Bei Gemeinnützigkeit bin ich immer skeptisch, besonders wenn sich das Thema jenseits des "sozialen Bereichs" bewegt.
- So etwas zieht, vorsichtig formuliert, nicht unbedingt Leute an, die das Zeug dazu haben, gegen einen globalen Quasi-Monopolisten anzutreten.
- Die Ursachen für das Monopol werden nicht beseitigt.
- Bei staatsfinanzierten Gebilden besteht immer das Risiko, dass die Finanzierung aus politischen Gründen auf Eis gelegt wird. Dazu kommt noch eine mögliche Einflussnahme durch die Geldgeber.
Es ist ja rein gar nichts Verwerfliches, wenn eine Plattform (gut) mitverdient. Es sollte halt für den Musiker noch genug übrig bleiben.
Andreas
Ja, das ist imgrunde ähnlich wie meine Befürchtung über Jurys mit Vorlieben, siehe Rock Hall of Fame, ginge es nach denen, gäbe es gar keine Elektronik-Musik. Naja, als Fläche ja, aber nicht substanziell. Es gibt auch in der klassischen Ecke (ich kürze das mal ab, natürlich gibt es da jede Menge mehr als die Wiener Klassiker) ähnliche Diskussionen ob man nun Schumann Lieder, Bach, Mozart, Beethoven spielt oder eben auch ganz andere Sachen. Moden kommen dazu, früher war's immer Telemann, als ich jung war. Aber super Name. Klingt so elektronisch ;)
Aber - die Opern zu spielen ist eben Massengeschmack und so wie wenn man bei Synths nur Jupiter 8 und 303 kennen würde, musikalisch finde ich Depeche Mode und Kraftwerk auch viel zu wenig, das sind die Eckpfeiler.
Anders gesagt - natürlich müssten wir sehen, dass man damit innovation, interessante Sachen, alles von allem bedienen kann, es darf auch mal "simpel" sein, ich würde das nicht kategorisch machen aber ausgewogener als aktuell. Dazu gibt es natürlich mal hier und da mehr Mode und dort muss man wirklich werben (und das kostet auch). Und wenn das da ist - bin ich im Zweifel eher für das Kurzfilmfestival als für den Blockbuster-Beweihräucherungsplan, so wie die Rock Hall of Fame, die wirklich genau das zu sein scheint. Das braucht keine Förderung. Die feiern sich schon selbst.
Ich bin schon Freund des Gemeinwohls im Sinne von verantwortlich - dh - wenn du weisst, dass dein Strom nicht nur aus der Steckdose kommt oder der Müll irgendwo hin geht, dann lernst du ggf. PV oder Kompost zu nutzen, was alles dann kein Müll würde. Sehr einfach ausgedrückt - wenn sich Leute zusammentun für Kunst, dann ist das super - auch ein Volksfest muss drin sein, nicht jeder ist akademisch, hochbegabt, leider mag ich sehr viel solche Musik - aber das ist mein Problem - dennoch - ist eben auch Platz für das andere. Aber nur Ralf Siegel oder Raab geht halt nicht, wirklich gar nicht.
Einen ESC würde ich zB eher nicht fördern, so wie ich das sehe, ist das eine vollkommen abgerückte Supermonstershow, nahezu selbstverliebt und ziemlich strange aufgebaut mit sehr vielen Machthabern, die das bestücken, weshalb mich eher sehr freut, dass Sam sich dort zeigen wird. Aber das Ding hat offenbar Geld und Power, die brauchen also keinen Support. Den brauchen andere Sachen, und es sollte unbedingt Stätten geben, wo das geht, und da habe ich auch keine Sorge, wenn da nebenbei noch Leuten erklärt wird, wie man Geräte repariert oder sich in Medien anmeldet und nutzt, die offen, frei und eher gemeinnützlich sind, zB Linux und Fediverse Nutzen und kennenlernen etc. Das ist natürlich noch keine Kunst, das ist bestenfalls eine Hilfe zu Kultur.
Also muss man das trennen. Und das so hin bekommen, dass eben die die sich tragen auch wieder zurück geben können. Und das da nicht nur Schrott ist oder in manchen Sendern gibt es diese offenen Kanäle, da muss jetzt auch nicht irgendwas laufen, was nur noch irgendeine Folklore laufen lässt, damit sich sehr kleine Gruppen wohlfühlen (dennoch darf das passieren). Es gibt so viele Gruppen, dass man hier einfach sehen muss, dass es offen und gemeinfrei ist. Kunst und Kultur kann also auch Fertigkeiten transportieren oder mal ein Konzert zu lernzwecken supporten.
Aber nicht nur akustisch, auch unbedingt elektronisch und eben nicht so voreingenommen. Hier im Ort gibt's nur Rock, sonst nichts. Ich hab das auch schon kritisiert - ist auch eine eV. also Gewinne werden da auch nicht gemacht.
Das mit den Ursachen für Monopole - bin ich total bei dir!
Politisch - ja, das ist so, deshalb meine Erwähnung der überpolitisierten Documenta. Das wird zunehmend irgendwie sowas wie ein Versuch moralisch korrekt zu sein und Kunst muss das nicht, es kann - aber es sollte nicht müssen. Mach bitte was über…
Es sollten Künste sein, die der Kunst willen da sind, nicht um politisch zu sein, dennoch darf sie das auch. Das würde ich keinesfalls verbannen.
Aber das Problem sind die Entscheider, aber man kann natürlich nicht alles durchwählen lassen, denn dann würden so manche abgefahrenen Sachen auch nicht statt finden, siehe oben. Ich beschreibe es bewusst aufwendig, da ich hier nicht missverstanden werden möchte. Das bestimme auch nicht ich - das sollte eben klar dem Gemeinwohl dienen, was aber nicht heißt, dass es nur Bettlern und Leuten ohne Bildung gefallen darf - hart ausgedrückt. Aber auch nicht nur der akademischen Ecke. Ausgewogen ist nicht leicht, es würde immer kritisiert, es aber zu versuchen wäre bereits eine gute Sache und dafür soll auch Geld und Power, Möglichkeit und Empowerment, wie das so schön heißt, gegeben sein.
Sei es auch nur, dass man mit auf dem Plakat steht, dass man die Location Am Donnerstag mal benutzen kann, wo eh sonst nichts los ist.
Da gibt's viele Wege, die helfen. Auch sehen, dass man das mit wenig Geld und mit ggf. ein paar Leuten die da arbeiten und Lust haben - als Hilfe hat. Das kann echt viel wert sein.
Beispiel - hab mal in einem ehemaligen chin. Restaurant gespeilt, was für gut 1/2 Jahr auf der Kö in Düsseldorf als Kulturraum angeboten wurde. Dadurch konnten Freunde von mir 3 Veranstaltungen machen, die wir selbst gebaut haben, alles - inkl Flyer, verteilen, aufbauen, etc.. Der eV Vermittler hat nur Getränke verkauft, was eh keiner von uns wollte.
Das ist was!! Bin da sehr dankbar für. Das kostete niemanden etwas, der Laden ist jetzt weg, da kommt irgendwas hin, was eben so auf der Kö sonst so ist.