Mathe&Musik: Melodieskizzen aus Sprachsätzen und andere pseudaleatorische, algorithmische Kompositions-Ansätze

flowdy

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Paramusiker
Ich stelle hier mal einfach einen Ansatz vor, der mir ggf. dabei hilft, trotz Kreativitätsflaute zu komponieren, bzw selbiges zu lernen, ohne dass ich mich ständig fragen muss, woher ich gerade was klaue. Ich habe ja schon drei, nein, eigentlich vier Anfängerstücke geschaffen, allerdings befürchte ich, dass das viel zu wenig Übungsmaterial ist. Und das Umsetzen von Literatur wird auf Dauer auch langweilig.

Es wäre vermessen zu behaupten, man könnte mit der hier vorgestellten Methode fertige Melodien hervorbringen. Man kriegt so nur Rohdiamanten, schleifen muss man sie dann selbst. Und wenn man eine Melodie nach dieser Methode ganz verwirft, weil man bastelnd eine viel bessere Idee bekommen hat, ist das auch toll.

Nehmen wir folgenden Satz als Ausgangsmaterial: Ich lerne komponieren. Als Zahl ist dieser Satz eine auf Basis 31, weil 1-26 für lateinische Buchstaben a-z, 27-30 für ä, ö, ü und ß, "0" für Leerräume samt jeglicher Interpunktion.
n = 14. e = 5. en = 5×31 + 14 = 169. ren = 18×31**2 + 169 = 17467. eren = 5×31**3 + 17467 = 166422. ieren = 9×31**4 + 166422 = 8478111. nieren = 14×31**5 + 8478111 = 409286225 ... plus restlicher Satz, aber von Anfang bis -nieren: 9×31**20 + 3×31^19 + 8×31^18 + 0×31^17 + 12×31^16 + 5×31^15 + 18×31^14 + 14×31^13 + 5×31^12 + 0×31^11 + 11×31^10 + 15×31^9 + 13×31^8 + 16×31^7 + 15×31^6 + 409286225. Das ergibt leider eine ziemlich lange Zahl, nämlich 604611476... und weitere 21 Ziffern.

Da ich zur Zeit nur eine Taschenrechner-App habe, die keine großen Ganzzahlen unterstützt, lasst uns daher mit den Nieren weiter rechnen. 409286225.

Zuerst das Rhythmusmuster. Das kodieren wir mit der Basis 3. 0 = Pause, 1 = akt. Note einen Pulsschlag länger, 2 = neue Note.

Immer wenn wir eine 2 oder eine 1 nach einer 0, also eine 01 ermitteln, muss - das sei mangels eines besseren Models festgelegt - die nächste Ziffer eine zur Basis 7+4*(1+/-3)+7 = 42 sein. Beispielhaft 4, also die Wahrscheinlichkeit ist wirklich hoch, dass die neue Note sich im maximalen Intervallabstand von einer Quarte zur vorigen bewegt.

409286225 / 3 = 136428741, Rest 2
136428741 / 42 = 3248303, Rest 15
Was bedeutet 15? In der Liste -7 -6 -5 -4 -3 -2 -1 -3 -2 -1 0 1 2 3 -3 -2 -1 0 1 2 3 -3 -2 -1 0 1 2 3 -3 -2 -1 0 1 2 3 1 2 3 4 5 6 7 ist das Element mit dem Index 15 folglich das 16. Element (in der Informatik beginnt eine Zählung gerne bei 0). Das ist hier die dritte -1. Befinden wir uns in der Tonart C-Dur, sei -1 also H. Aber wie lange geht H?
3248303 / 3 = 1.082.767, Rest 2.
Also nur einen Pulsschlag lang. Nächste Note:
1082767 / 42 = 25780, Rest 7.
Element 7 ist das achte aus obiger Liste, also -3. Ausgehend von H ist das das F darunter. Und wie lang?
25780 / 3 = 8593, Rest 1.
8593 / 3 = 2864, Rest 1.
2864 / 3 = 954, Rest 2.
Unser F ist also 3 Pulsschläge lang. Darauf folgt gleich die nächste Note:
954 / 42 = 22, Rest 30.
Element Nr. 31 ist 0, also eine melodische Prim oder wahlweise eine Oktave höher oder tiefer. Wie lang?
30 / 3 = 10, Rest 0.
Also einen Pulsschlag Pause, dann ...
10 / 3 = 3, Rest 1
3 / 42 = 0, Rest 3.

Also, wenn man nur "Nieren" betrachtet, kommt raus: HF--F.B! (- Note halten, . Pause)
Ist das überhaupt C-Dur? Womöglich H-Lydisch oder so. Spricht ja auch nichts gegen chromatische Alteration, dann hätte man H-Dur, HF#--F#A#, was dann wiederum um eine Halbtonstufe höher transponiert werden kann zu C-Dur, CG---G.H.

Am melodischen Modell könnte man also vielleicht noch basteln. Man könnte es etwa so gestalten, dass nach absoluter Tonleiterstufe 7, dem Leitton, immer die Tonika der gewählten Tonleiter kommt.

Rechercheempfehlung => Markovketten. Wie ich Markovketten umsetze, davon hab ich schon eine ungefähre Ahnung, das auszuführen führt hier aber zu weit. Eh die Frage, wie weit man hier gehen möchte. Einfacher ist tindermäßig Wisch und weg und weiter mit der nächsten Catch phrase von denen, die man ausprobieren will. Die man sich leicht merken kann, was für Nicht-wirklich-Musiker wie mich der Vorteil gegenüber zufallsbasierten Melodien ist.

Außerdem hat man so immer ein gewichtiges Argument in der Hand, wenn man verklagt werden sollte wegen Urheberrechtsverletzung. Dann kann man erklären, wie man von der Catch phrase auf die Melodie gekommen ist ... wenn dann die Catch phrase viel mit einem selbst zu tun hat, da sie der eigene Name ist oder der der Freundin/des Freundes, ist das noch mal sicherer.
 
flowdy

flowdy

Paramusiker
Hab einen Online-Rechner gefunden, der mir für den Satz ICH LERNE KOMPONIEREN die folgende Übersetzung in eine Dezimalzahl ausspuckt:
6 116 728 035 366 199 232 768 838 663 959. 6 Quintillionen irgendwas.

Leider unterschlägt mir der Online-Rechner die Reste, ich muss also umständlich weiterrechnen.

6116728035366199232768838663959 = 2038909345122066410922946221319 × 3 + 2
2038909345122066410922946221319 = 48545460598144438355308243364 × 42 + 31.
48545460598144438355308243364 = 16181820199381479451769414454 × 3 + 2
16181820199381479451769414454 = 385281433318606653613557487 × 42 + 0
385281433318606653613557487 = 128427144439535551204519162 × 3 + 1
128427144439535551204519162 = 42809048146511850401506387 × 3 + 1
42809048146511850401506387 = 14269682715503950133835462 × 3 + 1
14269682715503950133835462 = 4756560905167983377945154 × 3 + 0
4756560905167983377945154 = 1585520301722661125981718 × 3 + 0
1585520301722661125981718 = 528506767240887041993906 × 3 + 0
528506767240887041993906 = 176168922413629013997968 × 3 + 2
176168922413629013997968 = 4194498152705452714237 × 42 + 14
4194498152705452714237 = 1398166050901817571412 × 3 + 1
1398166050901817571412 = 466055350300605857137 × 3 + 1
466055350300605857137 = 155351783433535285712 × 3 + 1
155351783433535285712 = 51783927811178428570 × 3 + 2
51783927811178428570 = 1232950662170914965*42 + 40
1232950662170914965 = 410983554056971655 × 3 + 0
410983554056971655 = 136994518018990551 × 3 + 2
136994518018990551 = 3261774238547394 × 42 + 3
3261774238547394 = 1087258079515798 × 3 + 0
1087258079515798 = 362419359838599 × 3 + 1
362419359838599 = 8629032377109 × 42 + 21
8629032377109 = 2876344125703 × 3 + 0
2876344125703 = 958781375234 × 3 + 1
958781375234 = 22828127981 × 42 + 32
22828127981 = 7609375993 × 3 + 2
7609375993 = 181175618 × 42 + 37
181175618 = 60391872 × 3 + 2
60391872 = 1437901 × 42 + 30
1437901 = 479300 × 3 + 1
479300 = 159766 × 3 + 2
159766 = 3803 × 42 + 40
3803 = 1267 × 3 + 2
1267 = 30 × 42 + 7
30 = 10 × 3 + 0
10 = 3 × 3 + 1
3 = 0 × 42 + 3

Zusammenfassung (Komponenten zur Basis 42, stets 2 oder 01 folgend, in Klammern): 2(31)2(0)1110002(14)1112(40)02(3)01(21)01(32)2(37)2(30)12(40)2(7)01(3)

Relative Note #31 zur diatonischen Tonleiterstufe 0-6 gemäß obiger Liste: 0, #0: -7 = 0, #14: -3 = 4, #40: +6 = 3, #3: -4 = 6, #21: -3 = 3, #32: +1 = 4, #37: +3 = 7 = 0, #30: -1 = 6, #40: +6 = 5, #7: -3 = 2, #3: -4 = 5.

Bei C-Dur korrespondiert das mit: 0 C, 1 D, 2 E, 3 F, 4 G, 5 A, 6 H, 7 C. Also ...
2(C4)2(C4)1110002(G3)1112(F4)02(H3)01(F3)01(G3)2(C4)2(H3)12(A4)2(E4)01(A3)

Die Phrase "Ich lerne komponieren" ist demnach rein deterministisch umsetzbar in die pseudo-zufällige Tonfolge C4 C4___ ...G3___ F4 .H3 .F3 .G3 C4 H3_ A4 E4 .A3 (_ Note halten, . Pause) - sie ist noch ganz nackt, Metrik fehlt genause wie Harmonie, die scheinbar nichtssagende melodische Intervalle sinnvoll zusammenhängen kann. Bevor man die nächste Phrase probiert, kann man die Tonfolge ja beliebig variieren und Harmonien dazu finden.

So weit, so algorithmisch umsetzbar. Ob die Melodie gut ist, ob sie inspiriert, das ist wieder eine andere Frage, jedoch könnte bei einer Kreativitätsflaute diese Methode als Startrampe dienen.

Mal sehen, vielleicht mach ich ne kleine Webapp dazu, Phrase rein, Melodie (Notation) raus, und die erste Eingabe seit einer Stunde wird, wenn gewünscht, jeweils vertont und für alle Welt abspielbar bereitgehalten, oder so.
 
flowdy

flowdy

Paramusiker
Sorry, ernsthaft?
Liege ich echt falsch mit der Annahme, dass der gemeine Musiker mit der Notation
C4 C4___ ...G3___ F4 .H3 .F3 .G3 C4 H3_ A4 E4 .A3 (_ Note halten, . Pause)
schon etwas anfangen kann? Mit Verlaub, das kann ich mir nicht vorstellen. Tonbeispiele würden ja doch nicht als Beispiele gewertet, sondern als fertig ausgearbeitete Musikstücke oder zumindest Phrasen, die in einem Atemzuge singbar sind, und wahrscheinlich war die Uploadfunktion auch nicht gerade für rohe Vielleicht-Inspirationen gedacht, selbst mein eigener Webspace wär mir dazu ehrlich gesagt zu schade.

Nee, also die letzte Meile hin zum Gerät eures Vertrauens sei euch überlassen. Mein Klavierlehrer behauptet, er könne sich den Klang vorstellen, wenn er nur die Notation liest. Das kann ich nur grob. Aber wenn ich einen Roman lese, hab ich den Erzähler im Kopf.

Schon aus der Notation ergibt sich, dass sich die Sache, so wie sie ist, nicht allzu melodiös anhört. 1 Septime, drei Quarten, zwei Quinten, nur zwei Sekunden ... wisch und weg.

Aber es ging auch nur um das Grundprinzip: Verschlüsseln (multi-base divmod) statt Würfeln. Probiert man herum beim Komponieren und hat man sich ver-sucht, will man vielleicht zu einem früheren Stand zurück. Da passt es, wenn man noch weiß, dass dieser frühere Stand aus dem Namen der einst Verflossenen stammt.
 
Green Dino

Green Dino

Octatrack users will be happy about this one!
Schon ein witziger Ansatz...quasi Rumklimpern durch Mathematik.
Bin mal gespannt ob du damit gut arbeiten kannst bzw. ob du das im Alltag wirklich gut anwenden kannst - oder ist das mehr "Proof of concept"?
 
Moogulator

Moogulator

Admin
sehr interessant. Also auch die Denkweise dahinter. Wollt's nur mal gesagt haben.
 
einseinsnull

einseinsnull

[nur noch PN]
so, ich habe noch 17 minuten bis ich wieder in den PM modus wechsle, da fällt mir das hier ins auge.


Nehmen wir folgenden Satz als Ausgangsmaterial: Ich lerne komponieren. Als Zahl ist dieser Satz eine auf Basis 31, weil 1-26 für lateinische Buchstaben a-z, 27-30 für ä, ö, ü und ß, "0" für Leerräume samt jeglicher Interpunktion.
n = 14. e = 5. en = 5×31 + 14 = 169. ren = 18×31**2 + 169 = 17467. eren = 5×31**3 + 17467 = 166422. ieren = 9×31**4 + 166422 = 8478111. nieren = 14×31**5 + 8478111 = 409286225 ... plus restlicher Satz, aber von Anfang bis -nieren: 9×31**20 + 3×31^19 + 8×31^18 + 0×31^17 + 12×31^16 + 5×31^15 + 18×31^14 + 14×31^13 + 5×31^12 + 0×31^11 + 11×31^10 + 15×31^9 + 13×31^8 + 16×31^7 + 15×31^6 + 409286225. Das ergibt leider eine ziemlich lange Zahl, nämlich 604611476... und weitere 21 Ziffern.

§1 der algorithmus

1. die guten algorithmen sind die kurzen und einfachen.

2. wer worte in reime fasst, dann die ascii codes der textzeichen aus den reimen in binärdaten umwandelt, bitwise operations darauf anwendest und die wieder zu dezimalzahlen macht und diese dann miteinander potenziert, der kann genauso gut auch random() benutzen.


409286225 / 3 = 136428741, Rest 2
136428741 / 42 = 3248303, Rest 15

§2 der aufwand

der aufwand muss in einem verhältnis zum ergebnis stehen. wenn zahlen zwischen 1-16 das ergebnis sein sollen, dan geht das sicher auch mit ausgangswerten zwischen 1-64.


Wie ich Markovketten umsetze, davon hab ich schon eine ungefähre Ahnung, das auszuführen führt hier aber zu weit. Eh die Frage, wie weit man hier gehen möchte.

§3 das werkzeug

1. auch das werkzeug muss in einem verhältnis zum ergebnis stehen.

2. eine markov chain oder markov group mit 9-stelligen werten - also 32 bits oder mehr - ist schon 2nd order kaum noch händelbar, bei 4th order braucht man dann schon fast eine externe datenbank.


Außerdem hat man so immer ein gewichtiges Argument in der Hand, wenn man verklagt werden sollte wegen Urheberrechtsverletzung.

§4 das motiv

1. immer beim thema bleiben. wenn beim kompositionskonzept schon rechtliche fragen (oder hilfsweise der wetterbericht oder der kantinenspeiseplan) im mittelpunkt stehen wird es niemals zu realisieren sein.
 
flowdy

flowdy

Paramusiker
Dann lass es halt bleiben.
Wenn ich halt ne (ganz einfache) Webapp draus mache, wäre Vertonung naheliegend. Und doch: nicht wirklich zielführend. Rotkäppchen auf dem Weg zur Großmutter, verführt vom großen bösen Wolf, weil ja ach so naheliegend. Aber mal gucken. Vielleicht vertone ich auf diese Art die Schlagzeilen des Tages, wie sie die Wikipedia auflistet. Heute:
Wikipedia schrieb:
Ob ich damit arbeiten kann, wird sich in einer Art Langzeitstudie zeigen. Wahrscheinlich muss ich da noch Gehirnschmalz investieren, was die Wahrscheinlichkeitsverteilung verschiedener melodischer Intervalle betrifft. So einfach ist das wirklich nur Rumklimperei. Erst die Sekundschritte machen eine Melodie.

Ich dokumentiere Ideen gerne, bevor ich sie ausentwickle und teste, um früh Impulse von außen zu kriegen.
 
einseinsnull

einseinsnull

[nur noch PN]
vertonung von kompositionen ist naheliegend. der erste sinnvolle satz, den ich von dir lese.
 
flowdy

flowdy

Paramusiker
§4 das motiv

1. immer beim thema bleiben. wenn beim kompositionskonzept schon rechtliche fragen (oder hilfsweise der wetterbericht oder der kantinenspeiseplan) im mittelpunkt stehen wird es niemals zu realisieren sein.
Das Motiv ist es eher, sich bei Kreativitätsflaute / Rumklimperunlust auf reproduzierbare, deterministische Art mit Melodieskizzen aus einem anderen Quell als der eigentlichen Kreativität zu versorgen, die man für die weitere Kompositionsarbeit berücksichtigen kann. Klar, man kann auch random() verwenden. random ist gut, kann ich nur empfehlen, es ist hinsichtlich Output keineswegs schlechter.

Nebeneffekt: Mit so einem Algorithmus hat man aber echt was in die Wagschale zu werfen, sollte dir jemand Plagiat vorwerfen. Da geht es nämlich darum, entweder nachzuweisen, dass du dich nicht von dessen Werk hast inspirieren lassen (du musst dann beweisen, dass du eine andere Quelle hattest, und Zufall ist da eine echt lahme Behauptung, weil sich das nicht beweisen lässt), oder dass das kopierte Material, für sich genommen, nicht die nötige Schöpfungshöhe erreicht.
vertonung von kompositionen ist naheliegend
Tja, leider geht es nicht um Kompositionen, nicht um fertige Musik.

Es geht um eine ganz frühe Vorstufe davon. Der Unterschied ist der gleiche wie zwischen einem Gedanken und dem geschriebenen Wort. Diese Vorstufe würde vermutlich kein Komponist je zu Papier bringt bzw. in die Pianoroll hacken, sondern er probiert sie eben auf schwarz-weißer Tastatur aus, verwirft sie oder variiert sie oder was.

Daher seh ich auch nicht ein, warum ich hier irgendwas vertonen sollte, das nicht durch eine intellektuelle Qualitätssicherung gelaufen ist. Bestenfalls sag ich eben "Hör mal, so klingt Alexei Nawalny / Abschiedsfeier von Angela Merkel / der Weltuntergang als Melodie ..." und dann sicherlich mit Audioplayer, einfach so als running Gag in der Nebenspalte, klein der Begleitlink "Wie mach ich das?". Wenn dann andere Leute sich von der Methode inspirieren lassen, soll es mir recht sein, wenn nicht, auch gut.
 
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serge

serge

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Nebeneffekt: Mit so einem Algorithmus hat man aber echt was in die Wagschale zu werfen, sollte dir jemand Plagiat vorwerfen. Da geht es nämlich darum, entweder nachzuweisen, dass du dich nicht von dessen Werk hast inspirieren lassen (du musst dann beweisen, dass du eine andere Quelle hattest, und Zufall ist da eine echt lahme Behauptung, weil sich das nicht behaupten lässt), oder dass das kopierte Material, für sich genommen, nicht die nötige Schöpfungshöhe erreicht.
Füttere Deinen Algorithmus mit einem solchen Buchstabensalat, dass dieser die Melodie von "Yesterday" ergibt, veröffentliche diese dann als Dein Werk und sieh zu, wie wenig in Deiner Waagschale verbleiben wird.
 
Scenturio

Scenturio

O̡̯̮̘̗̻͟͡i̸̼̘͞ṟ́͢u̻̯̤͘t͉̪̦͇̹̥n̛͚̯̯͙ͅͅe̛̟̠̞c҉҉̤͕̹̩
wenn der mathematische Aufwand das erwartbare Ergebnis nicht rechtfertigt, versehe ich den Sinn dahinter nicht ganz (außer etwas Ablenkung für die Rechenfreunde mit kreativer Blockade).
Genauso gut könnte man die Zeichenfolgen direkt in einen Midi-Datenstrom (bzw. meinetwegen nur Note-On) umwandeln, oder den SHA256 aus dem Satz bilden und das dann byteweise interpretieren ... Notenlängen und Pausen bekommt man so auch noch irgendwie codiert.

Richtig interssant wirds aus meiner Sicht dann, wenn Du den Input in ein passend trainiertes neuronales Netzwerk speist, das zusätzlich auch noch den semantischen Inhalt des Ausgangssatzes interpretiert, so dass der musikalische Output einen emotionalen Bezug zur literarischen Vorlage hat. :floet:Sowas wie die musikalisch/literarische Variante von deepart.io ...
 
flowdy

flowdy

Paramusiker
Der Buchstabensalat, der die Yesterday-Melodie ausspuckt, lässt sich rückwärts-algorithmisch berechnen, das ist echt keine Kunst. Für so eine Aussage könnte jeder Gesamtschüler mit nem Faible für Mathe einen auf Rechtsgutachter machen.

Aber Buchstabensalat schmeckt nicht, so ein Ansinnen wäre eine rechte Zeitverschwendung. Hat auch nichts mit Komponieren zu tun, oder auch nur mit der Vorstufe der Ideendestillierung. Mein Argument gilt nur im Rahmen meiner Überzeugung, dass meine Verteidigung glaubhaft machen kann, dass beispielsweise "Abschiedsfeier Angela Merkel 2021" kein Buchstabensalat ist, den John Lennon genauso gut erfunden haben könnte.

Genauso gut könnte man die Zeichenfolgen direkt in einen Midi-Datenstrom (bzw. meinetwegen nur Note-On) umwandeln, oder den SHA256 aus dem Satz bilden und das dann byteweise interpretieren ... Notenlängen und Pausen bekommt man so auch noch irgendwie codiert.
Wie man von einem Wort oder einer Wortgruppe oder einem Satz auf das zugrundeliegende pseudozufällige Bitmuster (also ne ziemlich große Zahl) kommt, ist absolut zweitrangig, gerne auch SHA256, Hauptsache deterministisch.

Man gewinnt daraus einen geordneten Strom von Zahlwerten, deren jeweilige Basis jeweils zum Zweck der weiteren Verarbeitung passt: Rhythmus 3, melodische Intervalle im obigen Beispiel 42, aber eigentlich beliebig, jedenfalls endlich groß.

Hab weiter an dem Modell gefeilt. Also ...

-7 Sprung um eine Oktave abwärts
-6 Septim abw.
-5 Sext abw.
-4 Quint, -3 Quart, -2 Terz,
-1 Sekund abwärts
0 Prime
+1 Sekund aufwärts
...
+7 Oktav aufwärts

Jeder dieser 15 Werte -7 bis +7 kann jetzt beliebig oft in einem Index-Array verteilt werden, dass eine festgesetzte Länge hat. Am weit häufigsten sollten -1, 0 und +1 vorkommen, damit wahrscheinlich eine Melodie rauskommt, d.h. beliebiges Gedudel weniger wahrscheinlich.

-7, -6, -5, -4, -3, -2, -1, 0, +1, +2, +3, +4, +5, +6 und +7 könnten jeweils wie folgt so häufig im Index-Array vertreten sein:
3x 1x 2x 3x 4x 5x 24x 15x 25x 5x 4x 3x 2x 1x 3x (=100)

Basis 100 hat den unbestreitbaren Vorteil, dass man sich nur die letzten beiden (Dezimal-)Ziffern angucken braucht, schon hat man den Rest. Beträgt er mindestens 18 und ist kleiner als 42, wissen wir aha, ne Sekund abwärts. Dann streicht man die beiden Ziffern und Rechnet wieder mit Basis 3 weiter.

Für den Rhythmus, also zur Frage, wo welche Note beginnt und wie lang sie ist, braucht man dank der Basis 3 auch nicht einen Rechner für große Zahlen bemühen. Da gewinnt man den Rest, indem man die Quersumme (Summe der Ziffern) der verdammt großen Zahl bzw. der vorigen Quersumme solange nimmt, bis sie kleiner als 12 ist, denn man kennt die 3er Reste der Zahlen 0 bis 11 auswendig bzw. kann sie im Kopf ausrechnen.
EDIT 18:08: Die Mathematiker wenden zurecht ein, dass der Modulo der Quersumme letzter Ordnung ein anderer ist als der von der verdammt großen Zahl und dass man zwar den Rest wisse, aber nicht den ersteren Faktor des Produkts neben dem Rest, mit dem man dann weiter rechnet.
Ist der 3er Rest 0, d.h. die ganze Zahl durch 3 teilbar, heißt das einen Grundpulsschlag Pause. 1 heißt aktuelle Note einen weiteren Grundpulsschlag halten, wenn der Vorgängerrest zur Basis 3 gleich 1 oder 2 war, sonst neue Note anschlagen. 2 heißt immer neue Note anschlagen, Intervall ermitteln per Basis 100.

Ich find das recht trivial. Vielleicht mache ich echt ne App. Eine, die hinterrücks Daten abschnorchelt, die ich dann teuer verkaufe. Bruharhar. :xenwink:
 
Zuletzt bearbeitet:
serge

serge

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Mein Argument gilt nur im Rahmen meiner Überzeugung, dass meine Verteidigung glaubhaft machen kann, dass beispielsweise "Abschiedsfeier Angela Merkel 2021" kein Buchstabensalat ist, den John Lennon genauso gut erfunden haben könnte.
Du investierst Zeit, um einen Algorithmus zu entwickeln, der Dir bei Ideenflaute oder schlichter Unlust, irgendwelche Tasten zu drücken, irgendwelche reproduzierbare Tonfolgen erzeugen soll.
Auf die Frage, warum dafür nicht eine Zufallsfunktion genügen würde, entgegnest Du, Dich über Deinen Algorithmus besser gegen potentielle Plagiatsvorwürfe wehren zu können.
Was macht Dich glauben, es würde bei einem Plagiatsprozess einen Unterschied machen, wie ein Plagiat zustande gekommen ist?
 
Scenturio

Scenturio

O̡̯̮̘̗̻͟͡i̸̼̘͞ṟ́͢u̻̯̤͘t͉̪̦͇̹̥n̛͚̯̯͙ͅͅe̛̟̠̞c҉҉̤͕̹̩
Mal ne andere Frage:

-5 Sext abw.
-4 Quint, -3 Quart, -2 Terz,
-1 Sekund abwärts
Wenn Du mit Intervallschritten arbeitest, besteht ja die Möglichkeit, dass es ein Übergewicht an auf- oder absteigenden Intervallen gibt, und Deine "Melodie" ins unerwünscht hohe (oder tiefe) abdriftet.
Da würde ich vielleicht noch eine Korrektur einbauen, damit sich das ganze im spielbaren Rahmen bewegt (am einfachsten: Faltung oder Rotation an willkürlich festgelegten Grenzen). ;-)
 
2bit

2bit

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Ich stelle hier mal einfach einen Ansatz vor, der mir ggf. dabei hilft, trotz Kreativitätsflaute zu komponieren, bzw selbiges zu lernen, ohne dass ich mich ständig fragen muss, woher ich gerade was klaue.
Das ist kein Ansatz, sondern Selbsttäuschung. Wenn du das Komponieren üben willst, dann musst du Kompositionen erstellen und keine Algorithmen schreiben.
 
flowdy

flowdy

Paramusiker
Was macht Dich glauben, es würde bei einem Plagiatsprozess einen Unterschied machen, wie ein Plagiat zustande gekommen ist?
Siehe oben. Wenn man den Nachweis erbringt, dass die Herleitung des strittigen Materials eine andere ist als "Hab halt bei Xy abgeguckt", müsste sich das Gericht mit der Frage befassen, ob der Plagiatsvorwurf haltbar ist, denn handelt es sich dann noch um ein Plagiat? In wieweit ist der Grundsatz "Unwissen schützt vor Strafe nicht" anwendbar? Ist es Unwissen, oder nicht vielmehr gerade der Versuch des Angeklagten, Plagiatsfälle möglichst zu vermeiden?

Reine, ursprüngliche Kreativität ist ja auch anfällig dafür. Du klimperst so auf deinem Synthi rum, triffst auf eine interessante Melodie und ... hast vergessen oder verdrängt, warum die Melodie interessant wirkt, woher das Motiv stammt. Ich habe mal dem Vortrag eines Schlagerkomponisten verfolgt, der hatte sich extra ein rares Exemplar von einer Art Wörterbuch aus Amerika beschafft, wo Liedanfänge und Motive die Lemmata waren und Herkunftsnachweise dazu angegeben. Gibts leider nicht mehr. Wenn du eine Online-Referenz kennst, immer her damit.

So meine Vermutung. Da ich nicht beruflich mit der Juristerei zu tun habe, abgesehen davon hin und wieder Urteilstexte zu lesen, ist das wirklich nicht viel mehr.

Das ist kein Ansatz, sondern Selbsttäuschung. Wenn du das Komponieren üben willst, dann musst du Kompositionen erstellen und keine Algorithmen schreiben.
Touché. Am Ende bin ich wie gesagt Paramusiker. Eigentlich bin ich Computernerd, der sein nie diagnostiziertes Quas(i)pergersyndrom auslebt mit der Erfindung sinnloser Softwareprogramme, wie Synthesizer und so. Wäre ich wenigstens etwas normal, würd ich meine Zeit mit Kriegsspielen und Online-Pornos vergeuden.
Okay, ich oute mich mal. Ich prokrastiniere nur.

Demnächst: Eierschälmaschine, die die Noten meines nächsten Hits aus dem Kaffeesatz liest. Äh, aus den Mikroschlieren, die das geronnene Eiweiß im Dotter hinterlässt.
 
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flowdy

flowdy

Paramusiker
Richtig interssant wirds aus meiner Sicht dann, wenn Du den Input in ein passend trainiertes neuronales Netzwerk speist, das zusätzlich auch noch den semantischen Inhalt des Ausgangssatzes interpretiert, so dass der musikalische Output einen emotionalen Bezug zur literarischen Vorlage hat. :floet:Sowas wie die musikalisch/literarische Variante von deepart.io ...
Wer mag und ein passend trainiertes natürliches neuronales Netzwerk zwischen den Ohren hat, eine glückliche Kindheit und ethisch-philosophisch gebildeten Verstand, kann sich ja darin versuchen. Mich indes kannst du mit dem Thema Künstliche Intelligenz jagen, dem Point-to-go schlechthin für die Scharlatane von heute. Ich erlaube mir hierzu eine kleine, (hoffentlich) in ihrer Weitsicht dramatisch übertriebene Agitation ...

Künstliche Intelligenz - eigentlich: Statistische Rechenmethoden auf Daten, die maschinell "erlernt" wurden, am Ende also stupide Extrapolation des Trainingsmaterials -, angewandt von natürlicher Dummheit und Kurzsicht, erweist uns als Menschheit noch einen Bärendienst.

Ein aufgewiegelter traumatisierter Mob geht nur allzu gern in den Galopp, wenn es darum geht, geistig-kulturelle Rückschritte zu machen. Wenn ich vielleicht schon auf dem Scheiterhaufen von morgen brennen sollte, weil ich mich der "Cyberhexerei" schuldig gemacht, Computer programmiert habe mittels einer der turing-vollständigen Sprachen, dann will ich bis dahin wenigstens die Finger von diesem KI-Zeug gelassen haben, das uns ziemlich wahrscheinlich in einen solchen Schlammassel gebracht haben wird.

Mein Steckenpferd ist und bleibt die Deterministik. Der Ansatz der künstlichen Intelligenz ist technisch okay. Wie sich ja ein Messer beispielsweise auch prima zum Schneiden von Zwiebeln eignet. Es hat nur nix im Kinderzimmer verloren.

Es hat schon seinen Sinn, dass sich die meine Sache beschränkt auf das, was der Computer gut kann und das der Mensch ihm dank Jahrtausende währender Forschung gut beibringen kann: mit verdammt großen Zahlen rechnen.
Alles weitere sollte der Mensch tun.
Der Algorithmus ersetzt nur das motiv-destillierende, für Scheinentdeckungen von unbewusst erinnerten Teilen fremder Werke anfällige protokreative Geklimper auf dem Klavier, die analog zur Sammlung literarischer Stoffe in der Schriftstellerei der eigentlichen kompositorischen Arbeit vorausgeht. Was @2bit anscheinend nicht ganz verstanden hat. Selbsttäuschung wäre es, zu glauben, dass irgendein Algorithmus Musik ausspucken könnte, die aus dem Stand vertonenswert wäre.

Meine Hypothese ist die folgende:
Ob eine Melodie X in hörenswerte Musik verwandelt werden kann, liegt nicht in irgendeiner objektiv feststellbaren Qualität dieser Melodie begründet, sondern in der Offenheit und der Erfahrung des Komponisten, aus irgendwas (Sch.) etwas Hörenswertes (Gold) zu machen sowie aber auch in darin, was das Zielpublikum gewohnt ist.

Daher kann man mit einem solchen Algorithmus, der aus protokreativen, nicht-musikalischen Daten beliebiger Herkunft eine Melodie berechnet, gut Komposition üben: Das sei der Startpunkt, mach was draus, das dir und deinesgleichen gefällt, und halte dich mit Änderung der Vorgabe soweit zurück, dass sie im Ergebnis immer noch eindeutig wiedererkannt wird. Harmonisierung, Instrumentierung, Motivariationmusikalische Form - das muss der angehende Komponist üben.

Melodiefindung dagegen, also Stoffsammlung alleine ist keine Komposition, das ist Nachdenken über eine Inspiration. Das führt zur Frage, was Kunst ist. Für mich ist Kunst: einen Eindruck in einen Ausdruck verwandeln. Kunst ist Kommunikation innerlich gereifter, nicht verbalisierbarer Wahrheiten mit den Mitteln der Wirklichkeit. Was der Eindruck ist, sei zweitrangig, soweit es das Handwerk des Komponierens betrifft, das man üben will. Er braucht "Stoff", mit dem er arbeiten kann. Und dieser Stoff kann gerne willkürlich sein. Es ist lediglich Rohstoff und der Komponist soll lernen, daraus einen "Mehrwert" zu machen.

Es versteht sich, dass ein Anfänger erst mal viele Ergebnisse aus dem Pseudozufallsmelodiengenerator verwerfen muss, bis es ein hinreichend einfaches gibt. Ein guter Komponist kann, das behaupte ich einfach mal, aus allem etwas machen.
 
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Scenturio

Scenturio

O̡̯̮̘̗̻͟͡i̸̼̘͞ṟ́͢u̻̯̤͘t͉̪̦͇̹̥n̛͚̯̯͙ͅͅe̛̟̠̞c҉҉̤͕̹̩
Ok, das geht jetzt in Richtung Offtopic, aber bei solchen Themen kann ich es mir oft nicht verkneifen, mitzudiskutieren. ;-)

Künstliche Intelligenz - eigentlich: Statistische Rechenmethoden auf Daten, die maschinell "erlernt" wurden, am Ende also stupide Extrapolation des Trainingsmaterials -, angewandt von natürlicher Dummheit und Kurzsicht, erweist uns als Menschheit noch einen Bärendienst.
Die Technik ist was sie ist - wie man es nennt, ist eine andere Frage. Den Begriff KI habe ich ja nicht benutzt. ;-)

Inwieweit derartige Techniken der Menschheit einen Bärendienst erweisen, würde ich nicht zu prognostizieren wagen - genauso gut kann ich mir vorstellen, dass solche Techniken einmal die Menschheit retten werden. Manchmal denke ich, dass die technologische Singularität (und damit "starke" KI, nicht die aktuellen Spielereien mit neuronalen Netzwerken) die einzige Hoffnung für den Menschen ist. ^^
(Das bei jeder Umwälzung immer auch viele auf der Strecke bleiben, ist ein anderes Thema - aber ohne technologische Umwälzungen hätte es keinen Fortschritt gegeben).

Wenn ich vielleicht schon auf dem Scheiterhaufen von morgen brennen sollte, weil ich mich der "Cyberhexerei" schuldig gemacht, Computer programmiert habe
Möglicherweise ist dann die breite Masse der Facebook- und Whatsapp-Nutzer noch schlimmer dran, weil besser identifizierbar ... :sowhat::agent:

Wie sich ja ein Messer beispielsweise auch prima zum Schneiden von Zwiebeln eignet. Es hat nur nix im Kinderzimmer verloren.
Tatsache ist, dass sich neue Technologien oft erst durch die (spielerische) Verwendung im priwatwirtschaftlichen oder künstlerischen Bereich in der Breite etablieren, und die Weiterentwicklung ab dem Zeitpunkt sinnvoller kommerzieller Nutzung erst so richtig Fahrt aufnimmt.

Zugegeben: Wenn man eine bestimmte Technologie komplett kritisch sieht, wird man sich natürlich dagegen positionieren.

Ich persönlich stehe diesen Entwicklungen (genauso wie dem Thema Quantenrechner) erst mal neutral gegenüber. Problematisch wird es immer dann, wenn wissenschaftliche Erungenschaften zur Unterdrückung verwendet werden - aber solche Überlegungen haben den technischen Fortschritt noch nie aufgehalten. :dunno:

mit verdammt großen Zahlen rechnen.
Alles weitere sollte der Mensch tun.
Oh, ich kenne ziemlich viele Anwendungen, bei denen ein Computer sehr praktisches mit ziemlich kleinen Zahlen macht (dies aber ziemlich schnell und zuverlässig), das ich nicht missen möchte (DAW anyone?).
 
flowdy

flowdy

Paramusiker
Ja, Computer können gut mit großen und/oder mit vielen Zahlen.

So, ich mach jetzt so ne einfache, und ich meine, eine wirklich einfache Web-App. Eine, die ohne Datenhaltung auskommt. Protokreatives Textmaterial in, Melodieskizze out. Notiert nur, unvertont.

Dann meld ich mich wieder mit ein paar praktischen Beispielen.

Ich war mal in einem freien Kunstkurs. Da wurden die Skizzen zweimal gefaltet und in einen Briefumschlag gesteckt, und die wurden dann verlost zur weiteren Arbeit.
 
Scenturio

Scenturio

O̡̯̮̘̗̻͟͡i̸̼̘͞ṟ́͢u̻̯̤͘t͉̪̦͇̹̥n̛͚̯̯͙ͅͅe̛̟̠̞c҉҉̤͕̹̩
Musik als codierte Sprachnachrichten ist ja auch eine praktische Verschlüsselungsmethode, und lässt sich in Form von Ohrwürmern auch gut merken.
Wenn das früher schon etabliert gewesen wäre, hätte die Enigma wohl eher wie ein Minomoog ausgesehen ... ;.)
 
2bit

2bit

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Der Algorithmus ersetzt nur das motiv-destillierende, für Scheinentdeckungen von unbewusst erinnerten Teilen fremder Werke anfällige protokreative Geklimper auf dem Klavier, die analog zur Sammlung literarischer Stoffe in der Schriftstellerei der eigentlichen kompositorischen Arbeit vorausgeht. Was @2bit anscheinend nicht ganz verstanden hat. Selbsttäuschung wäre es, zu glauben, dass irgendein Algorithmus Musik ausspucken könnte, die aus dem Stand vertonenswert wäre.
Das ist mal so was von überhaupt nicht das, wovon ich gesprochen hab. Weißte auch selber.

Ich bitte darum, mir keine Worte in den Mund zu legen, auf Grund derer du meinst mich erstens herbeirufen zu müssen, nur um mich dann zweitens vermeintlich widerlegen zu können. Danke für deine Aufmerksamkeit.
 
Scenturio

Scenturio

O̡̯̮̘̗̻͟͡i̸̼̘͞ṟ́͢u̻̯̤͘t͉̪̦͇̹̥n̛͚̯̯͙ͅͅe̛̟̠̞c҉҉̤͕̹̩
Protokreatives Textmaterial in, Melodieskizze out. Notiert nur, unvertont.
Eine .mid-Datei zum Download wäre allerdings ganz nett, und technisch simpel umzusetzen. ;-)

Ein weiteres nettes Feature, dass die Prokrastinateure bei der Stange halten könnte, wäre eine Live-Einbindung diverser Headlines aus Google News. Aber das wird zugegeben erst interessant, wenn es dann tatsächlich eine Soundausgabe gibt. Oder noch besser: automatisch die neusten Beiträge auf sequencer.de vertonen. :wegrenn:
 
flowdy

flowdy

Paramusiker
@bit: Sorry, dann scheine ich dich tatsächlich zu missverstehen. Es wäre nett, wenn du noch mal neu formulieren würdest, bitte ohne versteckte Affronts, die mich als Rezipienten dazu veranlassen könnten zuzumachen.

Vielleicht hast du ja das gemeint, im übertragenen Sinne: Wer für den Marathon trainieren will, sollte laufen lernen, nicht Startstützer konstruieren.

Mit der Selbsttäuschung hast du vermutlich gemeint: Ich glaube komponieren zu lernen, indem ich einen Algorithmus entwickle. Mitnichten glaube ich das, das war nur ein Beispielsatz, im Sinne einer Selbstaffirmation. Siehe Positive Psychologie: Sich allmorgentlich vor den Spiel zu stellen und sich eine kurze, verslange Rede zu halten, wie toll man ja ist, ist bewiesen hinsichtlich ihrer Wirkung als selbsterfüllende Prophezeihung. Könnte das auch mal versuchen etwa mit "Sagt jemand etwas gutes, und sei es gegen mich, bin ich stark genug ihm schweigend zu danken". Schlechtes Beispiel, weil zu lang, müsste ein einfacher Hauptsatz mit Ich-Subjekt sein, nur so einer hat Zutritt zum Unterbewusstsein.

Dass eigentliche Komponieren kann man erst lernen, wenn die Inspiration da ist. Wie man zur Inspiration kommt, durch willkürliche Rumklimperei oder durch aleatorische, also zufallsgesteuerte Methoden, ist egal, wenn sich nur das Ergebnis gut anhört.

Wenn ich etwas glaube, dann das: Dass jemand, der sich einer deterministischen, pseudaleatorischen Methode wie hier beispielhaft der von mir entworfenen bedient, bei Plagiatsvorwürfen vor Gericht bessere Karten hätte als die Gegenseite, die nicht so vorgegangen war, da er seine oder sie ihre Inspirationsquelle beweisen, das Gericht von deren Unabhängigkeit von der gegenseitigen Leistung überzeugen kann, und dass es dies in der Entscheidung berücksichtigt, mindestens mit dem Ergebnis, dass der Kläger auf seinen Kosten sitzen bleibt.
Der Form halber betone ich eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass dies ein Irrtum ist, und dass daher Ausprobieren auf eigenes Risiko erfolgt, ist hoffentlich selbstverständlich.

Eine .mid-Datei zum Download wäre allerdings ganz nett, und technisch simpel umzusetzen. ;-)

Ein weiteres nettes Feature, dass die Prokrastinateure bei der Stange halten könnte, wäre eine Live-Einbindung diverser Headlines aus Google News. Aber das wird zugegeben erst interessant, wenn es dann tatsächlich eine Soundausgabe gibt. Oder noch besser: automatisch die neusten Beiträge auf sequencer.de vertonen.
Vorteil von Open Source, man kann mitmachen.

Der Master-Branch wird nur mittelbar eine Vertonung beinhalten. Die Melodie-Notation kann man sich im Sompyler/YAML-Format ausgeben lassen. Mit einem zu entwickelnden Online-Editor kann man es inhaltlich beliebig ändern und ausgestalten, wobei die Sache ständig sprachlich valide bleibt. Zur Vertonung kann man entweder eine eigene Sompyler-Installation verwenden. Oder mich als Betreiber bitten, das zu übernehmen. Das mache ich aber nur, wenn sich die mit meinem Algorithmus zufallsgenerierte Melodie sicht- und hörbar eindeutig im Stück als Hauptmotiv wiederfindet, denn durch die Mithilfe übernehme ich im obigen Sinne die Haftung bei etwaigen Plagiatsverdacht insofern, dass ich ja das Werk in Audioformat initial in Umlauf bringe. Außerdem muss die Seedphrase deutsch- oder englischsprachig und orthografisch korrekt sein, sonst ist ja kein Witz dabei.
 
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Scenturio

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Dass jemand, der sich einer deterministischen, pseudaleatorischen Methode wie hier beispielhaft der von mir entworfenen bedient, bei Plagiatsvorwürfen vor Gericht bessere Karten hätte
Der Form halber betone ich eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass dies ein Irrtum ist
würde hier eher von letzterem ausgehen, denn: Wenn das Ergebnis dieser Methode eine Bassline erzeugt, die starke Ähnlichkeit mit der von "Axel F." hat, kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Richter oder Anwalt ein Auge zudrückt, wenn ich mich damit rechtfertige: "aber ich hab das ja gewürfelt" ... auch nicht wenn ich dass beweisen könnte, denn auf das Ergebnis kommt es an (ich könnte die Melodie ja auch "nachweislich" im Kaffeesatz gelesen oder in einem Glückskeks gefunden haben).

Zur Vertonung kann man entweder eine eigene Sompyler-Installation verwenden. Oder mich als Betreiber bitten, das zu übernehmen.
Das dürfte für Deine Zielgruppe aber nur ein geringer Trost sein (sofern Du nicht davon ausgehen kannst, die Verbreitung vom Sompyler auf diese Weise signifikant zu steigern).
Solange Dein Algo nur Noten, und keine Klangfarbendaten ausspuckt, dürfte sich der Mehrwert des Sompylers dazu auch im Rahmen halten - eine Ausgabe per Midi dürfte das allgemeine Interesse eher reizen.

Ich gebe aber zu: solange das ganze nur eine "nerdy" Methode zur eigenen Erbauung ist, und Dir eine tatsächliche Nutzerbasis egal ist, reicht das ja völlig aus.
Mich selbst würde an so einem Thema reizen, ein Onlintool bereitzustlelen, dass die Leute aus Interesse oder ästhetischem Vergnügen gerne besuchen, und auch zum Content beitragen (diese Seiten mit Patch-Sheets für diverse Modularsynths zum Mitmachen mit Uploadfunktioon für eigene Soundbeispiele finde ich z.B. sehr nett).
Eine Library, mit der ich aus Sprache Melodien erzeugen kann, die sich dann auch andere anhören, könnte auch ein ganz lustiger Zeitvertreib sein. Erst recht, wenn man dann aus den Soundschnipseln noch einen Track basteln kann (oder die Software dies selbst macht).

Übrigens: Die Idee des Sompylers finde ich gar nicht so schlecht; ausprobieren würde ich die Software aber nur, wenn es ein grafisches Userinterface dafür gäbe (am besten echtzeitfähig und per Midicontroller spielbar). Ehrlich gesagt: in meiner Freizeit YAML-Dokumente zu lesen und zu schreiben, fehlt mir die Muße, zumal ich die ganze Woche über mit XML, SQL und Shellscripten herumkaspern muss. ^^ Da genieße ich dann am Wochenende den "Luxus", in Logic Regions mit der Maus zu verschieben, und die Knöppe am Model-D zu drehen.
 
serge

serge

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würde hier eher von letzterem ausgehen, denn: Wenn das Ergebnis dieser Methode eine Bassline erzeugt, die starke Ähnlichkeit mit der von "Axel F." hat, kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Richter oder Anwalt ein Auge zudrückt, wenn ich mich damit rechtfertige: "aber ich hab das ja gewürfelt" ... auch nicht wenn ich dass beweisen könnte, denn auf das Ergebnis kommt es an (ich könnte die Melodie ja auch "nachweislich" im Kaffeesatz gelesen oder in einem Glückskeks gefunden haben).
Ich hatte schon vor ein paar Tagen versucht, verständlich zu machen, dass es unerheblich ist, wie eine Urheberrechtsverletzung zustande gekommen ist.

Man stelle sich einmal vor, ein Patent dadurch umgehen zu wollen, dass man nachweisen kann, die geschützte Technologie per Zufall entdeckt zu haben: Man macht sich trotzdem der Patentverletzung schuldig.
 
Scenturio

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Ich hatte schon vor ein paar Tagen versucht, verständlich zu machen, dass es unerheblich ist, wie eine Urheberrechtsverletzung zustande gekommen ist.
eben. Deswegen verstehe ich das Argument des TE nicht wirkllich ...
 
flowdy

flowdy

Paramusiker
Es gibt eben einen Unterschied zwischen Zufall und Pseudozufall.

Dass man mit Zufall vor Gericht nicht argumentieren kann, ist mir klar, das ist in der Tat auch meine Rede. Die Zufallskomponente hat nur mich als Komponisten zu interessieren, indem ich mir ausgehend von zwei Eingabewerten (Seedphrase; probabilistischer Fingerabdruck) über den deterministischen Algorithmus eine Inspiration geben lasse, die für (m)eine Intelligenz nicht vorhersagbar ist.

Die Arbeitsweise des Algorithmus ist bewusst so in sich verschränkt, wenn im einzelnen hoffentlich nicht zu komplex, dass er ein fast chaotisches System ergibt. Ein fast chaotisches System ist ein deterministisches System, bei dem der Zusammenhang zwischen In- und Output besteht, aber nicht mehr durch Studium begreiflich ist. Der Aufwand wäre schlichtweg unzumutbar. Im Ergebnis erscheint einem das als Zauber. Und wenn Zauber keine Inspiration ist.

Mir als Komponisten erscheint die Ausgabe zufällig. Wenn es also eine Selbsttäuschung gibt, dann liegt hier eine vor. Aber eigentlich nicht, denn ich kenne ja die Deterministik der Methode.

Und darum geht es ja beim Komponieren: eine zufällige Inspiration in etwas zu verwandeln, dass nicht nur für mich, sondern auch für andere als Musik hörenswert ist.

Einem Komponist vor Gericht, konfrontiert mit dem Vorwurf kopiert zu haben, würde dagegen nicht helfen, dass seine Inspiration zufällig war. Er könnte stattdessen - ich wiederhole mich - beweisen, dass er unabhängig von Werk des Klägers darauf gekommen ist. Also auf die Hauptmotive. Von anderen Dingen, wie Bassline, hab ich bisher nicht geschrieben, ja.

Und das macht er, indem er die gleiche Seedphrase und den gleichen probabilistischen Fingerabdruck eingibt, sie vom gleichen Code verarbeiten und sich aber diesmal die Herleitung mit ausgeben lässt, die er dann aufs Tapet bringt. Die Herleitung ist fast beliebig genau und ausschweifend verbalisierbar (ohne KI, reine Schablonentextlückenbefüllung), damit sie auch vom einfachsten Rechtsgutachter nachvollzogen und verifiziert werden könnte.

Dass das allein nicht reichen könnte, um das eigene Werk zu verteidigen, ist mir auch klar. Die Inspiration muss sich schon deutlich im Werk wiederfinden, und das ist noch mal ne Frage für sich, die zwar auch maschinell entschieden werden kann, aber nur wenn man das Sompyler scorefile hat (wenn man das verwendet). Theoretisch könnte man ja schrittweise alles soweit abändern, willentlich oder nicht, dass am Ende, sagen wir, "Atemlos" erklingt.

Ach, was schreib ich wieder so viel, das liest erwiesenermaßen doch eh keiner. Wenn ich was weiter schreiben sollte, dann Code. Von einer README-Datei, die mein Gesamtvorhaben auf Englisch beschreibt, hat hier wohl auch niemand nichts.
 
Scenturio

Scenturio

O̡̯̮̘̗̻͟͡i̸̼̘͞ṟ́͢u̻̯̤͘t͉̪̦͇̹̥n̛͚̯̯͙ͅͅe̛̟̠̞c҉҉̤͕̹̩
... wenn der Bytecode von meinem Geburtstag und dem meiner Frau nach ISO-8601 in Midi-Notennummern exakt die Hookline von "Atemlos" ergibt, ist das zwar nachweisbar deterministisch, aber veröffentlichen dürfte ich es leider trotzdem nicht. :sad:

Ich glaube aber auch nicht, dass Deine Methode die Rechtfertigung als Zufallsplagiatsprävention braucht. Wobei es mathematisch natürlich interessant wäre, ob (und wie schnell) sich eine Funktion finden lässt, die ausgehend von einer Melodie zu einer vorgegebenen Textphrase führt. Wenn mein Algorithmus das könnte, bräuchte ich einfach nur Atemlos nachspielen, und könnte auf Verlangen Code vorweisen, der diese Melodie aus einem selbstgeschriebenen, zotigen Limerick bildet. :p
 
 


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