tholan testet seine Billig USB-MIDI Kabel u. ne PCI-Karte

tholan
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Hallo,
für die, die MIDI interessiert:
Ich habe hier jetzt ne Menge gelesen über Probleme mit MIDI.
Da ich, wenns um die MIDI-Schnittstelle geht eigentlich nur Billigschrott kaufe,
dachte ich mir, ich nehme das mal zum Anlaß, diese Teile mal zu testen.
Eigentlich habe ich mit meinem Cubase und den diversen Editoren keine Probleme
aber mal gucken, was passiert, wenn ich die Schnittstellen ein bischen stresse.
Da wären dann:

Eine billige PCI Soundkarte mit der alten Gameport-MIDI Schnittstelle,
plus Anschlußbox. Der Chip (CM8738) stammt von CMI und die ganze Karte hat
mal was um 12,- Euro gekostet. Die MIDI-Anschlußbox habe ich mir selbst nach Spezifikation gebaut
mit 1x In und folgendem Optokoppler und 4x parallel out über 74ls05 als Impedanzwandlung.

Ein "Justin" 1x rein, 1x raus, 2M USB-MIDI Kabel von "Justmusic" für 18,-
"lsusb" unter Linux erkennt den Chip als: "Textech International Ltd. MIDI Interface cable"

Zwei Logilink USB-MIDI Kabel, Ausführung wie Vorgenanntes, die für ganze 6,- Euro
pro Stück über Amazon beschafft worden sind.

Auf der einen Seite steht der Atari-ST, im dem ich folgendes Progrämmchen
unter GFA-Basic abschieße:
Code:
DO
	OUT 3, &HF0
	FOR n=0 to 127
		OUT 3,n
	NEXT n
	OUT 3, &HF7
LOOP
"Out 3" bedeutet: Schiebe das folgende Byte über die MIDI-Schnittstelle raus,
"&H" ist das Suffix für Sedezimal, der Rest erklärt sich von selbst.

Auf der anderen Seite steht ein Dell GX620 mit den angegebenen MIDI-Schnittstellen
und nem gestarteten MidiOX als Monitor unter Windows XP.

Nicht eine der Schnittstellen ließ sich so jedenfalls aus dem Tritt bringen.
Ich habe das Programm oben jeweils einige Minuten über jede
der o.g. Eingangsschnittstellen des PC gejagt.
Ich haben dann sogar noch völlig Sinnlose Strings losgejagt.
Das zeigte mir unter MidiOX zwar sonstwas für einen
Quatsch an, da das ja als anständiger Monitor die einfliegenden Daten interpretieren muß,
aber selbst damit ließ sich keins der Kabel, bzw. die Soundkarte aus dem Tritt
oder gar das Programm zum Absturz bringen.

Und nu umgekehrt, vom PC in den Atari:
Das ist das Monitorprogramm unter GFA-Basic:
Code:
DO
	WHILE INKEY$=""                     '...damit ich den Bildschirm zwischendurch loeschen kann
		PRINT HEX$(INP(3));" ";    '...bedeutet: Zeige hexadezimal was über MIDI reinkommt und mach dahinter ein Leerzeichen.
	WEND				
	CLS
LOOP
Wenn ich folgenden String über das Sysex-Eingabefenster von MidiOX
abschieße, kommen über alle Ausgängen am Atari genau die Byte an, die ich
losgeschickt habe:
Code:
f0
00 01 02 03 04 05 06 07
08 09 0a 0b 0c 0d 0e 0f
10 11 12 13 14 15 16 17
18 19 1a 1b 1c 1d 1e 1f
20 21 22 23 24 25 26 27
28 29 2a 2b 2c 2d 2e 2f
30 31 32 33 34 35 
f7
Lasse ich aber das "f0" für "SYSEX start" am Anfang weg,
wird mir über die USB-Kabel am Anfang des Strings
eine "0" dazugemogelt, die MidiOx nicht sendet, jedenfalls zeigt MidiOX diese Null nicht im Ausgabefenster.
Das passiert bei der PCI-Karte als MIDI- Ausgabeschnittstelle nicht.

Auch bei diesem sinnlosen String:
"f1 f2 f3 f4 f5 f6 f7 f8 f9 fa fb fc fd fe ff" (Das sind alles Statusbyte, da sie von dem MSBit "1" angeführt werden)
geht bei der PCI-Karte kein Byte verloren oder wird verbogen.

Der USB-Stöpsel von "Justin" verschluckt dabei f3,f4,f8,fa,fc und fe,
obwohl MidiOX im Ausgabefenster behauptet, die Byte gesendet zu haben.
Bei den Logilinkkabeln kommt das hier:
"f1 f2 f5 f6 f7 f9 f8" ...am Atari an.
"f3 02" habe ich dann nochmal als sinnvolles Pärchen gesendet, da "f3" eigentlich Status "Liedwahl" bedeutet und noch ein Datum folgen muß.
Das taten die USB-Kabel dann auch brav.
Lustig wirds auch mit "f8". Das ist eigentlich die MIDI-Clock.
USB scheint es nicht zuzulassen, daß ich 20 mal f8 ohne Lücke zwischen den Bytes hintereinander rausballere.
Wahrscheinlich möchte es selbst die Zeit mitstoppen. Das sehe ich dann schon problematisch an USB,
da das Timing doch wohl eigentlich Aufgabe des Programmes sein sollte.
Die PCI-Karte dagegen macht, was man von ihr möchte und knallt alle Byte ohne
Rücksicht hintereinander raus.

Aber gut, was heißt das nun?
Erst mal, daß die Daten über USB offensichtlich nochmals
entweder über den Treiber oder über die Konverter-Chips in den Kabeln
zusätzlich interpretiert werden.
Bei der Billig-PCI-Karte scheint das nicht der Fall zu sein.
Insofern wäre das wohl immer die 1. Wahl für SYSEX und Timecode, da ich davon ausgehe,
daß die Programme selbst wissen müssen, was sie wann senden
und der einfachere Weg für einen zeitkrittischen Datenstring immer der bessere ist.

Jedenfalls waren meinen Bemühungen, die Chips in den USB-Kabeln durcheinander zu bringen nicht erfolgreich.
Sobalt nach unsinnigem Zeugs wieder sinnvolle Datenstrings kommen, kriegen sich die Dinger offensichtlich wieder ein
und das ist ja auch schon was.
Was mir nur noch Bedenken macht ist, das über USB noch ne ganze Menge redundantes Softwaregerödel dazukommt,
um -im Grunde- was sehr Simples zu machen.
Der Preis für die Funktion: 1x MIDI rein - 1x MIDI raus over USB scheint nicht
im Zusammenhang mit der Qualität der Übertragung zu stehen.
Wenns läuft, dann läufts halt, egal ob son Kabel 6 oder 20 Euro kostet.
Und über mehr Euronen für diese Kabel rede ich garnicht, ich würde mir auch nen Hammer nicht vergolden lassen,
wenn mir wer erzählt, ich könnte damit nen Nagel besser in die Wand schlagen.
:)
 
Lothar Lammfromm
Lothar Lammfromm
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Re: tholan testet seine Billig USB-MIDI Kabel u. ne PCI-Kart

Schon lustig, dass dann die USB-MIDI-Kabel von Logilink gewissermaßen das Nonericplusultra sind. Billig, aber sie sind unaufhaltsam.
Ich nehme an, du meinst diese Teile hier:
http://www.amazon.de/gp/offer-listing/B ... dition=new

Es gibt allerdings auch Kritik an den Teilen, ich hol das mal aus den Amazon-kommentaren hier hoch:

Nachdem mein Fatar Studio 900 mit dem Adapter nicht zusammen arbeiten wollte, habe ich mit Midiox herausgefunden, daß die Datenbytes, welche vom Adapter empfangen wurden, nicht korrekt waren. Anscheinend enthielten die Bytes zu viele "Highbits". Nach dem Umstöpseln in den Midi-Through eines Yamaha-Expanders stimmten die empfangenen Bytes. Ebenfalls funzte der Adapter an einem weiteren E-Piano. Weitere Recherche zeigte, daß das Internet voll mit Usern in den Audio-Foren ist, welche mit dem ein oder anderen Midi-Gerät von namenhaften Herstellern ebenfalls Probleme haben. Also scheint etwas mit der Beschaltung des Adapters nicht zu stimmen. Darauf hin habe ich ihn heute abend geöffnet und siehe da:

Die Chinesen haben an den Bauteilen gespart und im Midi-In keinen Optokoppler und Freilaufdiode bestückt. Statt dessen muß der Ausgangstreiber auf Pin 5 des Midi-Out am Sendegerät den Rx-Pin am µC im Adapter über einen 1k gegen die 5V aus dem USB-Stecker runterziehen. Sollte die Stufe im Gerät diese 5mA nicht treiben können, so stimmen die Bits am UART-Eingang des Controllers nicht.

Diese Schaltung entspricht nicht dem phsical Layer des Midistandards. Dieser sieht vor, daß der Sender vom Empfänger komplett galvanisch getrennt ist und über seine Midi-Out-Buchse die Photodiode eines Optokopplers im Empfänger treibt!!

Jetzt kommt aber die gute Meldung:
Die Pads für Optokoppler und Diode sind vorhanden und der Optokoppler kostet 0,27-0,32€. Also werde ich den Adapter die Tage mal umrüsten.

Update 06.02.2013:
Umrüstaktion heute durchgeführt:
R11 -> 0 Ohm -> entfernt
R3 -> 1 kOhm -> 680 Ohm
D1 -> BAS21 hinzu
R5 -> 220 Ohm -> hinzu
U1 -> LTV817B -> hinzu.
 
tholan
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Re: tholan testet seine Billig USB-MIDI Kabel u. ne PCI-Kart

Dieser sieht vor, daß der Sender vom Empfänger komplett galvanisch getrennt ist
und über seine Midi-Out-Buchse die Photodiode eines Optokopplers im Empfänger treibt!!
Davon sollte man ausgehen. Ohne den Optokoppler ist das keine richtige MIDI-Schnittstelle.
Sowas könnte grausliche Brummschleifen machen.
Ich hab das Logilink gleich mal aufgemacht :) .
Da ist glücklicherweise einer drin. Allerdings nur ein einfacher 4-Pin mit der Aufschrift:

R
2701
L201

Freilaufdiode davor ist auch da, sieht aus wie ne 1N4148 und der 220R Widerstand läßt sich auch erkennen.

Auf dem Prozessor steht übrigens: MFM0860, wo ich gerade dabei war. :)
 
tholan
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Re: tholan testet seine Billig USB-MIDI Kabel u. ne PCI-Kart

Also:
Ich finde nirgendwo einen Hinweis darauf, daß in den Logilink USB-MIDI Kabeladaptern mal der Optokoppler gefehlt haben sollte.
Die, die behaupten, mit dem Kabel sei etwas nicht in Ordnung sind vorwiegend Anfänger,
die garnicht begreifen, wozu das, was sie da gekauft haben überhaupt gut ist, bzw. was MIDI bedeutet.
Oder Leute, die Ihren Synth nicht auf "LOCAL OFF" gestellt haben und in ihrem Sequencer damit ne MIDI-Schleife verursachen.
 
Lothar Lammfromm
Lothar Lammfromm
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Re: tholan testet seine Billig USB-MIDI Kabel u. ne PCI-Kart

tholan schrieb:
Also: Ich finde nirgendwo einen Hinweis darauf, daß in den Logilink USB-MIDI Kabeladaptern mal der Optokoppler gefehlt haben sollte.
Gut möglich, dass es unterschiedliche Versionen eines Logilink-USB-MIDI-Kabeladapters gibt.

Ich hatte oben einen Link angegeben, den Text findet man dann durch Anclicken auf "Rezensionen". Oder noch etwas direkter: *hier*

Ob derjenige, der den fehlenden Optokoppler moniert hatte, ein Volldepp ist, wie du nahe legst, vermag ich nicht zu beurteilen. Vielleicht hat er tatsächlich etwas übersehen. Oder, es war halt eine andere Variante des Produktes. Möglicherweise liest der chinesische Hersteller bei Amazon mit - und hat sein Produkt in der Zwischenzeit verbessert.

ich weiß es nicht.
 
tholan
tholan
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Re: tholan testet seine Billig USB-MIDI Kabel u. ne PCI-Kart

Ob derjenige, der den fehlenden Optokoppler moniert hatte, ein Volldepp ist, wie du nahe legst
Lege ich mitnichten nah. Was der schreibt, klingt schon recht qualifiziert und ich glaube, der erkennt schon nen Optokoppler.
Mit genau dem Pfusch, den der da genauestens beschreibt, habe ich auch schonmal an meinen Atmels experimentiert,
aber wirklich nur, bis die bestellten "6N138" ankamen :) .
Mit der beschriebenen Pfuschmethode kriegt man durch einzelne MIDI-Sender die 5V nicht auf exakt 0 runtergezogen
oder halt soweit, daß ein Bit zuverlässig an der MCU erkannt wird, da hat er schon recht.
Zudem sagt er, die Lötpads für Koppler, Diode und Vorwiderstand wären unbestückt vorhanden gewesen.
Muß man halt alles glauben, da ich ansonsten beim googeln unter hunderten Stellungnahmen mehr Aussagen,
die sich eben auf dieses Produkt der FA Logilink bezogen gefunden habe, die eher davon zeugten,
daß die Leute prinzipiell nicht damit umgehen konnten.
Mit nem teureren USB-MIDI Konverter wird die Latenz des Windows-Wavetables auch nicht geringer -z.B.
Auf diese Googel Ergebnisse hab ich mich halt bezogen und "Volldeppen" hab ich auch nicht gesagt.
Jeder fängt mal an.

Oder, es war halt eine andere Variante des Produktes. Möglicherweise liest der chinesische Hersteller bei Amazon mit
- und hat sein Produkt in der Zwischenzeit verbessert.

ich weiß es nicht..
...na ick doch ooch nich.
;-)
 
 


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