18/19.9.2013 Moozak Festival, Wien, Austria

Am 18. und 19. September wird in Wien zum dritten Mal das Moozak Festival stattfinden – eine Veranstaltung für experimentelle experimentelle Musik und Medienkunst. Das Spektrum des Dargebotenen wird auch diesmal wieder zahlreiche spannende Projekte von unterschiedlichsten Exponenten der Klang und Bild- und Objektkunst enthalten: Live-Musik, Videoarbeiten, Vorträge und Installationen.

Die Spanne ist dabei weit: Von Digitalen zum Analogen. Vom Rythmus zum Drone. Von Ordnung zum Chaos – und wieder zurück. An der Reibefläche zwischen den gegensätzlichen Arbeiten wird der Kern freigelegt: Die Stilmittel mögen Verschieden sein; das Setup ebenso – der Kern bleibt das Experiment, auf der Suche nach neuen Formen und Beschreibungen.

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Die Geschichte von Moozak – Veranstaltungen & Label

Im Frühjahr 2007 begannen 3 Wiener Musikenthusiasten, die mit dem Veranstaltungsangebot in Wien unzufrieden waren, Pläne zu wälzen. Eine neue regelmäßige Konzertveranstaltung sollte es sein – eine, wo man weißes Rauschen garniert mit einem pulsierenden Subbass genauso auflegen konnte wie blubbernde Krautelektronik, ohne Gefahr zu laufen gefragt zu werden, wann denn nun der Beat einsetzt. Im September 2007 war es dann soweit: Die erste Veranstaltung des Klub Moozak fand im wiener Fluc statt. Geboten wurde gleich von Anfang an ein ausgewogenes Programm mit 2 Live-Acts mit anschließender DJ-Line für Freunde ausgefallener Töne.

Photo: KK Null @ Klub Moozak / Photo © leilapan

http://www.flickr.com/photos/klubmoozak/4060886469/in/set-72157622578544015

Quasi als trojanisches Pferd unter den „Clubveranstaltungen“ konzipiert wurden zwar Bar und DJ-Line in der Discothek als Austragungsort geboten – inhaltlich könnte sich das Dargebotene aber nicht weiter weg vom Tanzabend sein: Noise, Drones, Field Recordings, Analoges wie Digitales Elektronisches wird da geboten, vom Snythesizer-Sound bis hin zur rabiaten Instrumentalmusik, die man fast Jazz nennen könnte, würde sie sich nur an dessen Regeln halten. Eingebettet im Klubkonzept wurde das Ziel verfolgt neben den Fans auch die Menschen zu erreichen, die sonst niemals mit experimenteller Musik in Berührung gekommen wären. Das Rezept ging auf, und so hält sich der Klub seit 6 Jahren.

Video: Morton Subotnik live @ Klub Moozak: A Sky of Cloudless Sulphur

http://www.youtube.com/watch?v=-Or6AmaH9ZU

Ein mal im Monat an seinem fixen Mittwochsplatz wird also aufgegeigt daß sich die Balken biegen, im Bestreben den verschiedensten Strömungen experimenteller Tonkunst eine Bühne zu bieten um Grenzbereiche auszuloten und erfahrbar zu machen. In bisher 63 Ausgaben wurden 66 KünstlerInnen/Bands aus Österreich und 60 internationale Projekte aus 26 Ländern präsentiert: angedockt an der konzertanten Hochkultur, stetig wurzelnd im Untergrund stehen eine spannende Kuratierung und ein möglichst niederschwelliger Zugang im Mittelpunkt.

Photo – Der erste Moozak Release wird aus der Taufe gehoben / Photo © Sophie Hausch

http://www.flickr.com/photos/klubmoozak/3382429491/in/set-72157615817835099

2008 wurde die monatliche Veranstaltungsreihe durch ein Platten-Label (Moozak bzw. das Sublabel Kazoom) ergänzt, auf dem bisher 10 Veröffentlichungen auf verschiedenen Trägermedien (CD, Vinyl, IDE Harddisc) erschienen sind. Besondere Aufmerksamkeit – sowohl national als auch international – erlangte die Veröffentlichung MOOZAK #002 „Kabelbrand – Sounds from the Max Brand Synthesizer“, die neben Kompositionen der Moozak Mitbegründer auch 2 Stücke des beinahe in Vergessenheit geratenen Komponisten der Moderne Max Brand (für den Bob Moog im Jahr 1965 einen der allerersten Moog-Synthesizer produzierte) enthält.

Dabei hatten die Label-Gründer (Clemens Hausch, Gerald Krist und Benedikt Guschlbauer, im Team mit Uli Kühn) im Rahmen der vom Institut für Medienarchäologie in Hainburg veranstalteten Ausstellung “Zauberhafte Klangmaschinen” als erste Personen überhaupt nach Max Brand selbst die Chance, auf dem Synthesizer eine Platte aufzunehmen.

Photo: Max Brand am Synthesizer / Photo © Max Brand Archiv Langenzersdorf

http://klangmaschinen.ima.or.at/db/data/75.jpg

Max Brand, der aufgrund seiner jüdischen Abstammung vor dem Nationalsozialismus fliehen mußte, war ein erfolgreicher Komponist der 1920er und 30er Jahre und wurde in späteren Jahren zum Pionier der elektronischen Musik. Die Bob Moog Foundation (USA), die den Release unterstützte, publizierte einen detaillierten Artikel über die bewegte Geschichte des Synthesizers, die auch einen Essay des Label-Mitbegründers Clemens Hausch über das Leben Brands und technische Details des Synthesizers (auch genannt Moog-tonium) enthält.

Link: Artike Moog Foundation:

http://moogfoundation.org/2010/from-the-archives-moogtonium-discovered/

Video Link 1: Max Brand Synth / Moogtonium @ Ars Electronica 2009

http://www.youtube.com/watch?v=vR1HZi2yf5M

Video Link 2: Max Brand Synth / Moogtonium @ Ars Electronica 2009

http://www.youtube.com/watch?v=3zqlolw6sOY

Die neueste Veröffentlichung wird das Debüt „Closing In“ des australischen Field-Recorders „Mountain Black“ (alias Martin Kay) sein. Ein kräftiges Album, das, obwohl gänzlich aus Feldaufnahmen zusammengesetzt mehr an Noise und Drone gewahrt und ob seiner kinematischen Struktur eine Geschichte zu erzählen scheint – Film-Musik ohne Film also.

Link: Mountain Black – Closing In

http://www.moozak.org/releases/mzk006/mzk006.html

Link: Closing In – Soundcloud:

https://soundcloud.com/moozak/mountain-black-closing-in

Vom Label zum Festival

2010 schließlich tat Moozak den nächsten Schritt: Als sich spontan eine gründerzeitliche Rinderhalle in Wien anbot, in der ursprünglich das Vieh zur Schlachtung vorbereitet wurde bevor es zum Schlachthof gebracht wurde, reifte der Plan, größeres zu Veranstalten. In der riesigen alten Stahl-Glas-Konstrunktion kam es zum ersten Mal zum geballten Moozak Event: Das Moozak Festival war geboren. In Kooperation mit dem Verein MediaOpera, der sich in der Rinderhalle angesiedelt hatte wurde an 2 Tagen nicht nur ausgedehntes Musikprogramm unterschiedlichster stilistischer Spielarten geboten; wir erweiterten das Programm um weitere Komponenten: Installationen und Projektionen.

Die industrielle Kulisse, bespielt mit zeitgenössischer experimenteller elektronischer Musik und Installationsprojekten sowie Videoprojektionen erzeugte eine immersive Umgebung, die alle Sinne bediente und auch Veranstaltungstechnisch durch die Verschränkung und Zeitgleichheit von Ausstellung mit Konzertprogramm bestach.Da Ausstellung und Konzerte im selben Bereich stattfanden, war es den Besuchern möglich, zwischen beiden Bereichen zu wechseln, und es kam zu Situationen, in denen sich Konzertprogramm und Ausstellungsbereich inhaltlich wie dramaturgisch ergänzten.

Die erste Ausgabe des Moozak Festivals sorgte neben einem äusserst positiven und breit gestreutem Medienecho in diversen österreichischen Tageszeitungen sowie spezifischen Magazinen vor allem für zufriedene Besucher zwischen 20 und 60 Jahren, denen besonders die adäquate Form der Darstellung experimenteller Musik und Kunst behagte, was uns dazu bewog, das Projekt 2012 ebenfalls in der Media Opera zu wiederholen. Neben 10 ausgewählten audiovisuellen Live-Darbietungen lag der Fokus des Moozak Festivals im Herbst 2012 auf einem vergrösserten Ausstellungsareal, um Audio- und Video-Installationen sowie Medienkunst gebührend zu präsentieren. Das Verschmelzen unterschiedlicher Disziplinen wurde zum einen als Gesamtkunstwerk auf der Bühne präsentiert, zum anderen wurden die unterschiedlichen Positionen audiovisueller Kunst hinter eindrucksvollen Einzelarbeiten im Ausstellungsbereich erfahrbar gemacht.

Das Festival 2013

2013 wird das Moozak Festival erstmals in zentraler Lage stattfinden, wovon wir uns eine gesteigerte Reichweite und mehr Publikum erwarten. Als Partner hierfür konnten wir das Wiener Fluc (http://www.fluc.at/) gewinnen, mit dem wir ja bereits seit 2007 erfolgreich zusammenarbeiten. Die Termine sind der 18. und 19. September. Hierfür werden alle Räumlichkeiten des Fluc genutzt werden. Die Wanne wird zum Ausstellungsbereich, und neben Konzertprogramm und Installationen werden wir 2013 auch erstmals Vorträge und Workshops anbieten.

Als Interessante Partner konnten wir für dieses Jahr bereits das Polnische Institut Wien (http://www.polnisches-institut.at/) gewinnen, welches den Medienkunstteil des Festivals unterstützen wird, wie auch die junge aufstrebende Synthesizerschmiede Endorphin.es (http://endorphin.es/), die in Kooperation mit dem Berliner Vertrieb “Schneiders Büro” (http://www.schneidersbuero.de/) einen Analog/Modular-Synthesizer Schwerpunkt setzen werden. Auch Medienkooperationen wie in den Vorjahren sind in Vorbereitung.

Video: Synthesizer-Karussell von Schneiders Büro

Als Headliner steht schon jetzt der unter dem Pseudonym Monolake berühmt gewordene deutsche Musiker und Medienkünstler Robert Henke (http://roberthenke.com/), sowie der unter dem Pseudonym Сон bekannte russische Experimental-Elektroniker Ivan Pavlov (http://en.wikipedia.org/wiki/CoH_(musician)) fest. Letzterer veröffentlichte vor Kurzem sein neues Album „Retro 2083“ auf dem österreichischen Label Editions Mego und wird von der österreichischen Visualistin live Tina Frank unterstützt werden.

Video: short film about One Man Nation by Vincent Moon

Das Live Program wird von so unterschiedlichen stilistischen Richtungen wie Computer Musik über Geräuschmusik und Sound Art bis hin zu Free Improv Musik an der Grenze zum Jazz reichen. Auch interessante Brücken in die Vergangenheit werden geschlagen werden, so etwa mit dem Projekt “Music for Wax Cylinders” des Österreichisch-Deutschen Duos Merzouga, die alte Edison-Wachszylinder digitalisieren konnten, und als Basis für eine Sound-Art Komposition nutzen. Das Schweizer Projekt “Avery Tinnitus” wiederum wird sich alter 16mm Filmprojektoren annehmen, während die singapurische transgender Musikerin Tara Chia aka One Man Nation mit einer digitale Performance zwischen Punk und Akusmatik den Gender-Diskurs intensivieren wird. Ein breites Spektrum spannender Positionen wird sich also am 18. und 19. September in Wien beim Moozak Festival entfalten.

Festivalprogramm 2013

Live Konzerte & AV-Performances

Mittwoch 18.9.

Robert Henke (aka Monolake) (DE)

Hautkörper – Elisabeth Schimana & Noid (AT)

bAgg*fisH – Michael Fischer & Marcos Baggiani (AT/NL)

Merzouga (AT/DE)

Andreas Krach (DE)

Donnerstag 19.9.

CoH + Tina Frank (RU/AT)

One Man Nation (SG)

Avery Tinnitus – cutting edges (CH)

Blueblut (AT) – Pamelia Kurstin, Chris Janka, Mark Holub (AT/US)

Endorphin.es (AT/UA) featuring Andreas Zhukovsky, Moritz Scharf, David Wurth, Elias Handler

Installationen

Christine Schörkhuber – Point of view (AT)

Jay-Dea Lopez – Decay (AU)

Jay-Dea Lopez – The Great Silence (AU)

Kevin Logan – Seamless (UK)

LauraFocarazzo – OtherMoons (AR)

LauraFocarazzo – SpecificGravity (AR)

Mirjam Baker (AT)

panGenerator – Peacock (PL)

RM Schwarz – piano, This Restrictive CIRCLE OF Pure Sounds (AT)

Robert Lisek – Quantum Random Generator (PL)

Sixtus Preiss – Soundball (AT)

Uli Kühn (AT)

Schneiders Büro (DE)

Workshops & Vorträge

Mittwoch 18.9.: Andreas Krach (DE)

Donnerstag 19.: Endorphin.es (AT/UA)

One Man Nation (SG)