Wenn dich die 2000er geprägt haben, wundert es mich nicht, dass du das anders siehst.
Mir sind die anderen Jahrzehnte nicht fremd, aber 2006 habe ich erst angefangen richtig elektronische Musik zu hören.
Hör dir einfach mal Compilations aus den 90ern an. Ganz egal ob Trance, Techno, IDM oder House.
Ja habe ich. Gerade was den Mix angeht, sind doch Produktionen aus dem Bereich Techno sehr gut zu identifizieren. Und dann gern 909, 808, 606 usw.
´Gerade die sind doch gut zu identifizieren, aus welcher Zeit sie stammen.
Mich verwundert wie sicher du dir bist, zumal deine Behauptungen schwer zu belegen sind. DU argumentierst hier nach Gefühl.
Und ich hab dir Gründe gegeben und da auch nicht wenige, warum du diesen Eindruck fälschlicherweise haben könntest.
Warum gehst du darauf nicht ein.
Du wirst heute auch immer weniger irgendwelche Szenehelden erleben, eben auch durch die ganzen Gründe die ich aufgezählt habe.
Ein Aphex Twin zährt noch von seinem Status, aber neue Künstler haben es erheblich schwerer so einen Status überhaupt zu erreichen.
Die Behauptung, dass damals alle mit denselben Signalketten gearbeitet hätten, halte ich für fragwürdig.
Nein das habe ich nicht gesagt. Hast du gelesen was ich geschrieben habe?
Ich sagte, dass es früher wesentlich wahrscheinlicher war, dass die Leute mit dem Selben Zeug gearbeitet haben als heute.
Das ist Fakt.
In kleinen Studios war eher das Gegenteil der Fall.
Andere Pulte, andere Sampler, andere Hallgeräte, andere Kompressoren, andere Synthesizer.
Ja und was ist heute?
Das alte Zeug wird doch heute immer noch genutzt. Dazu kommt noch die ganze neue Hardware und darauf kommt noch das ganze digitale Zeug.
Was du ansprichst existiert heute in großen Teilen noch, weil die alte Hardware so gehyped ist.
Schon der Wechsel eines einzigen zentralen Gerätes konnte einem Track eine andere klangliche Identität geben.
Naja, dann müsste es doch heute noch mehr der Fall sein.
Die Möglichkeiten der Zusammenstellungen sind doch heute viel größer.
Fast jeder arbeitet in einer DAW mit transparentem Summing. Fast jeder nutzt ähnliche Werkzeuge für EQ, Dynamikbearbeitung,
Resonanzkontrolle, Saturation und Limiting. Ob nun Fabfilter, Kirchhoff, Soothe, Gulfoss oder die jeweiligen Alternativen: Die Ergebnisse liegen oft deutlich näher beieinander
als die Unterschiede zwischen einem alten Mackie-8bus, einem Soundcraft, einem Akai doer emu Sampler oder einem Lexicon oder Alesis Hallgerät.
Dein ganzes Argument ist analog vs. digital? Das halte ich schon für gewagt.
Selbst wenn ich da mitgehen würde, das wird doch heute genauso genutzt. In den 90er hatten wir doch genau die Zeit, wo stark auf digital umgestellt wurde. VA's, Tracker und DAW's.
Aber du vergisst anscheinend, dass genau dieses Zeug heute noch genutzt wird, dazu eben alles was es bis heute gibt, plus daw's.
Vielleicht ist es gar so, weil der Markt gewachsen ist, das heute sogar mehr Leute Hardware only arbeiten als damals. Natürlich hast du zusätzlich noch eine riesige Flut aus Leuten die in the box oder eben hybrid.
Und sag mir nicht es liegt dann alleine an Bandmaschine oder analogen Summierung.
Obwohl es heute ja auch wieder Bandmaschinen neu gibt, wie ich gesehen habe.
Das glaube ich echt nicht. Selbst wenn es so wäre hätte ich darauf keine Lust und würde darauf verzichten.
Du kannst den mix auch gut mit plugins und anderen tools formen. Das wird auch immer wieder gezeigt.
Dazu kommen etablierte Produktionsstandards. Viele Produktionen folgen denselben Lautheitszielen, denselben Mixing-Prinzipien
und denselben ästhetischen Erwartungen.
Das stimmt. Früher musstest du dich da eher alleine Durchwursteln oder hast Kurse genommen. Heute sind Tutorials von Hobby oder semiprofessionellen Produzenten der große Rahmen.
Darauf wollte ich zum Beispiel in dem "Echokammer" Thread hinaus und versuche andere dazu zu ermutigen, eher auszuprobieren, als Influencern oder Tutorials zu folgen. Weil ich nämlich denke, dass wir so noch viel mehr an innovativer Musik hätten. Das ist nur eine These von mir. Aber Nicht nur das "wie" wird angeglichen, sondern auch Vortellungen und Erwartungen. Das ist m.e. der Kreativität gegenläufig.
Deswegen ist meine Einschätzung, dass wir heute genausoviele oder gar mehr innovtive und gute Sachen haben als in den 90ern, aber anteilig am gesamten Künstlerpool eher weniger.
Das kann ich nicht belegen und leite mir das indirekt über soziologische und psychologische Studien her, u.a.
usw usf
Das bedeutet nicht, dass es heute keine guten Ideen mehr gibt. Das habe ich nie behauptet.
DU sagtest es gäbe einige wenige, die gute Ideen haben und sich schnell verbreiten.
Im Mainstream ist das so. Zumindest Ideen, die leicht nachzuahmen sind, werden schnell übernommen. Alles wird schnell gesehen und verbreitet sich dementsprechend. Oder es gibt bald ein bestimmtes Tool, das genau diese Klangeigenschaft erzeugt.
Es deutet zumindest an, dass es deiner Meinung nach heute weniger gute Ideen gibt.
Wenn du nur ein paar wenige Sätze schreibst, hab ich keine Ahnug was du genau meinst. Mach doch mal ein exemplarisches Beispiel.
Die Frage ist doch eher, wo denn die Werke sind,
die sich wirlich inhaltlich und klanglich absetzen?
Überall verstreut. Bandcamp, beatport, junodownload, youtube, soundcloud, spotify. Ich nenne dir diese Plattformen, damit auch klar ist wie groß die Menge an Musikdaten ist.
Nehmen wir jetzt nur mal die professionellen oder relevanten Labels. Da gibt es heute weltweit sicher 100 mal mehr.
Oder so. Wenn du in den 90ern echter Fan von elektronischer Musik warst kanntest du die meisten Lables und Künstler.
Das ist heute nicht mehr möglich. Außerdem verschwimmen die Grenzen immer weiter.
Die Szene war sehr professionell und geschlossen. Ein zirkuläres Ökosystem mit spezifischen sozialen und physikalsichen Barrieren.
Das könntest du ja mal belegen.
Ich kann das machen, wenn du dich darauf einlässt. Da könnten wir einen neuen Thread aufmachen. Ich suche immer neue Musik und versuche Sachen zu finden, die mich überachen und neu klingen.
In den 90ern gabs ja auch nicht ständig irgendwas neues. Dabei darf es nicht um die Frage gehen, ob dir das gefällt oder nicht.
Ich hatte hier mal 2 Tracks von Rustie gepostet aus dem Jahr 2026 und nach dem genre gefragt. Das war fresh. Oder die Releases von Lorn. Seine Klangästhetik hat sich seit 2018 stark verändert. Das ist sehr charakteristisch und gut. Oder auch was Ideen angeht. Sowas wie shinra knives - laced blunt. (2022) Floating Points - rush (Album 2019), Hudson Mohawke - cry sugar (2022). shlohmo - the end (2019) Oder Genies wie Oneohtrix Point Never (Alben 2013 -2023). Der hat seinen Stil erst 2013 richtig entdeckt und das ist sowohl musikalisch, kompositorisch, vom Soundesign und mixing immer wieder sehr innovativ. Sowas hatte ich zuvor noch nie gehört.
Ich bin heute auch nicht mehr so ein Freak wie früher, aber ich kann dir genreübergreifend viele Sachen zeigen und dabei auf Ideen, Soundästhetik, etc. verweisen.
Beweisen kann ich das nur über Gegenbeispiele.
Die könnte man ja mal sammeln.
Die letzten Alben, die mich aufhorchen ließen, war Burial "Untrue", das war mal was Neues, danach vlt noch das was Aphex Twin aus der Mottenkiste kramte.
Das war toll, keine Frage. Da scheinen wir uns aber zumindest etwas einig zu sein, was gute Ideen oder eine eigene Klangästhetik, innovativ so ist.
Alte Hasen haben abgebaut (siehe bspw Leftfield, Underworld, Chem Bros), können es aber noch und was sonst noch kam - und ich höre da wirklich viel, sehr viel, fast täglich 8 Std. und fast immer neue Musik
- war hin und wieder unterhaltsam, aber ohne im Kopf zu bleiben. Gut gemachtes, beliebiges Gedudel. Nicht mehr, nicht weniger, nichts was irgendwie bleibt und man sich in 20 Jahren nochmal anhören würde.
Meiner Erfahrung nach ist das ganz normal. Wenn die Grundpfeiler des eigenen Musikgeschmacks wegbrechen, fühlt man sich verloren. Die laufen ja normalerweise auf dauerrotation und jedes neue Release ist selbstverständlich ein Highlight, bis es irgendwann nicht mehr so ist.
Ob die wirklich schlechter werden oder sich einfach nur verändern, will ich gar nicht bewerten. Aber ich denke es ist normal, dass Künstler einem nicht ewig gefallen können.
Am Anfang ist es neu und aufregend. Je nach Künstler fahren sie ihren Stil und explorieren ihn, bis er irgendwann erschlossen ist. Manche Alben wären am Anfang der Karriere vielleicht genauso gut gewesen, sind es aber heute nicht mehr und wirken nur wie eine Selbstkopie, was auch der Fall sein kann. Oder manche machen es nur wegen dem Geld und haben schon alles gesagt.
NIN ist wohl einer der Bands, die mich am meisten begeistert htten. Da war auch jedes Album anders und innovativ. Aber irgendwann konnte ich damit nicht mehr viel anfangen und dann klang alles gleich und unspektakulär.
Bin ich das oder ist das wirklich so? Ich habe mal Leute in einem NIN Forum gefragt und zuindest dort hat sich gezeigt, dass die Meinungen ziemlich durchwachsen sind.
Vielleicht bin ich einfach raus. Oder bei Aphex Twin, war es ähnlich. Am Anfang war das alles neu und aufregend. Die Sachen auf Syro sind nicht schlecht, aber schlagen nicht mehr so ein wie es Drukqs tat. Obwohl ich sagen muss, dass ich Aphex Twin bis heute gut finde. Einfach weil er immer wieder gute Tracks macht, die aber nicht einfach nur Kopien sind. Neue Sounds, neue Ideen oder anderer Stil. Cheetah, Collapse oder Music from the merch desk. Bin immer noch dafür zu haben.
Wenn ich mir dagegen einen Großteil aktueller elektronischer Musik anhöre, höre ich oft hervorragend produzierte Tracks. Technisch beeindruckend, klanglich perfekt,
aber nur selten was, was wirtklcih nachhaltig festhängt.
Ja aber früher gab es doch auch Standards in den einzelnen Genres. die haben sich verschoben. Wenn du einen Technotrack aus den 90ern hörst, dann hört man dad meistens sehr gut raus.
Das ist dann einfach deine persönliche Präferenz. Ist dann die Frage, ob du dich auf anderes einlassen kannst und wie weit.
Wenn ich deine Kommentare lese, habe ich schon den Eindruck, dass daran festhälst.
Du wirst nicht mehr das Selbe bekommen wie früher. Aber vielleicht kannst du dich auch heute noch für etwas begeistern.
Ich habe zumindest gemerkt, dass ich biased bin und deswegen bestimmte Abweichungen gerne mal abweise. Irgendwelche Sounds, die ich zm Beispiel als billig abgestempelt hatte und den ganze Track nur deswegen abgelehnte.
Weiß ich nicht. Das ist heute auch bei mir nicht mehr wie früher. Aber ich sehe dann oft, das es an mir liegt.
Auch das aktuelle BoC Album - Gut gemacht, komplexer als vorherige, aber es bleibt nicht. Es steht im Schatten dessen, was sie vorher machten.
Hat mir auch nicht so toll gefallen. Nach dem 3. mal aber schon besser. Da gibts schon ein paar Tracks die ich dann doch sehr gut fand. Ich hatte auc etwas anderes erwartet. Geogaddi 2.0- Geogadi in besser.
Das neue BoC Album ist aber vom Mix her schon nice. Du kannst nicht sagen, es sit perfekt und glatt. Finde den Kompromiss aus HIFI und LOFI sehr gut.
Vielleicht liegt das an meinem Alter. Vielleicht an einer Übersättigung durch das heutige Angebot. Vielleicht aber auch daran, dass technische Perfektion inzwischen
deutlich leichter erreichbar ist als eine wirklich unverwechselbare künstlerische Identität.
Je mehr man hört, desto weniger kann einen überraschen. Wenn man viel Musik hört stumpft man mit steigendem Alter sicher auch ab.
Das könnte auch ein Grund sein.
Ich idealisiere auch nicht die 90er, sondern habe sie als Zeitpunkt wahrgenommen, ab dem eine Art Bruch passierte.
Nach der Jahrtausendwende kam nicht mehr so viel und ich verbinde das sehr mit dem Einzug der digitalen Produktion innerhalb
einer DAW und dem Einzug von Plugins.
Und ich finde es ging 2006 richtig los.
Ich bin mir sicher, dass ist ein Effekt den jeder kennt. Ich konnte ja aus dem Vollen schöpfen. Es kamen neue Sachen und gleichzeitig konnte ich in die Vergangenheit. Und ich hatte eine Gemeinschaft, mit Zugang zu neuer Musik.
Wenn man gerade anfängt Musik zu entdecken und es scheinbar unendliche Ressourcen gibt und man ständig auf etwas neues stößt, etwas großes und aufregendes.
Das ist eine einmalige Sache denke ich, so wie viele erste male. Das Erleben des neuen kann man in der Form nicht zurückholen. Der versuch ist sinnlos. Diese Dinge bekommen eine andere Qualität, die man akzeptieren muss.
Es bestätigt doch, dass der Anteil an Wegweisendem abnimmt.
Das meiste 2000-2014, danach wirds dünn
Auch hier: Inwiefern bedeutet es das? In welchem Sinne wegweisend?
Und was meinst du? Musikalisch oder musiktechnisch?
Warum 2000 - 2014?