Sidechain-Kompression erzeugt Kopfschmerzen. Bekanntes Phänomen?

Pepe

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Ich finde die Lautstärkenmaximierung in vielen Tracks einfach unerträglich und kann mir diese nicht anhören.
Ja, aber zum wiederholten Mal: das ist Loudness War. Anderes Thema, das ich aber ebenso schlimm finde. Da geht sämtliche Dynamik und jeglicher "Schmackes" verloren. Beim Song "Voices Inside My Head" von The Police gibt es bei 2:22 min eine Stelle, bei der ich mich regelmäßig ein wenig erschrecke, weil sie sich so nicht ankündigt. Das klappt nur aufgrund der sehr dynamischen Produktion und weil ich die Scheibe in den 90ern gekauft habe, als die Maximizer noch nicht auf Höchstleistungen geschraubt wurden. Das letzte Album von Stanley Clarke ist auch ein Opfer des Loudness War geworden, dabei ist das ein JAZZ-Album! :meise:
 
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tom f

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Was ich ebenso wenig mag ist dieser ganze Auto-Tune-Mist - war bei Cher als Effekt noch ganz witzig (Believe), hat sich dann wie'n Virus verbreitet - uns nun hat scheinbar jeder Producer 'n Harten in der Hose, wenn er nur diesen Scheiß bei irgendwelchen 'Künstlern' zur Anwendung bringen kann. Werd' ich nie verstehen (zumal Auto-Tune ja ganz anders gedacht war...).
Im Prinzip kann ich dem geschmacklich zustimmen - andererseits: wollten die Erfinder des Klaviers, dass auf selbigen jemals Boogie-Woogie gespielt wird ? :)

Warum Autotune so erfolgreich ist ? Weil es einerseits bei guten Sängern zusätzlich die Produktionsdauer verkürzt - also Kosten spart UND weil es in Rahmen der ach so gefeierten Demokratisierung der Mittel fast jeden Idioten befähigt sich als Sänger zu fingieren.

Bestes Beispiel für die Risiken einer Kongruenz diverser technischer Hilfsmittel gepaart mit stupidem Inhalt ist zum Beispiel Cloud Rap.

Während man gute Songs auch auf eine Maultrommel wiedergeben kann ist von der Musik ohne den Tools des modernen Alleinunterhalters gar nichts mehr übrig.

Wobei gute Musiker mit guten Botschaften auch mit Autotune gute Cloud Rap Tracks machen könnten - dies ist aber dank der Kundschaft nicht mal nötig - also wozu sich bemühen.

Dass so ein Sp@$t auf grossen Festivals gespielt wird ist nur einem finalen degenerativen Prozess zu erklären.

View: https://www.youtube.com/watch?v=22m5eU6uxeQ


In Italien ist übrigens folgender Künstler sehr efolgreich... ich garantiere Dir, dass der Text noch 3 mal debiler ist als der Sound.

View: https://www.youtube.com/watch?v=mXTAz-dnI6M



Wenn das die Jugendkultur von Heute ist müsste man dem Punk nachträglich den Nobelpreis für Gesamtkunst verleihen.
 
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Miks

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In Italien ist übrigens folgender Künstler sehr efolgreich... ich garantiere Dir, dass der Text noch 3 mal debiler ist als der Sound.
Absolut keine Chance, daß ich mir dieses (und ähnliche) Video(s) reinziehe - wenn ich DIESE Typen schon nur sehe - fett mit 'Gold'kette & Uhr & Sonstigem behangen und krass einen auf Bad-Boy mit hammerhartem Hühner-Hoden machend - nee, geh' mir wech! Ich mach's nich hohm...
 

fanwander

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"In My Mind" von Dynoro & Gigi D’Agostino
Nach dem Anhören des verlinkten Videos ist mir klar, was Du mit physisch fast schmerzhaft meinst. Das kenn ich. Was beim konkreten Stück hier im (eher mittelmäßigen) Kopfhörer im Büro auffällt, ist der extreme helle Klick auf der Kick, der in keinem Verhältnis zum erzeugten Sidechain-Lautheitswandel steht.
Ich denke in der Richtung muss man dann auch schauen, wenns um die Ursache für das Unwohlsein geht. Unsere Hörwahrnehmung arbeitet ja auch dynamikabhängig; wenn dem nicht so wäre, dann hätten unsere Vorfahren bestimmte Warnsignale nicht hören können und entsprechend nicht überlebt (zB beim Gewitter hören wir trotzdem noch den Säbelzahntiger der hinter uns im Gebüsch rumknackst - obgleich der Donner total laut ist).
Und von daher erwarten wir bei bestimmten Lautheitsänderungen bestimmte Änderungsdimension in einzelnen Frequenzbereichen. Wenn künstliche Kompression diesen "so klingt friedlich"-Frequenzgang verdreht, dann entspricht das dem "Säbelzahntiger tritt auf Ästchen" und das stresst uns.
 

tom f

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Absolut keine Chance, daß ich mir dieses (und ähnliche) Video(s) reinziehe - wenn ich DIESE Typen schon nur sehe - fett mit 'Gold'kette & Uhr & Sonstigem behangen und krass einen auf Bad-Boy mit hammerhartem Hühner-Hoden machend - nee, geh' mir wech! Ich mach's nich hohm...
Denk dir das Alles weg und höre es Dir an - DANN wirst Du Dich noch mehr wundern.

Und da haben wir den Text noch gar nicht in der Gleichung - in selbigem gibt der Herr zum besten, dass er nach dem Verzehr von Pizza mit Würstelstücken auch gern mal ein Eis oder gar eine Muschi leckt.

Bald kommt in der Musik noch das Analogon zu dem was man unter Anderem in den 60er und 70ern als Aktionskunst betrieb:

Leute die sich öffentlich bekoten und mit ihren Exkrementen Wände und Leinwände bemühen, Masturbationsperformances und ähnlich Wertvolles.
 

tom f

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Ich habe grade von der einen Typen da oben ein paar andere Musikstücke durchgehört und bin mehr als verwundert, dass man problemlos in einem Song hundertfach wiederholen kann dass man - ich übersetze wörtlich - nur weisse Fotzen haben will und den anderen eine falsche Nummer zusteckt und dabei noch in anatomische wie ethnische Details der Vorliebe gegangen wird.
Reinste Frauenfeindlichkeit und Rassismus als Unterhaltunsgbotschaft für das intellektuelle Präkariat und dabei kommen die sich auch noch extrem gut dabei vor - unfassbar.

Edit: warum ich - auch - diese Musik hier ins Spiel gebracht habe ? Weil sie abseits der beschissenen Inhalte auch handwerklich das Zeug dazu hat dem Zuhörer Unwohlsein zu bescheren.

Bizarr genug, dass das technisch Unangenehme in Verbindung mit inhaltlichem Eiter zu kommerziell erfolgreicher Musik gereichen kann.
 

einseinsnull

ich weiß eh alles besser.
Genau das. Und bei manchen Songs drückt die Bassdrum eben die gesamte restliche Musik herunter. Da ist der empfundene Schmerz besonders heftig.
das klingt doch fast genauso wie bei summenkompression auch. zumal im friseurladen.

hier im thread existieren jetzt 2 positionen: zuviel dynamik ist unangenehm und zuwenig dynamik ist unangenehm. :)

ich sehe es wie bernie und plasmatron: das größte - wenn nicht einzige - problem ist das peak limiting.
 
Zuletzt bearbeitet:

einseinsnull

ich weiß eh alles besser.
Ich denke in der Richtung muss man dann auch schauen, wenns um die Ursache für das Unwohlsein geht.
was sein kann ist, dass zu starke kompression (welcher art auch immer) einem vor allem beim eher leiseren hören als irgendwie unnatürlich vorkommt, da das ja mehr oder weniger den effekt nachahmt, was unser trommelfell bei 145 dezibel auch machen würde, wenn die bassdrum in die fläche knallt.
 

Pepe

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hier im thread existieren jetzt 2 positionen: zuviel dynamik ist unangenehm und zuwenig dynamik ist unangenehm. :)
Zuviel Dynamik ist bei mir unangenehm, wenn Geräusche auf absolut unnatürliche Weise in der Lautstärke heruntergepresst werden, während die Bassdrum ihr Unwesen treibt.

was sein kann ist, dass zu starke kompression (welcher art auch immer) einem vor allem beim eher leiseren hören als irgendwie unnatürlich vorkommt, da das ja mehr oder weniger den effekt nachahmt, was unser trommelfell bei 145 dezibel auch machen würde, wenn die bassdrum in die fläche knallt.
Das ist es offenbar.
 

Summa

hate is always foolish…and love, is always wise...
Das würde man sich in dem Fall wünschen - ja, aber das sind tatsächlich Jugendphänomene und das ganze wird traurigster Weise auch noch ex Post von den Medien intellektualisiert.

Post Fin de Siecle 3.0 Reloaded
Ist vielleicht auch nur ein Cover ;-)
Bernd das Brot - Ich sage Nein !
 

Sticki201

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noch nie gehört. mir ist schon nicht klar, wie jemand überhaupt sidechain kompression irgendwo raushören will, geschweige denn warum das kopfschmerzen machen soll.
Doch hört man. Ich kann bei mir wenn ich meinen Track laufen habe und einen Sidechain Effekt drauf habe diesen an und ausschalten. Da hör ich den Unterschied eindeutig raus. Empfand ich früher auch immer als Quatsch aber bei einigen Nummern groovt es mit dem Bass tatsächlich etwas besser. Kopfschmerzen hatt es bei mir noch nie verursacht. Hör ich so zum ersten Mal hier.
 

ollo

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Ich kann es mir eigentlich auch nicht so recht vorstellen, wie genau das mit den Kopfschmerzen passieren kann. Ob eine Bassline jetzt durch die Kickdrum weggedrückt wird oder einfach auf der Und-Zeit läuft müsste ja zum Beispiel für das Hörempfinden oder der Physik eigentlich das selbe sein.
 
Kenne ich gut. Beim Friseur ist der Raum zudem der Raum seltenst akustisch behandelt. Gaststätten mit Fliesenböden und glatten Betonwänden, wo das Gemurmel und Geklapper aus allen Richtungen kommt, sind auch total fies.
 

stefko303

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ein Akkustisches phänomen. ich habe schon ähnliches erlebt beim musik machen oder hören, wenn ich z.b. den kopf in eine richtung drehe oder senke, irgendwelche nebengeräusche die eigentlich garnicht da sein sollten, höre.
die einzigste lösung waren da, den so auszurichten bis das "phänomen" wieder weg ist lol. auf dauer kann ich mir schon vorstellen das sowas negativ effekte nach sich ziehen wird und man dabei bekloppt wird
 

DAV

macht Musik
Den Thread finde ich sehr interessant. Nie drüber nachgedacht.

Kopfschmerzen bekomme ich nicht, kenne aber akustisch sehr empfindliche Personen, kann ich mir schon vorstellen.

Ich finde Sidechaining in Maßen super, aber man kann es auch übertreiben, wie bei Loudness War und viel zu harten Kicks / Snares.

Unwohlsein kann das schon auslösen.

An / Aus find ich generell nervig, auch beim Aprilwetter: Sonne da, Sonne weg (im Minutentakt hinter Mini-Wolken)

Den Track von Gigi d'Agostino finde ich aber eh unerträglich.
 

tom f

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Nur mal zur Erinnerung ganz allgemein, ohne dass sich jemand angesprochen fühlen soll.

Sidechaining als Technik ist vielfältig, variabel und auch alt.

Dass man heute den Begriff beinahe damit gleichsetzt, dass ein Fläche oder ein Bass pumpt ist falsch und stellt auch lediglich eine stilistische Überzeichnung einer Möglichkeit da.

Vergessen wir nicht Gating, Expansion, dynamische Equalizer - alles so eingesetzt um Raum und Klarheit zu erzeugen ohne dass man das a priori als Effekt registriert

Anwendungen bei Voiceover, das Nutzen von extern getriggerter Dynamiksteuerung in den Inserts von Effektwegen um Hall, Delay, Chorus etc. zusätzlich entweder aufzuräumen oder rhythmisch anders zu betonen etc.

Das viele im Kampf um akustische Aufmerksamkeit viel Tools überstrapazieren weil es vielleicht an den primären musikalischen Idee fehlt ist halt eine Erscheinung der Zeit.

Das klingt vielleicht für einige von uns anstrengend - für andere ist es normal weil die nichts anderes kennen.

Moden und Zeitgeist - beides kommt und geht :)
 

Sticki201

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Jemand meinte mal zu meinen Tracks das da sidechain auf dem Bass überall fehlt. Da hatte ich das Gefühl das er Recht hat und bin dann alle meine Tracks von Alt bis neu durchgegangen und hab das nachträglich überall quasi nachgeholt. Das hat vieleicht gedauert. Naja nun hab ich es überall drauf. Was soll's. :lollo:
 
Mir gefällt der Effekt der Sidechain-Kompression.
Beispielsweise auf Flächen finde ich dieses Mittel belebend, wenn ansonsten die Fläche etwas langweilig klingt. Das rhythmische Pumpen kann hier ein toller Effekt sein. Natürlich kann man es, wie immer, auch übertreiben.
Dass man davon Kopfschmerzen bekommen kann, höre ich zum ersten Mal. Aber jeder Mensch reagiert halt anders. Wenn ich in diesem Fall Kopfschmerzen bekommen würde, würde mich die Kompression dann natürlich auch nerven.
 
Zuletzt bearbeitet:

einseinsnull

ich weiß eh alles besser.
Doch hört man. Ich kann bei mir wenn ich meinen Track laufen habe und einen Sidechain Effekt drauf habe diesen an und ausschalten. Da hör ich den Unterschied eindeutig raus.
du bist ja auch ein ganz intelligenter, sticki: wenn ich ein track selbst mache, dann weiß ich auch wie irgendwas gemacht worden ist. :D

es ging hier um die frage, ob man es bei einem fremden track überhaupt raushört ob und wie. und dann noch beim friseur, wo eh kein bass ist.
 

einseinsnull

ich weiß eh alles besser.
Im Prinzip kann ich dem geschmacklich zustimmen - andererseits: wollten die Erfinder des Klaviers, dass auf selbigen jemals Boogie-Woogie gespielt wird ? :)
boogie woogie ist cool , aber auch den will niemand rund um die uhr hören.

dieser pizza ferrari porno swag trap hip hop rap müll belegt ja derzeit die ersten 80 plätze in den deutschen top 100.

da sind zwar auch 3-4 ganz gute sachen dabei, aber in der summe erschreckt mich das zeug einfach nur, die mehrheit ist schon vom text her nihilismus und wie heutzutage üblicherweise mit stimmen gearbeitet wird beweist nur mal wieder wie richtig es war, fernseher und radio abzuschaffen.
 

Sticki201

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Mir gefällt der Effekt der Sidechain-Kompression.
Beispielsweise auf Flächen finde ich dieses Mittel belebend, wenn ansonsten die Fläche etwas langweilig klingt. Das rhythmische Pumpen kann hier ein toller Effekt sein. Natürlich kann man es, wie immer, auch übertreiben.
Dass man davon Kopfschmerzen bekommen kann, höre ich zum ersten Mal. Aber jeder Mensch reagiert halt anders. Wenn ich in diesem Fall Kopfschmerzen bekommen würde, würde mich die Kompression dann natürlich auch nerven.
Genau. Man darf es halt nicht übertreiben. Ich denke das mit dem Kopfschmerzen kommt tatsächlich durch zu doller Kompression. Eine Zeitlang war das ja mal in. Um so Fetter der Club Track um so cooler.
Hätte da mal ne CD die war mir einfach zu Fett von der insgesamten Kompression her. Könnt ich nicht hören.
 

Sticki201

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du bist ja auch ein ganz intelligenter, sticki: wenn ich ein track selbst mache, dann weiß ich auch wie irgendwas gemacht worden ist. :D

es ging hier um die frage, ob man es bei einem fremden track überhaupt raushört ob und wie. und dann noch beim friseur, wo eh kein bass ist.
Ja das stimmt. Bei anderen hör ich das auch nicht raus. Nur bei sich selber hört man den kleinen aber feinen Unterschied. ;-)
 
Man hört das natürlich, je nachdem, wie stark der Effekt, die Gainreduktion, eingestellt ist @einseinsnull. Ich beschreibe das mal am Beispiel Fläche. Der Kompressor lässt das Signal los und die Fläche wird wieder lauter, während die Kick schon vorbei ist. Die Release-Zeit ist so eingestellt, dass der Kompressor den Flächenklang erst wieder komplett losgelassen hat bis die nächste Kick neu startet. Das Ergebnis, pumpen der Fläche. Man kann die Kickspur auch gern mal muten im Track, die pumpende Fläche aber weiter laufen lassen. Ich habe mal auf Youtube gesehen, dass es bei FL-Studio auch geht, Sidechain mit dem Lautstärkefader zu nutzen, ohne Kompressor. Das geht natürlich ebenso. Und zu normaler Summenkompression, die senkt ja die Summe und nicht nur die Fläche. Ich möchte aber nur den Flächenklang pumpend. Außerdem reagiert der Kompressor dann nicht nur auf die Kick. Und Summenkompression setze ich viel dezenter ein, damit es da eben nicht so stark hörbar wird. Wie ich schon schrieb, Sidechain-Kompression als Effekt: ja das hört man. Soll man ja auch. :)
 
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