Doch! Was ist deiner Meinung daran verkehrt?
Immer, wenn ich mich selbst (und meine Persönlichkeit) direkt in meine Musik einbringe, kann ich kaum entscheiden, wann "ich" fertig bin mit dem "mich" Einbringen - geschweige denn ob es irgendwie "gut" ist, was ich da gemacht habe. Klar, "mag ich es". Dann werde ich aber nie wirklich oder für mich akzeptabel fertig und es ist, als würde mein Ego vor sich hindünsten und die Musik nie gar werden (Gefühlswurstigkeitsperfektionismus) oder überraschend schnell "durch" sein, also kognitiv von mir für "gut genug" befunden werden (Eitelkeits-Perfektionismus).
Wenn ich stattdessen meine Persönlichkeit einbringe, um herauszufinden, "was die" spezielle Musik braucht, die da gerade am Entstehen ist, kann ich viel besser einschätzen, was Sache ist. Jetzt hängen meine Entscheidungen auch an Ehrlichkeit und Dickköpfigkeit und Selbstüberschätzung und Selbstunterschätzung und Tagesform und fehlendem Wissen oder vorhandenem Wissen. Das macht meine Ergebnisse insgesamt oder generell oder gemessen an irgendwelchen externen Parametern vielleicht nicht "Besser" (Wer hat das schon zu entscheiden?), aber die Stücke werden beendet.
Mein UDO ist reiner Selbstverwirklichungsobjekfetischismus im hier und jetzt für den Moment – wenn ich auf dem spiele, spiele ich mich selbst als 14-jährigen, der sich damals maximal einen Crumar Performer und einen MS-10 leisten konnte und jetzt einen Synth spielen und hören kann, der (für mich) besser klingt als ein Matrix-12 (My Non Plus Ultra Synth). Dann komponiere ich nicht, dann denke ich nicht, dann sweetspotte ich einfach nur rum.
Das mit dem fertigmachen verstehe ich hatte ich aber nie. Der Mix war nie gut, aber ich mag viele Ideen und Songs von der Komposition bis heute gern.
Irgendwann habe ich dann keine Tracks mehr gemacht und das hatte auch mit Gear zu tun, aber nicht nur.
Mittlerweile merke ich, dass ich da nicht mehr so einfach aus der Hand schüttel. Der Track und die Komposition entstehen immer fließend.
Nur jetzt, wo ich auf den Mix achte und lerne wie alles zusammenhängt, ist das auch eine Blockade.
Vielleicht sollte ich es einfach machen wie früher. Audiospuren einzeln bouncen und die dann mischen?
Bei mir ist es einfach so, dass es einige Künstler gibt, die ich sehr bewundere, für das was sie machen oder gemacht haben. Von einzelnen Tracks, bis ganzen Diskographien. Und wenn ich dann mein Zeug höre, dann höre ich oft den direkten Einfluss. Einen bestimmten Track oder einen Künstler und das stört mich sehr.
Denn alle, die ich bewundere haben einen ganz eigenen Stil. Sie sind einzigartig. Teilweise so sehr, dass ich nur die ersten paar Sekunden von neuen Songs hören muss um genau zu wissen, von wem es kommt.
Das ist auch eine Art von Leistung, die ich in der Musiklandschaft selten erkenne. Gerade bei elektronischer Musik wo es keine Stimme als Wiedererkennungswert gibt. Auch Sachen die mir nicht geflallen, kann ich sehr respektieren. Wc olo garb damals fand ich deswegen auch so toll, weil der eben einen gabz bestimmten Sound hatte.
Das ist immer wieder Streitthema. Manche meinen dann, der Künstler würde immer das selbe machen oder klinge immer gleich. Ich finde da gibt es große Unterschiede. Zwischen eigenem Sound und Onetrickponey. Manche wollen sogar alles können. Produzenten zum Beispiel. Das ist natürlich auch eine Fähigkeit, mit der ich mich aber nicht identifizieren kann. Ja, mein Ziel ist es, eine Klangästhetik zu entwickeln, die ganz mir gehört. Die muss nicht revolutionär sein. Aber ich will dahinter stehen und auch erkennbar sein. Mixing gehört auch dazu.
Was du da schreibst, finde ich sehr schwierig. Wie wenn jemand sagt, du sollst an etwas nicht denken. Wie kann man sich komplett frei machen? Das geht nicht.
Ich glaube es geht nur über experimentieren. Das war auch ein Grund warum ich soviele Patches gebastelt habe.
Ich kenne so rare flowzustände. Das denken is hier nicht das Problem, sondern eher automatismen, die im Hintergrund greifen, die überschrieben werden müssen. Die mich immer wieder zum Nachahmen führen, sozusagen. Das geht nämlich am Synthesizer direkt sehr gut. Das Zusammenfürhen ist dann da wieder das Problem.
Aber es ist auch noch nicht so lange her, dass ich wieder mit Tracks begonne habe. Mal sehen.
Genau so ist es, es geht nämlich um die Menschen und nicht um die Musik. Musik selbst ist bedeutungslos ohne die Bedeutung dahinter. Ich würde mir deine Musik hier im Forum anhören, weil du ein Teil meiner kleinen Welt bist, wie die Kinder mit der Blockflöte.
Interessant. Ich bin dagegen auch nicht komplett imun. Aber bei Musik geht es für mich nicht um die Menschen dahinter, bzw. nur indirekt. Es macht Alben oder Lieder nicht besser oder schlechter, wenn ich die vermeintliche Geschichte dahinter kenne. Oder was ich für ein Bild von dem Menschen dahinter habe. Sie kommt an oder eben nicht. Früher, in meiner Jugend hat mich das auch stark beeinflusst, aber sehr viel davon ist doch nur Fantasie und Projektion. Ich war damals riesen Michael Jackson Fan. Später Marylin Manson. Man hört viel und man liest viel, aber genau weiß man doch nie genau was dahinter steckt und den Menschen dahinter kennt man auch nicht, eher sein Image. Deswegen war elektronische Musik für mich so toll. Komplett entrationalisert. Sie wirkt einfach.
Musik ist für mich eine sehr intime und private Sache. Was die in mir auslöst. Für mich gehts da nur um Emotionen. Andere Leute können das in mir auslösen, also klar geht es schon um Menschen. Musik ist wie eine Art Spreche. Aber abstrakt und indirekt. So sehe ich das.
Heute kann ich sagen, dass mir die Leute dahinter ziemlich egal sind. Wichtig ist, was bei mir ankommt, was transportiert wird.
Und nehmen wir mal Künstler, die Lyrics schreiben oder ein starkes Image haben. Du weißt doch nie wirklich, was dahinter steckt. Wie ehrlich sind denn diese Leute, wenn sie erzählen, um was es in dem Song geht? Meist bleiben sie wage. Oft wird auch gar nichts erklärt. Du kennst die Hintergründe nicht, du kennst die ganze Geschichte nicht. Und wie ehrlich sind diese Leute bei sensiblen Themen. Das geht ja auch niemanden etwas an.
Also ist mir heute viel wichtiger, was ich in dem Song sehe und was ich in den Lyrics sehe.
NIN - the fragile ist wohl eines der Alben, die mich am stärksten geprägt haben und die mich am stärksten berührt haben. Früher fragte ich mich noch, über wen er da redet und heute bin ich mir sicher, sie, du, ich, das ist alles eher. In dem Album geht es nur um ihn selbst. Reinste Innenwelt, extrem sensibel, aber kraftvoll.
Künstler wie Radiohead - was will man aus den Lyrics lesen? Viele versuchen den genauen Sinn zu erfassen. Ich glaube das geht nicht. Deswegen denke ich nicht mehr darüber nach, sondern interpretiere das für mich im Kontext eines Albums und Tracks. Es ist doch immer so, dass ein Musikstück wirkt, weil man selbst etwas hineininterpretiert. Was einem gefällt, sagt wahrscheinlich viel mehr über einen selbst, als man im Künstler sieht. Du hast ja mit den Leute im Normalfall nichts zu tun.
Ich bin sogar der Meinung und da lehne ich mich vielleicht weit aus dem Febnster und behaupte, dass die Künstler selbst, auch nicht genau wissen, was ihre Musik zu bedeuten hat und warum sie Texte wie formulieren und welche Rolle, die Musik spielt. Es ist ja auch meist intuitiv und unterbewusst. Klar können die mehr sagen als jeder andere und haben auch immer bestimmte Motive im Kopf, aber viel bleibt verborgen. Musik wird ja auch nicht selten mit Kanalisieren, Verarbeitung, Selbsttherapie oder Ausbrüchen in Zusammenhang gebracht. Dinge, die man nicht vollständig greifen und logisch betrachten kann.
Musik ist für mich die absolute innere Reise. Keine andere Kunstform ist so intensiv, vielschichtig und persönlich. Ein einzelner kann ein ganzes Album stemmen. Alles von einer Person. Sehr unverfälscht. Abstrakt und hochemtional.. Ich kann deswegen auch nichts mit rationaler Musik anfangen. Progressive Rock oder oberflächlicher Spaßmusik, das gibt mir hier gar nichts,
Am ehesten ist das HipHop für mich. Das war schon immer was anderes, etwas. Das kann mich auch berühren, aber meistens ist es eher Unterhaltung. Es macht Spaß, man muss lachen, oft oberflächlich. Mag ich auch, aber auf andere Art.
Dein Beispiel mit dem Kind: Ich meine nur, dass es abseits der Musik etwas ist, was dich berührt und nicht die Musik selbst. Die Unschuld und Naivität eines Kindes ist auch ohne Musik wirksam. Das ist bei mir einfach nicht so. Bei mir wirkt meistens die Musik für sich alleine.
Dann frage ich micht aber auch, was willst du denn mit deiner Musik vermitteln? Warum machst du Musik und welchen Zweck soll sie beim Hörer erreichen? Was ist deine Intention dahinter?
Oder bei der Musik, die bei dir stark ankommt. Machst du dir da Gedanken, wer dahinter steckt? Über sein Leben und seine Persönlichkeit? Gehört das für dich dazu, dass du dich mit den Künstlern auseinander setzt? Ist das für dich ein wichtiges Puzzleteil?
Also ich habe hier noch nie irgendwas wertvolles was Musik betrifft von einem Profi erfahren. Mag anders sein, wenn es um Geräte geht.
Da bin ganz deiner Meinung. Profis können dir sicher sehr gute praktische Tipps geben. Abläufe, Techniken, die bei ihnen funktionieren.
Aber Profis sind genauso biased und unterliegen Fehlschlüssen, wie jeder andere auch. Aber klar kann man von Erfahrung und Expertise profitieren.
Aber diese ganzen Erwartugen die manche Leute haben, in Bezug auf Profis, ist vollkommen überschätzt.
Was hat er benutzt? Wie macht er seine Tracks? Wie mischt er? Wie ist der Aufbau? Welche Skalen und Akkorde werden oft benutzt? Welche Philosophie steckt dahinter? Wie ist die Struktur?
Diese ganzen persönlichen Erfahrungswerte kann man nicht einfach transferieren, mit Sprache oder Videos. Ich denk ja, eh, dass zwar jeder nach Führung und einem Rezeptsystem sucht aber am Ende muss jeder alleine durch und seinen Weg finden.
Da fällt mir immer dieser eine Youtubekanal ein. Der ist "besessen" von Kurt Cobain und was der so benutzt hat. Nun hat er sich alles nachgebaut und gekauft, was Cobain auch genutzt hat und kann einen bestimmten Sound (der ohne genaue Analyse intuitiv entstanden ist) genau replizieren und mehr ist da einfach nicht.
Dieses ganze Zeug ändert NULL an seinem kreativen Potential. Ich würde sogar sagen, es schadet diesem.
Am Ende ist es ja nur der Wunsch, sich einfach ein Stück der "Magie" einzuverleiben. In dem man etwas kauft, nachmacht oder kopiert. Genau dort wird man es nicht finden. Da bin ich mir sehr sicher.
Die Leute die mit sowas Geld verdienen, hängen sehr häufig nicht in Internet Foren rum, die arbeiten einfach und brauchen den Diskussionsfirlefanz nicht.
Weiß man nicht wirklich Sicher viel weniger, aber viele werden sich nicht outen.
Das Forum kann sich glücklich schätzen, wenn der ein oder andere Profi hier was beiträgt.
Technisch kann ich mir vorstellen. Aber Meinungen zu Synthesizern, eben bei allem das subjektiv ist, was auch in technsiche Bereiche reingeht, wäre ich da besonders vorsichtig.
Weil man als Mensch doch stark dazu neigt sich von solchen Personen, aufgrund von Status und Autorität auf dem Gebiet besonders leicht beeinflussen lässt oder etwas übernimmt. Ist ja nicht so, dass die sich alle einig sind und alle das gleiche machen. Ganz im Gegenteil.
Aber jemand der das routiniert macht, was die meisten hir anstreben, da kann man sicher zuhören.