Die Diskussion erinnert mich sehr an eines der Gedichte die wir derzeit im Programm haben:
Der Abenteurer
»Abenteurer, wo willst du hin?«
Quer in die Gefahren,
Wo ich vor tausend Jahren
Im Traume gewesen bin.
Ich will mich treiben lassen
In Welten, die nur ein Fremder sieht.
Ich möchte erkämpfen, erfassen,
Erleben, was anders geschieht.
Ein Glück ist niemals erreicht.
Mich lockt ein fernstes Gefunkel,
Mich lockt ein raunendes Dunkel
Ins nebelhafte Vielleicht.
Was ich zuvor besessen,
Was ich zuvor gewußt,
Das will ich verlieren, vergessen. –
Ich reise durch meine eigene Brust.
Joachim Ringelnatz (1883 - 1934), eigentlich Hans Bötticher, deutscher Lyriker, Erzähler und Maler
Quelle: Ringelnatz, J., Gedichte. Gedichte dreier Jahre, 1932
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Wir basteln 1- bis 2-Stunden-Shows zu einem literarischen Thema, die letzte Show war "Rakete Rinnzekete - irgendwas mit DADA" und spannte einen Bogen von Impressionismus über Expressionismus bis DADA, alles mit Gedichten aus den 10er bis 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Viel skurriles Zeugs, dazu skurrile Musik mit Anklängen an Pink Floyd, Zappa, etc. Komplett mit Moderator, Showeinlagen, Rezitator und Lichtshow. Wir "leben" derzeit unsere "Utopie": Wir machen ziemlich kompromisslos das was uns Spaß macht, ob das nun ein großes Publikum findet oder nicht. Eher nicht, denn Lyrik steht leider nicht mehr hoch im Kurs. Unser Bandmotto: "Inbrunst über Virtuosität". Das Publikum will m.E. halt mitbekommen dass das "dein Ding" ist und du nicht nur irgendwelchen Blödsinn machst. Je ehrlicher die Performance, desto besser kommt sie an.