Crumar Seven E-Piano

Das Klavier im SV1 ist für Hintergrund ausreichend, aber bei Jazzballaden finde ich den Klang nicht inspirierend. Ich weiß nicht woran es liegt, aber es klingt dann flach. [...]

Ich finde digital konservierte Klaviere klanglich generell schlimm, das ist jetzt nicht die Schuld von Gerät A oder Gerät B. Das ist ein Notbehelf, sonst nichts -- im Studio würde jeder auf einen echten Flügel zurückgreifen, sofern die Möglichkeit besteht.

Stephen.
 
Ich verstehe auch nicht, warum die Hersteller sich nicht mal mit Leuten zusammensetzen, die täglich mit solchen Instrumenten (also den Originalen) zu tun haben und sich 'Expertise' holen (damit meine ich durchaus nicht mich selbst). Denn die, die das gemacht haben, haben es ja auch dann 'amtlich' hinbekommen (Thomas Skarbye z.B.)

Die Firmen setzen sich durchaus mit solchen Leuten zusammen, manchmal haben die sogar welche im Haus. Aber das nützt nichts, wenn jemand den Holy Grail ins ROM pflanzen will. Die Gründe dafür sind so vielfältig wie die Klaviere in einem einzigen Pianoladen. Skarbye hat Glück gehabt, und viel Zeit investiert. Beides ist nicht selbstverständlich, denn Glück hat man nicht jedes Mal bei der Sampelei und Zeit kostet Geld, wovon manche entweder nicht viel haben oder welches einsparen möchten.

Ein amtliches EP und GP gibts nicht, es gibt allerdings gute Resultate. Nur kann selbst mit denen nicht jedermann was anfangen. Bei Keyscape ist ein Klingelrhodes dabei, mit dem man kleine Kinder erschrecken kann, derart übertrieben ist das Klingeln beim Attack. Damit stört man selbst bei bestem Timing jeden Bandgroove. Solo aber ist das Ding für bestimmte Songs ein Segen. Folglich gibts Pianisten, die am liebsten gleich mehrere EPs als Samples und/oder Physical Models in die Finger kriegen. Ich etwa. Und es gibt Nicht-Pianisten, die mit manchen durchaus endgeil gelungenen EP Samples so gar nichts anfangen können, weil denen die extreme Dynamik Schwierigkeiten bereitet. Kann man sich die Dinger mit Parametrisierung der Engine selber zurechtschnitzen? Ja, das geht. Sofern sich der Pianist mit dem Kram beschäftigt und die Grenzen der Einflussnahme erkennt. Da hakts auch gerne, denn sobald was länger als zehn Minuten Arbeit dran verlangt, sagt man lieber, die Klaviere im Instrument sind Mist.

Mich hat mal ein Hersteller um Lieferung eines Grand Piano Multisamples gebeten, es sollte 8 V-Switches haben und der Klang, Zitat: "... soll über jeden Zweifel erhaben sein, also bitte das beste GP, das es gibt." Ich habe eine verrückt hohe Lizenzgebühr ins Angebot geschrieben, nur um den Auftrag auf jeden Fall nicht zu kriegen. Überleg mal, warum. :)
 
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Da steh ich wahrscheinlich auf der Leitung, dieser Auftrag klingt doch fantastisch, warum willst Du ihn nicht. No Risk no ......
@ppg360 stimme da nicht zu. Habe schon auf schlecht intonierten Flügeln gespielt, die nicht inspirierten. Da würde ich ein top Digitales immer vorziehen, und da gibt es eben auch Riesenunterschiede. Beim Solospiel toppt jedoch ein gutes Original nichts. Ich weiß noch wie die Sonne aufging als ich auf der Musikmesse das Vintagevibe spielte. Mit Band auf einer Bühne wieder anderes Thema.
 
Geschmäcker unterscheiden sich halt deutlich - besonders beim Thema EP und GP.

Mein persönlicher Favorit ist immer noch das Zarenbourg - eines der besten und inspirierensten Instrumente, die ich in über 30 Jahren gekauft hab. Tastatur und Spielgefühl sind fantastisch. Die EPs sind ein Traum. Das akustische Piano könnte zwar etwas differenzierter sein - da hat Waldorf mit der Auswahl etwas gespart - aber alle Sounds haben Charakter und gewinnen mit den Effekten noch deutlich an Raum und Tiefe.

Mich hätte jetzt nur interessiert, wo auf der Skala der Crumar Seven steht. Evtl. hat den ja mal ein Store in D-Süd zum antesten.
 
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Da steh ich wahrscheinlich auf der Leitung, dieser Auftrag klingt doch fantastisch, warum willst Du ihn nicht.

Für jemanden wie mich klingt der Auftrag eben überhaupt nicht fantastisch, denn der entscheidende Satz heißt: "... soll über jeden Zweifel erhaben sein, also bitte das beste GP, das es gibt." Jeder seriöse Sample Instruments Producer weß, dass es das halt nicht gibt. Wer was anderes sagt, schwindelt seine Leute an. Man weiß trotz einschlägiger Erfahrungen NIE exakt sondern nur ungefähr, was aus den Recordings rauskommt, also kann man im voraus keinerlei Garantien abgeben, die über das Maß "ich tue mein Bestes" rausgehen. Viele Hersteller wissen das auch längst und pulvern dann halt einfach so das Geld raus in der Hoffnung, na, wird schon werden. Diese Bodenständigkeit suche ich, daher wollte ich mit jenem Hersteller, der etwas Unerfüllbares haben will, lieber nichts zu tun haben, die Folgen für mich wären nicht kalkulierbar. Das Instrument ist etwa 3 Jahre später auf den Markt gekommen und ich war froh, dieses darin verwendete Grand Piano nicht auf die Welt losgelassen zu haben.
 
Vielleicht hättest Du es ja besser hingekriegt? Bin technisch Laie, aber ist das wirklich so ein Glücksspiel?
 
Glücksspiel nicht gerade, nicht 100% im voraus kalkulierbar trifft es besser. Aus dem Fenster lehnen mit "hätte ich besser hingekriegt", lasse ich generell. Manche Recordings führen zu erstaunlich guten Ergebnissen, den Fall hatte ich vor einer Weile mit Gitarren, die besser wurden, als ich zuvor gedacht hatte. Klavier ist aber Spezialthema.
 
Ist das Problem nicht auch, dass reines Sampling irgendwo immer an seine Grenzen stößt?

Bei Clavia wird doch z. B. eine Technik verwendet, die die Interaktion der Saiten untereinander simuliert, also die Resonanzen, die entstehen, wenn man das Pedal gedrückt hat oder auch nur mehrere Tasten gleichzeitig gedrückt bleiben. Das macht den Klang gleich viel lebendiger und fehlt bei den meisten anderen Digital-Pianos wie z. B. dem SV-1. Umgekehrt werden mit Physical Modelling erzeugte Nebengeräusche beim SV-1 den Samples der E-Pianos beigemischt, was den Klang lebendiger macht als z. B. den Klang der Nord E-Pianos.
 
Samplingtechnologie liefert selbst bei extrem komplexen Instrumenten wie Klavier erstaunliche Resultate. Obwohl es ja eigentlich nur gestapelte Audiodateien sind, wenn man ein paar Chords, Arpeggien und beidhändige Läufe spielt. Mit zunehmender Raffinesse all der Dynamiksamples und Resonanzsamples plus Nebengeräusche und Round Robin zeigen sich aber auch die Grenzen, daher der Trend zu Physical Model. Musiker denken aber meistens so, wie es ihrer Perspektive entspricht, und daher selten wie ein Instrumentenbauer. So kann ein 20 MB Klavier jemanden glücklich machen, weil es genau das liefert, was der braucht. Andere nörgeln noch beim 20 GB Ding, aber eben aus deren Sicht berechtigt. Ich halte daher das Gießkannenprinzip für zielführend: Einfach den ganzen Pianoladen absampeln, erst dann ist Feierabend :)
 
Heutzutage haben wir doch fast unbegrenzten Speicher zur Verfügung, damit geht unglaublich viel Realismus, gerade die Resonanzen sind auch gut reproduzierbar.
Ich bin ohnehin zufrieden mit dem, was da geht - selbst mit meinem alten Roland HP-2700. Das klingt für den Hausgebrauch für mich immer noch hinlänglich nach Klavier. Und da stand im Vergleich zu heute wahrscheinlich verschwindend wenig Sample-Speicher zur Verfügung ;-) ... Nun bin ich allerdings auch nur ein sehr unterklassiger Pianist.
 
@ppg360 stimme da nicht zu. Habe schon auf schlecht intonierten Flügeln gespielt, die nicht inspirierten.

Absolut! Es gibt von der Tastatur, aber auch vom Klang her so viele schlechte akustische Klaviere, dass ich mich nach meinem 13 Jahre alten Kawai MP8 zurücksehne, wenn ich da dransitze.

Ich vermute auch mal, dass es gerade bei einem Modeling-Piano einen großen Unterschied macht, ob man eine Aufnahme hört oder das Ding live spielt.

Auch wenn bei mir zur Zeit keine Neuanschaffung ansteht, werde ich das Seven bei Gelegenheit sicher mal antesten.
 
Auf das Kawai kann man keinen Prophet 5 draufstellen. Oder einen CS80, so wie Toto dereinst.

Stephen
 
CP-70? Für perkussives Spielen ja, aber sobald ein Akkord ausklingen soll wird es sehr, sehr dünn. Sind meines Wissens auch nur eine Klaviersaite statt drei pro Ton (außer Bass natürlich). Außerdem habt ihr ihn mal geschleppt, in zwei Teilen und dann nachdem er zusammengesteckt war gemerkt, dass er wieder verstimmt ist.
 
[...] Außerdem habt ihr ihn mal geschleppt, in zwei Teilen und dann nachdem er zusammengesteckt war gemerkt, dass er wieder verstimmt ist.

Soll das 'ne Drohung sein?

Du sprichst mit jemandem, der schon sieben Mal mit einem CS80 umgezogen ist und früher Rhodes und Mellotrone zu Gigs geschleppt hat. Mich erschüttert so schnell rein gar nichts mehr.

Stephen
 
Die anderen Kawai Modelle sind das 608 und 705. Die sind auch ziemlich rocksolid gebaut,
 


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