Ein Beistelltisch für die Küche (oder für das Tonstudio?):
Alles begann im März 2022 mit dem Fund eines Eichenstamms am Straßenrand, der gerade eben noch in den Kofferraum unseres damaligen Mitsubishi-Outlander passte.
Im Durchmesser ca. 25cmm und ziemlich knorrig verästelt erforderte er eine gewisse Vorarbeit mit Motorsäge und Elektrohobel, um auf der Bandsäge in zöllige Brettware aufgetrennt werden zu können.
Gestapelt und mit Zwischenlagen aus Ahorn zur Belüftung konnte dieses Paket - verzurrt mit Rödeldraht gegen Verwindung - nun seine 4-jährige Trocknungsphase im Subtreppizitalbereich™ unseres Carports antreten.
Im März 2026 war es dann soweit. Die Blockware konnte durch den Dickenhobel geschoben und mittels Handkreissäge und Führungsschiene besäumt werden.
Um möglichst viel Nutzfläche aus dem Rohmaterial zu generieren, verzichtete ich dabei auf parallele Schnittführung und entfernte nur die sogenannte Waldkante, ließ also die Splintbereiche bewusst stehen, auch wenn diese zum Teil stockig verfärbt waren. Ich dachte mir, wenn man exquisite E-Gitarren-Bodies aus stockigem Holz bauen kann, warum sollte dies nicht auch bei einer Tischplatte möglich sein? Zudem hatten diese gestockten Bereiche trotz beginnender Zersetzung eine erstaunliche Härte, sodass eigentlich nichts gegen dieses Vorhaben sprach.
In Ermangelung eines Abrichthobels wurden die gesägten Kanten mittels Oberfräse an einer Alu-Richtlatte geglättet und auf exakt 90° zur späteren Sichtfläche gebracht, damit beim Verleimen der Längskanten keine Schlitze verbleiben und eine möglichst plane Tischfläche entstehen konnte.
Vor dem Fügen noch schnell ein paar Flachdübel eingefräst,
...konnte es auch schon ans Verleimen der einzelnen Bretter zur Tischplatte gehen:
Zuvor hatte ich die Überstände bereits abgelängt (was man eigentlich erst nach dem Verleimen macht).
Für das Tischgestell verwendete ich übriggebliebenes Material aus dem Haustürbau und zwar bei ebay erworbene, auf 19mm Stärke gehobelte Eichebretter für die Tischbeine und für die Querriegel 26mm massive Eiche-Blockware vom BAUHAUS. Die Tischbeine sollten durch Aufeinanderleimen dreier Schichten der Brettware entstehen.
Wegen der Mitverwendung kürzerer Reststücke verwendete ich erstmalig einen Fingerverleimfräser zur Anstückelung der aufeinanderstoßenden Hirnholzseiten, wobei dessen korrekte Einrichtung (= Höhenpositionierung) erst nach unzähligen Fehlversuchen klappte.
Hierbei kam mein selbstgebauter "Coping-Sled" zum Einsatz, der seinerseits wiederum aus unzähligen upgecycleten Materialien zusammengefrickelt wurde.
Jedenfalls sahen die Hirnholz-Fügestellen nach dieser Aktion endlich zufriedenstellend aus:
Die Tischbeinrohlinge konnten nun endlich zusammengeleimt werden.
Um die Verleimflanken zu glätten, wurden die Tischbeine im Paket auf einem Regalbrett mittels Heißkleber fixiert:
Zuvor half ein kleiner Präzisionswinkel, minimale Abweichungen vom 90°-Ideal - wie sie nun einmal beim Sandwich-Verleimen auftreten können - zu korrigieren:
Nun konnte dieses Paket durch den Dickenhobel geschoben werden (die ganze Prozedur natürlich auch auf der gegenüberliegenden Seite).
Es folgte das Ablängen auf das gewünschte Endmaß. Da mir die entsprechenden Zubehörteile zu meiner Dewalt-Kappsäge zu teuer sind, konstruierte ich mir wie immer eine aus Restholz und ein paar Zwingen bestehende "adhoc-Lösung" zum wiederholgenauen Kürzen der 4 Tischbeine und der Querriegel.
Letztere sollten mit den Tischbeinen über Schlitz-&-Zapfen-Verbindungen das Untergestell bilden. Die Zapfen erzeugte ich durch parallelgeführte Schnitte auf meinem Schiebeschlitten mit der Scheppach-HS105.
Die Einzelteile des Tischgestells erinnerten danach schon in gewisser Weise an einen IKEA-Bausatz:
Als nächstes mussten die Schlitze in den Tischbeinen erstellt werden. Als Markierungshilfe fertigte ich mir schnell eine Schablone aus einer gelaserten, 4mm dicken Siebdruckplatte und einer angeschraubten Hartholzleiste, sodass das Anzeichnen der zu stemmenden Löcher präzise und flott vonstatten ging:
Im nächsten Schritt kam mein VEVOR-Stemmvorsatz an der JET-Standbohrmaschine wieder zum Einsatz, den ich mir zum (noch zu dokumentierenden) Haustürbau angeschafft hatte. Es zeigte sich wieder, dass zum Stemmen von Löchern in Hartholz eine wuchtige Mittelsäule und eine insgesamt verwindungssteife Konstruktion der verwendeten Standbohrmaschine von Vorteil ist. Jedenfalls würde ich dieses Vorhaben nicht mit einer Scheppach-DP19 oder ähnlichem Spielzeug durchführen wollen...
Um die so erzeugten Schlitze auf die zu den Zapfen passende Breite zu bringen, bastelte ich mir aus den diversen Zubehörteilen meiner Oberfräsensammlung einen doppelten Parallelanschlag und fräste mit diesem Konstrukt die gestemmten Löcher nach.
Die noch runden Ecken und allerletzten Millimeterbruchteile,...
...die einer erfolgreichen Hochzeit der Schlitze mit ihren korrespondierenden Zapfen noch im Wege standen, wurden per Hand mit sauscharfen Beiteln Loch für Loch nachbearbeitet:
Jede einzelne der insgesamt 24 Schlitz-&-Zapfenverbindungen wurde auf bestmögliche Passgenauigkeit gebracht, sodass ein probeweises Zusammenstecken nun möglich war:
Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, die Kanten der einzelnen Bauteile des Tischgestells zu konturieren. Ich entschied mich für eine Abrundung mit 6mm-Radius und realisierte diese auf meinem Eigenbau-Frästisch.
Die Außenkante der Querriegel, auf denen später die Tischplatte aufliegt, sollte natürlich nicht abgerundet werden und obwohl ich mir alle abzurundenden Kanten minutiös und gewissenhaft markiert hatte, passierte es mir, dass ich die auszulassende Kante eines der kürzeren Querriegel versehentlich ca. 1cm anfräste.
Shit happens...
Obwohl man das Resultat dieses Missgeschicks nur gesehen hätte, wenn man mit Taschenlampe und Lupe bewaffnet in gehockter Stellung diese Ecke unter der Tischplattenaußenkante nach Fehlern abgesucht hätte, entschloss ich mich zu einer Reparatur.
Hierzu verwendete ich Eichensägemehl mit ein wenig Zusatz von Natriumhydrogencarbonat als Katalysator und den billigsten Sekundenkleber (von ACTION). Nach dem Aushärten und der Nachbearbeitung mit Beitel und Schleifpapier sah der Schaden dann so aus:
Mit dem gleichen Cyanacrylatkleber wurden übrigens auch sämtliche Äste und Einwüchse, die später sichtbar bleiben aufgefüllt und mit Beitel und Schleifpapier geglättet. Bei diesen doch eher dunklen Fehlstellen lasse ich das Sägemehl und den Katalysator weg. Der Polymerisationsvorgang dauert dann eben etwas länger.
Natürlich mussten die unteren Enden der Tischbeine gegen Ausriss rundum mit einer Fase versehen werden. Hierbei kam an den geraden Kanten meine chinesische Einhandfräse (ein Makita-Klon) von YAFIDRA zum Einsatz.
Die bereits abgerundeten Ecken musste ich allerdings per Hand fasen, weil es beim Aufsetzen der Oberfräse auf die Hirnolzfläche wegen des Faserverlaufs zu Ausrissen gekommen wäre:
Danach Stand dem Zusammenbau des Tischgestells eigentlich nichts mehr im Wege. Aus Gründen der Stressminimierung entschied ich mich aber dazu, nicht sämtliche Teile mit allen 24 Schlitzen und 24 Zapfen zu beleimen, "zusammenzukloppen" dann auch noch unzählige Zwingen anzusetzen, die Winkel zu kontrollieren, gegebenenfalls zu korrigieren UND dabei auch noch den herausprutschenden™ Leim rechtzeitig abzuwaschen. Nä, dattbraumernitt!
Also wurden ersteinmal die Längselemente des Tischgestells miteinander verleimt und über Nacht der Trocknung überlassen. Wie erwartet, war trotz aller bisher aufgebrachten Sorgfalt eine kleine Winkelkorrektur durch diagonales Ansetzen zweier Zwingen erforderlich. (Beide Diagonalen des entstandenen Rechtecks müssen gleichlang sein, dann ist Rechtwinkligkeit gegeben)
Im nächsten Schritt konnte das Gestell durch Verleimung der 6 kürzeren Querholme komplettiert werden:
Nach Trocknung des Leims und Entfernen der Zwingen konnte man schon die stabile Gesamtkonstruktion des Untergestells erahnen.
Nun konnte es mit der Nachbearbeitung der Tischplatte weitergehen:
Als erstes mussten die beiden Längskanten mit je einem 7mm Anleimer aus massiver Eiche versehen werden, um auf die von meiner Frau gewünschten 500mm Gesamttiefe der Tischplatte zu kommen. Hierzu verwendete ich keine speziellen Anleimerzwingen - wie man sie für viel Geld erwerben kann - sondern stinknormale Zwingen und Holzkeile zur Erzeugung des erforderlichen Anpressdrucks:
Zum Bündigfräsen der Überstände an den Längskanten entschied ich mich dazu, die Tischplatte in vertikale Position zu bringen, weil das senkrechte Aufsetzen der Einhandfräse auf den Anleimer immer noch weniger wacklig ist, als deren horizontale Führung an der Kante bei liegender Tischplatte:
Wegen Ausrissgefahr kürzte ich die Anleimer-Überstände an den Stirnseiten nicht mit der Fräse, sondern mit der Japansäge:
Vom Haustürbau übriggebliebenes Brettmaterial wurde nun mit knappem Übermaß für die Einlegeböden zugesägt und durfte schonmal Probeliegen:
Unschwer ist zu erkennen, dass dieses Material aus einem Fachwerk stammt, dessen Balken ich auf der Bandsäge in Brettware aufgetrennt und anschließend durch den Dickenhobel geschoben habe. Zuvor waren die Zapfenlöcher und die Löcher für die Holznägel - wie sie im klassischen Fachwerkbau nunmal üblich sind - mit eigens dafür hergestellten "Stopfen" verschlossen worden.
Ich mag es, wenn eine Holzoberfläche nicht makellos daherkommt - dann könnte ich ja gleich DC-Fix nehmen - sondern durch Äste und Verwachsungen, sowie Flickstellen seine Herkunft dokumentiert und quasi eine Geschichte erzählt.
Einige Bohrungen in diesem Restmaterial mussten aber noch verschlossen werden, also flugs noch ein paar Stopfen aus meiner Vorratsdose entnommen und eingeleimt:
Auf der Unterseite der Tischplatte waren im Randbereich noch einige Fehlstellen zu kaschieren, die sich durch den sparsamen Umgang mit dem Ausgangsmaterial ergeben hatten. Da man diese später im Normalfall nicht mehr sehen, sondern nur noch an der Unterseite des Plattenüberstandes erfühlen kann, entschied ich mich zu einer Reparatur mit Holzmehl, Speisenatron und Sekundenkleber:
Nach dem Aushärten und oberflächenbündigen Abschleifen war die Tischplatte fertig zur weiteren Bearbeitung:
Zur Erhöhung der Stabilität wude auf der Unterseite eine Aufdoppelung mittels 15mm starkem Buchensperrholz aus der Baumarktrestekiste vollflächig aufgeleimt und verpresst:
An diesem Beispiel sieht man übrigens, dass es von unschätzbarem Vorteil ist, in seinem Zwingen-Arsenal auch solche mit einer riesigen Ausladung von 40 Zentimetern zu haben...
Als nächstes wurden gehobelte Auflagelatten (Fichte/Tanne) aus einem ehemaligen, selbstgebauten Lattenrost für die spätere Montage der Einlegeböden unter Zuhilfenahme einer Lehre in das Tischgestell geschraubt:
Das jeweils erste und letzte Brett jeder Einlege-Ebene musste im Bereich der Tischbeine mittels Oberfräse und Kopierhülse exakt ausgeklinkt werden...
...und wurde danach an seinem späteren Bestimmungsort auf Passgenauigkeit kontrolliert:
Nachdem sämtliche Bretter mit je vier Senkbohrungen für die spätere Verschraubung mit den Nadelholzlatten versehen waren, mussten die später sichtbar bleibenden Flächen gewässert und nach dem Trocknen in Maserungsrichtung geschliffen werden. Im Streiflicht sieht man sehr schön, wie sich die Holzfasern durch das Wässern aufrichten und nach Trocknung und Handschliff verschwunden sind:
Vor der finalen Oberflächenbehandlung musste noch ein kleines, aber wichtiges Gimmick realisiert werden: eine gelaserte Beschriftung, die zumindest Auskunft über Bestimmungszweck und Baujahr des Küchen-Beistelltischs geben sollte. Anstelle eines Logos (wie affig!) entschied ich mich für:
Ja, ich weiß - die Lateiner unter Euch werden es bemerkt haben - Küche heißt eigentlich schlicht "CULINA" und in diesem grammatikalischen Zusammenhang wäre die Formulierung "TABULA AD CULINAM" eigentlich korrekter, aber wir Apotheker neigen nun einmal zu Latinisierungs-geprägter Wortschöpfung. Ergo (<- da ist wieder so eins...) dachte ich mir, wenn ein Wasserbehälter Aquarium (AQUA -> AQUARIUM) genannt wird, warum soll man dann den Raum der Zubereitung von "Leckerchen" (=Kulinarischem) nicht CULINARIUM nennen dürfen?
Vor der Hochzeit aller Einzelteile wurden diese nun dreimal mit farblosem Hartwachsöl von CLOU behandelt. Der Auftrag der ersten Ölschicht ist dabei immer ein besonders befriedigender Moment, denn dabei kommt es zu einer wunderbaren Betonung der Holzmaserung, die man landläufig übrigens "Anfeuern" nennt:
Nach vollständiger Aushärtung des Öls und finalem Zusammenbau konnten die Standflächen der Tischbeine nun mit gelaserten Klebefilzpads versehen...
...und der Tisch endlich in seiner vollen Pracht bewundert werden:
PS: Das Teil ist derart verwindungssteif und stabil, dass bestimmt jeder FDM-3D-Drucker neidisch auf unsere Heißluftfritteuse gucken wird...
