Monophone vs. polyphone Synths

Dieses Thema im Forum "Polyphon" wurde erstellt von PySeq, 24. September 2016.

  1. PySeq

    PySeq ......

    Von hier:
    Ja genau, so ging mir das auch: Monophon war rückständig.

    Den anderen Ansatz, den von der monophonen Seite der Synths, hab' ich durch Florian Anwanders Buch entdeckt. Er schreibt dort gelegentlich, daß das Midi-Format und die Klaviertastatur den Synthesizer in seinen Möglichkeiten einschränkten. Wenn man sich davon befreie, könne man mit dem Synthesizer z.B. auch in Richtung eines Cellos gehen, also, daß man das Streichen einer Saite nachempfindet, was ja ein recht anderer Vorgang ist als eine Taste auf einem Klavier anzuschlagen.
    Polyphonie beschreibt er dort als mehrere monophone Stimmen, also daß man drei oder vier monophone Stimmen nacheinander aufnimmt. Wenn man sie leicht gegeneinander verstimmt oder den Klang einer Stimme jeweils ganz leicht ändert, bereichert man den Gesamtklang, wie bei einem Streicherensemble. Das macht ein Polysynth ja so nicht.
    Ist natürlich recht aufwendig. Um Polyphonie mit einem Monosynth zu erreichen, dürfte der schnellste Weg aber sein, den Monosynth zu samplen.

    Ich hab' ehrlich gesagt ansonsten nicht so viel in Florians Buch verstanden :lol: (er geht von einem monophonen Modularsynth aus), aber dieses doch, hoffe ich.

    Heute ist monophon nicht mehr so das Problem wie früher, weil man in der DAW ja problemlos zig Spuren davon nacheinander aufnehmen kann. Man kann also auch mit nur einem Monosynth gut arbeiten. Beispiele:


    Das hat mich dann auch bewogen, einen Monosynth zu kaufen (BS2). Hätte ich früher nicht gemacht (rückständig, s.o.).
     
  2. Wenn man jetzt noch bedenkt dass die Herren Subotnik und Buchla sich schon in den 60ern darüber geärgert hatten, dass da ein Herr Moog ankam und an diese neumodischen Synthesizer Kisten so dämliche Keyboards dran gebaut hatte...
     
  3. hairmetal_81

    hairmetal_81 Mitglied in Capt. Obvious' Lambada-Testlabor

    Polyphonie immer und all the way... - 'nuff said!


    Viel Spass damit... ich hoffe, du hast 'ne gute Round-Robin-Funktion bzw. entsprechnde Scriptings...


    P.S.:
    Der Sub-37 ist nicht monophon...
     
  4. Summa

    Summa hate is always foolish…and love, is always wise...

    Ich hab' einem meiner Kumpel, der aufgrund von Medikamenten Probleme mit der Motorik hat, zwar auch immer gesagt: Dass er kein Klavier spielen können muss, um Musik mit seinem Synthesizer zu machen, aber das hatte nix mit monophon vs. polyphon zu tun. Mittlerweile hat er den Synth mit seinem Bruder (der Klavier spielen kann) gegen 'ne Hantelbank getauscht, weil das mit dem Klavierunterricht nicht mehr funktionierte.
    Für das was ich machen will, kann ich monophone Synths maximal für Bässe nutzen, dieses egozentrische "Leadgewichse" div. Tastenkünstler ist nicht wirklich mein Ding. Ich wäre für sowas auch selbst viel zu introvertiert, bin keine Rampensau... ;-)
    Zudem sind zum Glück die Zeiten vorbei, in denen mit polyfonen Synths keine komplexe Klangveränderungen möglich waren.
     
  5. starling

    starling Guest

    Das kann ich eigentlich unterschreiben.
    Für polyphones nehm ich häufig Klaviersounds, seltener mal ein String-Pad o.ä. aber das wars weitgehend mit Polyphonie.
    Früher dachte ich, auch monophone Lines müssten am besten poly sein damit der Sound ausklingen kann.
    Das dachte ich lange und hab fast nie mono Sounds benutzt.
    Heute nutz ich den Poly hauptsächlich als multitimbralen Mono.
     
  6. Allroundlaie

    Allroundlaie Mihai Eftimin

    Polyphon und nix anderes :school:
    Zumindest Primär, als Ergänzung für FX und sowas haben Monosynths aufgrund der eher realisierbaren komplexeren Synthesestruktur ja schon Vorteile.
     
  7. Habe bis jetzt nur polyphone Teile gehabt. Fand das auch ganz gut so.
     
  8. Horn

    Horn ||||||||||

    Früher hätte ich, wie gesagt, auch gedacht "polyphon und nichts anderes" ... aber in der Tat ist ein Synth eben kein Klavier. Auch ich lande, wenn ich polyphon auf der Tastatur spiele, letztendlich doch meist bei Klavier-, E-Piano- oder Orgel-Sounds. Dafür aber braucht man keinen Synth. Und die ewigen "streicherartigen" Sägezahnpads sind ja auch irgendwann langweilig.

    Wenn ich mit Monosynths Musik mache, gehe ich ganz anders an den Schaffensprozess heran. Man widmet dem einzelnen Ton, der einzelnen Stimme auf einmal mehr Aufmerksamkeit, macht sich Gedanken, aus welchen Akkordtönen z. B. ein Pad eigentlich zusammengesetzt ist usw.

    Mich hat da übrigens auch erst Florian Anwanders Buch drauf gebracht.

    Ein Komponist, der für ein Streichquartett komponiert, wird ja auch anders heran gehen als jemand, der Musik für Klavier solo schreibt.
     
  9. hairmetal_81

    hairmetal_81 Mitglied in Capt. Obvious' Lambada-Testlabor

    ...es gibt da noch die Kategorie "Synth Comp", die auch nur polyphon wirklich Sinn macht.
     
  10. Na, da muss man ein wenig vorsichtig sein. Buchla hat nie nach dem Schema argumentiert, "Keyboard = böse". Ihm ging es lediglich darum hervorzuheben, dass keine zwingende Notwendigkeit darin besteht, ein elektronisches Musikinstrument mit einer Orgelklaviatur zu versehen. Er hatte nichts gegen Keyboards per se, stellte nur klar, dass die Musik, die mit dem Eingabemedium Keyboard gemacht wird, sich in nichts von der Musik unterscheidet, die beispielsweise im 17. oder 18. Jahrhundert komponiert wurde - also mit Bezug auf tonale Konzeptionen und nicht Stile. Buchla sah in einer genuin elektronischen Musik die Chance, aus den westlichen Musiktraditionen auszubrechen, was eben ein Keyboard nicht erlaubt. Daher schienen ihm alternative Eingabemedien sinnvoller, die mit der Tradition der 12 Halbtöne brechen.

    Interessanterweise empfand Buchla monophone Synthesizer sinnfrei, die mit einem Keyboard ausgestattet waren, da ja der eigentliche Vorteil einer Klaviatur darin besteht, mehrere Töne gleichzeitig spielen zu können. Aus dieser Perspektive stellt natürlich die Verwendung eines Keyboards zu Steuerung eines monophonen Instruments einen inneren Widerspruch dar, da es als Eingabemedium mehr verspricht als es halten kann und demzufolge nicht das geeignete Steuerungsmedium für monophone Spielweisen sein kann. Das wäre dann eher ein Theremin, ein Ribbon Controller, oder eine Steuerung wie beim Trautonium. Also kurz gesagt, kritisierte Buchla in dieser Hinsicht nicht die Verwendung einer Klaviatur per se, denn er konnte sie im Fall eines polyphonen Synthesizers durchaus nachvollziehen, sondern einzig die Tatsache, dass die Klaviatur kein adequates Eingabemedium zur Steuerung von nur einer Stimme darstellt.

    Mehr nachzulesen dazu gibt es hier: http://www.keyboardmag.com/artists/...t-design-a-conversation-with-don-buchla/59510