Alesis Masterlink Minitest

Moogulator: Review Alesis Masterlink Recorder

Alesis Masterlink 9600 – Masterrecorder
By Moogulator

Masterrecorder? Ja da muß ich wohl als erstes einmal klären, wozu ein solches Teil benötigt wird:

Das was einst eine 2Spur Senkelmaschine tat, in den meisten Studios und vor allem schon allein aus Preisgründen dem DAT – Recorder wich. Eine Maschine, die zweispurig das Ergebnis harter Misch- und Kompositionsarbeit festhalten soll.

Einige von uns haben bis zu diesem sicher auch schon Eqs (=Equalizer), Kompressoren oder gar Limiter verwendet, je nach dem was das Stück Musik darauf denn nun „tun“ soll.
Logischerweise sind sicher auch Ein- und Ausblendungen eine übliche Technik.

Also, trotz des wohlbekannten Namens Alesis, denken wir damit nicht an ADAT oder Mehrspurakrobatik, sondern an einen robusten Rekorder mit erstklassigen Wandlern oder sagen wir besser mit hoher Aufnahmequalität.

Back to the Wurzeln..

Was ist zu sehen?

Das 19-Zoll – Gerät nimmt 2 Höheneinheiten in Anspruch, hat eine Infrarotfernbedienung und 2 „Rackohren“ im Lieferumfang sowie einen CD-Rohling den der neue Besitzer direkt „vollbraten“ wollen wird. Weiterhin hat der Gute eine Festplatte an Bord.

Rückwärtig gibt es alles was man erwartet:
Analoge und digitale Ein- und Ausgänge, welche sowohl als XLR, als auch in Form von Cinchbuchsen ausgeführt sind. Bei den digitalen Audioschnittstellen sind dies die Formate AES/EBU, also die „Profivariante“ mit XLR Buchsen. Weiterhin gibt es die von Alesis „coaxial“ genannte übliche Consumerschnittstelle SP/DIF. Über jene kann man dem Masterlink dann Krach jeglicher Art einflößen.

Die analogen mit 128fachem Oversampling und 24 Bit Datenbreite aufnehmenden Eingänge und Ausgänge können somit auch auf die bekannten zwei Varianten angeschlossen werden: XLR: +4 dBu oder Cinch: +10dBV. Also alles da Studio- und Homerecordingpegel.

Wenn wir schon beim Datenweitwurf sind: Das CD-RW Laufwerk im Masterlink meines Testgerätes, ist von Sony und hat 8fache Lesegeschwindigkeit sowie 4fache Schreibgeschwindigkeit und hört auf den netten Namen CRX140E 1.0n
Der Computerfreak meldet sich: Ja da gibt’s doch schon schnelleres? Ja richtig. Hast recht, setzten. Bezüglich Schreibgeschwindigkeit liegt man damit auf der sicheren Seite.

Der Anwender hat die Wahl zwischen 16, 20 und 24 Bit Datenbreite beim „Samplen“ und das bei 44.1, 48, 88.2 oder 96 kHz und erfüllt damit den höchsten Standard, der zur Zeit Anwendung findet. Im Vergleich zu DAT Recordern fehlen hier die 32kHz und geht über die üblichen 48kHz weit hinaus..

Und was kann er denn nun? Natürlich kann man den CD-Player wie einen CD-Player nutzen ;-) aber das wäre ja ein wenig wenig, oder?

Wenn ich nun irgendetwas aufnehmen will, drücke ich einfach die „new Track“ – Taste und kann, ab sofort, mit den eingestellten Qualitätsparametern (s.o.) aufnehmen. Und wie lange? Klar, das habe ich mich auch gefragt: Natürlich ist das von der internen HD, welche die Bezeichnung ST34313A 3.32 trägt, abhängig und von der eingestellten Qualität:

Mit 44.1kHz bei 16 Bit sind das 5.3 Stunden, das teilt uns das Display nämlich netterweise auch genau so mit: „5.3 hrs“. Aber was ist, wenn es unter einer Stunde ist? Dann wird es entsprechend genauer, damit man auch bis zur letzten Sekunde immer weis, was der Aufnahmator noch frisst.

Was weiter? Was? Wann? Wieviel?
Die Daten und Zahlen und max. Aufnahmelängen:
16 / 20 / 24 Bit bei 44.1 kHz: 5.3h / 4.3h / 3.5h
und bei 48 kHz: 4.9h / 3.9h / 3.3h
bei 88.2 kHz: 2.6h / 2.1h / 1.7h
bei 96kHz: 2.4h / 1.9h / 1.6h

Was bedeutet das? Einen Livemitschnitt bei voller Auflösung muß unbedingt nach 1,6 Stunden zu Ende sein. Bei CD Qualität kann man sich dabei auf einen längenmäßig kompletten Wagner-Abend freuen.

Für die, die grade nicht darauf kommen: Bei der Samplingfrequenz kann man davon ausgehen, dass die höchste aufgenommene Frequenz gerade die Hälfte der verwendeten Samplingrate beträgt. daher kommt der Alesianer bei 88.2 kHz auf gute 40 kHz maximal als obere, noch hörbare, Frequenz. Natürlich bleibt die unterste hörbare Frequenz dabei auf 20Hz, welche die Platte noch bannen kann, oder besser die Wandler noch „hören“ oder reproduzieren können.

Schlussfolgern wir weiter:
Man/Frau kann seine Masteringkünste sammeln und auf CD brennen. Auch fertige Aufnahmen können im Red Book-Format (also nicht etwas, was man „as is“ zum Presswerk bringen sollte, denn die PQ-Codierung ist nicht inbegriffen im Red Book-Standard. Wie bei den meisten Audiobrennprogrammen, wie zB Jam ist das PQ-kodieren eine Extradisziplin).

Aber es entsteht eine CD die in den meisten CD-Playern abgespielt werden kann.

Dazu kommt noch ein Format, welches CD24 genannt wird. Hierbei schreibt der Masterlink die Musikwerke im AIFF-Format auf die CD. Einer weiteren Bearbeitung im Computer steht damit nichts im Wege. Für Mac-User: Dies passiert im ISO9660 Format, also ein PC-Format, die der Mac aber auch lesen kann.

Was natürlich Klasse wäre: Wenn man die Aufnahme direkt auf CD braten könnte, das ist allerdings nicht möglich, denn wenn man die HD vollgespielt hat, müsste man auf die fertiggebrannte CD warten und natürlich die noch laufende Aufnahme zwischenspeichern. Schade, denn damit wäre es natürlich prima zu verkraften das die Platte irgendwann einmal voll ist.

Dafür bietet der Masterlink eine nette Funktionalität, die ich bis hierher einfach „geheimgehalten“ habe:

DSP Funktionen!

Ja, die hat er. Und dies sind, wie kann es auch anders sein, in dieser signaltechnischen Reihenfolge:

1.Gaineinstellung – (kein DSP ansich aber hier geht es um den Pegel, was sonst?)
2.Compressor – (Ein klassischer Kompressor)
3.EQ (parametrisch, 3fach) – (verstärkt oder schwächt bestimmte Frequenzbereiche um +/-18dB ab, die Güte (Q) ist dabei ebenfalls einstellbar (Q = Bereich, der von der frequenzabhängigen Pegeländerung betroffen ist))
4.Limiter – (PA-Besitzers Liebling begrenzt den Pegel nach oben und kann „vorausschauend“ den Pegel analysieren, daher ist er eine echte Hilfe bei der Einstellung. Das „Vorausschauende“ kommt natürlich durch die bereits vorhandene Aufnahme in den DSP)
5.Fader – (erzeugt Ein- und Ausblendung= Fades)
6.Normalizer – (bringt den Track auf einen bestimmten Pegel, wer will kann hier also den 0dB-Mix machen)

Jede dieser Effekte kann in Echtzeit abgehört und abgeschaltet werden, ist also bis zum Schluß veränderbar.

Dabei sei kurz gesagt, wie der Recorder die Daten verwaltet: Es gibt 16 Playlists, in denen es bis zu 99 Songs geben kann, Jedem Song (also einen der Audiofiles der Platte) kann man einen Namen geben, der im CD24 Format auch verwendet wird. Die Lautstärke und die DSP-Werte können eingestellt werden und Fades in beliebiger Länge und mit 6 verschiedenen Kurvenverläufen eingestellt werden.

Das Besondere beim brennen einer CD ist das die verbrauchte Speichermenge bei 20Bit dieselbe ist wie bei 24Bit. Das ist durch das CD24 Format selber (AIFF) nicht änderbar.
Nach Eva Zwerg passen 19.7 Minuten auf eine CD bei 24Bit (oder 20 Bit) und maximaler Samplingfrequenz, bei 16bit sind das schon 29.6 Minuten.
Das gilt für 650 MB fassende CD Rohlinge. Und natürlich sind es dann bei 16 Bit und 44.1kHz die bekannten 74 Minuten (das ist nur im Red Book Format so) . Wegen der größeren Fehlerkorrekturprotokolle sind auf einer CD24 nur noch 64.4 Minuten (42.9Minuten bei 20 oder 24 Bit) Spielzeit möglich. Bei höheren Sampleraten reduziert sich die Zeit dementsprechend (zB 16Bit/88kHz: 32.2 Minuten).

Das absolute Highlight ist die Qualität der Eqs, die man sogar durchfahren kann und direkt hören (fast ein synthesizerartiger Sweep). Es ist schlicht großartig, wie man die 3 unabhängigen Eqs so einfach nach Gehör einstellen kann.

Wenn man einen Track aufgenommen hat, kann er auch vorne und hinten beschnitten werden und somit haben wir ein klassisches Head- & Tailediting.

Beim Spulen fällt mir auf, wie sauber es klingt, kein knuspern wie das noch bei meinem DA30 und anderen DAT-Recordern der Fall ist. Nett.

Was noch geht
Wer einen Livemitschnitt macht, kennt das, die Track-Indizes stimmen nicht. Das kann man natürlich editieren und auch zwei Stücke zu einem zusammenfassen oder aber ein anderes in zwei Einzelsongs zersägen.

Die Playlisten können (auf CD) abgespeichert, die Files auf der Platte alphabetisch sortiert werden. Logischerweise kann man die interne HD formatieren. Daher kann es auch nicht so schnell zum fragmentieren der Daten kommen, da es in V2.X noch kein entsprechendes Tool gibt. (Fragmentieren= Beim schneiden der Daten entstehen freie Plätze auf der Platte, die neuen Aufnahmen suchen sich alle freien, aber nicht zusammenhängenden Datenparkplätze, was den Lesekopf zu vielen „Spazierfahrten“ zwingt)
Es gibt auch einen Unterschied zwischen Audiofiles und Tracks, welche in Playlisten stehen, daher kann man zB. DSP-Einstellungen genauso auf andere Songs anwenden oder auch einen Song einfach nur auf der Platte behalten oder aber mehrfach in Playlisten vorkommen lassen mit unterschiedlichen DSP-Bearbeitungen.

Für wen ist nun ein ca. 3800.-DM teurer Masterrecorder gedacht: Nunja, die große Gemeinde der bisherigen Master-DAT-Recorder-Käufer. Und Leute die, die keinen Computer nutzen wollen oder können, denn natürlich liegt das Mastern auf dem Rechner sehr nahe und ist, wenn die Wandler schon da sind sehr günstig.

Da es, wie für alle modernen software-gestützten, Geräte für den Masterlink auch Updates der internen Weichware gibt, hoffe ich allerdings, das das Spulverhalten vielleicht noch etwas dynamischer sein könnte, will heissen: Man muss schon eine Weile drücken um den schnelleren Spulmodus auszulösen.. Ein Jogshuttle wäre da sicher auch hilfreich gewesen.

Bei dem Gebotenen ist der Preis verhältnismäßig hoch angesiedelt und ich hätte mir zudem gewünscht, dass man die Festplatte noch in einer grösseren Konfiguration bekommen könnte oder besser noch einen entsprechenden Anschluß an der Rückseite finden kann, um auch lange Aufnahmen machen, oder aber einen Computer direkt anschliessen zu können (was freilig nicht allzu sinnig ist bei dem vermutlich angezielten Konzept / Zielgruppe, eher Nichtrechnerinhaber zu erreichen).
Ich würde auch eine „direct burn“-Funktion sehr begrüssen, die mich einfach nach der entsprechenden Zeit auffordert, eine neue CD einzulegen oder gar die CD als Verlängerung der HD-Kapazität beschreiben kann.. Aber das ist ja erst Version 2. ;-) Kann also noch kommen..

Auf der Habenseite hat der Alesisoid die gutklingen Eqs, um nicht zu sagen: Ein Recorder mit DSP (Effekten), die Möglichkeit das Zeug direkt zu brennen oder auch von CD in hoher Qualität einem anderen „Verwerter“ der Musik zukommen zu lassen. Dabei sind die Aufnahmezeiten länger als die eines DAT-Recorders, solange man auch bei den entsprechenden Auflösungen und Samplingraten bleibt…
Ansonsten kann man auch schon mal hier und da etwas knapp mit Plattenplatz werden. Natürlich sind die Mindestlängen recht akzeptabel, solange man nicht unbedingt einen Livemitschnitt eines Schneckenrennens oder eines wagneresque langen Epos im Studio aufnehmen möchte.
Das Ganze bekommt man bei einer wirklich recht einfachen Bedienung, in die man sich recht schnell einfinden kann.

Ich kann mir gut vorstellen, mit diesem soliden Recorder eine geeigente Mastermaschine zu finden, denn auch eine Aufnahme mit mutwillig gezogenem Netzstecker wurde bis zum Zeitpunkt des steckerrausziehens fehlerfrei aufgezeichnet.
Er ist auch für die Mitnahme gut geeignet.. Da recht klein und robust. Meinen DA30 kann er prima ersetzen, auch wenn ich das Testgerät mit Trauer zurückschicken muss…
Er bietet mir nunmal, meine Songs auch endlich in 24Bit / 96kHz aufzunehmen ohne viel Zipp und Zapp (Zipp= Computer, Zapp = Software / A/D Wandlerkarte)..
„einfach Aufnahme drücken und läuft!!“
Wer kann das schon von seinem, natürlich völlig absturzfreien, Computer sagen..

Mehr dazu www.alesis.com.

Masternd & Grüssend..
Gez. Der Moogulator