Ich würde mich auch von total recall für einen Teil vom workflow verabschieden. Ich nehm normal auch nur spur für spur auf und editiere dass dann ITB. Dabei sehe ich diesen Schritt als recht wichtig an. Ich kann pro einzelne Spur noch Kompressoren, EQs, Limiter, Akais etc. dazwischenschalten und während der Aufnahme dran rumdrehen. Davon dann mehrere Takes aufnehmen. Wie wenn man vocals aufnimmt, da gibt es auch kein total recall. Sänger auf knopfdruck im Plugin vielleicht...
Also da muss man durch. Nachdem alles ITB ist, kann man mit micro-timing alles hübsch aufreihen usw., fleißarbeit. Und ab dem Punkt hat man total recall. Ich habe dann meist MIDI und Audio als Spuren parallel. Auf MIDI greife ich dann später nur seltenst wieder zu, also eigentlich nie. Denn der Punkt der Aufnahme entscheidet schon, das ist eine wichtige Selektion.
Da ich auch Modularsysteme mit einbinde ist zwangsläufig kein Total recall möglich. Und selbst bei den alten Samplern speichere ich mittlerweile nichtmal mehr die Samples im Sampler, ich nehme das ITB auf und dann brauche ich das nicht mehr. Ich will ja nicht jedesmal die selben sounds verwenden. Und selbst wenn, dann habe ich die ja gut durchmassiert und analog vorpoliert schon ITB vorliegen und kann da Schnipsel in einen Sampler laden. Mach ich aber normal nicht.
Vorteil der Vorgehensweise: ich kann für jede Aufnahme praktisch alle Analogtools für jeden Sound einzeln einsetzen. Wenn ich alles parallel fahre, muss ich aufteilen.
Wenn ich MIDI parallel rausgebe (mittlerweile via Renoise 16 MIDI outs parallel) teile ich analoge FX, Kompressoren usw. auf die Spuren auf, nehme aber trotzdem jede Spur einzeln auf mit guter Quali auf und hänge da noch Sachen bei der Aufnahme dazwischen (jede Spur wird einzeln nacheinander aufgenommen). Ich hab momentan auch keinen guten Summierer, daher macht das so, auch vom Auspegeln her, für mich mehr Sinn.
Ich denke so viel Zeit für die Aufnahme muss sein. Bin ja nicht auf der Autobahn. Jede Spur verdient es, sich damit auseinanderzusetzen bei der Aufnahme. Ich will ja auch den Vorteil von Analog nutzen, dass ich jeden sound shapen kann und bei der Aufnahme drehen kann, dann muss ich das dann eben auch tun. Das ist per se nicht total recall. Das macht dann auch einen Teil der Magie aus, wenn es ein guter Take ist. So wie bei der Aufnahme von einem echten Schlagzeug etc.
ITB kann ich dann arrangement und die eher kopflastigen Spielereien einbauen, wenn die Aufnahme da als Audiofile vorliegt.
Bei dem mioXL wäre ich skeptisch mit dem ganzen Schnickschnack und würde mal Lasttests fahren, also 64tel bei 200bpm und mehr rausbrettern, und dann auch verschiedenen Spuren parallel um zu hören was dann passiert (auch über
Ableton), ob das schön gleichmäßig rauskommt oder ob es stockert...
Das schlechte MIDI (damals Version 8) und der relativ ineffiziente Resourcenverbrauch (recht viel CPU Last bei eigentlich mittelmäßiger Quali) und der gewachsene Eye-Candy waren für mich Gründe nach Ableton-Alternativen zu suchen.