hmja, kann man so formulieren, aber ich sehe nicht unbedingt, dass das irgend etwas besonders neues aufzeigt oder beweist (
sage ich mal als jemand, der das Thema in endloser Folge von SF-Bearbeitungen durchgekaut hat).
Meine KI meint dazu:
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Das Posting schlägt im Kern Folgendes vor:
Ein Mensch wird 2026 geboren, reist nach 1950 zurück und steht dort plötzlich als vollständiger, realer Mensch. Ab diesem Augenblick gehört er zur Welt von 1950. Wenn er nun seinen Großvater tötet, wird er in der
neu entstehenden Zukunft zwar niemals geboren – aber der bereits aus 2026 eingetroffene Zeitreisende verschwindet deshalb nicht. Seine Atome, Erinnerungen und sein Körper sind schon vorhanden. Er bleibt gewissermaßen als
Besucher aus einer Zukunft bestehen, die es anschließend nicht mehr gibt. Das Posting nennt das „kausale Immunität“.
Eine anschauliche Analogie wäre ein Computerspiel:
- Man exportiert die Spielfigur aus dem Spielstand „2026“.
- Man lädt den alten Spielstand „1950“.
- Man importiert dort die Figur.
- Die Figur verändert nun den weiteren Spielverlauf.
- Im neuen Spielverlauf wird sie niemals regulär erzeugt – die importierte Figur bleibt aber trotzdem vorhanden.
Damit gibt es innerhalb des
neuen Spielverlaufs keinen unmittelbaren Widerspruch. Die Figur hat lediglich keinen Ursprung innerhalb dieses Spielstands.
Was der Mealy-Automat dabei angeblich leistet
Das Posting beschreibt den Ablauf als Zustandsmaschine:
- Zustand „Universum 1950“
- Eingabe „Zeitreisender erscheint“
- neuer Zustand „verändertes Universum“
- danach läuft die Zeit wieder normal vorwärts
Die mathematischen Symbole lassen das zunächst sehr formal aussehen. Tatsächlich schreibt der Automat aber nur die bereits angenommene Geschichte auf:
Das ist widerspruchsfrei – aber weitgehend deshalb, weil die widerspruchsvermeidende Regel
„Der Zeitreisende bleibt bestehen“ von Anfang an eingebaut wurde. Sie wird nicht aus der Automatentheorie hergeleitet.
Die wesentlichen Schwächen
1. Die „kausale Immunität“ wird nicht bewiesen.
Sie ist die entscheidende Zusatzannahme. Die Automatentheorie sagt von sich aus nicht, dass ein Objekt gegen Änderungen seiner Entstehungsgeschichte immun sein müsse.
2. Der Zeitreisende wird als externe Eingabe behandelt.
Wenn der Zustand QQQ wirklich die vollständige physikalische Konfiguration des gesamten Universums sein soll, dürfte es eigentlich kein „von außen“ kommendes Eingabesymbol geben. Der Reisende stammt schließlich aus demselben Universum. Das Modell bildet seine Ankunft ab, verbindet diese aber nicht mehr zwingend mit seiner später verhinderten Abreise.
Genau an dieser Verbindung sitzt jedoch das Großvaterproblem:
Die Antwort des Postings lautet letztlich nur: Weil seine Ankunft bereits passiert ist. Das ist ein mögliches Modell, aber kein daraus abgeleitetes Ergebnis.
3. „Deterministisch“ bedeutet nicht „nicht umkehrbar“.
Im Posting wird behauptet, ein deterministischer Mealy-Automat habe keine inverse Übergangsfunktion, weil seine Übergangsfunktion nicht injektiv sei. Das folgt mathematisch nicht. Eine deterministische Funktion kann injektiv oder nicht injektiv sein. Ob ein eindeutiger Rückweg existiert, hängt von der konkret gewählten Funktion ab – nicht davon, dass es sich um einen Mealy-Automaten handelt.
4. Der angeblich zyklenfreie Graph versteckt eine zweite Zeitordnung.
Das Posting ordnet die Ereignisse so:
2026alt→1950neu→2026neu
Diese Pfeilrichtung ist aber nicht mehr die normale Jahreszeit. Sie beschreibt vielmehr, in welcher Reihenfolge verschiedene Versionen der Geschichte erzeugt werden. Damit hat man neben der normalen Zeit faktisch eine Art
Metazeit oder „Hypertime“ eingeführt: zuerst existiert Geschichte A, danach wird sie durch Geschichte B ersetzt.
Modelle, in denen sich eine Geschichte entlang einer zweiten Zeitdimension verändert, werden in der Philosophie ausdrücklich als Hypertime-Modelle diskutiert. Sie sind also ebenfalls keine neue Idee.
Ist das eine Variante der Viele-Welten-Lösung?
Strukturell: ja. Technisch: nicht ganz.
Die klassische Verzweigungslösung lautet:
- In Zeitlinie A wird der Reisende geboren und reist zurück.
- Bei seiner Ankunft gelangt er in oder erzeugt Zeitlinie B.
- In B tötet er seinen Großvater und wird dort niemals geboren.
- Er selbst stammt aber weiterhin aus A.
David Lewis beschrieb bereits 1976 genau eine solche konsistente Variante: In einem Zweig lebt der Großvater und der Reisende wird geboren; in einem anderen Zweig erscheint der Reisende und tötet ihn. Der Mord findet nur im zweiten Zweig statt, sodass kein einzelner Zweig gleichzeitig widersprüchliche Ereignisse enthält.
Auch in der neueren physikalisch-mathematischen Literatur werden ausdrücklich Modelle mit mehreren Historien untersucht, bei denen eine Veränderung der Vergangenheit in einer anderen Historie stattfindet als derjenigen, aus der der Reisende stammt.
Das Posting unterscheidet sich davon hauptsächlich darin, dass es die ursprüngliche Zeitlinie offenbar
nicht weiterbestehen lässt. Sie wird gewissermaßen überschrieben, während der Reisende als einziges Überbleibsel erhalten bleibt:
Man könnte es daher als
„verzweigte Zeitlinie mit anschließendem Löschen des ursprünglichen Zweigs“ oder als
veränderliche Einzelzeitlinie mit immunem Zeitreisenden bezeichnen.
Mit der eigentlichen quantenmechanischen Everett-Interpretation hat das Posting wenig zu tun. Deutsch behandelt geschlossene zeitartige Kurven mit quantenmechanischen Zuständen und Dichteoperatoren; seine „Universen“ sind Bestandteile eines quantenmechanischen Gesamtzustands. Im Forenposting gibt es dagegen lediglich einen klassischen deterministischen Automaten und eine gesetzte Immunitätsregel.
Selbst die allgemeinere Idee, Zeitreiseprobleme mit endlichen Zustands- und Übergangsmodellen zu untersuchen, ist nicht neu. Beispielsweise erschien bereits 2011 eine Arbeit mit dem Titel
A Finite State Model for Time Travel, die das Großvaterparadoxon anhand diskreter Zustände und Übergangswahrscheinlichkeiten untersucht.
Mein Fazit
Das Posting enthält einen
verständlich formulierbaren und in sich erzählbaren Gedanken:
Das ist als SF-Regel oder metaphysisches Modell durchaus brauchbar. Es macht besonders anschaulich, dass man zwischen der persönlichen Vergangenheit des Reisenden und der danach entstehenden Weltgeschichte unterscheiden kann.
Die Behauptung, damit sei das Großvaterparadoxon durch Logik und Automatentheorie „bewiesen“ als Scheinproblem entlarvt worden, ist jedoch deutlich überzogen. Der Automat löst das Problem nicht, sondern
modelliert eine zuvor gewählte Lösung. Die entscheidenden Annahmen – veränderliche Geschichte, externer Import des Reisenden und kausale Immunität – stecken bereits im Modell.
Daher: keine neue naturwissenschaftliche oder mathematische Lösung. Es ist im Wesentlichen eine Variante der bekannten Mehrere-Zeitlinien-/Hypertime-Lösungen, nur mit der Besonderheit, dass die alte Zeitlinie offenbar verworfen wird und der Zeitreisende als „historisches Fremdobjekt“ übrig bleibt. Der mathematische Apparat verleiht dieser bekannten SF-Idee mehr formalen Glanz, als er tatsächlich zusätzliche Erklärungskraft liefert.
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Ist natürlich dennoch ein spaßiger Ansatz, der sich gut als Teil der Lore in einem SF-Werk machen würde.