Viele Produzent:innen befürchten, dass durch die Insolvenz nun Grundlagen ihrer kreativen Arbeit in Gefahr geraten könnten. Als einer der ersten warnte der Komponist und Blogger Peter Kirn auf seinem CDM-Blog vor den Folgen: „User:Innen sind in der Produktionssoftware auf Vorhersehbarkeit und langfristige Beziehungen angewiesen.“
Vareschi betont die Bedeutung von NI-Software: „Ihre Designer verfügen über ausgezeichnete technische und gestalterische Fähigkeiten und bringen oft revolutionäre Produkte auf den Markt, aber NIs mangelndes Engagement bei der Weiterentwicklung bremst sie aus.“ Zwar beherrscht die Firma Pioneer mittlerweile den DJ-Markt, aber auch für DJs, gerade aus dem Bereich der elektronischen Musik, war
Native Instruments lange Zeit enorm wichtig.
DJ Walter Marinelli, als Coach und Beta-Tester für das Unternehmen tätig, sagt aber auch: „NI war immer der Laden, der auf seine User gehört hat, und das hat irgendwann aufgehört.“ NI-Mitarbeiter:innen, die über Jahre enge Beziehungen zu Musikprofessionellen hielten, stehen jetzt vor einer ungewissen Zukunft.
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Auf eine Phase von Goldgräberstimmung und Neueinstellungen folgten bald Entlassungen. Auch kommunikativ und strategisch änderte Native Instruments mehrfach die Stoßrichtung. Wie viele Anbieter der Branche setzte NI verstärkt auf Abo-Modelle und wurde von Nutzer:innen für ein teils als aggressiv empfundenes Marketing kritisiert.
Der Erwerb und die Integration mehrerer Sound-Plug-in-Firmen wie Izotope oder Plugin Alliance, das unter dem neuen Namen Soundwide zusammengefasst werden sollte, fiel ebenfalls in diese Zeit. Die Folgen waren nach Einschätzung von Branchenbeobachtern eine durch die Zukäufe gewachsene Schuldenlast sowie eine Verkaufslage, die mit dem expansiven Kurs nicht mehr Schritt halten konnte.
Peter Kirn sagt dazu: „In der gesamten Musikindustrie besteht große Sorge wegen und Unzufriedenheit über den Einstieg von Private-Equity-Unternehmen in die Bereiche Technologie und Kultur.“ Vareschi wird noch deutlicher: „Bei NI und Izotope arbeiten äußerst talentierte Menschen. Aber wenn Finanzleute die Leitung von Nichtfinanzunternehmen übernehmen, kommt es oft zu Katastrophen.“