Fragen zu Noppenschaum

Dieses Thema im Forum "Studio" wurde erstellt von PixelKind, 22. Februar 2013.

  1. Hallo!

    Ich hab mal 2 Fragen zum Thema Noppenschaum:

    1. Ist es wichtig aus welchem Material der gemacht ist? Oder gehts da eher um die Oberflaeche (also eben Noppen)? Ich bekomm die hier in Asian extrem billig aber bin mir nicht sicher ob das Material dann auch was taugt...

    2. Ich hab jetzt oefters auf Fotos gesehen das Leute Noppenschaum hinter den Monitoren an die Wand kleben. Vor allem in Situationen wo die Boxen sehr nahe an der Wand stehen (ist bei mir auch so). Bringt das was? Der Sound wird ja primaer nach vorne abgestrahlt

    Danke!
     
  2. Beim benoppen von Wänden geht es in erster Linie darum autretende Reflektionen zum Mindern.
    Deshalb sollte man Die da hinpappen wo Reflektionen auftreten.
    Begib Dich mal auf die Reise in Richtung Raumakustik, da gibts einige kurze Informative Bröschüren und Seiten im Netz die Dir das erstmal grob umreissen.
    Ich hab da grad nix zur Hand, aber ich denke hier wird noch der ein oder andere Link auftauchen, bzw Google sollte da schnelle Ergebnisse Liefern.
    Die meisten Anbieter von so Akustik-Noppenschaum haben idR so eine kleine Einsteiger-Broschüre auf der Webseite um Interessenten anzufixen ;-)

    Was das Material selbst angeht... kann schon sein das da irgendwelche Sachen drin sind die hier einfach 'nicht gehn', muß aber nicht. Ich denke eher das ist der gleiche Stuff den man hier auch kaufen kann, nur ohne Fracht/Zoll/Gewinn fürn Händler. Ohne das Du das Zeug Analysieren läßt wirste das wohl nicht rausbekommen. Wenns richtig übel stinkt, kann das aber schonmal ein Indikator sein.

    vg
    Sascha
     
  3. Ne das Zeug stinkt eigentlich garnet.

    Hab schon ein wenig gegoogelt und da wird halt meist auf Absorber hingewiesen. Hab nicht viel zu Noppenschaum gefunden. Werd aber noch weitersuchen.

    Das mit den Reflektionen ist mir klar. Deshalb wuerde ich sowas ja auch nicht hinter den Boxen anbringen. Deswegen ja meine Frage weil ich das jettz schon oefters auf Bildern von Homestudios gesehen hab. Primaer hat man Reflektionen ja an den Seitenwaenden, der Decke bzw an der Wand gegenueber der Boxen
     
  4. Achso, ja dann hab ich Dich falsch verstanden.
    Ja, in den meisten Videos oder auf Bildern ist das meist nur optisch schön verklebt.

    Hast schon recht mit den Seiten, Hinten eigentlich nix bis auf Bassfallen in den Ecken wenn man das hinten nennen kann ;-)
    Aber kommt ja auch Primär auf den Raum an.

    Wenns nicht stinkt dann ist da auch nicht unbedingt was super chemisch giftiges drin.
    Wie das mit der Struktur aussieht, da hab ich zu wenig Ahnung von, aber kann mir gut Vorstellen das es da Wissenschaftliche Erkenntnisse von Akustik-Gurus gibt ;-)
     
  5. Ich will dir deinen günstigen Noppenschaum nicht madig reden, aber Noppenschaum ist eigentlich nur in den seltensten Fällen zu empfehlen. Das Einzige was dir Noppenschaum bringt ist die Absenkung einer spezifischen Frequenz und die Vermeidung von offensichtlichen Flatterechos. Mit Akustik hat das leider sehr wenig zu tun, auch wenn man den berühmten Noppenschaum in diversen Studios auf Videos und Bildern sieht. Noppenschaum wird einfach häufig dazu verwendet einen Raum tod zu dämmen. Daher würde ich von Noppenschaum im Studio definitiv abraten. Wenn ein Raum mit Noppenschaum behandelt wurde, dann klingt er schon gedämmt d.h. man kann dann zum Beispiel in die Hände klatschen und es hallt, klirrt und flattert nicht mehr so wie vorher. Das ist natürlich meist angenehmer als vorher. Das Problem dabei ist, dass der Schall dann einfach in einer spezifischen Frequenzen sehr stark gedämmt wurde, in der spezifischen Frequenz in welcher der Noppenschaum seine Dämmwirkung hat. Alle anderen Frequenzen wurde aber nicht gedämmt. Das Resultat wird sein, dass du die Frequenzen, bei denen der Noppenschaum wirkt, in deinem Mix sehr stark anheben wirst, weil die ja in deinem Raum stark gedämmt wurden und von dir weniger laut wahrgenommen werden. Wenn du dann deinen Mix auf einem anderen Monitoring in einem anderen Raum anhörst, werden genau diese Frequenzen hervorstechen, weil du sie ja lauter gemischt hast. Aus diesem Grund ist es nicht ratsam einfach Noppenschaum an die Wände zu kleben.


    Hier ein paar Anmerkungen:

    1. Entscheidend für die Dämmung von Schallwellen ist der sogenannte Längenbezogene Strömungswiederstand des Dämmmaterials. Beim Dämmen von Schall wird Bewegungsenergie in Wärmeenergie umgewandelt. Der Schall trifft auf das Material, dringt in das Material ein und wird dadurch verlangsamt. Durch dieses Abbremsen verliert er an Energie bzw. seine Bewegunsenergie wird in Wärmeenergie umgewandelt.

    2. Für die Dämmung von mittleren Frequenzen nimmt man ein Material das sehr breitbandig wirkt. Der Längenbezogene Strömungswiderstand sollte dafür zwischen 10-15 kPa*s/m² sein. Ideal dafür ist Basotect, ein Melaminschaumstoff, der sehr Breitbandig wirkt. Alternativ kann man auch Steinwolle nehmen z.B. Rockwool Termarock 50. Der Vorteil von Basotect gegenüber Steinwolle ist, dass es nicht zu Faserflug führt. Basotect ist aber sehr teuer. Steinwolle extrem günstig, vermutlich noch günstiger als dein Noppenschaum. Du kannst Steinwolle auch in Stoff einpacken, dann hast du auch keinen Faserflug mehr. 10cm Dicke ist ein gutes Richtmass. Es gibt auch viele andere Materialien, die einen Längenbezogenen Strömungswiederstand von ca. 15 kPa*s/m² haben. Diese Materialien sind aber im Gegensatz zu deinem Noppenschaum (ausser er hat zufälligerweise einen Längenbezogenen Strömungswiederstand von 15 kPa*s/m², was du wohl nicht rausfinden wirst) viel breitbandiger wirksam d.h. sie dämmen dir nicht nur eine spezifische Frequenz. Mit solchen Breitbandabsorbern dämmt man die Erstreflexionen rund um deine Monitore, linke Wand, rechte Wand und Decke. Wie man die Dinger aufhängt siehst du hier:

    [​IMG]

    3. Für die Dämmung von Bässen nimmt man ein Material das eher für tiefe Frequenzen wirksam ist. Der Längenbezogene Strömungswiderstand sollte dafür ca. 6 kPa*s/m² sein. Ideal ist zum Beispiel Rockwool Sonorock, ebenfalls ein sehr günstiges Material, das man ohne Probleme in Plastikfolie einpacken kann. Im Falle von Bassfallen ist mehr meistens besser. Wenn du kannst, dann solltest du alle deine Raumecken, insbesondere die vorderen Ecken, wo deine Monitore stehen, raumhoch mit solchen Bassfallen ausstatten. Ein Raum hat 12 Ecken, nicht nur 4. Die Ecken behandelt man deshalb, weil dort die so genannten Raummoden in den meisten Räumen am stärksten wirken und dort deshalb am effektivsten bekämpft werden können.

    Die meisten Bassfallen, die verkauft werden und aus Schaumstoff bestehen, sind viel zu dicht und ungeeignet. Die hier zum Beispiel:

    https://www.thomann.de/de/auralex_acoust ... coal_4.htm

    Der Konsument wird leider meist verar***** und abgezockt, weil sich die meisten Leute nicht zutrauen, sich in das Thema zu vertiefen. Raumakustik ist keine Hexerei und mit ein wenig Aufwand kommt man extrem weit. Es ist nicht unbedingt teuer und auch nicht schwierig. Es ist aufjedenfall günstiger als ein polyphoner Analogsynth und einfacher als FM Synthese :mrgreen:

    Hier ist ein Link zu einem Forum, in welchem sich zahlreiche Leute tummeln, die ihre Studios erfolgreich selbst behandelt haben.

    http://recording.de/Community/Forum/Rec ... index.html

    Du kannst dir dort ja mal die oberen threads "Basic Akustik FAQ" und "REW Workshop" und "Bassbehandlung mit porösen Absorbern" durchlesen. Danach solltest du das Wichtigste wissen und kannst einen Thread mit Skizze, Raumbemassung und Fotos posten, falls dir die Sache ernst ist. Geld für Noppenschaum auszugeben, der dir leider wenig bringen wird und die Sache vielleicht noch schlimmer macht als vorher, lohnt sich aufjedenfall meiner Meinung nach nicht.
     
  6. Vielen Dank fuer die Info! Dann las ich das mal bleiben mit dem Zeug. 2 Fragen zu deinem Artikel:

    1. Was sind x1, x2 und y in der Gleichung in dem Bild? Aber wenn ich das Richtig aus meiner Recherche in Erinnerung habe sollte die Mitte der Absorber seitlich an den Waenden etwa dort liegen wo eine Gerade gezogen entlang der Frontseite der Boxen auf die Wand trifft.

    2. Zu den Ecken: 12 Stueck? Definierst Du eine Ecke als das Aufeinandertreffen von 2 Waenden (Decke und Boden ebenfalls als "Wand" gesehen). Das waeren ja dann eher Kanten. Eine Ecke ist fuer mich wo 3 Waende aufeinandertreffen. Und dann waeren das ja nur 8...

    Und danke nochal fuer die sehr ausfuehrliche Info!
     
  7. Zu 1: Sorry, kuck mal hier:

    [​IMG]

    Stammt von dieser Seite:

    http://www.realtraps.com/art_room-setup.htm

    Zu 2: Ja, es sind 12 Kanten (zwischen 2 Wänden) und wenn du so willst, 8 Ecken (zwischen 3 Wänden). Am ergibiegsten ist es dort, wo 3 Wände zusammenkommen, also in den Ecken. Wenn du die in deinem Raum erwischt, dann bist du schonmal auf der glücklichen Seite. Viele Räume haben dort eine Tür oder ein Fenster. Das macht dann die ganze Sache bereits zeimlich kompliziert, leider.


    Kuck dir mal die Artikel an, da steht viel nützliches drin:

    http://recording.de/Community/Forum/Rec ... hread.html

    http://recording.de/Community/Forum/Rec ... hread.html
     
  8. Super, Danke!

    Bin schon auf recording.de am lesen :)
     
  9. Anonymous

    Anonymous Guest

    Sehr geil, vielen Dank! Bitte den Thread mal sticky machen!

    Merci! :supi:
     
  10. Wie gesagt, bei Recording.de tummeln sich ein paar nette Leute, auch solche die ihr Geld damit verdienen. Wenn man freundlich ist und seine Hausaufgaben macht (Skizzen, Raumbemassung und die erwähnten Beiträge gut studiert) dann wird einem auch geholfen. Raumakustik optimieren muss nicht viel Geld kosten. Ein paar Euro für ein sehr günstiges Messmikrofon, freeware Messsoftware und ein einfaches Dezibelmessgerät, dazu ein günstige Materialien und ein wenig handwerkliches Geschick und man kommt schon sehr, sehr weit. (Wenn man nicht einen völlig unmöglichen Raum hat.)

    Die ganzen Versuche mit Teppichen, Eierkartons, Matratzen, Sofas, Bücherregalen oder Noppenschaum kann man sich sparen. Das bringt in den meisten Fällen nur sehr wenig. Man hört das zwar, aber meist sind diese Massnahmen viel zu schmalbandig und machen die Sache eher noch schlimmer, leider. Ich hab das alles auch ausprobiert, 10 Jahre lang. Dann hab ich mal eine Messung gemacht und konnte all die üblichen, gutgemeinten Akustikmassnahmen entlarfen. Es bringt wirklich nichts..wenn dann nur für die Hörpsychologie..
     
  11. Ich denke was Pulsn hier meint ist das es schwer ist Info zu dem Thema zu finden die so gut auf den Punkt gebracht ist. Dein Beitrag macht es dem Neuling (so wie mir) sehr einfach einen Ueberblick zu bekommen wie Raumakustik funktioniert und wo man dann bei Bedarf weitersuchen muss. Das war echt Hammer! Besten Dank nochmal!
     
  12. Ich hatte auch länger, bis ich die richtigen Quellen gefunden habe und ich habe auch sehr viel gelesen. Das Problem bei den meisten Büchern zum Thema Raumakustik ist, dass sie nicht praxisorientiert sind und dass darin konkrete, vollständige Beispiele zum Thema Studioakustik fehlen. In der Literatur findet man meist nur Beispiele zum spezifischen Bau von Absorbern und deren Messungen, sowie sehr viel Theorie, die meist auch noch mathematisch aufbereitet wird. Daher ist es schwierig sich da reinzuarbeiten. Bei Recording.de findet man ein paar Beispiele zur konkreten Umsetzung mit Stück für Stück Messungen und den entsprechenden Diagrammen. Dadurch kann man sich eine Vorstellung davon machen, wie diese Absorber wirken und was sie bringen.

    Ich hab natürlich auch viel Zeit damit verbracht, Messungen meines Studios zu machen und ca. 2000 Euro Material investiert. Meine Raumakustik ist jetzt aber richtig gut geworden und wenn ich alleine nur schon an meine Phantommitte (die Mitte, welche durch zwei Lautsprecher im Stereofeld entsteht) denke und darauf Gesang höre, dann hat sich die Sache hundertmal gelohnt. Ich hör jetzt alles viel besser, kann besser Hüllkurven meiner Synths einstellen, habe Freude an ganz kleinen, wahrnehmbaren Timingvariationen in meinen Grooves, höre Hallräume viel besser und meine Mixes wurden auch viel besser. Früher musste ich immer auf mehreren verschiedenen Lautsprechern in verschiedenen Räumen meine Mixes hören und es war immer ein Rumgestocher im Sumpf der Dezibels. Nun bin ich ziemlich besser geworden und es macht auch viel mehr Spass als früher. Es ist schon aufwendig, aber man muss ja nicht unbeding alles perfekt machen.
     

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