Eure Arbeitsweise mit nicht speicherbaren Synths

Dieses Thema im Forum "Analog" wurde erstellt von uziphunk, 4. Oktober 2012.

  1. Habe mich vor einiger Zeit in einen Leipzig-S verguckt (rein klanglich), weiss aber nicht so recht, ob so ein Synth meineR Arbeitsweise entspricht. Aus Zeit- , aber auch aus Abwechslungsgründen kann es bei mir schon mal 1/2 - 3/4 Jahr dauern, bis ein Track fertig ist. Schraube meist parallel an mehreren rum, einer wird mal wieder für ein paar Wochen beiseite gelegt, dann kommt eine neue Spur dazu, der Sound einer alten wird wieder verändert, ...
    Mit speicherbaren Geräten ist das natürlich kein Problem, ohne diese Option aber eher problematisch, oder?

    Wie geht ihr damit um?
    Tracks nur "in einem Rutsch" erstellen, alle Parameterwerte so gut als möglich aufschreiben, ...?
     
  2. Bernie

    Bernie Anfänger

    Verstehe das Problem nicht ganz. Bei so einfachen Synthesizern, wie dem Leipzig oder auch einem Minimoog, hat man seinen Sound doch ratfatz wieder eingestellt. Da braucht man doch nicht zwangsweise einen Speicher.
     
  3. Das sehe ich genauso. Ich speichere kaum Sounds ab, beim Mini gehts ja eh nicht.
     
  4. Im Gegensatz zu den Vorrednern versteh ich Dein Problem ganz gut ;-) . Eine einzige Spur muss man bei so einem Synth im Rahmen einer Session aufnehmen. Absolut identisch kriegt man einen Sound nie nochmals hin. Irgendwas später an diese Spur dranstückeln ist klangmäßig seltenst identisch.

    Ansonsten bin ich dazu übergegangen die Einstellungen der Synths zu fotografieren (genauso wie ich nach einem Mix das Pult von oben abfotografiere); das hilft schon oft den Klang zu reproduzieren. Aber selbst auf total simplen Synths, wie zB dem Juno6 oder SH-101, gibt es Klänge, die ich trotz der Fotos ums verrecken nicht wieder genauso hinkriegen. Manche Einstellungen sind halt wirklich eine Sache von Zehntelmillimetern am Regler. Damit muss man leben.
     
  5. psicolor

    psicolor Busfahrer und Bademeister

    Gleich Audio aufnehmen, dann kommt man nicht so leicht in Versuchung wieder an den Sounds rumzuschrauben. Und die Tracks werden schneller fertig.
     
  6. Moogulator

    Moogulator Admin

    Ich sag mal für Livespieler ist es defintiv hilfreich Zeit zu sparen, wobei sicher ein SH101 schnell eingestellt ist, da muss das nicht unbedingt sein, aber ein Andromeda, da wäre ich schon froh. Selbst ein Little/Slim Phatty hat nicht soo viel an PArametern, aber diese mit einem Knopf umzustellen ist schon schneller als die Leute warten zu lassen oder aber Musik zu erfinden, die diesen Übergang quasi klanglich dokumentiert wäre auch denkbar.

    Und wer sehr spezielle Eigenheiten mag, der hat es beim Abruf schon einfacher als das irgendwie in Eile justieren zu müssen, Extremfall ist die Bühne. Im Studio kostet es halt nur Zeit, wenn man den Sound mehrmals verwenden möchte. Egal wie das zu bewerten sei, das zu tun. DAS ist eine andere Diskussion und hat was mit Vorlieben zu tun.
     
  7. Cyborg

    Cyborg aktiviert

    Selbst wenn man Sorge hat, den einmal eingestellten Sound nie wieder zu finden, man kann sich das Patch natürlich aufschreiben.
    Je mehr Übung man mit dem Umgang hat und je besser man versteht wie die verschiedenen Baugruppen arbeiten, desto weniger muss man notieren.
    Sicher, 100%ig kann man nichts aufschreiben, bei komplexen Modulationen ändert sich der Sound z.T. schon heftig wenn man einen Regler nur um 1 Millimeter verdreht.
    Wer sowas nicht mag und eher auf "Wiederholbarkeit" Wert legt, hat die falschen Instrumente gekauft.
    Eine gute Methode, Patches zu notieren sind bei Kleinsynthesizern vorgedruckte Bögen auf denen man Reglerstellungen einzeichnet. Bei umfangreicheren Systemen, auch bei Modularsystemen hilft ein "Blockschaltbild" viel besser, dies können auch andere auf anderen Systemen annähernd nachbauen.
    Nur mal als einfaches Beispiel (näheres dazu auf meiner website)

    [​IMG]
     
  8. Moogulator

    Moogulator Admin

    So theoretisch ist es nicht, es ist einfach bequemer und schneller. Man brauchts oder nicht. Wenn sehr nuanciert gearbeitet werden soll, kann es wirklich um den von Florian angesprochenen Minischmetterlingsflügelweg gehen, der das aus macht, was du darin haben wolltest.
     
  9. Anonymous

    Anonymous Guest

    aber genau das ist doch das geniale: man baut nicht 100 Patches und hört die hinterher wieder durch. sondern man nimmt diesen Sound und versucht diesen "einzufangen". meist produziert man so direkt einen Track rundrum und :phat: was hat der Sound einen dazu animiert. wenn er toll ist, entweder ne schablone drauf oder bei tel abgephotot und jut is :floet:
     
  10. Anonymous

    Anonymous Guest

    :supi: :nihao: :supi:
     
  11. Ich recorde die Sounds einfach gleich und mach entsprechend längere Aufnahme Sessions, bei denen ich auch Variationen mache. Das bringt einem im Produzierne weiter und falls eine Variation zu wenig effektiv war oder übertrieben, wird das dann halt mit anderen Effekten kompensiert, das schafft auch Abwechslung und bringt einem auf neue Ideen.

    In Notfällen fotografier ich die Enstellungen und schraub sie dann wieder so hin, dass sie passen. Patchsheets mach ich keine, das ist mir zu aufwendig.
     
  12. Und manchmal ist man schon froh, wenn man einen Zehntelmillimeter zur Verfügung hätte.

    Wobei der Leipzig S ja tatsächlich kein Mördermodulationsmonster ist. Mit einem guten Gehör nebst Handyfoto u.ä. wird man hier in den allermeisten Fällen gut hinkommen. Der große Trick ist ohnehin, imho, das "Einpassen von Sounds" beim Recording, also die Verbesserung des Zusammenspiels der verschiedenen Sounds, indem man an ihnen so lange "rumfummelt", bis es eben zum aktuellen Track passt. Und das geschieht eben am besten live. Auch ist es so, dass mit steigender Vertrautheit mit dem eigenen Synthesizer die Speicherbarkeit im Laufe der Zeit an Reiz verliert.

    Nun muss ich aber einräumen, dass ich die Speicherbarkeit von Sounds trotzdem als Riesenhilfe betrachte. Irgendwie beruhigt es auch, wenn der eigene Sound genau so wieder erscheint, wie man ihn hingebastelt hat. Ich gestehe: Ich bin ein Speicherfreak.
     
  13. Anonymous

    Anonymous Guest

    ich recorde bzw. lasse alle einstellungen so, bis der track fertig ist.

    auch die einfachsten synths, kriege ich zusammen mit eqs am mixer und effekten nie wieder so hin wie es vorher war.
    ev. ähnlich, aber meist fragt man dann sich, war es das wirklich, war der sound das letzte mal nicht irgendwie besser... ;-) v.a. geht es eben meist nicht nur um den einen sound alleine, sondern auch wie er sich zusammenfügt mit den anderen sound, dem mix! etwas was man sich da mühsam erarbeitet hat, lässt sich (zumindest bei mir) nicht mal ebenso wieder herstellen.
     
  14. Ich wollts grade schreiben.
    Es ist ja oftmals mehr, als nur das Patch auf dem Synthie,
    wenn man da noch den Mixer (und entsprechende EQ-Einstellungen) und 2-3 Effekte in der Kette hat,
    wird es ganz ganz schnell sehr unübersichtlich.

    Von daher, pro direkt aufnehmen :supi:
    (ermuntert dann im Übrigen auch dazu, sich des Materials beizeiten mal anzunehmen :) )
     
  15. Erst mal danke für das breite Spektrum eurer Sichtweisen auf das Thema - das hat mich eben interessiert.
    Habe eh noch Zeit zu überlegen (spare, spare,...), ausserdem mal schauen, wie der Dominion X SED so klingt.
     
  16. :supi: :supi:
     
  17. Nu aber: "Hosen runter!" ;-) Und das hier :agent:
    von mir Sympathiepunkte :supi:

    ... würde auch sagen, für mich ist Speicherbarkeit ein Muss. Wenn das Teil (= Leipzig-S) nur nicht so ENDgeil klingen würde :selfhammer:
     
  18. Speichern ist Luxus - ich speicher selbst da, wo es möglich ist eher selten, spiele mit dem Electro-zeuch aber auch nicht live.
    Für Trackgebastel bleibt ein Sound solange eingestellt und die Maschine an, bis recordet wurde …
     
  19. Hej, ich mag deine Modular-Tracks sehr sehr!
    Leider habe ich nicht die notwendigen Zeitfenster, um das so umzusetzen.
     
  20. Anonymous

    Anonymous Guest

    Ideal wäre wohl die Arbeitsweise mit zwei Rechnern. Minimalkonfiguration: Rechner 1 für Komposition, Ausgabe der Subgruppen über 8 Monospuren oder 4 Stereospuren, Rechner 2 für Aufnahme, Eingang der 8 Monospuren oder 4 Stereospuren. Aufgenommen wird dann ständig. Anstatt, dass man nur einen Stereomix hat, gibt es eben noch die Unterteilung nach Subgruppen, die man evtl. noch anpassen oder etwas anders effektieren könnte. Rechnerlösung ist halt günstig und läßt sich automatisieren bis zum Abwinken. Bei fertigen Hardwarelösungen würde die Automationsmöglichkeit wohl fehlen? 2 Laptops + 2 RME Multiface2 zum Beispiel. Nach 4 Stereospuren aufgeteilt in etwa:

    1. Drums und Bass
    2. Synthesizer
    3. Effekte
    4. Soli/Vocals
     
  21. hehe - hab ja auch noch n bissl Nichmodularzeug - der Unterschied ist wohl nur, daß ich immer nur an einem Track bastel - bis er fertig ist. Zeit spielt da keine große Rolle - immo geht das zwar recht schnell aber ich hab auch schonmal 6 Wochen gebraucht und solange bleibt alles an ;-)
     
  22. Moogulator

    Moogulator Admin

    Achso, der UMGANG noch - ich stelle es intuitiv ein, ist eigentlich eine Mischung aus verfestigtem Wissen wie "Radfahren" und dem was ich erreichen möchte. Sagen wir mal ein Synth wie der SH5 ist da noch gut zu handhaben, er zwingt eh zum live spielen, wegen des BPFs, der ja auch nur statisch ist.

    Ich sage mal - ich denke nicht drüber nach, wenn es so ist wie es ist. Eine 100% Repro erwarte ich nicht, die meisten meine Sachen sind auch so konzipiert, dass das so machbar ist. Bei bestimmten Ideen würde ich die Einstellungen auch wieder finden, aber zB Filter im Prozess so rücken wie sie sein müssen.. Evolutionäres Heranfahren per Gehör.

    Ich nehme meist per Session auf und habe dann die Sachen im Kasten, was ich dann noch brauche in einer nächsten Session, meistens aber en bloc und eben gleich mehr als ich brauche, oooder direkt mit dem Song und exakt das, was gebraucht wird wird aktuell erschraubt, bis es mit dem passt, was ich im Kopf habe. Dazu wende ich mich idR an den Synth, der das am besten "kann", man wählt halt auch die Säge, wenn man was sägen will.

    Zu 99% ist das übrigens Handwerk, kein MIDI, kein CV Sequencer, oder mit Sequencer und gleich performt wie es benötigt wird für das Stückchen. Oder eben diese Sessions. Beides hilft, letzteres aber vorallem auch für Sachen, die dann mal mitgenommen werden könnten als Samplefutter idR zur weiteren Verarbeitung.
     
  23. Ich lasse die Sounds auch eingestellt, solange bis ich das Arrangement fertig habe, danach fange ich an die Spuren nach und nach aufzunehmen.
    Von Fotos machen und so halte ich nicht soviel. Wie schon erwähnt wurde ist es meist eh unmöglich den Sound wieder genauso hinzukriegen.
    Minimale Unterschiede in der Reglerstellung können oft schon die ganze Stimmung des Sounds drastisch verändern und somit auch den kompletten Track zerstören.
    Lieber so schnell es geht den Krempel aufnehmen. Das kann auch sehr befreiend sein weil man dann endlich wieder ungehemmt an den Knöppen drehen kann. :)
    Was das Thema wenig Zeit und Musikmachen betrifft: mal versuchen intensiv nur an einem Track zu arbeiten statt an mehreren gleichzeitig und dann auch nicht solange dran rumdoktern.
    Weniger ist manchmal mehr. ;-)
     
  24. lilak

    lilak aktiviert

    am besten einen looper im audioweg haben, wenn was genau passt als loop aufnehmen. loops haben den vorteil dass man sie jederzeit wieder in neuem kontext zusammenmischen kann. wenn man eine weile mit einem modular arbeitet erscheinen einem presets sowieso sehr eigenartig.
     
  25. clipnotic

    clipnotic aktiviert

    toller Thread und bewundernswert wie manche sich ohne Speichern von Sounds zurecht finden!

    Ich könnte so nie arbeiten, weil ich immer in mehreren Phasen Musik mache. Es gibt Tage da krieg ich tolle Sounds und Ideen programmiert und dann gibts immer wieder Tage in welchen mich eine ältere Idee packt und ich dann nen Songs draus bastele. Manchmal wird auch aus ner Idee direkt ein Song, also ich hab keine fixe Arbeitsweise. Mittlerweile hab ich für viele meiner Synths hunderte von eigene Sounds programmiert und mir auch eigene Basis Patches gemacht, das hat den Vorteil, dass ich jederzeit schnell auf nen Sound zugreifen oder ihn basteln kann, wenn mir grad einfällt das ich ihn bräuchte. Auch ändere ich im Mix oft später manchmal noch was an den Sounds oder tausch unterschiedlich gespeicherte Versionen davon untereinander mal aus ..

    Durch so ne Arbeitsweise hat man im Prinzip alles im Griff und kann frei arbeiten, kommt man aber leider auch nicht an alle klanglichen Möglichkeiten ran, weil grad die guten alten Analog Synths oft keine Speichermöglichkeit haben, grad die, die ich mir, wenns anders wäre, sofort holen tät ... :cry:

    Gäbs denn eigentlich irgend welche technischen Raffinessen oder Tricks wie man so nem alten analogen Gerät doch noch irgendwie nachträglich ne Speichermöglichkeit ein- oder anbauen könnte?
     
  26. darsho

    darsho verkanntes Genie

    ich speicher nie was ab, auch bei Synthis mit Speicher.
    Wenn ich mit Softsynths arbeite, wird es ja eh durch die DAW gespeichert und Hardware nehme ich grundsätzlich in einem Rutsch auf.
    Je schneller man den MIDI Quatsch los wird und Audiodaten hat, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass der Song auch fertig wird.

    sobald Audio vorliegt, hab ich auch kein Problem damit, parallel mehrere Tracks in Arbeit zu haben.
    Aber an mehreren Tracks am MIDI Material zu arbeiten, nee.
    Wenn ich diesen Teil nicht bei der ersten Session gut hinbekomme, ist das bei mir nen Zeichen, dass der Track nicht gut genug und ist und dann wird er heutzutage gnadenlos komplett gelöscht.
     
  27. Jenzz

    Jenzz engagiert

    In Grenzen ist sowas schon machbar, allerdings extern... Sowas wie damals der Programmer 700 von SCI, der macht genau das, aber nur sehr rudimentär...


    Jenzz
     
  28. Markus Berzborn

    Markus Berzborn aktiviert

    Bei unseren ersten Konzerten in den frühen 80ern hatten wir ausschließlich nicht speicherbare Synthesizer auf der Bühne.
    Das war nach heutigen Maßstäben schon abenteuerlich.
    Man plante den Ablauf der Stücke von vornherein so, dass es Passagen gab, in denen einer nicht spielen musste und in der Zeit die Sounds umstellen konnte (die Parameterwerte wurden vorher auf Zettel geschrieben)
    Ging aber und machte auch Spaß.
     
  29. Live benutze ich nie Presets und hab auch noch nie welche benutzt. Das gehört für mich zur Instrumentenbeherrschung dazu. Presets bekommen erst im Studio aus den von clipnotic angeführten Gründen Bedeutung. Auf der Bühne ist es egal, ob ein im Detail identisch ist wie am Vortag.
     
  30. Zotterl

    Zotterl Guest

    Viele Hörer fanden/finden es sogar interessanter, wenn die Musik nicht
    jedesmal 100% genau reproduziert wird.
     

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