Kraftwerk + Air – Düsseldorf 2017

Ehrenhof, Düsseldorf 1.7.2017
Kraftwerk und Air -> Eine emotionale Notiz – direkt nach dem Konzert.

Heute ist in Düsseldorf der Auftakt für die Tour de France. Einiges ist abgesperrt und ich als Supernichtsportmensch hab sowas noch nie aus der Nähe gesehen. Genau hinter dem Ehrenhof am Rhein kommen die vorbei – man sieht sie ca. 2 Sekunden gefolgt von Motorrädern “Reportage sur Moto” und Begleitautos mit Ersatzrädern und vielleicht auch A-B-C-D Vitaminpillen. Also dann mal noch einmal herum, während ich den 2. Kraftwerker von links eben noch traf und guter Stimmung war – es dauerte bis auf die andere Seite und die Schlange erinnerte mich an Depeche Mode in Köln, nur ohne Regen.
Es ging ab einer gewissen Zeit dann schnell, aber nicht so schnell wie in Köln – aber alles war stressfrei und die Kontrolle sehr human und freundlich – ich glaube es sind alle mit Rücksäcken auch reingekommen, Terror gibbet in Düsseldorf nich’ – sagt sich der Rheinländer und stimmt auch. Watt soll dä’ Quatsch. Also – flugs rein, ein paar Freunde begrüßt – aber nicht alle die sich angemeldet haben und warten – es beginnt gelegentlich an zu regnen, aber das wusste man ja – mein Skinny Puppy – Hoodie schützte mich, den ich in Kortrijk gekauft hatte. Prima. Also das Gespräch mit 2 Nerds gemacht über irgendwas mit Nerdkram. Sehr nett.


Und nun geht’s los. Air enthüllt alles und das ist wirklich altes Equipment, wie erwartet. Irgendwie mag man das – aber es ist totales Hippiezeug, noch viel mehr als auf Platte. Die sehen auch so aus – Der MS20 darf quietschen und ersetzt das, was man früher mit Gitarren und Amps gemacht hätte. Den Druck machen 3 Moogs, Typ “Source” – fett! Und ein französischer Roboter (sagt er selbst!) singt die bekannten Weisen inkl Sexy Boy und so weiter – viel vom ersten Album. Sehr gut. Die Leute mögen es offenbar auch. Hier gibts div. Synths und 3 lustige Spiegelkästen mit LED-Effekten – alles very very 70er.

Umbau – es dauert etwas, ein paar 21-jährige kommen nach vorn – wirkten erst etwas komisch, waren aber dann lieb und hatten Spaß, kleine Frauen nach vorn – so wie sicht’s gehört, jetzt doch kein Problem mehr. Sehr gut. Kein Stunk, einfach gut. Also dann weiter.. die 4 Pulte werden hereingeschoben und die Leute sind bereits froh über den baldigen Start.


Das Random Industrial Ambient Blubberintro läuft und die Aufbauenden verlassen die Bühne seitlich. Ja – es dauert schon noch bis kurz vor 21:00 und die Kraftwerker kommen zusammen mit Nummern, die vorher einstarten. Der Elektrobeat kommt, die Zahlen kommen mit der Band und springen mich an, wie in Matrix alles in 3D, denn jetzt tragen alle die Brille – niemand sieht cool aus, aber alles lustig. Gott, mal schnell ein Selfie – das sieht soooo supercooldämlich aus, also das zeig ich mal rum unter meinen Freunden – denken sich wohl einige. Und Nummern ist einfach immer gut. Jetzt auch. Der Bass hat Kraft. Zuerst genau richtig, später sah ich einige mit zugehaltenen Ohren, weil – es war wirklich Industrial-laut mit dem Bass – zumindest vorn in den ersten Reihen (da wo ich sein musste, ich will ja was mitbekommen und mein Handy reicht nur für diese Fotos hier).

Ja – und sie spielen jetzt Computerwelt, it’s more fun to compute mit 3D Balken und Streifen. Der Stil ist komplex, gar nicht mal minimal sondern eher abwechslungsreich, die Samples sind eher leiser, die Experimente eher mehr im Sinne von Wecheln und Aussetzen der Bassdrum – es ist aber angemessen laut und hat Kraft und hat keinen Versatz, wie es noch im Museum für mich erschien. Das Timing war dort irgendwie wackelig und hier nicht mehr, es ist fast so als hätte Herr Hütter richtig Lust – deutet auf die Flagge oder das Wetter nach oben links zum Rhein als wollte er sagen – guck mal, doch toll geworden. Er scheint zu lächeln, mehrmals. Macht dem das Spaß? Ja, könnte man meinen, uns jedenfalls! Jau. Also kommt die Mensch-Maschine in zwei Sprachen, Spacelab und das UFO fliegt über Düsseldorf und landet faktisch direkt vor der Halle, die Leute quittieren das mit Jubel – ich freu mich auch. Kraftwerkhumor!

Der vierte Mann kann sowas machen, also wozu ist er da? Für sowas. Alles scheint fast spontan bestimmt zu werden. Nicht mehr total fest programmiert. Autobahn und Tour de France werden gespielt. Viele Wechsel – manchmal klatschen alle, um das zu honorieren, es geht aber immer mal wieder zurück zum Hauptthema. Nicht schlecht, so. So, jetzt ist eine Stunde um – sie spielen aber noch. Aber es war doch noch nichts von TEE oder Radioaktivität – doch das kommt alles noch. Die hören nicht einfach auf wo andere stoppen, wir bekommen über 2 Stunden Musik. Die TDF Stücke mit fliegenden Pillen, die mir in die Fresse fallen zu “Vitamin” und “La Forme” laufen.

Radioaktiv wird es auch mit dem klassischen Nachrichten-Intro von 1975 und Schriftbannern der Samples. Kling Klang Film taucht auf, naaa? Zu Ende? Nein! Die Ex-Düsseldorfer gehen nur von der Bühne und die Roboter werden von 4 Leuten nach vorn geschoben. Es vergeht eine kleine Pause und es beginnt. Ebenfalls eine total neue Version, die ich im Kino für die neue 3D-Katalog-Album-Collection schon grob kennengelernt hatte.

Aber viel besser im Sound. Aber auch hier – alle Sprachsamples sind leiser, einige Sounds laufen um uns alle herum, da der Sound Surround gemischt wird. zu Beginn wirkte es ein wenig, als müsste man sich noch einmischen, später wurde das immer besser – Der Bass drückte und alle sind spätestens mit Einsatz der Basslines zufrieden, unter anderem auch einer fast-303-Stelle mit 2 Tönen. Cool. Das hier möchte nicht anbiedern. Das ist nicht Techno, das ist eben ein Mix, wie immer – alles neu und anders. Elektro kann alles und darf alles – Boing Boom Tschak. EEeeelektroooo-Pop. Ja – auch das wird gespielt und die Musiker und die 3D Projektion ist oft genau so wie sie immer hätte sein müssen, nämlich eine Einheit. Ich kann das per Foto leider nicht darstellen. Dazu muss man dämlich aussehen wie ich gerade hier.

Alles ist in vielen Dimensionen, die Neopren-Gitteranzüge leuchten, als die “Zugabezeit” anläuft.

(dies hier ist der Abgang von Henning mit Leuchtanzug)

Es sieht toll aus und der Sound ist wirklich Zukunft. So wie sie immer sein wollten. Sie haben es geschafft mit Technik das auch wrklich zu schaffen. Frei sein, Improvisieren, sogar mit leichten “Verspielern” ohne das es unprofessionell oder schlecht wirkt – es ist einfach eine Performance. Fritz und Henning drehen und man hört Hall rein und raus fahren. Bei Autobahn wird das Filter eines weichen Klanges auf und zu gemacht, die Klack-Ticker-Sequenz aus “More fun to Compute” funktioniert und ist “handgespielt-sequenziert”.

Das strenge Korsett der Conductor-Philosophie ist gelockert und der lachende Ralf spielt Tasten, bendet den Pitchregler und alle machen etwas. So soll es sein und – wieder ein Break, eine neue Phase und huch, was machen sie da denn jetzt – ah, noch eine Sequenz – und jetzt zappelnde EQ-Balken. Das sieht alles klasse aus und ist gute Unterhaltung. Einige Vögel fliegen über die Bühne. Der Sound klingt so wie er sein muss und immer hätte sein sollen. Ich bin entschädigt für das Museums-Ding, was eben nicht diese Gewalt hatte und endlich Power. Sie sind die, die das gestartet haben und es wirkt nicht als flöge man den anderen hinterher. Sie machen wie sie das für richtig halten. Auch wenn die Ex-Crew bis auf einen faktisch ausgetauscht ist, ist das Kraftwerk. Und sie haben es geschafft, endlich holografisch zu sein, der Käfer steht halb über die Spielenden heraus, das Spacelab fliegt nach vorn zu uns durch sie durch.

Mal sind die Lichter der Stehpulte an, mal fliegen Segmente durch, einiges ist auf deren Höhe, anderes ist hinter ihnen und manchmal ragen Gegenstände vorn heraus, so wie die endlos formperfekte Mensch-Maschine-s/w-rot-Balkenkombination und wirkt kein bisschen altmodisch sondern bewegt sich und ist mal in 2, mal in einer Dimension und dann als Balken zu uns gerichtet und drehen sich. Klasse. Ich bin froh, dass ich dieses Erlebnis haben darf und wirklich alles ins 3D-Bild passt und sie treffen mich mit ihren Stücken, die ich schon so lange kenne.

Den Rest müssen die Bilder erledigen – und wer nicht kommt, sollte das noch mal erleben, sie scheinen die Kurve genommen zu haben. Tschak!!

Bis zum nächsten Mal! Alle gehen sehr sehr langsam, die Sicherheitskräfte schieben freundlich die Leute nach vorn mit genug Zeit und draußen gibt es jetzt Bretzel für 2€ statt 4€, ebenso Bier, was ich nicht anrühre, weil ich mag einfach kein Bier. Bei Depeche Mode kostete das 5€, und die Organisation und die Becher erinnerten mich an das DM Stadionkonzert. Das hier war weniger restriktiv – man darf ja “überall hin und so”. Langsam verlasse ich mit einem Freund das Gelände, traf noch 2 andere und freu mich auf mein Auto – warum – sage ich mal privat, wer sich interessiert. Ich kann weg, wurde wohl ohne “Knöllchen” gelassen, Prima. Ich fahr jetzt – Tschüß Düsseldorf. War schön hier. Ich bin versorgt, ich hatte auf der Rückfahrt auch ein paar mal das Gefühl wieder zufrieden und stabil-glücklich werden zu können. Danke für ein paar schöne Stunden. Es wird gut werden was kommt. Irgendwie.

Aufbau

Rein & Raus

Air – very hippiesque, very vintage synths – 3 Moog Source, MS20 main Source, Nord Lead 2x, Juno 60, Solina Strings, Rhodes, Trident, Memotron, Emminent etc. – Sexy Boy … lalala.. ich mag’s.

Kraftwerk Davor & Danach

Kraftwerk

 

Tour de France

switch off the audio – here’s some impression..

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