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These: Macht uns der ganze Internet- und Smartphonekonsum musikalisch anspruchsloser?

  • Ersteller Ersteller ModernerPurist
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  • #121
Früher musste man den Tonträger für teuer Geld kaufen und hat sich diesen mehrfach reduziert angehört. Und wenn es vielleicht nicht so optimal klang, hat man es vielleicht trotzdem irgendwie verteidigt, da man sonst seine eigene Entscheidung in Frage gestellt hätte. Ist ja wie mit teurer Hardware, ne? :mrgreen:

Wenn das Musikangebot so niederschwellig riesig ist, gibt es keinen Anreiz mehr, die ersten 15 Sekunden ohne maximales Aufmerksamkeitsheischen durchzuhalten. Skip und fertig.
Hat das dann Einfluss auf die Sachen, die nach oben gespült werden? Kann man sich selbst beantworten.
Auf der anderen Seite schlummern in den unendlichen Tiefen der Musik- und Streamingportale sehr viele unentdeckte Perlen, die spült der Algorithmus nur nicht nach oben.

Ich würde auch nicht die Gleichung aufstellen: hoher Komplexitätsgrad = gute Musik. Den Anreiz den Begriff "gute Musik" zu prägen, hatte doch irgendwie erst die entsprechende Schaufelindustrie und die, die ihre "akademische" Daseinsberechtigung ihren Ergüßen entnehmen, sich dann auch immer selbst im Rad drehen und gegenseitig zitieren - und alle anderen, auch der gemeine Pöbel, verstehen nichts davon. Wie auch, die haben ja keine Ahnung, wie ein Konzertflügel im Detail aufgebaut ist und kennen am Ende nicht mal Noten und die Musikgeschichte der letzten 1.000 Jahre, die Banausen die!!! Wie wollen die beurteilen, ob Musik gut ist?? :mrgreen:

Vielleicht hatte das Trommeln und Gröhlen ums Lagerfeuer vor tausenden von Jahren eine viel bessere Wirkung als [***hier kannste einsetzen, was Du willst***].
 
  • Daumen hoch
M.i.a.u.: Rasenmähermann und martin_ffm
  • #122
Na gut ein wenig Kulturpessimismus kann nie schaden,lol.
"Ich hab da seit einiger Zeit eine Vermutung: Könnte es sein, dass Musik unter anderem deshalb immer einfacher wird, weil sich durch unseren Internet- und Smartphonekonsum auch unsere Aufmerksamkeit und unser Arbeitsgedächtnis verändern?"
Das wirft bei mir einige Fragen auf , wird die Musik tatsächlich immer einfacher ? Für welche Genres soll das zutreffen? Kleines Gegenbeipiel, die aktuell gehypten Angine de Poitrine , ist das einfache Musik ? Davon ab was ist mit einfacher Musik gemeint ? Ein simples Arrangement ?
Das sich die Art und Weise wie Musik, durch social Media und digitale Verfügbarkeit ,konsumiert wird grundlegend geändert hat, ist mittlerweile konsens.Ansonsten kann ich nicht erkennen , das Musik einfacher geworden ist.
Trozt alledem, Clubs, Konzerte , Festivals werden nach wie vor gut besucht.
 
  • #123
Interessant wäre vor allem die soziologische Frage, aus welcher Rezipientenperspektive wir das Ganze betrachten: aus Sicht des gewöhnlichen Konsumenten oder aus Sicht des Musikers, der sich intensiver mit der Materie und seiner eigenen Musik auseinandersetzt?
Wenn ich von mir ausgehe, ist die Musik nicht schlechter geworden, sondern mein eigenes musikalisches Verständnis gewachsen. Vieles erschließt sich mir mittlerweile wie ein offenes Buch. Gerade in der funktionalen Popularmusik, etwa Techno oder House, sind Arrangementstrukturen häufig vorhersehbar. In der Popularmusik lassen sich zudem harmonische Verläufe und Kadenzen oft antizipieren.

Das ist für mich jetzt kein Beleg für musikalischen Qualitätsverlust, sondern eine Folge geschulter Wahrnehmung. Je tiefer man in die Materie einsteigt, desto schneller durchschaut man musikalische Muster wodurch die Musik relativ belanglos erscheint.
 
  • #124
Ganz sicher. Ein Mensch, der bereits geprägt wurde, wird diese Prägung in seinem künstlerischen Schaffen weiter ausleben. Jüngere Menschen hingegen werden durch den heutigen medialen Input emotional und psychisch auf eine andere Weise geprägt, wodurch wiederum ganz andere Ausdrucksformen entstehen.

Letztendlich werden Künstler immer das reflektieren, was sie selbst erfahren, verinnerlicht und auf emotionaler Ebene verarbeitet haben. Doch genau diese Erfahrungswelt verändert sich. Einen rein analogen Underground als abgeschlossene Subkultur gibt es in dieser Form kaum noch. Die Menschen werden heute durch andere Bilder, andere Partys, andere soziale Räume und veränderte Hörgewohnheiten geprägt.

Entscheidend ist dabei nicht allein, was ein Mensch konsumiert, sondern was er am eigenen Leib erfährt und emotional durchlebt. Allerdings kann auch die digitale Welt zu einem prägenden Erfahrungsraum werden. Wenn dort andere Formen von Bildern, Begegnungen, Reizen und Erlebnissen entstehen, wird sich zwangsläufig auch die künstlerische Ausdrucksweise verändern.

Aus einer psychoemotionalen Perspektive betrachtet, wird der Mensch stets versuchen, seine inneren Erfahrungen, Konflikte, Sehnsüchte, Auslebung und Ängste in irgendeiner Form nach außen zu tragen. Das künstlerische Schaffen ist dabei auch ein Spiegel des Unbewussten: Es verarbeitet nicht nur das bewusst Erlebte, sondern ebenso jene Eindrücke, die sich tief in die Psyche eingegraben haben, ohne dass der Mensch sie vollständig reflektieren kann.

Meine Prognose wäre deshalb, dass sich die zukünftige Kunst zunehmend aus einer Vermischung analoger und digitaler Erfahrungen entwickeln wird. Das unmittelbar körperlich Erlebte trifft auf eine Welt aus virtuellen Bildern, künstlich erzeugten Reizen und medial vermittelten Emotionen. Beides verschmilzt zu einer neuen inneren Erfahrungswelt, die sich wiederum in Musik, Kunst und Kultur ausdrückt.

Vielleicht wird dieser Ausdruck dadurch auch zunehmend unnatürlicher ,, nicht unbedingt im Sinne von schlechter oder weniger authentisch, sondern weil sich die Grundlagen dessen verändern, was Menschen überhaupt als Realität, Nähe, Intensität und emotionale Erfahrung empfinden.

Denn Kunst entsteht nicht im luftleeren Raum. Sie ist immer auch ein Produkt ihrer Zeit und der seelischen Wirklichkeit jener Menschen, die sie hervorbringen. Wenn sich diese Wirklichkeit verändert, verändert sich zwangsläufig auch die Kunst. Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob die neue Medienwelt das künstlerische Schaffen beeinflusst, sondern welche neuen psychischen Strukturen, Sehnsüchte und Ausdrucksformen sie in den Menschen hervorbringt.
 
  • Daumen hoch
M.i.a.u.: martin_ffm
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