Korg Poly 61

Dieses Thema im Forum "Demos / Reviews" wurde erstellt von Jörg, 5. März 2011.

  1. Jörg

    Jörg |

    Die Preise für analoge Polysynths sorgen hier immer wieder für Heulen und Zähneknirschen, und das führt u.a. dazu dass auch ehemalige Einsteigersynths immer beliebter werden. Sogar ein JX-3P kriegt schon eigene Fanclubthreads. ;-)
    Ein Modell wird aber nach wie vor weitgehend übersehen: der Korg Poly 61. Das dürfte der am billigsten zu habende analoge Polysynth sein. Wenn man denn mal einen funktionsfähigen kriegt... die meisten sind mehr oder weniger hinüber.
    Ein funktionierendes Exemplar hat es zu mir geschafft, und ich kann sagen dass die Kiste durchaus Spaß macht. Auch wenn ich zugebe dass der niedrige Gebrauchtpreis seine Gründe hat.
    An der Optik liegt es wohl nicht, ich finde den kleinen Korgi eigentlich ganz niedlich:

    [​IMG]

    Die bekannteste Quelle zum Thema "Poly 61" im Internet ist vermutlich Robert Witteks schöne Seite: http://www.synthesizer.at/synthesizer/poly61/poly61.htm
    Da kann man sich informieren und eine ganze Menge probehören. Was dort allerdings nicht ganz deutlich wird: Eigentich ist der Poly 61 gar kein richtiger Zwei-Oszillatoren-Synth! Der zweite Oszillator ist eine ziemlich Krücke: rein digital, nur Rechteck (klingt ok) und Sägezahn (klingt wie eine komische Pulswelle), nur ein- und ausschaltbar (also nicht in der Lautstärke regelbar), keinerlei Interaktion mit dem ersten Oszillator (kein Sync, kein Ringmod, kein Crossmod, gar nix), und das ganze nur in den Fußlagen 16', 8' und 4'.
    Letzteres bedeutet dass er auch nicht so richtig als Suboszillator taugt. Immerhin kann man ihn in ein paar Intervallen (Quinte zum Beispiel) in Relation zu Osc1 verstimmen.
    Das Filter klingt prima, und die Hüllkurve gefällt mir auch sehr gut. Ja, die Parameterstufen sind sehr grob, aber sie decken einen guten Bereich ab und in der Praxis komme ich damit bestens zurecht.
    Vom ganzen Klangcharakter ist der Poly 61 nicht allzu hochwertig, aber auch nicht schlecht.

    Alles in allem würde ich sagen, wenn man auf der Suche nach einem günstigen Analogen ist und an einen funktionierenden Poly 61 kommen kann, dann macht man damit nix falsch. :nihao:

    Ein paar Klangschnipsel habe ich auch mal auf die Schnelle aufgenommen. Die Effekte kommen aus dem Quadraverb. Ich habe überlegt ob ich trockene Aufnahmen machen soll, aber irgendwie ist das doch Quatsch, schließlich wird man einen Synth wie den Poly 61 nur in den seltensten Fällen ohne Effekt spielen.
    Ich bitte das gelegentliche Knacksen zu entschuldigen. Keine Ahnung wo das herkommt, ich glaube mein PC macht so langsam die Grätsche. :roll:


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  2. micromoog

    micromoog bin angekommen

    Klingt eigentlich ganz ordentlich.

    Ein bekannter First-Hand User Jahrgang 1960 kommt aus der Tanzmukkerecke, dementsprechend klingt sein Poly61 auch so, von daher hatte mich die Kiste bisher noch nie angemacht.
     
  3. Horn

    Horn |

    Der Poly 61 war mein erster Synth. Er hat einen tollen Klang, der sich z.B. auch im Rockband-Kontext gut durchsetzt. Leider sind die Tastaturen der alten Geräte fast immer hinüber. Bei meinem ging zum Schluss im mittleren Bereich der Tastatur nichts mehr. Auch professioneller Service konnte nur vorübergehend helfen.
     
  4. Sequialter

    Sequialter Tach

    Dann bleibt ja noch die Möglichkeit zum Midifizieren und dann evtl. die Wand damit verschönern,ansteuern geht am besten mit einem Nordlead 2 .. ;-)
     
  5. Moogulator

    Moogulator Admin

    Der Poly61M hatte schon MIDI bzw. gab einen Nachrüstsatz.
     
  6. Sequialter

    Sequialter Tach

    ja richtig,aber ich meine der hatte nur Midi Omni Mode...,besser wäre der von TBS.
     
  7. Moogulator

    Moogulator Admin

    Poly Mode, Omni kann man abschalten, ich weiss nur nicht mehr ob der Kanal frei war oder auf 1 fest oder sowas. Das ist ggf. sogar geändert worden - damals bedeutete das das EPROM wechseln. War auch beim Jupiter6 so, viele nutzten damals die Anatek-Filter dafür, meiner konnte dann nach 93 DM teurem wechsel auf Kanal 1 Senden/Empfangen. Das war damals "ok" ;-)
    Naja, aktuell weiss ich gar nicht welche Kits es noch gibt für die, die das MIDI verpasst haben. CHD haben aber eins für gut unter 100€, das ist bestimmt sehr ok. Was die so machen war bisher immer gut.
    PS: sehe grade, dass das CHD ja das ist was die da verkaufen, nur halt für 120€.
     
  8. Horn

    Horn |

    Meinen habe ich aber abgegeben. Ein Schüler wollte ihn unbedingt haben. Der hat ihn dann an einen ebenfalls mit mir befreundeten Musiker verkauft, der sehr interessante "gehobene Popmusik" macht - hat seit Jahren einen Record-Deal in Japan und produziert eine wunderbare CD nach der anderen, bleibt aber hierzulande dennoch erfolglos. Irgendwann hab´ ich ihn mal gefragt, was mein alter Poly 61 denn noch so mache. Er war begeistert und versicherte mir, der klinge großartig. Ich habe ihn gefragt, was denn mit den vielen Tasten sei, die nicht mehr funktionierten. Darauf sagte er: "Och, ich benutze einfach die anderen, die noch gehen." Ich schätze, das ist es, was einen echten Profi von mir als Amateur unterscheidet. :D
     
  9. Sequialter

    Sequialter Tach

    Das sehe ich aber anders,vielmehr würde ich diesen Profi als wirklichen Amateur,also einen echten,begeisterten Liebhaber an der Sache bezeichnen.
     
  10. Horn

    Horn |

    Tja, ja, das könnte man wohl so sehen ;-) ...
     
  11. Das versteh ich nun nicht so wirklich. Wenn ich das richtig erinnere, hatte der 61 die gleiche Konstruktion bei der Tastatur wie der Polysix, also Platine mit Goldkontakten und Gummi/Kohlestößel. Die zerbröseln irgendwann, vorher klappen sie um und verdrecken, aber das kann man meist sogar selbst beheben. Ein professioneller Service sollte eigentlich die Möglichkeit haben, die Kontaktgummis auszutauschen (das sind mehr oder weniger Standardteile).

    Nette Soundbeispiele. Für mich war das Ding damals zu knopflos, obwohl der Sound schon fetzt, auch wenn er im Vergleich zum Polysix hörbar anders klingt.

    MIDIfizierung nachträglich ist gleicher Aufwand wie beim Polysix, da die Grundschaltung von der Steuerung her mehr oder weniger die Gleiche ist: 2 maskenprogrammierte 8049-Prozessoren, einer für Tastatur und Bedienfeld, der andere für die Klangerzeugung. Da ist nichts mit einfach anderes EPROM rein, es gibt nämlich keins. Von den SSM-Chips ist nur noch der 2056 für die Hüllkurven geblieben, die Filter sind mit einem OTA-Chip (LM13600) realisiert, die Oszillatoren durch 4 8253-Timerbausteine. Witzigerweise ist auch die Speichersparversion geblieben: ein 4bit SRAM-Chip (allerdings doppelte Größe im Vergleich zum Polysix) wird in 2 Durchgängen mit den 8bit Daten beschrieben.

    Insgesamt schaltungstechnisch doch einiges an Mehraufwand gegenüber dem Polysix, vor allem durch die hinzugekommenen Bausteine 8253 (4x) und 8255 (3x). Das hat man beim Poly800 doch deutlich reduziert und einen eigenen Filterchip bauen lassen (NJM2069), der dann auch in den DWs steckte.
     
  12. Jörg

    Jörg |

    Die Bedienung ist völlig pillepalle, extrem einfach. Natürlich macht die Schrauberei mit Knöpfen mehr Spaß, keine Frage.
    Der Sound ist im Vergleich zum Polysix sehr anders. Die schönen SSM-Filter fehlen leider, auch wenn das P61-Filter wirklich gut klingt.
     
  13. Horn

    Horn |

    Das mag schon sein, aber damals, als ich den Poly 61 zur Reparatur gegeben habe, war ich technisch völlig ahnungslos. Es gab da auch noch keine Internet-Foren, in denen ich mir guten Rat hätte holen können ;-) ...

    Ja, der 61 klingt viel besser. :D Nein, im Ernst, der Poly 61 klingt "kälter", aber auch "definierter" oder "aggressiver" als der Poly 6. Ich hoffe, diese Adjektive sind einigermaßen treffend.
     
  14. Allerdings, das hat mich auch erstaunt. Defekte werden Tastatur und sicher auch Säureschaden vom Akku sein - da man beim 61er die Platinen anders strukturiert hat als beim Polysix (alle Digitalsachen auf einem Board und die Klangerzeugung auf einem Anderen) kann der Akku auch mehr Schaden anrichten, zumal er ja auch wieder schön mitten auf der Platine sitzt ...

    Die Gehäusekonstruktion ist die gleiche wie beim Polysix seh ich gerade, also das pseudo-klappbare Bedienfeld (durch 2 Haken am Metalldeckel realisiert).

    Ja, das Ding ist recht einfach aufgebaut, dafür aber schnell zu durchschauen - wenige Parameter haben halt auch so ihre Vorteile. Der 800er ist dagegen eine Parameterorgie ... Die Art, wie man die Oszillatoren gebaut hat, finde ich schon witzig - mit je 2 billigen, handelsüblichen Timerbausteinen aus der 80xx-Serie, steckten damals in jedem IBM PC drin, und nachgeschaltetem Waveshaping (die Dinger können ja nur Rechtecksignale erzeugen).
     
  15. Jörg

    Jörg |

    Der zweite Oszillator des Poly 61 erinnert mich an den Poly 800 den ich mal kurzzeitig hatte. Nicht gut...
    Der erste Oszillator hingegen klingt ok.

    Batterie: Gleiches Problem wie beim Polysix. Unbedingt ersetzen!
     
  16. 7f_ff

    7f_ff Tach

    Mögliche Abhilfe für die Knackser:
    -Festplatte defragmentieren
    -auf einem separaten Medium (z.B. anderen HD) aufnehmen
    -unbenötigte Programme/Porzesse beenden
    -Treiber Update (Chipsatz, Soundkarte)
    -Ressourcen und Einstellungen überprüfen (OS, Rec.-Software)
    -Aufnahme (im Speicher, wenn nicht HD-Rec.) und Datei gegenprüfen
    -auf evtl. Fehler beim Hochladen prüfen


    Gruss
     
  17. Selectah

    Selectah Tach

    einfach mal die letzten drei soundclips leicht zeitversetzt zugleich abspielen... :twisted:
     
  18. VEB_soundengine

    VEB_soundengine bin angekommen

    @Jörg, du kannst mit Synthis umgehen. Respekt Alter :nihao:
     
  19. Jörg

    Jörg |

    @selectah: lustig - ich fühle mich inspiriert :mrgreen:

    @VEB: :nihao:
     
  20. rauschwerk

    rauschwerk pure energy noise

    Ein sehr schönes demo ... auch nett vorgestellt ;-)
    Ich hatte von den poly61er glaube ich 4 oder 5 stück ..., 'habe auch an der midi-fizierung gefeilt (seiner zeit).

    Im Mic's blog-archiv findet man noch mein bild von offenen 61er -> https://www.sequencer.de/blog/index.php?s=rauschwerk
    (..weiter unten)
     
  21. Jörg

    Jörg |

  22. Horn

    Horn |

    Okay, das zeigt einmal mehr, dass der Poly 61 damals besser klang als die meisten aktuellen Synths mit 61 Tasten heute. Ist ziemlich traurig, oder? Oh Mann, der Poly 61 war nur eine preiswerte Alternative zu den damals ebenfalls verfügbaren analogen (und digitalen) Schlachtschiffen!
     

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