camoz schrieb:
lustig würde ich es finden eine oberfläche zu haben um sounds vom sampler durch zu jagen und mit typischen syntheseformen zu verfremden können.
Erstmal: Das "Problem" an der Verfremdung mit diversen Syntheseformen ist, das (fast) alles was nicht subtraktiv (=Filter) ist und "syntheseartig" fast immer schrecklich klingt, wenn man es auf polyphone Signale loslässt. Soll es also Polyphon sein und die Verbiegung etwas Komplexer kommt man nicht umhin, die Verbiegung innerhalb der Stimmstruktur zu machern und dann geht durch Effekte "Durchschicken" nicht mehr wirklich.
Zu den diversen Lösungen:
Wenns wirklich nur ums monophone Verbiegen oder um ein leichtes polyphones Verfremden geht, ist es häufig einfacher das mit selbst gebastelten Effekt-Ketten zu tun. Da kommt es ein bisschen drauf an, was da DAW so kann. Der Reaper kann z.B. relativ ausführlich durch diverse Effekt-VSTs routen. Immer dran denken: Fast alle VSTs lassen sich ausführlich automatisieren. Mal einen LFO dranflanschen geht oft schon mit den Bordmitteln des DAWs.
Zum "leichten" rum-Nerden kann ich noch dasda empfehlen:
http://www.reaper.fm/reaplugs/
Paar ganz nette und recht flexible Effekte und insbesondere ReaJS was eine Skriptsprache für Effekte ist (und mit einem riesen Stapel an fertigen und teils recht netten Effekten kommt).
Für flexibles Routing zwischen Effekten könnte auch GuitarRig interessant sein. Kann zumindest Signale Bandsplitten und zwischen verschiedenen Effektbussen verteilen und ähnliches.
Nun zum "Modularen". Ich sehe da grob mal 4 Klassen:
a) relativ normale Synthies mit Audio Input und/oder zumindest teilweise freier Modulverdrahtung:
Könnte nach deiner "Selbstbeschreibung" der beste Einstieg sein. Das Spektrum ist relativ breit: Von leichten Anpassungen am Signalfluss (Massive, FM8 (mit Audio Input)), zu nahezu Modular (fast) ohne Samples (Zebra, Bazille, Tera,...) zu Flexiblen Sampleverbiegern/Resyntheesizern (insb. Alchemy soll nett sein).
b) Modulare, die sich in Sachen Editierbarkeit an den analogen Vorbildern orientieren:
Kennt man die Grundlegende Struktur von Synthies kommt man recht schnell zum Ziel. der Ansatz ist mehr oder weniger, dass man jeden Sound neu patched. Beispiele: Nord G2 (gibt eine monophone Version für PCs), VAZ Modular,...
c) Die Reaktor/Max/PD,... Klasse (später mehr)
d) Programiersprachen für Audio (CSound, Supercollider,...); Vermutlich nicht das was du suchst...
Nun zu den Großen Modularen der c) Klasse:
Vorwarnung: Ich habe eigentlich nur Reaktor Erfahrung (+ ein bisschen Supercollider und natürlich haufenweise halb-modulares). Erfahrungslevel: Ich wird mal sagen mittel. Ich baue auch mal was im Core Level um, bin aber sicher keiner der großen Baumeister.
Reaktor ist hauptsächlich zum entwerfen von Synthies gebaut, die man dann auch mal öfter wiederverwendet. Will man jedes mal von Null mit einem Sound anfangen, wird man mit Reaktor nicht glücklich. Die internen Sample Module können manches ganz gut, die Sample Verwaltung ist aber nicht super komfortabel und sobald man "manuell" während des Abspielens die Phase des Samples festlegen will muss man auf die Tabellenmodule (oder selbst in Core Speicher bauen), was recht ungemütlich wird.
Der Riesenvorteil von Reaktor ist die Nutzer-Bibliothek. Die kennst du ja denke ich im Ansatz von früher. Mittlerweile ist die Geschwindigkeit mit der sie wächst etwas langsamer (d.h. man kann auch leichter auf dem laufenden bleiben). Die Qualität vieler Sachen ist meines Erachtens sehr hoch.
Persönliches Highlight der letzten Jahre ist für mich der Modular-X (von Herwig Krass, der ist glaube ich auch hier im Forum unterwegs). Im Prinzip kann man damit auf dem normalen Reaktor User Interface Kbel ziehen ohne sich um die "rechte" Verdrahtung im Hintergrund kümmern zu müssen.
[Disclaimer: Gabnoch einen Haufen weiterer technisch recht beeindruckender Sachen in den letzten Jahren, der Mod-X hat mich aber endlich wieder zum "seriösen" selberbauen gebracht]
Reaktor (oder Komplete) im Sonderangebot (alles andere ist bei NI leider Quatsch) kaufen rentiert sich meines Erachtens fast immer, grade weil man so viele verschiedene und relativ interessante Spielzeuge kriegt, die man auch noch relativ schmerzarm umbauen kann. Für den Anwendungsfall "schnell mal ein Sample verbiegen" würde ich aber erst mal schauen, was sich mit ein bisschen Effektketten bauen und automatisierung so aus den Standarteffekten rausholen lässt und mir evtl. noch ein paar von den (oft kostenlosen) "kaputten" Effekten holen.