Gitarre am Modular

Hier eine echte Anfängerfrage: Ich spiele Gitarre und würde gerne die Gitarre über einen Modular laufen lassen. Ich habe bereits ein Case mit Strom und einen VCO (4VOX). Der Doepfer A-119 soll als Interface für die Gitarre funktioneieren, habe ich gehört. Jetzt die Frage: was brauche ich, damit das Signal auch wieder an den Audioverstärker geschickt werden kann? Ein VCA? Einen Mixer? :kaffee:
 

fanwander

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Basstel schrieb:
Hier eine echte Anfängerfrage: Ich spiele Gitarre und würde gerne die Gitarre über einen Modular laufen lassen. Ich habe bereits ein Case mit Strom und einen VCO (4VOX). Der Doepfer A-119 soll als Interface für die Gitarre funktioneieren, habe ich gehört. Jetzt die Frage: was brauche ich, damit das Signal auch wieder an den Audioverstärker geschickt werden kann? Ein VCA? Einen Mixer? :kaffee:
Hallo

Grundsätzlich gleich die Warnung: ein Modularsystem wirst Du nur mit sehr sehr viel Aufwand zu einem Gitarrensynthesizer umfunktionieren können. Für das gleiche Geld kannst Du dir mindesten zwei Gitarrensynths kaufen und die Gitarren dazu.

Zu Deinem System: Den VCO kannst Du mit der Gitarre und dem A-119 nicht ansteuern. Das A-119 liefert Dir nur den Lautstärkeverlauf der Gitarre (den "envelope") und die drundsätzlich Info "Signal ist da/ist nicht da" (=Gate on/off). Aber das A-119 liefert keine Information über die Tonhöhe.

Wenn Du den VCO ansteuern willst, benötigst Du das RS-35 von Analogue Systems. Damit hast Du aber eine Dauerton. Du benötigst mindestens noch einen VCA, und - damit es irgendwie sich von einer Gitarrengesteuerten Eieruhr unterscheidet - einen VCF, einen Envelopegenerator, einen Slewlimiter und ein LFO.
Damit hast Du einen minimalen (!!!) einstimmigen Gitarrensynthi, der vermutlich eher schlecht als zufriedenstellend funktionert, und hast vermutlich die ersten 1000 Euro ausgegeben.
Damits besser wird, darfst Du nochmal einen 1000er an diversen Modulen drauflegen, mit denen Du umständlich Kompressoren und Noisegates mit unterschiedlicher Hyterese nachbaust.

Ich kenne mich nicht mehr mit aktuellen Gitarrensynth-Systemen aus (mein letzter Stand sind die Axon-Systeme aus den 90ern), aber ich denke, ein gut arbeitender GitarrenSynthesizer kann nur digital zu vernünftigen Preisen realisiert werden. Aber selbst wenn wir auf der analogen Seite bleiben, dann bist Du mit einem Korg X911 besser bedient als mit einem Modularsystem (ich selbst habe einen X911 und habe ein echt großes 3HE System).



Was anderes ist es, wenn Du sagst, Du willst, das Modularsystem als Effektgerät benutzen - zB so wie ein EMS HiFly. Aber dazu brauchst Du dann wiederum keinen VCO...


Gruß
Florian
 

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Individueller Benutzer
Den RS-35 kann ich nicht empfehlen, der macht zwar lustige Sachen und funktioniert auch in einen Youtube-Video, ich hab's aber nicht hinbekommen... andere haben ähnlich Probleme, drum gibt es ihn ab und zu gebraucht sehr günstig. Zum rumexperimentieren und Spaß haben durchaus eine Option. Ansonsten stimme ich Florian zu. Alternativ MF-107 und weitere Moogerfooger, günstig ist das allerdings auch nicht...
 

Arvin

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Würde ich Dir auch von abraten. Schau Dich nach einem Roland GR20, 33, 55 (den 55er gibt es noch neu, zumindest in der Black version) oder dem Axon um, sollte 2nd Hand günstig zu bekommen sein. Idealerweise im Package mit dem Hex Pickup. Ansonsten könnte der Boss SY300 was sein. Habe ich selber noch nicht getestet aber Synth sounds gehen hier
per normalem Klinkenkabel, also ohne Latenz wie bei den Roländern oder dem Axon wobei letzterer ein etwas besseres Tracking bietet, die werkseitigen Sounds (ursprünglich war das Soundboard glaube ich optional) allerdings eher bescheiden sind.
 
Super dass so schnell Antworten kommen. Ich hatte schon sowas befürchtet. Die Roland Teile habe ich getestet und die Latenzen sind einfach zu hoch. Daher kam ich auf den Gedanken, das Ganze auf analoger Basis zu versuchen. Scheint aber eine Schnapsidee zu sein. :eek:
 

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Individueller Benutzer
Das Latenzproblem kenne ich noch von der Casio DG-500. Ist mir damals auch ziemlich auf die Nerven gegangen, man hängt einfach immer hinterher. Allerdings hätte ich gedacht, dass man bei Roland inzwischen etwas weiter ist. Die DG-500 kam Ende der 80er.

Dann hast Du immer noch zwei Möglichkeiten:
- MF-107, wie schon oben erwähnt. Analog, teuer, edel, klappt.
- Die Yourock2. Eigentlich eine Gitarre für Videospiele, hat aber auch eine Tonerzeugung und einen MIDI out. Blöde ist halt, dass sie 6 gleiche Nylon-Saiten hat, es fühlt sich scheiße an, man kommt aber klar. Gibt's bei Youtube und hier im Forum wurde auch schon darüber diskutiert...
 

Arvin

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Feedback schrieb:
Das Latenzproblem kenne ich noch von der Casio DG-500. Ist mir damals auch ziemlich auf die Nerven gegangen, man hängt einfach immer hinterher. Allerdings hätte ich gedacht, dass man bei Roland inzwischen etwas weiter ist. Die DG-500 kam Ende der 80er.
Ist man auch. Ich habe zwei G-Synths, den GR20 und den Axon. Bei Verwendung der internen Sounds geht das schon, man muß sich halt mit seiner Spielweise ein wenig drauf einstellen. Sauber und akkurat spielen, bei rumhudelei kanns eben schnell chaotisch werden. Als Controller um per MIDI andere Klangerzeuger anzusteuern wirds dann allerdings trotzdem haarig. Da ist der Axon wie gesagt etwas besser vom Tracking her. Oder eben den SY300 mal antesten.
 

fanwander

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Arvin schrieb:
Feedback schrieb:
Da ist der Axon wie gesagt etwas besser vom Tracking her.
Die alten Gitarrensynths basierten noch auf pitch 2 voltage trackern, die die Zeit zwischen den Nulldurchgängen der Schwingungen messen. Das ist funktioniert zwar mit unterschiedlichen Schwingungsformen, braucht aber lang (minimal eine Halbwelle, damits richtig gut wird aber drei Vollwellen).
Der Axon (und lizensierte Systeme) hingegen geht davon aus, dass eine eindeutig bekannte Schwingungsform kommt (nämlich die einer Gitarre am Treblepickup). Bei dieser Schwingungsform misst er den 1.) den Anstieg der ersten Schwingung, und 2.) die viiiiiel höhere Frequenz der Longitudinalschwingung der Saite (die misst er mit normalem Nulldurchgang zählen, was aber hier wegen der hohen Frequenz flugs geht). Aus den beiden Messwerten berechnet er die Frequenz.

Die beste und beeindruckendste Sache ist aber alles was auf Rolands V-Guitar System basiert. Da wird keine Pitch-Analyse betrieben, sondern das Signal der einzelnen Saiten wird direkt umgemodelt.

PS: Es dürfte auch einige Electro Harmonix-Pedals geben die ähnliches machen wie das V-Guitar-Zeugs. Aber bei den EH- Sachen kenne ich mich nicht so aus
 

ikonoklast

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Ich hab den Axon AX-100 MKII und kann den nur empfehlen. Allerdings sind viele der integrierten Sounds eher mau, also raus mit MIDI und rein in irgendeinen Synth.

Das Teil kann zb. das Griffbrett mehrfach splitten und du kannst jeden Bereich an einen anderen Synth senden oder multitimbrale Synths ansteuern.

Tracking ist super, hängt aber von einer exakten Justierung des PUs ab UND von der Empfindlichkeits-Einstellung, die leider für jeden Patch extra eingestellt werden muss. Das ist aber nicht schlimm, wenn man den internen Synth eh nicht verwendet. Dann benötigt man nur eine handvoll "generische" Patches, fürs Ansteuern externer Geräte.

Eins sei noch gesagt (gilt im Übrigen für ALLE Guitar-to-sonstwas-Interfaces): Die Spielweise hat ERHEBLICHEN Einfluss auf das Resultat. Otto Normalgitarrist wird da große Probleme bekommen. Man muss sehr sauber und artikuliert spielen, jeden Ton extra anschlagen. Wer es gewohnt ist mit viel Verzerrung einfach loszushredden weil die Unsauberkeiten dann eh untergehen der wird seine liebe Mühe haben da was Vernünftiges rauszuholen. Daher kommen IMO auch die Vorurteile vieler Gitarristen bezüglich des "schlechten Trackings" der Interfaces: Das Problem sitzt hinter der Gitarre ...

Servus,
Alex
 

Horn

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Lieber Basstel, ich glaube von mir sagen zu können, dass ich ein versierter und erfahrender Gitarrist bin. Und ich verrate kein Geheimnis, wenn ich Dir sage: Gitarre zur Steuerung von Synths ist und bleibt eine Sackgasse. Das haben schon in den 80ern ganz viele richtig gute Leute versucht und schnell wieder sein gelassen.

Wie mir ein befreundeter Gitarrenbauer erzählt hat, gibt es seit einiger Zeit einen neuen Trend in der Richtung, der nach seiner und auch nach meiner Meinung trotz neuerer und besserer Technik ebenso zum Scheitern verurteilt ist wie die erste Welle von Gitarren-Synthesizern in den 80ern.

Wenn Du Deine Musik mit Synth-Klängen bereichern willst, lerne einfach ein bisschen mit Tasten umzugehen. Das ist für jemanden, der Gitarre spielen kann, nicht wirklich schwer zu lernen, denn selbst ein schlechter Pianist holt bessere Ergebnisse aus einem Tastatur-basierten Synth heraus als ein professioneller Gitarrist aus einem Gitarren-basierten Synth. Ist traurig, aber ist und bleibt wahr.

Sorry ;-) ...
 

Arvin

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SynthUser0815 schrieb:
...selbst ein schlechter Pianist holt bessere Ergebnisse aus einem Tastatur-basierten Synth heraus als ein professioneller Gitarrist aus einem Gitarren-basierten Synth.
So pauschal würde ich das nicht formulieren. Zum Beispiel haben Gitarristen wie Pat Metheny, Allan Holdsworth oder Adrian Belew bereits früh diverse Gitarrensynths
(Synclavier-guitar, Synthaxe, Roland synths) eingesetzt und tun es bisweilen auch heute noch so weit ich weiß.
 
Vielleicht reicht auch einer der Bodentreter von Electro Harmonix. Sie haben einige Dosen im Programm, die ähnliche Funktionalitäten bieten.
 

dislo

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die grandiosen basslines von squarepusher kommen größtenteils aus dem (bass)guitar to (midi)synth prinzip. also vorverurteilen würde ich das nicht. (obwohl das natürlich viel damit zu tun hat, dass er ein echter virtuose am bass ist)
kommt drauf an was man vorhat.


das simpelste guitarsynth prinzip ist übrigens einfach das gitarrensignal so zu übersteuern bis es eine rechteckwelle wird, (fuzz) und dann nen filter dahinter. diesen dann mit der lautstärke envelope oder lfo modulieren.
macht in modular also:
schöner fuzz-bodentreter(gibts in modular leider nicht so häufig und mit dem klang den guitarplayer mögen) mit octaver davor oder dahinter (boss oc-2 zBsp)
a-119-preamp-envelopefollower-gate
ich würd nen a-106-5 filter nehmen
a-147 lfo
a-138c cv-mixer
surplus wäre adsr und vca
ich würde sagen da kommt man ca. auf 300,-€.
aus dem filter kannst du direkt raus in einen mixer oder effektgerät das linelevel verträgt.


nen gebrauchten ms20 mini (der auch gitarrensynth kann) bekommt mit ein wenig glück schon für 450,- oder so.
 

ikonoklast

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SynthUser0815 schrieb:
Lieber Basstel, ich glaube von mir sagen zu können, dass ich ein versierter und erfahrender Gitarrist bin. Und ich verrate kein Geheimnis, wenn ich Dir sage: Gitarre zur Steuerung von Synths ist und bleibt eine Sackgasse.
Wie wärs denn mal mit einer Begründung für so eine Aussage?

SynthUser0815 schrieb:
Das haben schon in den 80ern ganz viele richtig gute Leute versucht und schnell wieder sein gelassen.
Du lebst wohl noch in den 80ern? Die Synths von damals möchte ich auch nicht spielen. Ich hab u.a. einen JEN GS 3000 Syntar, und den kann man beim besten Willen nicht "spielen". Der bekommt ein MIDI Interface, und dann geht das (über den Axon).

Ich wüsste jetzt nicht wo das Problem sein sollte bei einem der neueren Konverter, wie eben dem Axon. Hast du denn schon mal über einen Axon gespielt?

Ich habe vor einiger Zeit mal für ein amerikanisches Forum eine Artikel-Serie geschrieben: "How to use a Boss GT-10 as Synthesizer". Selbst mit diesem einfachen Gerät kann man erfolgreich Synthese betreiben (da es prinzipiell aufgebaut ist wie ein klassischer subtraktiver Synthesizer, sogar modular!), und spielen lässt es sich einwandfrei. Ich trete seit Jahren damit auf. (Ich würde mich allerdings nie als "normalen Gitarristen" bezeichnen)


SynthUser0815 schrieb:
Wie mir ein befreundeter Gitarrenbauer erzählt hat, gibt es seit einiger Zeit einen neuen Trend in der Richtung, der nach seiner und auch nach meiner Meinung trotz neuerer und besserer Technik ebenso zum Scheitern verurteilt ist wie die erste Welle von Gitarren-Synthesizern in den 80ern.
Wie wärs denn mal mit ein paar Begründungen? a) was für ein Trend? b) warum scheitern? c) was hat das mit den 80er Synths zu tun?

SynthUser0815 schrieb:
Wenn Du Deine Musik mit Synth-Klängen bereichern willst, lerne einfach ein bisschen mit Tasten umzugehen. Das ist für jemanden, der Gitarre spielen kann, nicht wirklich schwer zu lernen, denn selbst ein schlechter Pianist holt bessere Ergebnisse aus einem Tastatur-basierten Synth heraus als ein professioneller Gitarrist aus einem Gitarren-basierten Synth. Ist traurig, aber ist und bleibt wahr.
Das ist vor allem deswegen traurig, weil sich selbst die meisten "professionellen" Gitarristen einfach nicht von ihrem Gitarren-Paradigma lösen können. Ich habe -zig Gitarristen erlebt, die über Gitarrensynthesizer versucht haben ihre "klassischen" Nummern zu spielen. Das ging natürlich in die Hose, aber die Reaktion war nicht etwa "ich kann das wohl nicht" sondern "Gitarrensythesizer sind Sch...".

Jemals was von Adrian Belew gehört? Ich empfehle mal die CD "Desire Caught By the Tail", AFAIK komplett mit Gitarrensynthesizer eingespielt.

Oder Robert Fripp? Ich empfehle mal das Interview mit Robert Fripp im Guitar Player Juni '86 zu lesen. Und dabei im Hinterkopf zu behalten dass das 1986 war.

SynthUser0815 schrieb:
Aber echt.

Alex
 

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Individueller Benutzer
Danke für die Lese-Tipps! Das Fripp-Interview habe ich gefunden (sowie alle anderen...), aber hast Du mal den Link zu Deiner Artikelserie? Danke... :nihao:
 
ikonoklast schrieb:
...weil sich selbst die meisten "professionellen" Gitarristen einfach nicht von ihrem Gitarren-Paradigma lösen können. Ich habe -zig Gitarristen erlebt, die über Gitarrensynthesizer versucht haben ihre "klassischen" Nummern zu spielen.
Das ist der Punkt!
Für mich ist es genauso langweilig über einen Gitarrensynth "normal" Gitarre zu spielen, als auch damit Keyboard Licks zu kopieren.
Da muss ein eigener Ansatz her, diese Kombination ist quasi als eigenständiges Instrument zu sehen.
Adrian Belew! :phat:
 

Horn

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Tja, Euren Enthusiasmus in allen Ehren, nur sind meiner Beobachtung nach die guten musikalischen Ergebnisse mit Gitarren-Synths sehr rar. Es gibt vereinzelte gelungene Beispiele - siehe oben - ja. Aber das sind m. E. wirklich Ausnahmen. Warum sollte man sich mit dem Gitarren-Synthesizer-Thema beschäftigen, wenn es leichter und praktikabler ist, einfach ein bisschen Klavier zu lernen und die Synth-Parts über eine Tastatur einzuspielen?

Aber gut - wer damit glücklich ist, der soll sich halt mit der Gitarre als Synth-Controller beschäftigen ... :katzendarm: ... Jedem Tierchen sein Pläsierchen ;-) ...
 

LRSVDR

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Hatten mal vor ewigkeiten ne Klampfe am MS20. Kumpel hat gezupft, ich hab geschraubt. Ich hatte spaß. Kumpel war weniger überzeugt.
Kann mir schon vorstellen richtung Squarepusher oder Mouse on Mars schwer a-tonales acid Massaker damit veranstallten zu können.
Bestimmt live lustig für quitschigen whatever.
Aber cleaner Lead wird mit der Kombi glaub ich schwierig.
 


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