Re: Bedeutung modularer analoger Kompl-Synthesizersysteme, T
Bernie schrieb:
Reader schrieb:
Für Cello, Oboe, Flute usw. wurde in der Regel das Mellotron eingesetzt, pardoxerweise auch der Modular. Tanzmucker hatten ihre fiesen Orgeln und als Aufsatz allenfalls einen Krüppelsynth mit "Festregistern". Der Minimoog klang eigentlich immer wie ... ääh .. der Minimoog.
Die Grundidee bei der Entwicklung von Synthesizern war eigentlich, das man nicht immer gleich ein ganzes Orchester einsetzen muß. Man hat also zuerst versucht, Instrumente zu imitieren. Der Minimoog war ja nur eine abgespeckte und transportable Kompaktversion eines Moog Synthesizers. Zu dieser Zeit gab es noch kein Mellotron, das kam ja erst viel später.
Es stimmt nicht, dass die Grundidee bei der Entwicklung des Synthesizer in der Imitation von Instrumenten bestand – zumindest nicht, wenn "Grundidee" die Ideen meint, die zum Bau der allerersten Modulsynthesizer (
Moog* Serie 900, Buchla 100) führten. Das war weder bei Bob
Moog* und Herb Deutsch der Fall, noch bei Don Buchla und dem San Francisco Tape Music Center – wobei die jeweils letzteren den an erster Stelle genannten Ingenieuren den musikalischen Anwendungsfall schilderten. Nachzulesen ist dies unter anderem in "Analog Days: The Invention and Impact of the
Moog* Synthesizer" von Frank Trocco und Trevor Pinch (Harvard University Press 2002). Ein Jammer übrigens, dass es immer noch nicht auf Deutsch erschienen ist.
Zu Anfang stand – sowohl bei
Moog* als auch bei Buchla – allein der Gedanke im Vordergrund, die bisher zur Produktion von "Music for Tape" (grob vereinfacht der amerikanischen Variante der akademisch-avantgardistischen "Elektronischen Musik") verwendeten Gerätschaften (Tongeneratoren, Bandmaschinen usw.) durch ein portables, besser und musikalisch handhabareres Instrumentarium (Spannungssteuerung der Parameter statt Handbedienung, Sequencer statt Bandschnitt) abzulösen – ein "portable electronic music studio", wie es
Moog* und Deutsch in ihren allerersten Gesprächen nannten.
Ab wann Synthesizer vorrangig als Ersatz für existierende Instrumente angesehen wurden, liesse sich vielleicht am ehesten am Erscheinungstermin der ersten rein preset-basierten Synthesizer festzumachen (z.B. ARP Soloist 1972).