erhalten und so weiter oder den Wald, die Natur etc.
Das "passt" in dieses Thema KULTUR und KUNST eher nicht rein, da das mit NGO nichts zu tun hat - denn das ist eine andere Lage und vermutlich schwer in Richtung klassischer Politikideen zu besprechen - kann man - aber das geht eher weg von unserem Thema m.E.
Mir wäre auch recht, wenn nicht jede Sekte so viel Support bekommt ;)

Was dahinter steht ist natürlich Förderung von Dingen, die freiwillig gemacht werden, ob sehr große "Konzerne" draus werden ist so eine Sache - siehe sehr alte Dinge - die aber alle im politischen Bereich liegen. Denen wird auch kein Geld gegeben, die haben nur andere Formen als die Kapitalgesellschaften. Das ist einfach der Hauptunterschied. Von Stiftungen würde ich hier allerdings nicht reden - die sind gern für extrem Wohlhabende - darüber kann man reden, gehört aber auch in Teilen zu sehr politischen Themen wie Erbschaft und Co - anderes Thema.

Ob man jetzt Fußballvereine oder Menschen mit Kreativ-Synth-Krams fördern möchte? Für einen, der keinen Bock hat, ggf nicht, aber Sport ist prinzipiell etwas für alle. Hoffe, es wird klar, wieso ich das poste - Wenn wir jetzt über Demokratie sprächen und was wie wo abbiegt - dann sind wir raus aus dem Thema Musik/Kunst. Fördern ist wirklich nur, dass man eben keine GbR braucht sondern eher e.V. - daher nicht verwechseln.

Kosten erzeugen diese NGOs idR nicht, die werden nämlich dann idR. gemeinnützig und dürfen keine Gewinne machen. Ein Leseverein für Rentner oder für Kinder - das sollte man in so einem Status lassen, ebenso einem Club, der zB Müll weg räumt oder sowas. Menschen die sich für Tiere engagieren - sowas ist ganz sicher für keinen ein Problem, wenn man das als eV. laufen lassen kann. IDR wollen die auch kein "Geld verdienen".

Die Hilfen für Leute - da sind wir uns einig, das ist das klassische Sozialsystem und das klassische Krankenwesen bzw. Pflege.
Da geht es auch weit raus, denke aber da werden auch schräge Geschäfsmodelle noch unterstützt, statt manches im freien Markt trotzdem zu kaufen, manche Preise drehen dann durch - zB für CPAP Geräte, die ggf. genau so bei "Amazon" zu kaufen sind - etc.
Das ist aber zu simpel das so durchzuchecken, dazu bin ich auch nicht Experte genug - da beobachte ich aber sehr viele Nischen-Sachen wie Dentallabore. Es sollte helfen, ggf. eher auch gemeinnützig arbeiten aber gut genug sein, nicht schlechter, nicht aus Gold.

Der schlanke Staat hat viele Falltüren - daher - ein vorsichtiges Prüfen aber nicht jeden Schitt mitzuschleppen - klar!
Da gibts sicher Dinge.

Aber Kunst so stützen - das sollte mindestens so gut laufen wie Sportförderung.
Es gibt auch Filmförderung. Darüber kann man trefflich streiten - aber manches davon spielt auch wieder Geld ein.
Ich würde schon viel neu prüfen, ob das eher privatwirtschaftlich klappen kann oder ob es ein Schutzraum sein muss oder sein sollte.

Ja, auch manche Musik ist kleiner und nicht so gut besucht aber wirklich toll - ich besuche solche Konzerte und Events auch - und ich freue mich, wenn es das gibt, aber vieles hängt auch da schwer an bestimmten Leuten, die das antreiben.
 
  • #70
Zum Abschluss möchte ich Euch gerne die Vita von Charles Ives ans Herz legen.

Oh toll, du hast ein Gegenbeispeil gefunden, wo jemand mal Künstler und gleichzeitig Ameisenerewerbsarbeiter fürs kapitalistische System ist.

Und wer keine Versicherungsverträge an seine Nachbarn verkaufen will, der ist halt
selbst schuld wenn er hungert.

Und was ist mit den vielen Leuten, die vor lauter Abhängigkeit von ihrem Bullshit-Job keine Kunst (oder Wissenschaft oder Carearbeit) machen können? Geht uns genau da nicht viel verloren?
 
  • #71
Ich meine nur, dass man nicht Kunst und Kultur auschließlich darüber definieren sollte, dass man sich eine temporäre autonome Zone schafft, in der zufällig auftauchende Aktionskünstler zufälliges Zeug machen und niemand vorher weiß, ob 3 oder 3000 Zuschauer kommen und wer hinterher wieder aufräumt.

Man ist nicht gleich hoffnungslos verbürgerlicht und verblödet nur weil irgendwas auch mal nach Plan abläuft.

Wenn man öffentliche Fördergelder erhalten will, dann ist das halt einfach so, dass man dazu ein Konzept vorlegen muss wo Ziel des Projekts, verplante Fremd- und Eigenmittel usw. drinstehen, und sich dann auch streng daran halten und das hinterher dokumentieren muss, sonst gibt es nämlich nächstes Jahr keine Fördergelder mehr. :)

Das mit dem Selbermachen und Unabhängigsein rennt bei mir offene Türen ein, aber mit einem Durchschnittseinkommen lässt sich halt kein Haus kaufen und ein Theater darin betreiben.
Das hatte ich auch nicht angesagt oder "gefordert" allerdings - finde ich auch ok, dass nicht alles von irgendwelchen Stadtgremien gemacht werden muss - da muss schon jemand auch was tun, oder eine Gruppe - wenn man PECH hat, läuft da nur Rock, so wie hier im Ort - die beiden offenen Kulturstätten haben nie Elektrokram im weiteren Sinne auf dem Plan - und wenn jetzt aber sich jemand engagiert - und dann geht das - dann reicht das - wenn in Schnabulalingen keiner Bock hat und alle lieber Drehleier und Gitarre wollen, dann gibt es eben das.

Es braucht in der Tat trotzdem Räume und geschützte Locations - die können frei sein, aber ich bin sicher, dass die meisten Bühnen durchaus brauchen. Wenn die nur aufm Dort sind, glaube ich da auch nicht dran, dass da Elektrokultur rein geht - die stehen sogar eher leer, also muss das da sein wo es geht und denke nicht, dass das sehr schlimm wäre - denn genug Arbeit gibt es auch, sodass man sich da keine Sorgen machen, dass da zu viel Quatsch passiert.

Es geht nicht um Riesentöpfe - dennoch darf vielleicht für Projekte auch mal sowas passieren - aber erstmal geht es nur um das Mögliche, das Möglichmachen. Es kann schon sein, dass man da auch nur mal nen Slot hat und nicht gleich alles platzt - ich zB kenne auch nicht immer Leute, die auch Getränke ausschenken und an der Tür stehen ;)
Es gibt jetzt schon immer weniger Fördergelder - um die geht es mir gar nicht mal - ich gehe davon aus, dass aktuell die politische Situation sehr dagegen spricht - ich wäre schon mit ein paar Läden pro Stadt recht froh - und das die nicht nur durch die Stärkeren besetzt werden und nicht nur Standardtechno oder Mainstream abgeht.

Ich habe auch schon einiges gemacht, was mit viel eigenem Machen zu tun hat oder hatte - wenn ich dann Leute mit rein nehme, dann sollen die auch nicht nur mitschwimmen sondern können ja auch gern mal beim aufräumen helfen, dann schaffen wir das auch.
 
  • #72
Selbst bei privaten Partys ist das schon ein Problem. Wir haben auch ein paar Partys gemacht, diverse Nachbarn eingeladen. Kamen auch gerne... nur selber haben sie nie Partys gemacht. Mitnehmen ist okay, aber selber machen ist zu viel Aufwand.
Wer weiß – vielleicht hilft Dir einer der Nachbarn, die Deine Einladung nicht erwidert haben, eines guten Tages mit einer Fähigkeit, die nur er hat, oder leiht Dir ein spezielles Werkzeug…

Vermutung: unsere Gesellschaft spaltet sich immer mehr in spezielle Interessensgruppen auf, so dass man immer weniger Gemeinsamkeiten hat bzw. es immer schwieriger wird, Dinge auszurichten, an denen dann auch viele teilnehmen und sich beteiligen wollen. Selbst so einfache Sachen wie gemeinsames Grillen werden gefühlt immer komplizierter, weil es immer jemanden mit Empfindlichkeiten oder Einschränkungen gibt. Der eine will kein Schwein essen, der andere gar kein Fleisch, der dritte hat irgendwelche Unverträglichkeiten gegen bestimmte Mehle oder Gemüse... und so ziehen sich die Leute immer mehr zurück und machen nur noch ihr Ding und ein großes Ganzes gibt es nicht mehr.
Ich gehöre zu den Menschen mit "irgendwelchen Unverträglichkeiten gegen bestimmte Mehle": Bei mir wurde im letzten Sommer eine Zöliakie festgestellt – seitdem geht nun mal nichts mehr mit Gluten (normales Brot, Gebäck, Pasta usw.), aber da ich auf die Scheißsymptome (im Wortsinne) keinen Bock habe, geht der Verzicht völlig in Ordnung.

Ja, das macht gemeinsames Essen für mich schwieriger, aber deswegen verzichte ich doch nicht auf das gemeinsame Beisammensein, sondern bring mir im Zweifelsfall mein eigenes Essen mit.

Geht alles.

Blöd wird es nur, wenn ich mir dann Scheißhausparolen wie "schon klar, das haben jetzt ja wohl irgendwie alle" um die Ohren gehauen werden. Oder ich mir anhören muss, dass wegen mir alle ein schlechtes Gewissen haben, weil ich keinen Alkohol trinke. Das sind die Dinge, die einen an den Rückzug aus Gemeinschaften denken lassen – und dazu führen, dass "große Ganze" verschwindet.
 
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M.i.a.u.: elbonzoseco
  • #73
da muss schon jemand auch was tun, oder eine Gruppe

Ich seh das teilweise "politisch", aber es hat auch etwas mit "Kunst" und deren Wesen und Qualität zu tun.

Denn was ist denn die Alternative dazu, dass man z.B. ein Theaterprojekt, was 150k im Jahr an Kosten verursacht, mit städtischen Mitteln fördert?

Es gibt genau 2 Alternativen dazu:

1.) Es geht nicht, bzw. wenn es schon existiert, muss es schließen.

2.) Man muss es privatwirtschaftlich betreiben und die Eintrittspreise steigen dann von 10 Euro auf 200 Euro.

So lange wie der Staat den Verkauf von Autos mit Subventionen fördert, kann er auch Theater, Konzerte, Ausbildung, Studium oder Krankenhäuser finanzieren.

Wenn irgendwas zuerst weg muss, dann ist es das mit den Autos, denn die Gewinne der diversen daran beteiligten Konzerne fließen in Form von Dividenden und Zinsen einfach nur direkt in die Taschen von Menschen, die selbst nichts zur gesellschaftlich notwendigen Arbeit beitragen.

--- langer Gedankenstrich ---

Neuer Aspekt: Es wird nicht nur massiv gekürzt in letzter Zeit, sondern es wird in den letzten Jahren auch immer weniger abends ausgegangen. Kulturveranstaltungen haben teilweise mehr als 10% Rückgang zu verzeichnen in den letzten 3 oder 4 Jahren.

Wo weniger Nachfrage ist...
 
Zuletzt bearbeitet:
  • #74
Das lässt ein paar gute Gedanken zum Thema zu:
1) nehmen wir an ich mag nur Neue Musik, einige abgefahrene Stile und langweile mich sofort bei Rock, Techno und Mainstream.
2) ich bekomme bei Volksfesten faktisch nichts, was mir gefällt
3) Ich kann nichts dafür, dass mir das nicht gefällt

Frage - sollen die die dem Volksfest mehr abringen können nicht bedient werden?

Ich denke, sie sollten auch dran kommen, dafür darf so 1-3) Zeug AUCH bedient werden, vielleicht dann eben etwas kleiner, weniger - aber auch.
Natürlich ist es klar, dass du nichts für die Unverträglichkeit kannst - gilt auch für zB Veganer, wobei die könnten ja …
Die Leute, die spezieller versorgt werden müssten, werden eben kleinere Lösungen finden, aber sollten Platz haben.

Das wäre ein leicht hinkender aber sinnvoller Vergleich - um zu zeigen -
das alles ist machbar und verteilbar.
Wir reden bei Nahrung von Grundbedürfnissen, bei Kunst - würde ich ebenfalls das Recht auf anderen Geschmack und Bedürfnis auch für sinnvoll, selbst wenn das nur ein kleiner Raum für 30-40 Leute ist, da würdest du deine Nahrung bekommen im Übertragenen Sinne.

Vermutlich würde man die Bedarfe checken und es einigermaßen gut hin bekommen.
Natürlich ist kaufen und umsetzen von Musikgenuß und Essen nicht zwingend an eine Volksküche gebunden oder eine Art Volksfest, was eben auch Musik spielt, die ich super finde und mögen könnte. Also der Jazzkeller mit dem Synthoffen-Programm muss nur da sein.
Die Essensoption - das wird schwerer, weil ich nicht meine, dass man das in Hallen machen muss - siehe auch Schulessen - man kann auch dafür sorgen, dass einfach alles da ist für alles was notwendig ist, dann können die ihr Essen mitbringen und die Leute können sich das auch leisten.

Kultur ist etwas was oft "gemeinsam" passiert, Essen muss das nicht.
 
  • #75
Oh toll, du hast ein Gegenbeispeil gefunden, wo jemand mal Künstler und gleichzeitig Ameisenerewerbsarbeiter fürs kapitalistische System ist.

Und wer keine Versicherungsverträge an seine Nachbarn verkaufen will, der ist halt
selbst schuld wenn er hungert.

Und was ist mit den vielen Leuten, die vor lauter Abhängigkeit von ihrem Bullshit-Job keine Kunst (oder Wissenschaft oder Carearbeit) machen können? Geht uns genau da nicht viel verloren?
Und was wäre Dein Gegenvorschlag? Jeder, der in irgendeiner Form Bedürftigkeit anmeldet oder eine künstlerische Neigung in sich verspürt, wird vom Staat unterstützt? Und am Ende ist Deutschland dann arm, aber sexy? Oder muss vor eine Kommission, um seine Kunst zu präsentieren? Dann schreien auch einige, dass das ungerecht wäre.

In meinen Augen gibt es keine Lösung, die alle gleichermaßen berücksichtigt und nicht eine Seite zugunsten einer anderen benachteiligt. Das gäbe es tatsächlich nur, wenn kein Mensch mehr für Brot und Unterkunft arbeiten gehen müsste. Vom Nahrungsreplikator, sich selbst heilenden Systemen und Energie ohne Ende sind wir aber noch weit entfernt.
 
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M.i.a.u.: robworld und AndreasKrebs
  • #76
Wenn irgendwas zuerst weg muss, dann ist es das mit den Autos, denn die Gewinne der diversen daran beteiligten Konzerne fließen in Form von Dividenden und Zinsen einfach nur direkt in die Taschen von Menschen, die selbst nichts zur gesellschaftlich notwendigen Arbeit beitragen.
Du hast vergessen, dass die Autoindustrie mit allem, was daran hängt, der größte Arbeitgeber in Deutschland ist. Könnten wir ja mal eben schließen, rund 800.000 neue Arbeitslose. Die können dann ja alle auf DJ umschulen ;-)
 
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M.i.a.u.: robworld und AndreasKrebs
  • #77
Ich seh das teilweise "politisch", aber es hat auch etwas mit "Kunst" und deren Wesen und Qualität zu tun.

Denn was ist denn die Alternative dazu, dass man z.B. ein Theaterprojekt, was 150k im Jahr an Kosten verursacht, mit städtischen Mitteln fördert?

Es gibt genau 2 Alternativen dazu:

1.) Es geht nicht, bzw. wenn es schon existiert, muss es schließen.

2.) Man muss es privatwirtschaftlich betreiben und die Eintrittspreise steigen dann von 10 Euro auf 200 Euro.

So lange wie der Staat den Verkauf von Autos mit Subventionen fördert, kann er auch Theater, Konzerte, Ausbildung, Studium oder Krankenhäuser finanzieren.

Wenn irgendwas zuerst weg muss, dann ist es das mit den Autos, denn die Gewinne der diversen daran beteiligten Konzerne fließen in Form von Dividenden und Zinsen einfach nur direkt in die Taschen von Menschen, die selbst nichts zur gesellschaftlich notwendigen Arbeit beitragen.

--- langer Gedankenstrich ---

Neuer Aspekt: Es wird nicht nur massiv gekürzt in letzter Zeit, sondern es wird in den letzten Jahren auch immer weniger abends ausgegangen. Kulturveranstaltungen haben teilweise mehr als 10% Rückgang zu verzeichnen in den letzten 3 oder 4 Jahren.

Wo weniger Nachfrage ist...
dann hast du die Diskussion "neues Klo für die Schule, kein Schwimmbad oder eine Aufführung von eineinsnulls Oper für 3 Synthesizer und Moogulators Britzepop-Synthfonie - aber alle kosten Geld, das kann ja Eintritt kosten. Ggf. gefördert sein für bestimmte Leute.
Es gibt da viele viele Wege, sowas zu tun,

Ich würde schon sagen - das Klo muss sein für die Kinder - das muss halt dann sein,
Die Kultur braucht ja nicht unbedingt 150k - sondern erstmal einen Raum, ggf. reicht es schon, dass es statt finden kann und nicht immer alles finanziert werden muss - ich gehe auch jetzt zu Konzerten, einige davon kosten 20, andere 30, sogar auch 60 bis 80€ ..
Es gibt sie - und es gibt schon Unterschiede, wie wichtig und Grundlegend das jeweils ist.
Ich will auch nix für nen Hosenkonzert abdrücken müssen, aber ich habe absolut nichts dagegen, wenn der Laden wo das abgeht eben nicht mit Steuern und Co belegt ist- Musik und Kunst sollte eine Sonderbefreiung haben.
Ob jede hohle Ballermannparty so laufen soll? Nun, wenn es Kunst und Kultur ist, dann ok, und ich würde hier sogar etwas offener sein als bei anderen Themen - das kostet uns als Gesellschaft nicht sehr viel.

Ob jetzt unbedingt ein Till Schweiger Film von unseren Steuern komplett finanziert werden soll?
Also darüber kann man reden ;)
 
  • #78
Wer weiß – vielleicht hilft Dir einer der Nachbarn, die Deine Einladung nicht erwidert haben, eines guten Tages mit einer Fähigkeit, die nur er hat, oder leiht Dir ein spezielles Werkzeug…
Nun ja, da der Kontakt auch insgesamt nicht großartig besteht, werde ich das wohl nie rausfinden, ob die Leute spezielle Fähigkeiten haben.

Blöd wird es nur, wenn ich mir dann Scheißhausparolen wie "schon klar, das haben jetzt ja wohl irgendwie alle" um die Ohren gehauen werden. Oder ich mir anhören muss, dass wegen mir alle ein schlechtes Gewissen haben, weil ich keinen Alkohol trinke. Das sind die Dinge, die einen an den Rückzug aus Gemeinschaften denken lassen – und dazu führen, dass "große Ganze" verschwindet.
Wenn Du Dein Essen selber mitbringst, ist das ja völlig in Ordnung. Nur kann man schlecht als Gastgeber alle möglichen Varianten berücksichtigen, die möglich sind. Das wird dann irgendwann zu viel und man lässt es ganz. Wenn ich in meine Nachbarschaft gucke, da gibt es alle möglichen Religionen, Weltanschauungen, Krankheiten und Allergien. Selbst bei der Musik gibt es unterschiedliche Geschmäcker. Wird schon schwierig. Also lade ich nur noch Leute ein, die mir ähnlich sind - was natürlich auch nicht gut ist für eine Gemeinschaft.
 
  • #79
Und was wäre Dein Gegenvorschlag? Jeder, der in irgendeiner Form Bedürftigkeit anmeldet oder eine künstlerische Neigung in sich verspürt, wird vom Staat unterstützt?

Erstens, warum eigentlich nicht. (Die Frage ist ernstgemeint.)


Und zweitens, Menschen, die BWL studieren um ein erfolgreicher Versicherungsmakler zu werden, werden ja auch vom Staat unterstützt.
Erst bezahlt der Steuerzahler ihnen ein Studium für 100k, dann bekommen sie einen KfW Kredit für 500k und setzen ihn in den Sand. Dann bastelt der Staat ihnen VWL, Riester und Rürup-Produkte und bewirbt diese sogar für sie, damit sie selbst ein überdruchschnittliches Einkommen mit ihrer weitesgehend sinnlosen Tätigkeit als Versicherungsmakler "verdienen" - ohne auch nur einen einzigen Euro selbst investiert oder mal eine halbe Stunde geschwitzt zu haben.

Jetzt vergleich das mal gegen die 700 Euro brutto, die der kleine 110 vom Amt bekommt, und für die er bis vor kurzen als Gegenleistung in Vollzeit soziale Arbeit ohne Auftrag gemacht hat.

Oder mit der alleinerziehenden Mutter von 5 Kindern.

Was den Steuerzahler wohl billiger kommt? Wovon er wohl mehr hat, weil er auch etwas zurückbekommt?


Drittens... warum arbeitet ein Komponist in Vollzeit als Versicherungsmakler? Braucht man das, um leben zu können? Um leben zu können muss msn das doch höchstens halbtags machen.

Wer das also tut, der macht das um mit dem Sportwagen in den Urlaub zu fahren, und nicht weil er das braucht um zu komponieren oder zu malen.

Oder muss vor eine Kommission, um seine Kunst zu präsentieren? Dann schreien auch einige, dass das ungerecht wäre.

Nun, um aufs irische Modell zurückzukommen, dabei geht es ja um Menschen, die durchaus ihre Kunst zum Erwerbszwecke ausüben.

Ungeachtet meiner Kritik daran ist das doch ein gesunder Kompromiss zwischen beiden Welten.

Kunst vom Fließband, die sich nur noch aufgrund von geschicktem Marketing durchsetzt, so wie wir das z.B. bei Populärmusik haben, braucht doch niemand.

Aber das können Leute, die diese Trugbilder von "verkauft sich gut = also ist es gut" oder "diese Arbeit wird bezahlt, also ist sie mehr wert als andere Arbeit" pflegen, natürlich nicht verstehen, da müssten wir erst mal 3 Wochen darüber streiten, was Wirtschaft eigentlich ist und wer bestimmen soll, wie gearbeitet wird.

In meinen Augen gibt es keine Lösung, die alle gleichermaßen berücksichtigt und nicht eine Seite zugunsten einer anderen benachteiligt. Das gäbe es tatsächlich nur, wenn kein Mensch mehr für Brot und Unterkunft arbeiten gehen müsste.

Ja, dann lass uns das doch machen.

Ein BGE führt auch ganz automatisch dazu, dass der Reiche und der Arme sich dafür nicht gegenseitig beneiden müssen, denn das bekommen ja alle. :)
 
Zuletzt bearbeitet:
  • #81
Ja, dann lass uns das doch machen.

Ein BGE führt auch ganz automatisch dazu, dass der Reiche und der Arme sich dafür nicht gegenseitig beneiden müssen, denn das bekommen ja alle. :)
Nur mal so: wenn 83 Millionen Einwohner jeden Monat 1200€ BGE bekämen, wären das 99,6 Milliarden Euro. Das wären rund 1,2 Billiarden Euro im Jahr - bei Steuereinnahmen von rund 990 Milliarden. Das war es dann wohl mit Bildung und Kultur.
 
  • Daumen hoch
M.i.a.u.: robworld und AndreasKrebs
  • #82
das ist völlig realitätsfern...
Natürlich ist das völlig realitätsfern. Wie gesagt, zeig mir bitte jemand einen Roboter, der ein Marmeladenbrot in gleicher Geschwindigkeit wie ein Mensch schmieren kann. Selbst Pizzalieferungen mit Drohnen sind schon schwierig, wenn dabei alle Wetterlagen berücksichtigt werden sollen. Es gibt einzelne Roboter, die Spezialaufgaben übernehmen, die für Menschen vielleicht zu gefährlich sind. Oder wo immer die gleichen Schritte zu erledigen sind, Fabrikroboter zum Schweißen z.B. Aber der normale Alltag ist für die heutigen Roboter immer noch zu komplex. Und wie lange ist man da schon am Forschen.
 
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M.i.a.u.: Kick
  • #83
Noch ein paar Aspekte:
Wenn eine Gesellschaft den erheblichen Produktivitätszuwachs durch KI/Robotics missversteht und glaubt, ab nun ohne menschliche Arbeit auszukommen, wird sie in einer globalen Welt sehr schnell von der Gesellschaft abgehängt, die den Produktivitätszuwachs durch menschliche Arbeit hebelt. Dann ist das Paradis ganz schnell wieder vorbei.
Weiterhin ist Arbeit in vielen Fällen sinnstiftend. Wir sollten versuchen die gefährlichen oder monotonen Tätigkeiten maschinell zu ersetzen, aber nicht anstreben, dass die Menschen ohne Arbeit irgendwie über die Runden kommen. Wie oben geschrieben hat gemeinsame Arbeit seit der Höhlenzeit die Menschen geprägt.
Kunst erschaffen ist dabei genauso Arbeit, wie Fahrräder reparieren oder anderen Menschen etwas beizubringen. Nur mit Kunst werden wir aber wahrscheinlich nicht genügend Einnahmen erzielen, um die notwendigen Importe finanzieren zu können.
 
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M.i.a.u.: robworld und AndreasKrebs
  • #84
Oh toll, du hast ein Gegenbeispeil gefunden, wo jemand mal Künstler und gleichzeitig Ameisenerewerbsarbeiter fürs kapitalistische System ist.
Ach, es gibt sehr viele Beispiele von Künstlern, die sich selbst um die Finanzierung ihrer künstlerischen Tätigkeit gekümmert haben.

Und wer keine Versicherungsverträge an seine Nachbarn verkaufen will, der ist halt
selbst schuld wenn er hungert.
Es ist keineswegs unmoralisch, Versicherungen zu verkaufen. Aber es ist schon moralisch fragwürdig, arbeiten zu können und sich trotzdem von all denjenigen durchfüttern zu lassen, die sich für die Arbeit nicht zu fein fühlen.

Und was ist mit den vielen Leuten, die vor lauter Abhängigkeit von ihrem Bullshit-Job keine Kunst (oder Wissenschaft oder Carearbeit) machen können? Geht uns genau da nicht viel verloren?
Und nein, ich glaube nicht dass uns allzu viel verloren geht. Wenn ich mit blutenden Ohren anhöre, was uns z.B. die Möglichkeit, heute elektronische Musik praktisch kostenfrei zu erstellen und vertreiben so an "Highlits" gebracht hat, dann glaube ich umso mehr: Wer für seine Kunst hart arbeiten, sparen und kämpfen muss, wird überzeugendere Ergebnisse abliefern (Talent mal vorausgesetzt).

Andreas
 
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M.i.a.u.: robworld und serge
  • #85
Kunst erschaffen ist dabei genauso Arbeit, wie Fahrräder reparieren oder anderen Menschen etwas beizubringen.
So allgemein formuliert wirft das für mich noch zu viele Fragen auf, zum Beispiel:

Der Fahrradladen geht pleite, wenn er schlechte Arbeit leistet. Wie soll das in dieser Utopie mit dem Künstler laufen? Darf der allein seiner Muse frönen, egal wie die Gesellschaft das künstlerische Resultat findet? Gibt es dann gute Kunst ( = Künstler wird bezahlt) und schlechte Kunst ( = Künstler wird nicht bezahlt), und wer entscheidet das?
 
  • #86
So allgemein formuliert wirft das für mich noch zu viele Fragen auf, zum Beispiel:

Der Fahrradladen geht pleite, wenn er schlechte Arbeit leistet. Wie soll das in dieser Utopie mit dem Künstler laufen? Darf der allein seiner Muse frönen, egal wie die Gesellschaft das künstlerische Resultat findet? Gibt es dann gute Kunst ( = Künstler wird bezahlt) und schlechte Kunst ( = Künstler wird nicht bezahlt), und wer entscheidet das?
Also in meiner persönlichen Utopie entscheidet das beim Fahrradladen wie beim Künstler der Kunde.

Andreas
 
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M.i.a.u.: robworld und serge
  • #90
Geht in Deiner Utopie (bzw. der von @e-online) der Künstler pleite, wenn seine Kunst nicht angenommen wird?
Es ist nicht als Utopie gemeint, sondern Stand heute gemeint: Kunst ist genauso eine ehrenwerte Arbeit wie andere Tätigkeiten auch. Es gibt aber auch keinen Anspruch darauf, dass jeder Kunst machen kann und ihn die Gesellschaft dafür finanziell unterstützt.

Da bietet unsere soziale Marktwirtschaft schon ein gutes Rahmenwerk durch Angebot und Nachfrage in Kombination mit einem Sozialsystem für Menschen, die darauf angewiesen sind. Künstler, deren Kunst kommerziell nicht erfolgreich ist oder die nicht das Glück haben, in wenige geförderte Projekte zu kommen, müssen eben noch einen anderen Job für den Lebensunterhalt bestreiten. Warum soll die Gesellschaft beliebig viel Kunst fördern?

Ich bin für Kunstförderung. Da es sich um Steuergelder handelt, muss man akzeptieren, dass es dafür einen Auswahlprozess und kein Grundrecht auf Förderung gibt. Genauso wie es kein Anrecht auf eine Bezahlung im Sport gibt oder eine Förderung für den 5. Fahrradladen in einem Ort.
 
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M.i.a.u.: robworld, sllk, Moogulator und 3 andere

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