Feinstrom
*****
Genau das.oder subjektives Empfinden...
Es gibt derzeit gefühlt (vielleicht sogar real) mehr hochwertige polyphone Analogsynthesizer als zu irgendeinem anderen Zeitpunkt seit deren Erfindung. Und die gibt es in allen Preiskategorieren von ein paar hundert bis zu vielen tausend Euro - und die alten Klassiker gibt es ja auch noch, was aber wieder eine andere Baustelle ist.
Wir können wohl davon ausgehen, dass jedes einzelne dieser Instrumente sehr gezielt und mit allen Kräften in Richtung "Klangqualität versus Herstellungskosten" optimiert worden ist. Und danach kann es nur noch darum gehen, dass Instrument und Käufer zusammenfinden, wobei erstens das Budget und zweitens die völlig subjektiven klanglichen/haptischen/ästhetischen Vorstellungen des Käufers mit denen des Herstellers (der ja im Idealfall auch einen sehr persönlichen klanglichen Geschmack hat, den er versucht, umzusetzen) im Einklang stehen müssen. An einen (für Analogpolys) mittelpreisigen (was immer noch viel Geld ist - nicht falsch verstehen!) den Anspruch des klanglichen Nonplusultras zu stellen, kann zwangsläufig nur zu Unzufriedenheit führen. Und diese Unzufriedenheit dann mit "Chinesen" oder "keine Mühe gegeben" auf den Hersteller zu projizieren, führt meiner Meinung nach in die falsche Richtung.
Der Muse hat ganz andere Qualitäten und eine sehr unterschiedliche Klangästhetik im Vergleich mit dem viel teureren One aus gleichem Hause. Raunchy versus vornehm, aggressiv versus majestätisch, Vielfalt gegen Style, so könnte man es grob vereinfachend zusammenfassen. Ganz ähnlich, wie übrigens der Vergleich Messenger mit Minimoog ausfallen würde - es sind einfach sehr unterschiedliche Instrumente, und ganz offenbar ist jener edle Schmelz, jene letzte analoge Power nur mit viel Aufwand bereitzustellen, der sich dann letztlich im Preis niederschlägt. Frecher Rotz scheint günstiger herzustellen sein, was ich aber nur anhand der Preise annehmen kann - wohl dem, der das mag!
Wir können alle nicht viel mehr tun, als mit der Kohle, die uns zur Verfügung steht, den für uns am besten passenden Synthesizer zu kaufen, zu lernen, mit ihm umzugehen und die beste uns mögliche Musik damit zu machen. Wer mehr will, muss den Kontakt zu den Herstellern suchen und sie dazu bewegen, die eigenen Ideen/Vorstellungen umzusetzen (und "Gebt euch mehr Mühe!" wird da nicht zielführend sein).
Übrigens habe ich in diesem Post ganz bewusst nicht gegendert, und zwar weil ich die paar Frauen, die ich als Elektronikmusikerinnen kenne und schätze, noch nie an irgendwelchen Synthesizern herumzukritteln gehört habe; das scheint eine eher männliche Gewohnheit zu sein.
Schöne Grüße
Bert (in puncto günstige Edelness im Team GS Music)