Gedanken über Equipment und die "Show"...

Noch ein kleines Beispiel, um zu verdeutlichen was ich meine:

Wir haben mal auf nem Konzert mit vielen anderen Bands gespielt, jede hatte nur 30 Minuten.

Wir sind auf die Bühne, schwarz gekleidet, mit weissen venezianischen Masken vor dem Gesicht.

Instrumente: 1 E-Bass samt Multieffektgerät. 1 Mikro auf einem Rednerpult, Buchsbaum davor :D . Weiter nix.

Wir haben den E-Bass in die Mitte ganz vorne an den Bühnenrand gestellt.

Wir haben uns hingesetzt und 1 Minute regungslos dagesessen, bis das Publikum schon seeehr unruhig wurde (1 Minute ist ne lange Zeit wenn nix passiert).
Nach 1 Minute ist unser Bassist aufgestanden, zum Bass gegangen und hat 1 Seite angeschlagen, die dann über das Multieffekt einen Drone erzeugt hat. Er hat sich dann wieder zu uns gesetzt ...

Nach einer weiteren Minute bin ich aufgestanden, ans Rednerpult gegangen und habe eine lange Passage aus "Der Ruinenbaumeister" vorgelesen (die Passage mik Karolas Opferung, wenns jemand kennt).

Ich hab mich dann wieder gesetzt. Nach einer weiteren Minute sind wir dann wortlos aufgestanden und gegangen. Ende unseres Konzertbeitrags.

Der Aufwand war gleich NULL, die Kosten waren gleich NULL, wir hatten den herausragendsten Beitrag des Abends und die Besucher haben noch monatelang darüber geredet.

Nur mal so als Beispiel.

Servus,
Alex
 
ikonoklast schrieb:
Noch ein kleines Beispiel, um zu verdeutlichen was ich meine:

Wir haben mal auf nem Konzert mit vielen anderen Bands gespielt, jede hatte nur 30 Minuten.

Wir sind auf die Bühne, schwarz gekleidet, mit weissen venezianischen Masken vor dem Gesicht.

Instrumente: 1 E-Bass samt Multieffektgerät. 1 Mikro auf einem Rednerpult, Buchsbaum davor :D . Weiter nix.

Wir haben den E-Bass in die Mitte ganz vorne an den Bühnenrand gestellt.

Wir haben uns hingesetzt und 1 Minute regungslos dagesessen, bis das Publikum schon seeehr unruhig wurde (1 Minute ist ne lange Zeit wenn nix passiert).
Nach 1 Minute ist unser Bassist aufgestanden, zum Bass gegangen und hat 1 Seite angeschlagen, die dann über das Multieffekt einen Drone erzeugt hat. Er hat sich dann wieder zu uns gesetzt ...

Nach einer weiteren Minute bin ich aufgestanden, ans Rednerpult gegangen und habe eine lange Passage aus "Der Ruinenbaumeister" vorgelesen (die Passage mik Karolas Opferung, wenns jemand kennt).

Ich hab mich dann wieder gesetzt. Nach einer weiteren Minute sind wir dann wortlos aufgestanden und gegangen. Ende unseres Konzertbeitrags.

Der Aufwand war gleich NULL, die Kosten waren gleich NULL, wir hatten den herausragendsten Beitrag des Abends und die Besucher haben noch monatelang darüber geredet.

Nur mal so als Beispiel.

Servus,
Alex


"Ist das Kunst, oder kann das weg?"

Coole Geschichte :) :supi:
 
ikonoklast schrieb:
Noch ein kleines Beispiel, um zu verdeutlichen was ich meine:

Wir haben mal auf nem Konzert mit vielen anderen Bands gespielt, jede hatte nur 30 Minuten.

Wir sind auf die Bühne, schwarz gekleidet, mit weissen venezianischen Masken vor dem Gesicht.

Instrumente: 1 E-Bass samt Multieffektgerät. 1 Mikro auf einem Rednerpult, Buchsbaum davor :D . Weiter nix.

Wir haben den E-Bass in die Mitte ganz vorne an den Bühnenrand gestellt.

Wir haben uns hingesetzt und 1 Minute regungslos dagesessen, bis das Publikum schon seeehr unruhig wurde (1 Minute ist ne lange Zeit wenn nix passiert).
Nach 1 Minute ist unser Bassist aufgestanden, zum Bass gegangen und hat 1 Seite angeschlagen, die dann über das Multieffekt einen Drone erzeugt hat. Er hat sich dann wieder zu uns gesetzt ...

Nach einer weiteren Minute bin ich aufgestanden, ans Rednerpult gegangen und habe eine lange Passage aus "Der Ruinenbaumeister" vorgelesen (die Passage mik Karolas Opferung, wenns jemand kennt).

Ich hab mich dann wieder gesetzt. Nach einer weiteren Minute sind wir dann wortlos aufgestanden und gegangen. Ende unseres Konzertbeitrags.

Der Aufwand war gleich NULL, die Kosten waren gleich NULL, wir hatten den herausragendsten Beitrag des Abends und die Besucher haben noch monatelang darüber geredet.

Nur mal so als Beispiel.

Servus,
Alex


...klingt in meinen Ohren ziemlich ungeil, irgendwie. Herausragend ist ja auch so ne definitionssache, nisch wahr? :|
 
Lothar Lammfromm schrieb:
[...] zumal es im Bereich elektronischer Musik ohnehin eher etwas schwierig sein dürfte, seine Musik tatsächlich "live" zu bringen.

Und falls doch, wie sieht das aus? [...]

"Wie ein paar Typen, die auf der Bühne hinter ihren Bügelbrettern stehen." (Karl Bartos)

Stephen
 
ikonoklast schrieb:
Aus meiner bescheidenen Sicht und ein klein bisschen Erfahrung mit "Shows": Für die Besucher eines Konzerts (ich rede absichtlich nicht von "Zuhörern") ist das quasi ein "Gesamtkunstwerk", da zählt alles, nicht nur die Musik. Wir haben früher immer scherzhaft gesagt "Das Auge hört mit".
Wir (Unterhaltungs-) Musiker sollten auch gute Entertainer sein. Die Leute gehen ja auf ein Konzert, um etwas besonderes zu erleben. Sie wollen ihren Spaß haben und unterhalten werden und nicht gelangweilten Musikern auf der Bühne zuschauen. Das Publikum will gerockt werden.

Ich rede hier jedoch nicht von klassischer Musik. Da müssen ja alle Musiker immer einen möglichst bösen und grimmigen Ausdruck im Gesicht haben, damit man sie ernst nimmt.
Das schaut dann stets sehr konzentriert aus, auch bei sehr leichten Passagen. Daher wohl auch der Begriff "Ernste Musik" = Musik ohne Spaß und Freude. :selfhammer:
 
Bernie schrieb:
Wir (Unterhaltungs-) Musiker sollten auch gute Entertainer sein. Die Leute gehen ja auf ein Konzert, um etwas besonderes zu erleben. Sie wollen ihren Spaß haben und unterhalten werden und nicht gelangweilten Musikern auf der Bühne zuschauen. Das Publikum will gerockt werden.

Ich rede hier jedoch nicht von klassischer Musik. Da müssen ja alle Musiker immer einen möglichst bösen und grimmigen Ausdruck im Gesicht haben, damit man sie ernst nimmt.
Das schaut dann stets sehr konzentriert aus, auch bei sehr leichten Passagen. Daher wohl auch der Begriff "Ernste Musik" = Musik ohne Spaß und Freude. :selfhammer:

sorry...für diesen wieder extra Klasse Beitrag ein :supi:

100% meine Meinung ;-)
 
Bernie schrieb:
Ich rede hier jedoch nicht von klassischer Musik. Da müssen ja alle Musiker immer einen möglichst bösen und grimmigen Ausdruck im Gesicht haben, damit man sie ernst nimmt.
Wie würde Dein Gesicht aussehen wenn Du vor grossem Publikum mit hohem Anteil fachkundiger und entsprechend anspruchsvoller Hörer auf einem Niveau spielen musst, welches Deine Motorik und Wahrnehmung regelmässig an ihre Grenzen fährt?
Bernie schrieb:
Das schaut dann stets sehr konzentriert aus, auch bei sehr leichten Passagen.
Kannst Du die betreffenden Dinge selber auch am betreffenden Instrument spielen? Oder woher stammt diese Einschätzung?

Fakt ist: die Interpretation klassischer Werke bedarf nur schon rein in punkto Klangkultur eine Beherrschung des Instruments und entsprechende Konzentration, die man sich nicht vorstellen kann wenn man's nicht selber mal probiert hat. Mit der auch für Laien plakativ wahrnehmbaren Anzahl resp. Geschwindigkeit gespielter Noten ("hui spielt der schnell") hat das erstmal garnichts zu tun.

Bernie schrieb:
Daher wohl auch der Begriff "Ernste Musik" = Musik ohne Spaß und Freude. :selfhammer:
Ich kenne viele klassische Musiker, manche von ihnen mit heavy credentials. Vielleicht hat sich ja in der Zwischenzeit was geändert, aber das letzte mal das wir uns unterhalten hatten, schienen sie noch mächtig Freude an der Sache zu haben. :dunno:

Sorry, aber ich musste hier mal dagegenhalten. Nicht persönlich nehmen. :) :peace:
 
Tim Kleinert schrieb:
Fakt ist: die Interpretation klassischer Werke bedarf nur schon rein in punkto Klangkultur eine Beherrschung des Instruments und entsprechende Konzentration, die man sich nicht vorstellen kann wenn man's nicht selber mal probiert hat
Ich weiß das, es war ganz bewusst etwas überspitzt formuliert. Es gibt Musiker in anderen Bereichen, die trotz schwerst zu spielender Passagen dennoch mal ein Lächeln auf den Lippen haben.
Bei manchchen Musikern von ernster Musik hab ich das Gefühl, das einige ihre "Ernsthaftigkeit" deutlich übertreiben und sich dadurch fast schon wieder zum Kasper machen.
 
Tim Kleinert schrieb:
[...] Ich kenne viele klassische Musiker, manche von ihnen mit heavy credentials. Vielleicht hat sich ja in der Zwischenzeit was geändert, aber das letzte mal das wir uns unterhalten hatten, schienen sie noch mächtig Freude an der Sache zu haben. :dunno: [...]

Spaß macht, was Spaß macht.

Es soll auch Leute geben, denen es Spaß macht, einen Ironman mitzumachen. Ist mir völlig schleierhaft...

Stephen
 
Bernie schrieb:
Ich rede hier jedoch nicht von klassischer Musik. Da müssen ja alle Musiker immer einen möglichst bösen und grimmigen Ausdruck im Gesicht haben, damit man sie ernst nimmt.

Das trifft aber auch auf viele Bands zu. "Bloss nicht zeigen dass es Spass macht."

Andererseits sind viele EM-Werke / Stücke nicht unbedingt "fröhlich" ... da wäre ein lachendes Gesicht evtl. auch nicht grad angebracht.
"Das Publikum rocken" muss ja nicht heissen, dass es spaßig wird - das hängt ja von der Thematik ab.

Andererseits ist ein "Showbewusstsein" bei EM-Musikern ja nicht so verbreitet. Ich vermute mal das kommt noch aus den Anfangszeiten, aus dem Kampf um Akzeptanz dieser Musikform. Da wurde oft bewusst und manchmal übertrieben auf "Seriöser Musiker" gemacht - um eher dem E-Musik-Lager zugerechnet zu werden - und das hat sich anscheinend gehalten. Der Vergleich mit den "klassischen Kollegen" drängte sich ja auch eher auf - die Nähe zur Programmmusik war offensichtlich. Und die "Klassiker" machen bei Konzerten keine "Show". Zumindest damals. Ich empfehle jedem mal "Klassik im Park" in Nürnberg: Da sieht man dass es durchaus auch mit Show gehen kann, und Publikum und Musiker sher viel Spass dabei haben können.

"Klassik im Park" ist m.E. auch ein gutes Besipiel für ein "Setting": Die Atmoshäre auf dem Wiesengelände trägt entscheidend zum Konzerterlebnis bei.

So ein Setting lässt sich mit vielerlei Mitteln erzeugen. Je nach Zielrichtung mit mehr oder weniger Aufwand.

Selbst die hässlichste oder nicht vorhandene Bühne lässt sich "veredeln" indem man den Hintergrund mit schwarzem Stoff abhängt (zb.). So erhält der Auftittsort augenblicklich ein gewisses Maß an "Konzertatmosphäre", man lenkt die Erwartungshaltung der Besucher in eine bestimmte Richtung. Darauf kann man dann aufbauen. Will ich meine Rolle als Musiker in den Hintergrund schieben, wähle ich ebenfalls schwarze Kleinung und verschwinde sozusagen im Bühnenhintergrund. Will ich mich herausstellen, so wähle ich helle oder weiße Kleidung, und schon mit sehr wenig farbigem Licht bin ich immer deulich sichtbar.

Das jetzt nur mal als Beispiel.

Der entscheidene Punkt ist: Sowas muss geplant werden, die Show wird sozusagen "durchgestylt". Und das kann - auch bei geringem Einsatz von Material/Kapital - durchaus aufwendig sein. Letztendlich führt es aber zu einem "Markenzeichen", mit durchaus positiven Nebenwirkungen.

Wir (Avantgarde-Rock) hatten damals u.a. zwei Probleme:
- wir konnten uns nicht mit dem üblichen Rumgehopse anfreunden, ausserdem lag der Boden voll von Controllern. Bewegung war also nicht, wir standen ziemlich statisch rum.
- keiner von uns hatte es drauf, das Publikum irgendwie anzusprechen oder zu "animieren". Wollten wir auch gar nicht. Aber was macht man in den Pausen zwischen den Stücken?

Die Lösung war letzlich ein Bühnenbild welches unsere statische Rolle geradezu zementierte, mit entsprechenden Aufbauten. Den "dynamischen Part" haben wir sozusagen "outgesourced": Wir haben Gastmusiker eingeladen, die für entsprechend Bewegung/Dynamik gesorgt haben, mit eigenen Bereichen auf der Bühne.

Die übliche "Publikumsansprache" zwischen den Stücken (Umbaupausen, Musikerwechsel etc.) haben wir ersetzt durch musikalische Übergänge, die die Stimmung des nächsten Stückes schon mal aufgebaut haben. Das haben wir so geplant, dass das immer derjenige gemacht hat der grad nix umzubauen hatte.

Das Ergebnis waren 2-Stunden-NON-STOP-Shows aus einem Guss, mit jeder Menge Action.

Was ich mit all dem sagen will: Die Show benötigt mindestens ebensoviel Vorbereitung wie die Musik, und man sollte das als EINHEIT betrachten. Also am besten schon beim Komponieren mit überlegen wie man das visuell präsentiert.

Servus,
Alex
 
@ Ikonoklast
Sehr schöner Beitrag von dir! :supi:
ikonoklast schrieb:
Das trifft aber auch auf viele Bands zu. "Bloss nicht zeigen dass es Spass macht."
Wobei das ja auch als Stilmittel verwendet werden kann. Abgesehen von Kraftwerk, die sich gezielt "ingenieursmäßig" inszenierten fällt mir da z.B. noch der Drummer von Trio ein. Er vermied konsequent jegliches Minenspiel - und genau damit wurde er fürs Publikum höchst interessant...
 
Hab mal gehört, er wäre gelernter Clown.
Sogesehen is seine Attraktivität bei Auftritten nämlich eigentlich eine Berufskrankheit.
 
Lothar Lammfromm schrieb:
@ Ikonoklast
Sehr schöner Beitrag von dir! :supi:
ikonoklast schrieb:
Das trifft aber auch auf viele Bands zu. "Bloss nicht zeigen dass es Spass macht."
Wobei das ja auch als Stilmittel verwendet werden kann. Abgesehen von Kraftwerk, die sich gezielt "ingenieursmäßig" inszenierten fällt mir da z.B. noch der Drummer von Trio ein. Er vermied konsequent jegliches Minenspiel - und genau damit wurde er fürs Publikum höchst interessant...

Ja, das kann man auch kultivieren.

Alternative wäre evtl. ne Maske aufsetzen. Ist aber schwierig mit herkömmlichen Masken (eingeengtes Gesichtsfeld, Schweiß-Problematik,etc). Ne Teilmaske a la Borg wär vielleicht besser. Oder sone Fantomas-Maske (müsste aber atmungsaktiv sein).

Wie macht das denn die Blue-Man-Group? https://www.google.de/search?q=blue+man+group

Aahh, gefunden: http://www.costumesofnashua.com/CNWebSi ... Use905.htm

Auf dieser Seite findet sich auch eine sehr schöne Beschreibung des Konzepts:
The organization's visual productions are centered on a trio of anonymous mute performers, called Blue Men. They play a mixture of idiosyncratic, often percussive, instruments.

The Blue Man Group Costume is black clothing & blue grease paint over latex bald caps.

The Blue Man can be considered a type of homologue, a creature approximating a male human being. The strongest & most obvious Blue Man characteristic is his static appearance, namely, the ear-less, bright blue head & face, & nondescript, utilitarian clothing. In action, the Blue Man does not speak & his face is usually expressionless, although suggestions of curiosity, surprise, wonder, chagrin, etc. are sometimes visible. The Blue Man does not communicate through speech or broad body language or gestures; rather, he communicates through intense eye contact & simple gestures. He acts impulsively & primarily as a group of 3, "checking in" w/the other 2 when making decisions & before moving to their next action.


The Blue Man's outwardly apparent motivations are often presented in mild caricature in order to make a humorous &/or ironic point. Additionally, the Blue Man is inscrutably motivated to drum. They even have their own hand gesture, called the "Blue Man Salute", which is made by raising both arms in the air.

Cast members stay in character at all times while in makeup, meaning after shows they do not speak to audience members, & the only "autograph" they would sign would be a smudge of blue paint. When shown a "new" piece of technology, such as a cell phone, they will simply stare at it in wonder.

Ja, genau. Sowas (vom Prinzip her) muss man halt für sich finden.

Servus,
Alex
 
Daft Punk und Deadmaus kriegen es ja auch hin, trotz einer Vollmaske. :agent:

Ich bin auch der Meinung dass die Show oder Bühnenpräsenz eine große Rolle spielt.
Die Leute wollen zwar auch hören, aber vor allem wollen sie den Auftritt erleben.

Nur hören kann man besser daheim auf dem Sofa mit der CD oder Schallplatte in der Hand. :nihao:

Wenn jemand auf der Bühne nichts darstellt und gelangweilt aussieht, dann ist das doch egal ob er nun gelangweilt hinterm Laptop sitzt oder gelangweilt am Octatrack sitzt oder gelangweilt Gitarre spielt. Wenn die Musik mit dem Rechner gemacht wird, ist dies kein Grund, dass die Bühnenpräsenz gleich Null sein muss.

Das Problem haben aber auch viele Rockbands. Diese sind zwar technisch gut, sind aber eher in ihre Instrumente vertieft.
Da braucht es dann auch einen Sänger und Frontmann der das Publikum anzeizt mit ihm komuniziert und flirtet.

Schaut euch doch mal Underworld oder Prodigy an. Ohne deren Sänger könnte man die Liveshow doch vergessen. Wenn die ohne Sänger überhaupt so berühmt geworden wären... :selfhammer:

Bei der Bühnenshow mit Kraftwerk zu argumentieren ist auch sehr schwach.
Einerseits waren Kraftwerk schon längst weltbekannt und Kult, bevor sie so statisch an ihren Pulten standen.
Und andererseits fahren sie zumindest eine großflächige Projektion auf.

Ich finde auch ein ganz großes Problem an elektronischer Musik ist, dass der normale Zuschauer doch nicht weiß, was der Künstler da gerade auf der Bühne macht.
Bei einem Schlagzeuger sieht man sehr deutlich was er tut. Der Gitarrist setzt sich spätestens mit einem Solo ordentlich in Szene.
Was ein Sänder tut weiß auch jedes Kind.
Aber was macht der Typ da am Laptop?
Der dreht an iregendwelchen Knöpfchen an einem kleinen schwarzen Kasten? :waaas:
Selbst wenn da jemand nicht hinterm Laptop sitzt, sondern vielleicht an einem ausgefeilten Controller rumspielt weiß kaum einer was nun der Tastendruck bewirkt.
Das kann man natürlich sehr plakativ machen, indem man nur einen einzelnen Regler dreht und dieser auch noch ein Lowpass auf der Summe ist.

Aber deswegen kommt auch die Laserharp so gut an. Da versteht jeder sofort intuitiv was getan wird.
 
Melkor schrieb:
Aber deswegen kommt auch die Laserharp so gut an. Da versteht jeder sofort intuitiv was getan wird.

Ja. Gutes Beispiel. Man kann zu Jarre stehen wie man will, aber die Shows haben schon ihren Unterhaltungswert.

JMJ setzt aber auch viel auf großflächige Projektionen. Das ist schwierig genug.

Selbst die gerne genutzten "Visualisierungen" (media player, winamp etc.) sind schwer genug einzusetzen,, wenn das überzeugend kommen soll.
Ich experimentier grade mit VSXU http://www.vsxu.com/ , aber selbst da brauchts nen *ordentlichen* Projektor und ne grooooße Projektionsfläche. Und am besten Rückprojektion.

Servus,
Alex
 
Melkor schrieb:
Ich finde auch ein ganz großes Problem an elektronischer Musik ist, dass der normale Zuschauer doch nicht weiß, was der Künstler da gerade auf der Bühne macht.
Bei einem Schlagzeuger sieht man sehr deutlich was er tut. Der Gitarrist setzt sich spätestens mit einem Solo ordentlich in Szene.
Was ein Sänder tut weiß auch jedes Kind.
Aber was macht der Typ da am Laptop?
Der dreht an iregendwelchen Knöpfchen an einem kleinen schwarzen Kasten? :waaas:
Selbst wenn da jemand nicht hinterm Laptop sitzt, sondern vielleicht an einem ausgefeilten Controller rumspielt weiß kaum einer was nun der Tastendruck bewirkt.
Das kann man natürlich sehr plakativ machen, indem man nur einen einzelnen Regler dreht und dieser auch noch ein Lowpass auf der Summe ist.

Hört, hört. Ich stehe ja auch auf Synthieburgen auf der Bühne, aber dem normalen Konzertbesucher ist einfach nicht klar, was da wie passiert. Ob da einer drückt, nicht drückt, am Controller dreht, am Jupiter dreht, den Loop am Octatrack wirbeln lässt oder ein Playback aus Logic kommt - völlig Latte. Da fahren wir vom Forum ein bisschen drauf ab. Wir Nerds, die denken, jemand 'normales' merkt den Unterschied zwischen den Samples aus dem Ipad oder der echten TR-909 on stage. Tut aber 'niemand'. Das Publikum braucht einen Freddy Mercury auf der Bühne. Oder den geilen Klimmbimm von Daft Punk. Jedenfalls bei Shows, die um das Thema 'Popmusik' kreisen.
Computer & Synthesizer sind nie Show - die Besucher sind einfach zu fern davon, entfremdet, wie üblich bei spezialisierter Technik. Eine Gitarre, ein Schlagzeug, das ist Nachzuvollziehen. Aber keiner meiner Dudes spricht nachher davon, wie irre die Triolen am Cutoff-Regler ausgesehen haben. Dieses hübsche, lustige Youtube Video von dem Drummer in der ZZ Top Coverband klappt, weil die Leute sowohl Audio als auch Video stets nachvollziehen können und die Diskrepanz spüren. Mir fällt keine entsprechende Situation ein, wo das mit einem Synthesizer so funktionieren würde. Die Dinger begreift ja eh kaum einer.
Eine Show sind für mich entspannte Künstler, mit richtig Spass in den Backen, nahbar, aber souverän. Das Equipment ist keine Show. Eine Zeitlang hatte ich keine Laptop auf der Bühne, aus Überzeugung. Hat mir jemand auf die Schulter geklopft und gesagt: Geil, alles aus echten Maschinen! Nö! Jetzt ist das Macbook wieder dabei. Man lebt und lernt.
 
Zaphod schrieb:
[...] Hört, hört. Ich stehe ja auch auf Synthieburgen auf der Bühne, aber dem normalen Konzertbesucher ist einfach nicht klar, was da wie passiert. Ob da einer drückt, nicht drückt, am Controller dreht, am Jupiter dreht, den Loop am Octatrack wirbeln lässt oder ein Playback aus Logic kommt - völlig Latte. Da fahren wir vom Forum ein bisschen drauf ab. Wir Nerds, die denken, jemand 'normales' merkt den Unterschied zwischen den Samples aus dem Ipad oder der echten TR-909 on stage. Tut aber 'niemand'. Das Publikum braucht einen Freddy Mercury auf der Bühne. Oder den geilen Klimmbimm von Daft Punk. Jedenfalls bei Shows, die um das Thema 'Popmusik' kreisen.
Computer & Synthesizer sind nie Show - die Besucher sind einfach zu fern davon, entfremdet, wie üblich bei spezialisierter Technik. Eine Gitarre, ein Schlagzeug, das ist Nachzuvollziehen. Aber keiner meiner Dudes spricht nachher davon, wie irre die Triolen am Cutoff-Regler ausgesehen haben. Dieses hübsche, lustige Youtube Video von dem Drummer in der ZZ Top Coverband klappt, weil die Leute sowohl Audio als auch Video stets nachvollziehen können und die Diskrepanz spüren. Mir fällt keine entsprechende Situation ein, wo das mit einem Synthesizer so funktionieren würde. Die Dinger begreift ja eh kaum einer.
Eine Show sind für mich entspannte Künstler, mit richtig Spass in den Backen, nahbar, aber souverän. Das Equipment ist keine Show. Eine Zeitlang hatte ich keine Laptop auf der Bühne, aus Überzeugung. Hat mir jemand auf die Schulter geklopft und gesagt: Geil, alles aus echten Maschinen! Nö! Jetzt ist das Macbook wieder dabei. Man lebt und lernt.

Dem kann ich mich ohne weiteres anschließen.

Stephen
 
Das Problem der meisten Synthesizer-Performances ist die Spaltung zwischen dem was man hört und dem was man sieht, d.h. die Loslösung des gehörten Klangverlaufes von körperlicher Gestik des Performers. Wenn der Synth-Spieler auf einem Pad-Sound mit langsamer Reso-Filter-Sweep-Hüllkurve einen Akkord statisch gedrückt hält, fokussiert das Gehör des Zuhörers rasch auf das dynamische Sweep-Klangereignis, kann hierzu aber keine entsprechende performante Gestik des Spielers erkennen, und die Aufmerksamkeit schwindet rasch.

Dem kann man entgegenwirken durch möglichst viel Verzicht auf Klang-Automatisierungen jeglicher Art (und dazu gehören neben Sequenzern auch Hüllkurven und LFOs), welche massgeblicher zum Klang beitragen als das was dynamisch vom Performer selber (und visuell nachvollziehbar) generiert wird. Also weniger Slow-LFOs und Sweep-ENVs, nur live Gespielte Noten, vorrangig live-gespielte Klangverläufe durch Knobs, Wheels und Fusspedale, Breath Controller etc., und das Ganze sichtbar, nicht hinter einer Burg versteckt.

Ja, und dafür muss man dann gehörig üben. Was auch fair ist. Müssen Sänger, Gitarristen, Saxophonisten und andere Applaus-erntende Bühnensäue nämlich auch.

Laptop-"Performances" klammere ich hier bewusst aus, das ist m.E.n. eh ein hoffnungsloser Fall.
 
Ich nehme immer nur Hardware mit und spiele immer nur per Hand. Weil ich es auch niemals anders getan habe und Softwaressynths für Jams bei mir niemals in Frage kämen. Die Leute sehen und hören, was ich spiele.

Heutzutage ist in der elektronischen Musik das, was in den 70ern gang und gäbe war, exotisch: Spielen mit Hand! Auf schwarzen und weißen Tasten! Und es klingt auch noch richtig gut!
 
Im Grunde ist es ganz einfach:

Performante Gestik :arrow: musikalisches Ereignis

Je mehr man sich hiervon entfernt, desto weniger ist das direkte Musikzieren nachvollziehbar und somit interessant für den Zuschauer, und muss mit Visuals, Lightshow etc. kompensiert werden. Das ist kein Entweder-Oder, sondern ein Kontinuum wo sich jeder darbietende Künstler selber positionieren kann.
Am einen Ende dieses Kontinuums hat man instrumentale Virtuosen, die mit nur minimalem Drumrum ihr Publikum am Instrument musikalisch durchaus in den Bann zu ziehen wissen, und auf der anderen Seite hat man Riesenlightshows und vor sich hin trällernde Laptops, während sich die Protagonisten damit begnügen seltsame Masken zu tragen, ab und zu Croudsurfing zu gehen oder sorgfältig auserwähten Publikumsmitgliedern Torten ins Gesicht zu drücken. Jedem das Seine. :mrgreen:
 
Tim Kleinert schrieb:
Im Grunde ist es ganz einfach:
Performante Gestik :arrow: musikalisches Ereignis
Je mehr man sich hiervon entfernt, desto weniger ist das direkte Musikzieren nachvollziehbar und somit interessant für den Zuschauer, und muss mit Visuals, Lightshow etc. kompensiert werden.

Das ist m.E. zu verkürzt. Für mich als Zuschauer soll es interessant sein, mit welchen Bewegungen jemand sein Instrument spielt? Das können aber auch nur Musiker behaupten die extrem von sich überzeugt sind ... :mrgreen:

Und aus 10 m Entfernung siehst du eh nicht mehr was der da genau macht.

Du begehst IMHO den alten Fehler die "Darbietung" a.k.a. "Show" aufzuspalten in ein musikalisches und ein wie auch immer genanntes "performerisches" Ereignis. Das sind zwei Sachen, die aber zusammengehören. Vielleicht ist "Performance" von vornherein der bessere Ausdruck, weil er alles umschließt.

Selbst die virtuosesten Künstler inszenieren ihre Performance, setzen sich "in Szene".

Und was die "Nachvollziehbarkeit des direkten Musizierens" angeht: EM ist halt zu großen Teilen "Maschinenmusik" - mit voller Absicht, das braucht man auch nicht verstecken oder "kompensieren". Das maschinelle Element macht geradezu den Reiz aus. Wie man das in die Performance integriert, das ist das Problem.

Es ist auch ein sehr modernes Problem: wenn man sich mal die K4 von Kraftwerk anhört, dann haben sich die Leute damals mit - aus heutiger Sicht - unglaublich wenig zufrieden gegeben - es war halt alles neu, ungehört, un-er-hört.

Heute konkurriert man aber mit einer unglaublichen Vielfalt an Performances: nur auf die eigene Virtuosität zu vertrauen wird in den meisten Fällen schiefgehen.

Servus,
Alex
 
ikonoklast schrieb:
Noch ein kleines Beispiel, um zu verdeutlichen was ich meine:

Wir haben mal auf nem Konzert mit vielen anderen Bands gespielt, jede hatte nur 30 Minuten.

Wir sind auf die Bühne, schwarz gekleidet, mit weissen venezianischen Masken vor dem Gesicht.

Instrumente: 1 E-Bass samt Multieffektgerät. 1 Mikro auf einem Rednerpult, Buchsbaum davor :D . Weiter nix.

Wir haben den E-Bass in die Mitte ganz vorne an den Bühnenrand gestellt.

Wir haben uns hingesetzt und 1 Minute regungslos dagesessen, bis das Publikum schon seeehr unruhig wurde (1 Minute ist ne lange Zeit wenn nix passiert).
Nach 1 Minute ist unser Bassist aufgestanden, zum Bass gegangen und hat 1 Seite angeschlagen, die dann über das Multieffekt einen Drone erzeugt hat. Er hat sich dann wieder zu uns gesetzt ...

Nach einer weiteren Minute bin ich aufgestanden, ans Rednerpult gegangen und habe eine lange Passage aus "Der Ruinenbaumeister" vorgelesen (die Passage mik Karolas Opferung, wenns jemand kennt).

Ich hab mich dann wieder gesetzt. Nach einer weiteren Minute sind wir dann wortlos aufgestanden und gegangen. Ende unseres Konzertbeitrags.

Der Aufwand war gleich NULL, die Kosten waren gleich NULL, wir hatten den herausragendsten Beitrag des Abends und die Besucher haben noch monatelang darüber geredet.

Nur mal so als Beispiel.

Servus,
Alex

Sowas is so simpel das es schon wieder geil ist. :mrgreen:
Ich steh auf so abgefahrene sachen, und das hätte mir sicher gefallen.
 
ikonoklast schrieb:
Für mich als Zuschauer soll es interessant sein, mit welchen Bewegungen jemand sein Instrument spielt? Das können aber auch nur Musiker behaupten die extrem von sich überzeugt sind ... :mrgreen:
Wer nicht extrem von sich überzeugt ist, hat auf einer Bühne sowieso nichts zu suchen. :nihao: Wer seinem Publikum Eintrittsgeld abknöpft, ohne extrem von sich und seiner Sache überzeugt zu sein, ist entweder ein abgrundtiefer Zyniker oder ein Gauner der sein Publikum verarscht. Ich kenne weltbekannte Künstler persönlich, die so drauf sind (and who therefore shall remain nameless :mrgreen:), weil sie ihre ursprünglichen künstlerischen Absichten zugunsten des kommerziellen Erfolges aufgegeben haben.

Man sollte auch nicht den Fehler machen, die eigenen Vorlieben und Interessen zu generalisieren. Auch Künstler, die z.B. ohne jeglichen Show-Schnickschnack rein nur auf ihre musikalischen Fähigkeiten (Virtuosität, Authentizität etc.) setzen, finden ihr jeweiliges, wenn auch entsprechend spezialisiertes und somit kleineres, Publikum. Allan Holdsworth kennt hier vermutlich niemand, aber wenn der irgendwo ein Konzert spielt, steht jedenfalls stets die gesamte lokale Gitarristenarmee (und zwar stilübergreifend) Schlange und findet sein Gitarrenspiel in sich hör- und sehenswert genug -ganz ohne Lightshow, Pyrotechnics oder tanzende Teddybären. :lol: Andere stehen handkehrum lieber Schlange, um sich -sanft stimuliert von Lichtblitzen, Bassdonnern und seltsamen Substanzen- in einem EDM-Palast in Las Vegas von Herrn Aoki eine Erdbeertorte ins Gesicht drücken zu lassen. Horses for courses.

ikonoklast schrieb:
Und aus 10 m Entfernung siehst du eh nicht mehr was der da genau macht.
Selten ein Problem, denn die Künstler die auf diese Karte setzen, spielen meistens eh nur kleinere Venues. Haben aber damit meistens keine Probleme, da sie sich alldiese Überlegungen hier sehr wohl gemacht haben, und genau wissen wo ihr Platz ist.

Du begehst IMHO den alten Fehler die "Darbietung" a.k.a. "Show" aufzuspalten in ein musikalisches und ein wie auch immer genanntes "performerisches" Ereignis. Das sind zwei Sachen, die aber zusammengehören. Vielleicht ist "Performance" von vornherein der bessere Ausdruck, weil er alles umschließt.
Ich spalte garnichts auf, ich hab' ja geschrieben dass dies lediglich die Extremata sind und dazwischen ein breites Kontinuum, innerhalb dessen jeder Künstler sich heutzutage -in Rücksicht auf seine Ambitionen, persönliche Charaktereigenschaften und künstlerische Absichten- positionieren kann und muss.

Choose wisely. :nihao:

ikonoklast schrieb:
Selbst die virtuosesten Künstler inszenieren ihre Performance, setzen sich "in Szene".
Ich bezweifle, das die hiermit unweigerlich verbundene Selbstobjektifizierung letztendlich vereinbar ist mit Authentizität. Letzteres muss aber auch nicht zwingend eine Priorität sein! (Bitte vorangegangenen Satz 3x lesen, bevor man auf die Barrikaden geht. ;-) ) Auch hier sehe ich ein Kontinuum, wo man sich als Künstler je nach Neigung positionieren kann/muss. An einem Ende dieses Kontinuums gibt es Protagonisten, die sich einen regelrechten Sport daraus machen, derart mit ihrem inszenierten Image zu spielen, bis dass dies zum Selbstzweck wird (z.B. Lady Gaga, die's als Performerin eigentlich sogar ziemlich drauf hat, nur spielt das leider keine wirkliche Rolle, woran sie eben genau wegen ihrem inszenierten Dauerzirkus selber schuld ist :lol:). Am anderen Ende gibt es dann die, die einfach in Alltagsklamotten auf die Bühne gehen und singen, dass es das Publikum umhaut (z.B. Joni Mitchell, obwohl sie's ja nicht mehr tut weil sie u.A. eben die Schnauze voll hat von unserer medial gesteuerten Gesellschaft und dem daraus resultierenden Selbstinszenierungsimperativ). Und dazwischen gibt es auch hier ein riesiges Mittelfeld. Auch als Zuhörer/Konsument ist es persönliche Geschmackssache was einem gefällt.

Und was die "Nachvollziehbarkeit des direkten Musizierens" angeht: EM ist halt zu großen Teilen "Maschinenmusik" - mit voller Absicht, das braucht man auch nicht verstecken oder "kompensieren". Das maschinelle Element macht geradezu den Reiz aus. Wie man das in die Performance integriert, das ist das Problem.
Das "verstecken oder kompensieren" und "in die Performance integrieren" sind doch zwei Ausdrücke für ein- und dasselbe :) , nur dass das erste pejorativ ist. Vielleicht bin ich falsch rübergekommen, aber ich meine dieses "Kompensieren" (nennen wir's mal so) nicht abwertend.

ikonoklast schrieb:
Es ist auch ein sehr modernes Problem: wenn man sich mal die K4 von Kraftwerk anhört, dann haben sich die Leute damals mit - aus heutiger Sicht - unglaublich wenig zufrieden gegeben - es war halt alles neu, ungehört, un-er-hört.

Heute konkurriert man aber mit einer unglaublichen Vielfalt an Performances: nur auf die eigene Virtuosität zu vertrauen wird in den meisten Fällen schiefgehen.
Absolute Zustimmung. Ich denke nicht dass es ein intrinsisches Problem der Sache an sich ist, sondern definitiv ein Ausdruck unserer medial zugedröhnten und entsprechend abgestumpften Gesellschaft. Für mich persönlich (wiederhole: für mich persönlich) ist es das darbieterische Äquivalent des 'Loudness Wars'. So wie die Musik heutzutage 'kesseln' muss, so muss die Performance 'flashen', sonst daddeln die Leute lieber wieder an ihren Smartphones rum. Obwohl -tun sie mittlerweile sowieso: denn wenn heutzutage eine Live-Show so richtig kesselt und flasht... wird gefilmt! :lollo: Naja, immerhin kann der Artist seine Show am nächsten Tag auf YT bewundern. Tja, jetzt müsste er nur noch was dran verdienen.

Sorry for the long lazy sunday post. :mrgreen:
 
Tim Kleinert schrieb:
Man sollte auch nicht den Fehler machen, die eigenen Vorlieben und Interessen zu generalisieren. Auch Künstler, die z.B. ohne jeglichen Show-Schnickschnack rein nur auf ihre musikalischen Fähigkeiten (Virtuosität, Authentizität etc.) setzen, finden ihr jeweiliges, wenn auch entsprechend spezialisiertes und somit kleineres, Publikum. Allan Holdsworth kennt hier vermutlich niemand, aber wenn der irgendwo ein Konzert spielt, steht jedenfalls stets die gesamte lokale Gitarristenarmee (und zwar stilübergreifend) Schlange und findet sein Gitarrenspiel in sich hör- und sehenswert genug -ganz ohne Lightshow, Pyrotechnics oder tanzende Teddybären. :lol:

Freut mich dass du AH kennst ... aber du unterschlägst da was ... AH hatte (laut Interviews im Guitar Player) die Schnauze so voll davon, dass immer nur ne Handvoll Musiker gekommen sind, dass er zwischenzeitlich sogar aufgegeben hatte Musik zu machen und einem bread-andbutter-Job nachging. Von irgendwas musste er ja leben. Es hat wohl eher Jahrzehnte(!!) gedauert bis der Geheimptipp keiner mehr war und genug Leute kamen. Wie es aktuell um ihn aussieht, weiss ich leider nicht.

Wer ihn nicht kennt:


Ich behaupte jetzt nicht, dass mit einer irgendwie gearteten Show und entsprechendem Marketing das anders gelaufen wäre, aber wenn man sich seine Shows ansieht dann war/ist(?) das wirklich für die Puristen unter den Gitarristen. OK, jedem sein DIng, aber ihn hats ja selbst genervt.

ikonoklast schrieb:
Selbst die virtuosesten Künstler inszenieren ihre Performance, setzen sich "in Szene".
Ich bezweifle, das die hiermit unweigerlich verbundene Selbstobjektifizierung letztendlich vereinbar ist mit Authentizität. Letzteres muss aber auch nicht zwingend eine Priorität sein! (Bitte vorangegangenen Satz 3x lesen, bevor man auf die Barrikaden geht. ;-) )[/quote]

Du wirst - um mal im Genre zu bleiben - niemals einen Segovia (ok, lebt nicht mehr, ist aber schönes beispiel) im Schlabber-T-Shirt und zerrissener Jeans sehen. Die Auftritte finden in einer eher würdevollen Umgebung statt. Er ist korrekt gekleidet, er ist nie betrunken, das Licht passt (er ist gut zu sehen UND zu Fotografieren (wichtig)), es gibt Eintrittskarten, der Saal ist bestuhlt (Yay! Macht einen RISEN Unterschied!!), es gibt Programmhefte, die Atmosphäre stimmt. Das Konzert wird angekündigt durch entsprechende Artikel in der Lokalpresse, die Fotos sind 1a ...
Das alles unterstützt die Authentizität des Musikers. Und das überlässt/überliess er sicher nicht dem Zufall.

Sag mir keiner das wär jetzt ne aufwendige Show. Aber die Performance ist perfekt.

ikonoklast schrieb:
Auch hier sehe ich ein Kontinuum, wo man sich als Künstler je nach Neigung positionieren kann/muss. An einem Ende dieses Kontinuums gibt es Protagonisten, die sich einen regelrechten Sport daraus machen, derart mit ihrem inszenierten Image zu spielen, bis dass dies zum Selbstzweck wird (z.B. Lady Gaga, die's als Performerin eigentlich sogar ziemlich drauf hat, nur spielt das leider keine wirkliche Rolle, woran sie eben genau wegen ihrem inszenierten Dauerzirkus selber schuld ist :lol:). Am anderen Ende gibt es dann die, die einfach in Alltagsklamotten auf die Bühne gehen und singen, dass es das Publikum umhaut (z.B. Joni Mitchell, obwohl sie's ja nicht mehr tut weil sie u.A. eben die Schnauze voll hat von unserer medial gesteuerten Gesellschaft und dem daraus resultierenden Selbstinszenierungsimperativ). Und dazwischen gibt es auch hier ein riesiges Mittelfeld. Auch als Zuhörer/Konsument ist es persönliche Geschmackssache was einem gefällt.

Ehrlich gesagt, weiss ich jetzt nicht wie das im Rahmen dieses Forums zu bewerten ist. Ich stimme dir ja prinzipiell zu, aber als Performance-Tipp zu sagen "Ordne dich irgendwo zwischen Lady Gaga und Joni Mitchell ein" bringt uns doch auch nicht weiter - das ist doch eher eine Floskel, oder nicht?

Ich wüsste jetzt auch nicht was ich damit anfangen soll - "irgendwo in der Mitte" ?? Es bringt halt nicht weiter. Ich denke mal, konkrete Denkanstöße sind notwendig. Nicht weil wir alles ach so fantasielos sind, sondern weil wir alle unsere Scheuklappen haben.

Und was die "Nachvollziehbarkeit des direkten Musizierens" angeht: EM ist halt zu großen Teilen "Maschinenmusik" - mit voller Absicht, das braucht man auch nicht verstecken oder "kompensieren". Das maschinelle Element macht geradezu den Reiz aus. Wie man das in die Performance integriert, das ist das Problem.
Das "verstecken oder kompensieren" und "in die Performance integrieren" sind doch zwei Ausdrücke für ein- und dasselbe :) , nur dass das erste pejorativ ist. Vielleicht bin ich falsch rübergekommen, aber ich meine dieses "Kompensieren" (nennen wir's mal so) nicht abwertend.

ikonoklast schrieb:
Es ist auch ein sehr modernes Problem: wenn man sich mal die K4 von Kraftwerk anhört, dann haben sich die Leute damals mit - aus heutiger Sicht - unglaublich wenig zufrieden gegeben - es war halt alles neu, ungehört, un-er-hört.

Heute konkurriert man aber mit einer unglaublichen Vielfalt an Performances: nur auf die eigene Virtuosität zu vertrauen wird in den meisten Fällen schiefgehen.
Absolute Zustimmung. Ich denke nicht dass es ein intrinsisches Problem der Sache an sich ist, sondern definitiv ein Ausdruck unserer medial zugedröhnten und entsprechend abgestumpften Gesellschaft. Für mich persönlich (wiederhole: für mich persönlich) ist es das darbieterische Äquivalent des 'Loudness Wars'. So wie die Musik heutzutage 'kesseln' muss, so muss die Performance 'flashen', sonst daddeln die Leute lieber wieder an ihren Smartphones rum. Obwohl -tun sie mittlerweile sowieso: denn wenn heutzutage eine Live-Show so richtig kesselt und flasht... wird gefilmt! :lollo: Naja, immerhin kann der Artist seine Show am nächsten Tag auf YT bewundern. Tja, jetzt müsste er nur noch was dran verdienen.

Sorry for the long lazy sunday post. :mrgreen:[/quote]

Much appreciated ...

Worauf ich hinauswill: IMHO hat auch das geringste musikalische Ereignis es verdient, in angemessenem Rahmen präsentiert zu werden.

Ich erzähl mal ne Story. Mein allererstes Konzert ... na ich erzähls lieber doch nicht :mrgreen:

Jedenfalls habe ich mir damals eines geschworen: *Wenn* ich auftrete, dann möglichst so dass selbst die Leute die nix mit meiner Musik anfangen können nachher sagen: "Die Musik hat mir ja nicht so gefallen, aber es war ein nettes Konzert." Hat oft geklappt.

Kann man ja mal drüber nachdenken :opa:

Servus,
Alex
 
...kommt ja auf drauf an was manbei nem Liveact erwartet:

- Virtouosen Instrumentalisten, der Jazz hoch und runter spielt und somit die Muckerpolezze nix zu meckern hat.
- Band mit eigenen Kompositionen, die total abgeht obgleich der geilen Mucke.
- Musik egal Hauptsache was für Frauen zum "abhotten"(kotz, its raining men).
- Techno zum Tanzen.
- Techno zum hören.
- Beeindruckende Eigenkomposition.
- Metal der abgeht und man mitmosht.
- Metal zum ankucken, wegen dem geilen gitarristen.
- Orgelkonzert, weil Bach einfach der Beste war!
- Orgelkonzert, weil John Lord einfach der Beste war :mrgreen: ...
- Orgelkonzert weil Franz-Peter Tebartz van Elst einfach toll war.
- ........etc....................................
 
ikonoklast schrieb:
Freut mich dass du AH kennst ... aber du unterschlägst da was ... AH hatte (laut Interviews im Guitar Player) die Schnauze so voll davon, dass immer nur ne Handvoll Musiker gekommen sind, dass er zwischenzeitlich sogar aufgegeben hatte Musik zu machen und einem bread-andbutter-Job nachging. Von irgendwas musste er ja leben.
Ich habe mich intensiv mit seiner Musik befasst und auch mal einwenig Zeug transkribiert. Und dass er über sein vorallem aus Gitarristen bestehenden Publikum die Schnauze voll hatte (und hat) weiss ich sehr wohl. Ich habe geschrieben dass jeder Künstler idealerweise letztendlich ein Publikum findet. Dass muss aber umgekehrt nicht unbedingt heissen dass es das Publikum ist, welches der Künstler sich wünscht. ;-) Am Ende sagt sich aber auch ein AH "lieber dieses Publikum als garkeins", sonst wäre er jetzt nicht wieder regelmässig auf Tour.

Worauf ich hinauswill: IMHO hat auch das geringste musikalische Ereignis es verdient, in angemessenem Rahmen präsentiert zu werden.
Absolute Zustimmung. :supi:
 
is doch total egal ob das Publikum versteht was da auf der Bühne passiert oder nicht :lol:
show? hahaha
und jetzt gitarrensolo mit gesichtskrämpfen wegen des starken ausdrucks und so, :twisted: oder wie :lollo:
und ob der mensch da jetzt auf n display oder die Klaviatur vor ihm glotzt ist auch jacke wie Hose :mrgreen:
hauptsache der sound ist gut

das beeindruckendste konzert auf dem ich war war jesus & mary chain
zu sehen gabs da ausser diffusen Silhouetten im Nebel gar nix :lol:
da hätte auch meine oma im nebel zu vollplayback stehen können - ich hätte es nicht gemerkt 8)

 


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