Ich finde, das wäre die schönste Art Filmmusik zu spielen/produzieren/komponieren, direkt in Echtzeit, alles aufnehmen, später höchstens noch hier und da kleine Korrekturen, aber die fliessenden Ideen und der Gesamtfluss sollte soviel wie möglich im Originalzustand belassen werden. Dafür sind einige Vorbereitungen notwendig, wie z.B. dass man etwas von Musik und Gefühl kennen sollte, vorbereitete Soundpaletten in Echtzeit einsatzbereit und schnell ohne Artefakte umschaltbar vorliegen sollten und möglichst gute Echtzeitkontrolle aller hörbaren Elemente in der Musik. Ich glaube Vangelis arbeitet auch gerne auf diese Weise. Welche Foren sind unter Filmmusikern besonders beliebt, egal ob deutschsprachig oder Englisch?Jaguar schrieb:Noch eine kleine Anekdote zum Thema:
Ich habe 1987 den deutschen Film "Blutorange" vertont. Das ging so: Die Regiesseurin (Ulrike Nechleba) besucht mich mit dem Videoband. Alle meine damaligen Synths um mich gruppiert, Tonband ein, Video ab und los gings live zum Bild. In einer Nacht war der gesamte Score fertig. (und brachte mir eine Menge neuer Aufträge..)
TonE schrieb:Jaguar, wieviele Sounds hast Du dann grob im Durchschnitt gelayert? Und war auch Rhythmus dabei, ich meine damit Drums oder nur Melodien, Bässe und Harmonien ohne Drums? Naja, eigentlich brauche ich mir ja nur diesen Film anzuschauen, dann wüsste ich schon die Antwort auf diese Frage. Und noch interessanter, komponierst Du Filmmusik heute auch meist so, oder auch anders?
Nimmst Du dann diese freie Improvisation auch (nebenbei oder im Hintergrund) mit auf oder erst mal nicht?Jaguar schrieb:Aber am Beginn einer Komposition steht noch immer die freie Improvisation zum Bild
Moogulator schrieb:Natürlich gibt es im Weltraum keine Sounds. Deshalb kann man auch mal überlegen, ob Laserpistolen "ZAPPP" machen
Tischhupe schrieb:Wär doch mal eine witzige Sache, eine bekannte Filmszene musikalisch anders zu untermalen. So als kleines Forums-Projekt?
Welche bekannten Filmszenen meinst Du, die von Teresa Orlowski, Dolly Buster und Rocco Sifredi? :D Da lässt sich rhythmisch einiges herausholen.Tischhupe schrieb:... eine bekannte Filmszene musikalisch anders zu untermalen.
TonE schrieb:Welche bekannten Filmszenen meinst Du, die von Teresa Orlowski, Dolly Buster und Rocco Sifredi? :D Da lässt sich rhythmisch einiges herausholen.Tischhupe schrieb:... eine bekannte Filmszene musikalisch anders zu untermalen.
Oder Szenen aus dem Deutschen Bundestag?Tischhupe schrieb:Naja, ich meinte eher Szenen aus Star-Wars oder so ... Gibts es doch eine Menge Auswahl ...
TonE schrieb:Oder Szenen aus dem Deutschen Bundestag?Tischhupe schrieb:Naja, ich meinte eher Szenen aus Star-Wars oder so ... Gibts es doch eine Menge Auswahl ...
Genau. Unvergessen auch die Tatort-Folgen die von T.D. vertont wurden. Nicht nur an 2 Schimmis, sondern auch an mind. einen mit Lenz (Helmut Fischer) kann ich mich erinnern.Klangforscher schrieb:In den 80er wurde noch mehr mit Elektronischer Musik in Scifi Filmen gemacht als heute , ganz klar.
(Kommt ein wenig spätTonE schrieb:Nimmst Du dann diese freie Improvisation auch (nebenbei oder im Hintergrund) mit auf oder erst mal nicht?Jaguar schrieb:Aber am Beginn einer Komposition steht noch immer die freie Improvisation zum Bild
Finde ich auch sehr gut! Generell muss man natürlich auch sagen, dass so ein Film auch was hergibt. Ungleich schwieriger wirds, wenn du zB saulangweilige Dokus oder Präsentationen vertonen musst. Ich bekam mal einen Film über eine Brötchenherstellung. 20 Minuten nix als Semmel! Das war dann der grosse Auftritt der Bontempi. Seither ess ich nur mehr SchwarzbrotKlangforscher schrieb:Den besten Soundtrack den ich in den letzten Jahren gehört habe und der mich sehr inspiriert hat ist von dem Film "K-Pax"
Vielleicht sollte man dann aber eher kritisieren, dass die Filmmusik oftmals in der musikalischen "Sprache" des 19. Jahrhunderts steckengeblieben ist, als dass sie "zu akustisch" ist. Es werden heute immer noch die gleichen romantisierenden Mittel benutzt, wie sie zu Richard Wagners Zeit einmal modern waren - und das auch noch in vorhersehbarer, plakativer Weise. Die Frage ist aus meiner Sicht nicht, warum nicht mehr elektronische Klangerzeuger eingesetzt werden, sondern warum das im 20. Jahrhundert entwickelte Repertoire an Ausdrücksmöglichkeiten frei-tonaler, atonaler und avantgardistischer Musik nicht (mehr) genutzt wird.Moogulator schrieb:Wie weiter oben gesagt, soll damit auch akustische Musik nicht geringschätzt werden, aber die Möglichkeiten der elektronischen Klänge sind so groß, dass ich mich schon wundere, dass sie nur in Teilen genutzt werden und eher auf Bombastmethoden gesetzt wird, oftmals.
Dazu wage ich mal folg. These: WER die Filmmusik macht und WIE die klingen soll entscheiden in aller Regel der/die Produzenten. Und gerade bei sündteuren Produktionen gehen die auf Nummer Sicher und setzen auf Fanfaren. Ausserdem soll die Musik ja auch später auf Tonträger erscheinen und da kommt Wagner besser als Elektrobuzz.Es werden heute immer noch die gleichen romantisierenden Mittel benutzt, wie sie zu Richard Wagners Zeit einmal modern waren - und das auch noch in vorhersehbarer, plakativer Weise. Die Frage ist aus meiner Sicht nicht, warum nicht mehr elektronische Klangerzeuger eingesetzt werden, sondern warum das im 20. Jahrhundert entwickelte Repertoire an Ausdrücksmöglichkeiten frei-tonaler, atonaler und avantgardistischer Musik nicht (mehr) genutzt wird.
Mich nervt es absolut, dass heute jeder SciFi Film ausschließlich mit Pauken, Geigen und Trompeten anstatt mit elektronischer Musik untermalt ist. Vermutlich weil es als "billig" gilt. Aber generell würde es den Film deutlich untersützen.
Ich bin NICHT gegen Orchester oder akustische Musik, aber wenn sie nicht passt, lasst sie bitte auch weg und nehmt Dinge, die passen.
Das ist besonders bei Hollywood ein Problem. Was hat denn bitte in StarTrek oder so so ein Heldenfanfarengeschmetter zu suchen? Da sieht man Raumschiffe und es spielt das übliche Drama-Begleitgedudel. Das hat wenig von Zukunft und dem Gefühl.
Dreh nur mal den Ton weg von solchen Sachen und lege man ein paar Drones aus den früheren SciFi Filmen drunter. Diese sind sicher nicht so ausgefeilt, aber sie wirken wirklich mehr und besser. Man sehe sich nur die alten Dr.Who Sachen an. Wenigstens ein bisschen mehr Befremdlichkeit und Außeririsch-seins würde ich mir wünschen. Gern auch in Psychofilmen und so weiter. Es wäre eine echte Bereicherung als immer nur das Standardscore irgendeines Hans Zimmer, der ja ansich den Kram besitzt aber offenbar nicht einsetzt.
Das ist kein Plädoyer gegen Ligeti in 2001 oder sowas, es ist nur eine Bitte AUCH MAL was zu machen, wo es denn passt. Das kann nur nicht sein, dass es so wenig passt wie es aktuell gehandhabt wird. Bisschen Elektro-FX ist mir zu wenig, das ist eben auch echte Arbeit gut zu komponieren - ohne Vangelis - Akustikkrams oder Hans Zimmer und so.
Nur mal hören - Und das hier ist ansich primitiv. Man bedenke, was man heute machen könnte - Ich meine wenn man es wirklich ernst meint?
Sinn und Sinnlichkeit? Ok, hab da nichts gegen ein paar Geigen. Oder 1492? Auch prima. Man kann viel damit tun, aber zu sehr vielen Filmgenres passt das eben nicht. Ich sag mal: In Torchwood hört man einen Sync-Sound, wenn sich der Slitheen seiner Haut entledigt. Manchmal sind solche einfachen Sounds wirkungsvoller. Natürlich gibt es im Weltraum keine Sounds. Deshalb kann man auch mal überlegen, ob Laserpistolen "ZAPPP" machen, aber bitte nicht nur für die Sounds sonder für den Soundtrack mehr über Elektronik nachdenken und zwar gut dazu passend.
Ich weiss, dass die meisten hier keine Filmemacher sind, aber mich nervt das, da ich sehe was man machen kann und wie es wirken kann. Und wir wollen doch nicht, dass Forbidden Planet und Co die einzigen Filme bleiben, wo Hall noch schepperte und so. Viele Autofirmen (besonders französische) trauen sich in der Werbung schon mehr, allerdings mit mehr "Pop".
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