Synthesizer sind etwas Sinnliches - Jarre Interview

@ kpr:
Hammer! Du erwähnst in einem Posting die zwei Leute, die mich in die elektronische Musik und mein Leben, so wie ich es lebe, getrieben haben!
Nicht JMJ und Wendy Carlos, nönö, sondern Freff (der vor 15 Jahren in der amerikanischen Keyboard etwas formuliert hat, das bis heute mein Leben bestimmt) und Bill Ramsey (der damals in Deutschland das Stylophone beworben hat und mich damit elektronisch angefixt hat).

So viel zum Thema persönliche Wahrnehmung...
 
Ilanode schrieb:
Er wird höchstwahrscheinlich der Überzeugung sein, dass mit SOB elektronische Musik - und damit der Synth - aus der akademischen Nische herausgekommen ist und in der Populären Musik zunehmend Fuß fassen konnte.


Das könnte hinkommen.

Den Einfluss von SOB möchte ich aber auch nicht unterschätzt wissen, selbst wenn meine Äußerungen so (miss-)verstanden wurden. Oft sind es gerade Minderheiten und Nischenprodukte, die auf den Mainstream, und damit auf millionenfache Popularität, Einfluss ausüben. Die paar Hanseln der 70er haben letztlich dafür gesorgt, dass Companies wie Yamaha plötzlich 100tausende von ihren industriell gefertigten Synths verkaufen konnten. Und zwar nicht an Bühnen- und Livemusiker, sondern mitten hinein in die Wohnzimmer. Manchmal auch Schlafzimmer. Oder Hobbykeller. Das würde ich dann populär nennen. Allerdings müsste man mal bei den Softsynthherstellern nachfragen, wie die das sehen. Kann sein, dass die das mittlerweile in den Schatten stellen und jenseits der Millionengrenze operieren. Von den vielen Soundcards in PCs nicht zu reden, denen durch all das der Weg geebnet wurde. Handy nicht vergessen.
 
kpr schrieb:
Ilanode schrieb:
Er wird höchstwahrscheinlich der Überzeugung sein, dass mit SOB elektronische Musik - und damit der Synth - aus der akademischen Nische herausgekommen ist und in der Populären Musik zunehmend Fuß fassen konnte.


Das könnte hinkommen.

Ich glaube das ist zuviel interpretiert. Er hat schon eine klare "Glaubensaussage" gemacht. Aber soooo wichtig ist das alles auch wieder nicht.
 
MAl dazu, etwas abgehoben:

1) Es gibt immernoch kleine Bereiche, wo man mit Synthesizer "Alien" ist, es war auch lang so und wurde von Den Medien gerne rausgehalten, es gab aber auch eine Zeit, wo mindestens 2 Strömungen arbeiteten, es war zB in den 80ern fast "chic" sich mit Synthesizern zu zeigen, während gleichzeitig einige genau deshalb boykottiert wurden,

Beispiel? Depeche Mode, heute so wichtig wie U2 und Co, aber sie waren lange immer ein bisschen dahinter in der Achtung und Anerkennung durch Funk und Fernsehen, sehr sehr lange.

Bei Pop und Electro ist das alles durch, heute bringt das TV eh fast nurnoch indiskutable ü70 Sendungen oder Chartshows der übelsten Machart, damit muss man über Syntheiszer kaum diskutieren, da das musikalische Leben außerhalb der Medien stattfindet, fast komplett, bis auf den ganz obersten Mainstream oder das, was man dort so denkt, was der Mainstram ist..
Einfach gesagt,..
Auch viele kommerzielle Bands haben es mit Synthesizern geschafft,

aber es gibt noch wenige Gruppen, wo das ein Problem ist, zB die musikalische Ausbildung: Da muss man immernoch Klavier oder sowas nehmen, Synthesizer oder Elektronik gibt es immernoch nicht überall, also Akademisch ist das teilweise ziespältig, denn es gibt ja auch elekt. Komposition, aber nicht überall etc.

Dann gibt es Teile des Jazz, der sgnt handgemachten Musik und des Songwritings, wo das etwas verpöhnt und als "nicht richtig" gilt, aber auch hier eben nur noch bei ganz musikalisch konservativem Volk.
Der Rest ist Geschmack und Trend..

Wir haben immernoch und wieder einen starken Trend zu Nichtelektronik/Nichtsynthesizern - Aber es gibt auch Gegenbewegungen, so pendelt sich das wohl langsam ein, aber NORMAL ist es in 97% aller Richtungen, abgesehen vielleicht von Klassik und teilen bestimmter Institutionen und Stilrichtungen, obwohl es selbst in tradierten Ecken machbar wäre..

So wertfrei wie es geht, so sollte man das sehen.

Wie wichtig oder unwichtig da emotionale Äußerungen über Synthesizer oder Instrumente und was sie sind und wieviel EMO drin ist..
hmm..
Das müssenseselberwissen ;-)
 
"Mit dem Bleistift Noten auf Papier zu malen, das ist doch ein viel abstrakterer, entseelter Prozess, als mit den Händen Frequenzen gewissermaßen zu kochen, mit verschiedenen Zutaten und Gewürzen."

Man sollte nicht von Dingen reden, von denen man nichts versteht, auch Herr Jarre nicht! 8)
 
Moogulator schrieb:
Wie wichtig oder unwichtig da emotionale Äußerungen über Synthesizer oder Instrumente und was sie sind und wieviel EMO drin ist..
hmm..
Das müssenseselberwissen ;-)

Wenn der "Poster" nicht dabei ist, kann man sich bis zum nächsten Jahrtausend Gedanken darüber machen – trotz relativ klarer Aussage.
Der Weg als Ziel - ja klar, man kann viel drüber reden...

Wie ich darüber denke.... auf den Punkt.
Es gäbe ja keine Weiterentwicklung, wenn etwas im stillen Kämmerlein oder in einer Musikecke bleiben würde.
So was wird dann auch missbraucht – ist immer so, aber eben auch neu formiert.

Obwohl im Moment das Recyclen gefühlt doch Überhand genommen hat.
Liegt aber auch an den Medien. Es gibt mit Sicherheit "Underground" viel mehr gute und vielschichtigere Dinge als früher, durch Medienalgos, Filterung kommt es zu verzerrten Wahrnehmungen.

Aus den Köpfen der Leute musste wohl einfach auch raus, dass man nicht unbedingt spielen können muss um Musik zu machen. Ich glaube das ist der Hauptgrund auch für viele Auf und Abs der Syntthfraktion, ob Kommerziell oder Nische. Und da haben Syntheziser in Verbindung mt klassicher Musik ja sogar noch was Gutes - Förderndes. Denn man kennt das ja.
Der Mensch frißt nicht sofort was Neues, der will langsam umgewöhnt werden. Prozess des Prozess wegens.
 
Man sollte nicht von Dingen reden, von denen man nichts versteht, auch Herr Jarre nicht!

Ganz unrecht hat er aber nicht.

Übrigens heißt es auch deshalb "Musique concrète". ;-)
Und Jarre ist ja Franzose.

Gruß,
Markus
 
Musique concrète ist etwas ganz anderes als Synthesizermusik... halt Musik "aus Geräuschen", wie sie später (wenn auch in Form von Samples) dann ja auch bei diversen Industrial-Tracks vorkam

Erwähnenswert ist übrigens, dass ich das 5. Brandenburgische Konzert von Bach zuerst in der Version von Switched-On-Bach kennenlernte (ich wusste damals gar nicht, was das für "Instrumente" waren) - mein Vater (ein fast reiner Klassik-Hörer und großer Bachverehrer) hatte die Aufnahme auf Tonband aufgenommen, weil er das Ganze interessant fand.
 
Ilanode schrieb:
Markus Berzborn schrieb:
Übrigens heißt es auch deshalb "Musique concrète". ;-)
Und Jarre ist ja Franzose.
Nur hat er mit Musique concrète nichts zu tun. Oder war er ein Doppel-Klang-Agent?

Wie kommst Du darauf, dass Jarre nichts mit Musique concrète zu tun gehabt hat? Er hat doch an der "Groupe de Recherche Musicale" unter Pierre Schaeffer studiert. Und seine ersten Werke, also die Sachen vor Oxygene, klingen zum Teil schon ein wenig experimentell.

Vielleicht hat er sich dann später dazu entschlossen, eher in die "massenkompatible" Richtung zu gehen, was ja auch sehr erfolgreich geklappt hat.
 
Habe gerade selber die Antwort auf meine Vermutung gefunden:

JARRE: Das erste Album, das den Synthesizer populär gemacht hat, war Walter Carlos' „Switched On Bach“. Ich glaube, das hat auf lange Sicht eher negative Gefühle elektronischen Instrumenten gegenüber ausgelöst. Weil jeder dachte, dass die Hauptaufgabe des Synthesizers darin läge, klassische Instrumente zu imitieren, falsche Posaunen, falsche Trompeten. Für mich sind Synthesizer dazu da, neue und ungewöhnliche Klänge zu erzeugen.

Und dann haben Sie sich bewusst entschieden, diese ungewöhnlichen Klänge zu popularisieren?

JARRE: Nein, nicht bewusst. Ich wollte das einfach machen. Es war vielleicht auch eine Reaktion auf die experimentelle Musik der Zeit, auf Pierre Boulez, Iannis Xenakis, auch Stockhausen. Denen waren Melodien verdächtig. Das hat mich schockiert. Für mich ist Musik eine Mischung aus Rhythmus, Struktur und Melodie. Deshalb finden sie bei „Oxygène“ auch so viele melodiöse Teile. Und deshalb ist es wahrscheinlich auch kommerziell so erfolgreich geworden. Nur geplant hatte ich das nicht.

Quelle: http://www.ksta.de/html/artikel/1195816856258.shtml
 
Wenn man den Angaben trauen kann, dann hatte Carlos die Idee mit Bach gar nicht selber, sondern die Plattencompany. Das soll die Leistung nicht schmälern, denn dieses Tonbandschnipselverfahren muss eine Wahnsinnsarbeit gewesen sein.

Hintergrund könnte seitens der Plattenfirma Play Bach gewesen sein. Bach ist einer der Komponisten, bei dem man sich bedient, und Charles Gounod ist ja selbst bei Klavierlehrerinnen umstritten, bei meiner war das jedenfalls so. Play Bach Erfinder Jacques Loussier war seit Ende der 50er vergleichsweise erfolgreich mit seiner Sache, es war in den 60ern ohnehin eine Zeit, in der sowas kommerziell ging. Dass sich eine A&R Person dann an so einen Zug dranhängt und Carlos zuträgt "mach doch mal sowas", nur eben mit dem neuen Synthkasten, das wäre nicht ganz auszuschließen. Den Plattenkaspern geht´s um Kohle, und mit Bach geht immer was und mit was Neuem auch. Kaffee genauso mit Wasser gekocht, nur neu. Alte Schule!

Dass sich Carlos dann bei Clockwork Orange bei anderen Leuten wie Purcell bedient hat, kann am Regisseur gelegen haben (Temp Score). Müsste man Carlos mal fragen, die ist ja kommunikativ.
 
Hat jetzt bei mir einen Prozess ausgelöst - muss mir die Aufnahme mal besorgen und hoffe das die Haare nicht ausfallen :)
 
Ilanode schrieb:
Nur hat er mit Musique concrète nichts zu tun. Oder war er ein Doppel-Klang-Agent?

Musiker sind Doppelagenten. So auch JMJ:

"1969 trat er dann der Groupe de Recherches Musicales bei, die sich unter der Leitung von Pierre Schaeffer mit der sogenannten Musique concrète befasste. Während des einen Jahres, das Jarre in der Groupe de Recherches Musicales verbrachte, nahm er seine erste Eigenkomposition namens Happiness Is A Sad Song auf."

http://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Michel_Jarre


Und:

"Seinen großen Durchbruch hatte Jarre mit dem 1976 erschienenen Album Oxygène, das, ab 1977 über PolyGram weltweit vertrieben, zu einem überraschenden Erfolg geriet, und von dem bis 2003 weltweit 12 Millionen Exemplare verkauft wurden."

12 Millionen Exemplare wären so in etwa auch die Größenordnung, mit der meiner Auffassung nach einer Popularisierung Vorschub geleistet wird. JMJ machte sich mit seinem Klopfgeist, den er zu einfach zu begreifenden Melodien bei Oxygene laufen ließ, nicht wirklich Freunde unter denen, die musikalische Tiefe erwarteten. Seinem Bankkonto dürfte das nichts ausgemacht haben, seiner Reputation als Komponist sicher schon. Und was gibt ein Komponist schon auf Erwartungen und Reputation :D

Und wegen JMJs "Happiness Is A Sad Song" klingt das schwer nach Hommage ans zuvor erschienene weiße Album und "Happiness is a warm gun" ... Sollte JMJ insgeheim ein Fan von Lennon sein?
 
Monolith2063 schrieb:
Wie kommst Du darauf, dass Jarre nichts mit Musique concrète zu tun gehabt hat? Er hat doch an der "Groupe de Recherche Musicale" unter Pierre Schaeffer studiert. Und seine ersten Werke, also die Sachen vor Oxygene, klingen zum Teil schon ein wenig experimentell.
Weil ich das nicht wusste!
 
EinTon schrieb:
Musique concrète ist etwas ganz anderes als Synthesizermusik...

Aber nur, weil es bei ihrer "Erfindung" noch keine Synthesizer gab.

"Musique concrète" bedeutet nicht unbedingt Verwendung von gesampelten Naturgeräuschen. Es bedeutet: vom konkreten Klangmaterial zur Abstraktion statt von der Notation zum Klangergebnis.
Was praktisch erst mit Aufzeichnungsmedien wie Schallplatte und Tonband möglich war.

Gruß,
Markus
 
Markus Berzborn schrieb:
EinTon schrieb:
Musique concrète ist etwas ganz anderes als Synthesizermusik...

Aber nur, weil es bei ihrer "Erfindung" noch keine Synthesizer gab.
Hätte es den Synthesizer in den 1940er Jahren schon gegeben, wäre die Musique concrète genau- und ebenso konzepioniert worden, nur das sie nicht etwas ganz anderes als Synthesizermusik wäre?

Das Fehlen von Theremin und Ondes Martenot deutet doch eher darauf, dass das Interesse auf der Weiterwicklung des vorhandenen "gefundenen" Klanges und nicht auf der Entwicklung und Erprobung neuer (elektronischer) Instrumente liegt.
 
Ja, den Klang der beiden angesprochenen Instrumente kannst Du ja auch kaum verändern.

Aber Du hättest sie auf Band speichern und diese Klänge weiterverarbeiten und montieren können. Das wäre dann Musique concrète.

Ich gebe hier die Definition von Pierre Schaeffer wieder. Später hat man allgemein unter konkreter Musik das "Sampeln" von Naturklängen im Gegensatz zur synthetischen "Elektronischen Musik" verstanden. Das ist aber nicht die ursprüngliche Definition.

Gruß,
Markus
 
Markus Berzborn schrieb:
Ja, den Klang der beiden angesprochenen Instrumente kannst Du ja auch kaum verändern.

Aber Du hättest sie auf Band speichern und diese Klänge weiterverarbeiten und montieren können. Das wäre dann Musique concrète.
Die paar Aufnahmen, die ich habe, die der musique concrète zugerechnet werden können (vor allem Parmegiani), klingen nicht so, als hätte er in der beschriebenen Weise Instrumente verarbeitet. Erinnert aber an das Frühwerk der Residents: Klänge aufnehmen, weiterverarbeiten und montieren, naja, Switched on Bach ist ja auch irgendwie aufgenommen, weiterverundsoweitert und mit viel Aufwand an Tape montiert worden, so wird Musique concrète scheinbar eine Schublade ist, in die vieles passt...
 
Ja, was ich sagen wollte: Es spielt keine Rolle für die Definition der Musique Concrète, ob die verwendeten Klänge akustischen Instrumenten, elektronischen Instrumenten oder irgendwelchen Maschinen oder der Natur entstammen.
Aber tatsächlich wurden gerade in der frühen Musique Concrète sehr oft Instrumente zur Erzeugung des klanglichen Grundmaterials herangezogen (die man dann aber im Endergebnis meist gar nicht mehr erkennt), z.B. bei Pierre Henry oft ein präpariertes Klavier.
Welche Platten hast Du von Parmegiani?
Ich habe vor kurzem erst einen Artikel zu dem Thema geschrieben. Erschienen in der analog aktuell.

Gruß,
Markus
 
Es gibt eine wunderschöne Reihe von 3" CDs "Archival Series. musique concrète soundtracks to experimental short films" von der new england electric music company, da sind ein paar Stücke von ihm bei.

"analog aktuell" kenn' ich nicht, werde mal schauen, ob da was finde.
 
Ilanode schrieb:
Monolith2063 schrieb:
Wie kommst Du darauf, dass Jarre nichts mit Musique concrète zu tun gehabt hat? Er hat doch an der "Groupe de Recherche Musicale" unter Pierre Schaeffer studiert. Und seine ersten Werke, also die Sachen vor Oxygene, klingen zum Teil schon ein wenig experimentell.
Weil ich das nicht wusste!

Ein paar Sachen seiner Prä-Oxygene Zeit findet man auf den ersten beiden Bootlegs "Rarities". Es gibt noch eine 3. Rarities, die hat aber nur neuere Sachen drauf.

Auf der Rarities 2 findet man z.B. auch eine Version von "Popcorn", die von Jarre eingespielt wurde. Allerdings benutzte er in der Zeit diverse Pseudonyme, z.B. Foggy Joe oder Jammie Jefferson.

Die Songs zum Anspielen findet man hier:

http://www.2007mp3.org/jean_michel_jarre_rarities_1/
http://www.2007mp3.org/jean_michel_jarre_rarities_2/
 
Ilanode schrieb:
Welche Ausgabe? Ich habe das in den Inhaltsverzeichnissen nicht gefunden.

Ausgabe 3/2007 und 4/2007.

In 1/2008 (kurz vor Weihnachten) erscheint übrigens ein Bericht über einen Besuch des (früheren) Studios für Elektronische Musik des WDR.

Nicht von mir, aber ich war dabei. Das war superinteressant, ein echtes Highlight für mich in diesem Jahr.

Gruß,
Markus
 
Tja... Was soll ich sagen?! Daß ich durchaus gerne JMJ anhöre, dürfte bei meinem Benutzernamen kaum zu verbergen sein. Tatsächlich ist Oxygène dasjenige Album, das mich zum Synthesizer gebracht hat. Ich kann mich daran erinnern, daß ich mal als ca. Zehnjäriger ein Video von JMJ im TV gesichtet habe, bei dem zu den Klängen von Oxygène Part 2 ein kleiner Spielzeugroboter über einen Pulk von Drehreglern hnweggestolpert ist. Das fand ich damals alles total futuristisch und innovativ, und es hat mich definitiv enorm inspirirert, selber "irgendwann mal" mit solchen Intrumenten etwas anzustellen.

Zum Interview muß ich sagen, daß ich mit den meisten Punkten konform gehe. Zwei Aussagen muß ich herausheben:

"Für mich dagegen haben Synthesizer etwas sehr sinnliches, ist die elektronische Musik viel menschlicher, als zum Beispiel die klalssische Musik."

Als jemand, der Klassik wirklich GERNE hört, muß ich doch sagen, daß ich der Aussage von JMJ zustimme. Bei klassischer Musik fällt nämlich ein Hauptteil der "Aufwendung" auf das Handwerkliche, d.h. jemand muß das Spielen eines klassischen Instrumentes erlernen, was einen jahrelangen Prozeß darstellt, bei dem zu Beginn noch gar nicht mal sicher ist, ob er am Ende dann auch tatsächlich von Erfolg gerönt sein wird. Nur sehr wenige Benutzer klassischer Instrumente entwerfen mit diesen dann neue Stücke, d.h. der eigentlich kreative Akt verbleibt bei den Komponisten.
Bei elektronischen Instrumenten sieht das etwas anders aus: Deren Benutzer verbrauchen die meiste Zeit mit kreativen Vorgängen. Sie basteln entweder neue Klänge, schalten Module auf ungewöhnliche Arten zusammen, oder sie erzeugen ihre eigenen Musikstücke.
Dieser Unterschied macht für mich eine Menge aus. Wie schon gesagt, mag ich klassische Musik ausgesprochen gerne, aber das Instrument meiner Wahl ist und bleibt der Synthesizer, da nur er mir das ermöglicht, was ich in der Hauptsache mit einem Instrument tun will, und zwar kreativ sein.

"Für mich ist der wichtigste Aspekt des Projekts, den alten analogen Instrumenten die Ehre zu erweisen. Es gibt mythisch überhöhte Instrumente in der Klassik... .....aber in der elektronischen Musik redet man höchstens mal vom Moog-Synthesizer. Ich finde, das schade. Schließlich gibt es fantastische analoge Synthesizer."

So, hierbei muß ich JMJ allerdings deutlich widersprehen! "Höchtens mal ein Moog"? Mittlerweile sieht es doch so aus, daß analoge Synthesizer eines gewissen Alters einen wirklich hohen Status erreicht haben, egal ob Moog, ARP, Oberheim oder Roland. Mag sein, daß sie zwar nicht die Preise ganz bestimmter Streichinstrumente erziehlen, aber auch sie werden von Sammlern erspäht und gehortet wie Kostbarkeiten, und die Musiker aus dem Elektronikbereich lassen nie ein böses Wort über sie kommen.

So, genug geschrieben ... ;-)
 
Oxygène schrieb:
Als jemand, der Klassik wirklich GERNE hört, muß ich doch sagen, daß ich der Aussage von JMJ zustimme. Bei klassischer Musik fällt nämlich ein Hauptteil der "Aufwendung" auf das Handwerkliche, d.h. jemand muß das Spielen eines klassischen Instrumentes erlernen, was einen jahrelangen Prozeß darstellt, bei dem zu Beginn noch gar nicht mal sicher ist, ob er am Ende dann auch tatsächlich von Erfolg gerönt sein wird. Nur sehr wenige Benutzer klassischer Instrumente entwerfen mit diesen dann neue Stücke, d.h. der eigentlich kreative Akt verbleibt bei den Komponisten.
Bei elektronischen Instrumenten sieht das etwas anders aus: Deren Benutzer verbrauchen die meiste Zeit mit kreativen Vorgängen. Sie basteln entweder neue Klänge, schalten Module auf ungewöhnliche Arten zusammen, oder sie erzeugen ihre eigenen Musikstücke.
Dieser Unterschied macht für mich eine Menge aus. Wie schon gesagt, mag ich klassische Musik ausgesprochen gerne, aber das Instrument meiner Wahl ist und bleibt der Synthesizer, da nur er mir das ermöglicht, was ich in der Hauptsache mit einem Instrument tun will, und zwar kreativ sein.

Ganz so klar sehe ich die Fronten nicht. Gerade Spitzenspieler von klassischen Instrumenten kennen ja nicht nur einen Ausdruck, sondern können den Klang ihres Instrumente ja in einer Form variabel gestalten, wie es Anfänger gar nicht bewußt hinbekommen. Das ist aber nun mal nur durch jahrelanges Training möglich.

Im Gegensatz dazu ist nicht jeder Benutzer eines Synthesizers automatisch der Held im Erstellen von Sounds. Gerade einige der Ikonen der Elektronischen Musik sind ja bekannte Preset-Benutzer (wozu ich auch durchaus Jarre zählen würde) und auch hier im Forum wird ja immer mal wieder nachgefragt "wie bekomme ich den Sound von XXXXX hin?". Oder sie leisten sich einen "Sound Techniker", der dann das bastelt, was sie brauchen.

In einem Punkt gebe ich Dir aber recht: die wenigsten Klavierspieler komponieren ihre eigenen Stücke (weil sie eben mit Training beschäftigt sind), während Synthi-Nutzer eher das Spiel-Training vernachlässigen und sich mehr am Komponieren versuchen - und wenn Training, dann ist das bei einigen Synthi-Nutzern doch eher das Nachspielen von Kirmes-Techno :mrgreen:
 


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