Korg Polysix: Sub-Oszillator einer Stimme defekt?

Hallo,

ich lese hier schon länger fleißig mit und habe jetzt zum Korg Polysix auch eine akute technische Frage. Ich habe einen gut erhaltenen Polysix zu Hause stehen, der kein Batterie-Problem hat und insgesamt wunderbar funktioniert. Ein Sub-Oszillator der vierten Stimme ist nicht hörbar. Ich habe zum Testen die IC's der Stimmen untereinander getauscht, was keinen Unterschied ausmachte. Weiß jemand, was der Fehler sein könnte und wie man das beheben kann??

Ich danke euch,
- Chris
 
Hallo Chris,

wenn wirklich nur eine Stimme beteiligt ist: der Suboszillator ist das IC 38 (CD4027 oder irgendwas mit "14027"). Es kostet unter 1 Euro - und sollte zB. bei Conrad erhältlich sein. Das IC sitzt pro Stimme auf dem Voiceboard ganz vorne auf der Tastaturseite. Es ist eigentlich kein anderes IC daran beteiligt. Es könnte nur noch ein kalte Lötstelle auf dem Weg zum Filter sein - aber das ist sehr unwahrscheinlich.

* Ich gehe davon aus, dass Du weißt, dass in einem Synth am Netzteil und am Ein/Ausschalter 220V offen liegen und Dich töten können.
* Das IC ist leider nicht gesockelt, sondern in der Platine verlötet. Du musst also das Auslöten von ICs beherrschen.
* Du solltest ausserdem ein Oszilloskop haben, oder zumindest den Umgang mit einem Audio-Tastkopf beherrschen, um herauszubekommen, welche Stimme das Problem hat.

Zum Tauschen des IC gehst Du wie folgt vor:
* Prüfe an Pin 1 des IC-32 (SSM2044), welche der Stimmen es tatsächlich ist.
* Du musst die Klaviatur ausbauen (Sechs Schrauben auf der Unterseite und ein breiter Stecker auf dem Voiceboard).
* Dann die Schrauben lösen, mit denen das Voiceboard auf der Grundplatte festgeschraubt ist (sind glaub ich fünf Stück).
* Mache jetzt ein Foto vom Voiceboard, senkrecht von oben, auf dem man erkennt, welches Kabel an welcher Stelle eingesteckt ist.
* Dann alle Steckverbinder des Voiceboards lösen und das Voiceboard herausnehmen.
* Jetzt kannst Du das IC auslöten und das neue IC wieder einlöten (ich löte dann auch gleich immer eine Fassung ein).
Dann wieder umgekehrt zusammenbauen.

Viel Glück.

Wenn Du es selbst nicht machen kann, dann geh zu Tobias Münzer aka Tubbutec; der macht Dir das in einer halben Stunde. Tobias sitzt am Markgrafendamm, gleich beim Ostkreuz.
 
Vielen Dank für die Informationen! Und die vielen *-Hinweise! Ich glänze zwar mit gepflegtem Halbwissen, aber die Gefahren am offenen Herzen sind mir bewußt. Ein Oszilloskop ist nicht vorhanden, aber die vierte Stimme ist es ganz bestimmt, da die dazugehörige LED aufleuchtet, wenn der Ton dünner klingt.

Der "normale" Oszillator funktioniert, es betrifft nur den Sub-Oszillator. Ich vermute den Weg zum Filter, somit intakt zu sein.

Würde es dann nicht gar Sinn machen, alle CD4027 auszutauschen, wenn man bereits dabei ist? Vielleicht schaffe ich es noch auf dem Heimweg, bei Segor vorbeizufahren, der Laden liegt auf dem Weg und ich könnte es noch heute ausprobieren.

- Chris
 
chris_franke schrieb:
Würde es dann nicht gar Sinn machen, alle CD4027 auszutauschen, wenn man bereits dabei ist?
Ich pflege nichts zu reparieren, was noch nicht kaputt ist. Das ist jetzt meine persönliche Gepflogenheit.
Vorallem weiß ich aber, dass ich - trotz 35-jähriger Löterfahrung und 500 Euro teurer Profi-Entlötpistole - beim Auslöten von ungefähr jedem dritten IC Gefahr laufe, die Platine an dieser Stelle kaputt zu machen. Kurz und gut: ich würde die fünf funktionierenden ICs lassen wo sie sind.

Das soll Dich natürlich nicht hindern vorsorglich schon mal Ersatz zu besorgen.
 
Vorsicht noch mit statischer Elektrizität. Statt Auslöten am Stück empfehle ich das Ausknipsen des ICs und dann jeden Pin einzeln auslöten. Mit frischem Lot oder Flussmittel helfen. Rückstossfreie Entlötpumpe hilft. Guter Lötkolben auch. Bloss kein bleifreies Lot verwenden.
 
Vielen Dank nochmal an Euch!

Der Polysix klingt wieder, wie er sollte! Der Sub-Oszillator ist jetzt wieder repariert! Es hat etwas gedauert, da ich mich noch entschlossen hatte, die Buttons der Speicher-Sektion auszutauschen. Einige Buttons wollten fester gedrückt werden, und da ich das Gerät sowieso geöffnet hatte, bot sich das an :)

Ich musste die vierte Stimme nachjustieren, da sie etwas lauter und länger ausklang als die Übrigen. Ich muss sagen, dass das Voiceboard des Polysix ja richtig logisch und übersichtlich aufgebaut ist!

swissdoc schrieb:
Bloss kein bleifreies Lot verwenden.

Aha, warum eigentlich? Bei Lötworkshops wird immer darauf hingewiesen, bleifreies Lötzinn mitzubringen.
Ich hatte sowieso kein bleifreies Lötzinn, somit hat sich das für diese Reparatur erübrigt.
 
chris_franke schrieb:
Der Polysix klingt wieder, wie er sollte! Der Sub-Oszillator ist jetzt wieder repariert!
Gratulation!


Aha, warum eigentlich? Bei Lötworkshops wird immer darauf hingewiesen, bleifreies Lötzinn mitzubringen.
Ich hatte sowieso kein bleifreies Lötzinn, somit hat sich das für diese Reparatur erübrigt.
Weil Lötworkshops gewerbliche Unternehmungen sind; deren Produkte (=das was Du lötest) unterliegen den neuen Richtlinien.
Bleihaltiges Lot ist für den privaten Gebrauch und für die Reparatur alter Geräte immer noch erlaubt (deswegen kann man es auch noch kaufen)
 
Für Handlötungen ist verbleites Lot nach wie vor zulässig.
Bleifrei ist deutlich kritischer in der Verarbeitung, man sollte das wirklich nicht ohne Not nehmen.
Für Reparatur bleifreier Baugruppen muss man allerdings auch bleifrei nehmen, weil man sonst "Mischlote" aus Bleifrei und verbleitem Lot bastelt. Und die sind unzuverlässig.
(Demzufolge muss man verbleite Lötungen/Platinen auch verbleit reparieren, auch da bekommt man sonst auf Dauer unzuverlässige Lot-Mischungen. )
 


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