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Warum wird immer alles an den Punkt getrieben, an dem es too much wird?

  • #61
Ich finde es gut, dass es mehr gibt als ich brauche.
Aktuell finde ich Apæron Afour und Polyend drums sehr verlockend und den einen Performance Mixer....
 
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  • #63
Hallo zusammen,

selbstverständlich begrüße ich es sehr, dass nach dem "Loch in den 90ern" immer mehr Hersteller Instrumente bauen und sich auch Gedanken zu neuen Konzepten machen. Dennoch kann ich die Befürchtung nicht ablegen, dass es bei Synthesizern und Musikgear ähnlich verläuft, wie mit allem anderen, dass kapitalwirtschaftlichen Regeln unterliegt. Irgendwann wird ein Sättigungspunkt erreicht und Beliebigkeit macht sich breit.

Die schmerzlichste Erfahrung war hier, dass mit Aufkommen digitaler Musikplattformen Tonträger völlig an Bedeutung verloren und damit auch eine ganze Kultur unterging. Der Musikmarkt wird seither monatlich ungehemmt von Tausenden Releases geschwemmt. Letztlich geht es gar nicht mehr um die Musik, sondern darum wer die beste Werbung macht. Kommerziell gesehen haben wir einen Peak erreicht, bei dem das Wesen der Musik als Kunstform völlig in die Tonne gewandert ist. Musik ist ein Produkt und es geht einzig darum es zu verkaufen.

Eine ähnliche Entwicklung sehe ich aber auch bei Musikgear und das macht mir irgendwo Angst. Vor allem im Plugin-Bereich ist diese massive Redundanz längst da. Man muss schon sehr überzeugt sein heute noch ein Plugin entwickeln zu wollen. Es gibt irgendwie alles und das in jeder Colour. Aber auch im Hardwarebereich beobachte ich eine Entwicklung, bei der immer wieder Geräte auf den Markt kommen, die nichts neu erfinden, sondern einfach nur da sind, um ein Stück vom Kuchen abzufrühstücken. Auswahl ist schön. Aber wenn alles irgendwann nur noch in Beliebigkeit verschwindet, wäre das schade. Irgendwann tritt eine Sättigung ein und bei mir ist das längst passiert. Es gibt einfach Dinge, von denen ich satt bin.

Wie seht Ihr das?
Stört es Euch nicht?
Was könnten die Gründe sein?
Du siehst das ziemlich einseitig.
Tonträger haben immer noch Bedeutung, aber vor allem hat Musik immer noch viel Bedeutung. Welche Kultur ging da unter? Musik wird heute wesentlich mehr gehört als früher. Die Halbwertszeit der Stücke ist aber im Durchschnitt gesunken. Dafür haben wir heute Phänomene, wie das alte Musik wieder in den Charts landen kann. Sowas gab es früher kaum und das finde ich zum Beispiel sehr gut.
Früher ging es nur um Werbung. Die größten Künstler waren schon immer diejenigen, die extrem viel Kohle im Rücken hatten. Nischen gibt es heute genauso.
Heute ist es für Künstler schwer Legenden zu werden oder ein Genre zu prägen, weil sofort alles abgeglichen wird, die Konkurrenz riesig ist und die Hörgewohnheiten fragmentiert sind.
Es gibt immer weniger Künstler auf die wir alle zeigen können, die verbinden. Gibt es noch, aber das ist alles abgeschwächt.
In dem Sinne kann man argumentieren, dass eine gemeinsame Musikkultur verloren geht.
Konzerne werden immer versuchen den Markt zu dominieren und nutzen was sie können. Durch die oben genannten Faktoren, habe ich heute aber eher das Gefühl, dass es auch ihnen schwerer fällt, die Aufmerksamkeit zu kontrollieren.

Das mit den Synthesizern ist mir auch aufgefallen. Das ist Kapitalismus.
Aber: "Auswahl ist schön. Aber wenn alles irgendwann nur noch in Beliebigkeit verschwindet, wäre das schade. Irgendwann tritt eine Sättigung ein und bei mir ist das längst passiert. Es gibt einfach Dinge, von denen ich satt bin."
Ist doch gut für dich.
Der Unterschied im Vergleich zu Musik ist, dass es im Hardwarebereich Personen gibt, die uns immer wieder das Selbe und das Gleiche zeigen. Und das wird angenommen. Das gibt es in der Musik so nicht. Wenn du dort Influencer hast, zeigen die alle unterschiedliche Künstler und Werke. Playlisten konkurrieren miteinander.
In unserem Bereich sind die sehr akzeptiert und zeigen alle dieselben Instumente auf sehr ähnliche Art und Weise. Das ist der entscheidende Unterschied,
Konzerne können machen was sie wollen, aber am Ende müssen die Leute es auch kaufen und annehmen. Und das tun sie in sehr großer Zahl. Deswegen läuft es auch, wie es läuft.
Die Leute finden das im Allgemeinen gut, was du hier kritisierst.
Das hat neben der großen Auswahl und günstigeren Preisen, eben auch negative Konsequenzen.
 
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M.i.a.u.: Rolo, Scenturio, MartYATARI und eine weitere Person
  • #64
Ich finde daß jeder das Recht hat Musik zu machen und jeder das Recht hat ein Plug in oder einen Hardwarkasten zu bauen egal
ob es schon 1000 andere gibt. Ich finde die Auswahl spitze und ich habe kein Problem daß es das alles gibt. Ich habe eher ein Problem daß
zu wenig über tun und machen geredet und gezeigt wird (schau mal wenn du das da übersteuerst passiert dies und das und wenn du es mit dem da Layerst kommt noch diese Magie oben drauf). Aber teilweise will man seine Tricks auch nicht verraten.
Ich finde es genial daß jeder Heinz ,und nicht nur eine kleine Schar von bessersituirten heute in der Lage sind sich mit Synthesizertechnik auszudrücken und
das aufnehmen zu können und allein mit einem Computer das professionell tun können.
Und was die Butter betrifft... erstens sind es nicht 15 Sorten sondern vieleicht 7 und 2. ist mir die Auswahl lieber als wenn ich 2 Wochen warten müsste bis es
wieder mal Butter gibt. Und was die Vielfalt betrifft im Kapitalistmus...Im Sozialismus ,sprich DDR gab es einen einzigen Spielautomaten der
7 Spiele inne hatte ( Ski, Hirsche abknallen, ein Möchtegernpacman, ein Raumschiff das schießen konnte ..etc). Dieser Automat hat sich in den nächsten Jahren dann nicht mehr weiterentwickelt bzw. es gab keine anderen mehr während im bösen Westen in den Arcaden hunderte ,bunte ,verschiedene und immer bessere werdende TV Game Automaten am start waren. Das einzige was ich assozial fand war daß ich damals noch zu jung war um Geld dafür zu haben und daß wir eine Einheit (DM) anstatt wie die in Amiland nur einen vierteldollar für ein Spiel bezahlen mussten.
 
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M.i.a.u.: Moogulator, MartYATARI und sllk
  • #65
Hardware inspiriert wie der Korg DW-8000 oder der Kawai SX-240.
also ich muß noch sagen daß mich Synthesizer und Drumcomputer und das ganz Geschmeiß schon lange nicht mehr inspirieren (außer
das was ich besitze). Ich guck mir das auf YT an wenns mal juckt und geh dann gleich weiter und vergess das. Man braucht nicht alles und inspirieren
lass ich mich von Feld und Wald und Bach und See und (Groß)Stadt und und Burg ich geh 👋😉
 
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M.i.a.u.: MartYATARI
  • #67
Wäre ja möglich, dass es da Zusammenhänge gibt 🤔
ausser halt mein eigenes Gear, das inspiriert mich immer.
ne ich mach das halt schon seit Jahrzehnten und bin gesättigt bzw. das was ich brauche habe ich im Kämmerlein. Klar gibt es einen
Impuls wenn da was neues erscheint aber natürlich ist das alles Wein in neuen Flaschen und wie ich schon sagte kann ich mit dem was ich habe noch
sauviel lernen und rauskitzeln. Mich lässt das kalt. Ich gehe auch nicht mehr auf Messen. Ich hab meine Farben und Pinsel und hab diese Probleme nicht.
Ich will kreativ sein und meine Energie nicht verschwenden mit Neuheiten. Ich bin auch kein Sammler sondern für mich sind das Werkzeuge.
Ich sag : schnitzen statt gespannt vorm (Neuheiten)Katalog zu schwitzen ;-) Sollen die Jüngeren machen. Bin ich zu alt für. Hab zudem wieder ein
neues Hobbi jezze seit nem halben Jahr 🤩 Da hab ich am Anfang auch bissi Kohle für gelassen für Litereatur und Werkzeug und jetzt ist direkt Schluss.
Jetzt wird nur noch gelernt und gebastelt. Ich werd aber `n Deifel tun und mich drüber aufregen daß es massig an Kram gibt den man kaufen kann und
massig Leute die damit Geld verdienen. Ist doch Super wenn es nicht nur ne Graue Maus im Kühlregal gibt oder wenn man aus 3 einer Schraube drei machen muß. So ich muß aber jetzt mal weiter. Hab genug gesabbelt und will wirklich meine Zeit nutzen bzw. soll sie nutzen. Man kommt nicht weiter wenn man sich
über Sinn und Unsinn unterhält aber klar...wenn man mal Zeit zum plaudern hat ist das o.k.🥸
 
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M.i.a.u.: MartYATARI und mooglich
  • #68
Gefühlt gab es in dern 90ern weniger Analog, dafür mehr VA und Rompler/Workstation. Die alten Analogsynths waren natürlich nicht aus der Welt, aber meistens nicht so komfortabel (mit Velocity, Aftertouch, Midi etc.) im Setup nutzbar wie die aktuellen.
Realistisch gabs so ab Mitte/Ende der 90er aber auch so Sachen wie Formant- und Additive Synthese, physical Modelling, Liquid Audio, digitale polyfone Modularsysteme.
 
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M.i.a.u.: MartYATARI, Scenturio und ModernerPurist
  • #69
Realistisch gabs so ab Mitte/Ende der 90er aber auch so Sachen wie Formant- und Additive Synthese, physical Modelling, Liquid Audio, digitale polyfone Modularsysteme.

..., die mich alle auch heute noch reizen würden, ohne sie zu kennen.
 
  • #70
Es gab noch nie eine bessere Zeit um elektronische Musik zumachen, für alle finanziellen Möglichkeiten gibt es mehr als genug Optionen, ist doch geil.
 
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M.i.a.u.: DSFgSgHdgrGD3, MartYATARI, j[b++] und 2 andere
  • #71
"[irgendetwas] ist ein Produkt und es geht einzig darum es zu verkaufen."

Im Prinzip stimme ich dir zu - das sind aus meiner Sicht alles Entwicklungen, die gesättigte Märkte heimsuchen: Der Druck wird stärker, Marktanteile zu klauen, auch ganz kleine Produkt-Lücken zu schließen, billiger zu werden, mehr zu kopieren, weniger Exotik zu wagen - und irgendwann kommen dann die Abo-Modelle, etc.

Du schreibst aber auch selbst im Eingangsposting, dass "immer mehr Hersteller Instrumente bauen und sich auch Gedanken zu neuen Konzepten machen".

Wenn sich in einem Bereich wirklich Beliebigkeit breit macht, können dann nicht gute Hersteller (und Musikanten) aus diesem stets grauer werdenden Brei leichter herauszustechen? Indem sie den oft dargestellten Zynismus ("Qualität setzt sich nicht durch", "es zählt nur das Marketing", "es zählen nur die Verkaufszahlen", "Menschen lieben Slop") nicht in den eigenen Kopf eindringen lassen?

"Wir sind die Nerds" (bitte jetzt alle unisono skandieren :D ) Für viele hier sind weder Musik noch Synthesizer beliebig und ich finde das sieht man gerade in unserer community überall, dass Qualität und Ideen wirklich gewürdigt werden. An einem Produkt, das zu uninspiriert ist, wird durchaus vorbei gegangen. Nicht in der Gesamtbevölkerung vielleicht, aber "uns Nerds" ist das doch eben weiterhin alles wichtig und ich sehe da auch keine Trendwende.

"Aus diesen drei Akkorden bestehen 95% der Pop-Songs" - von solchen Meldungen muss man sich nicht persönlich runterziehen lassen - und man sollte da auch gar nicht erst produktiv mitmachen, wenn man selbst das nicht gut findet bzw. sich die Welt selbst anders wünscht: Wenn's nicht da ist, und du es in der Welt sehen willst, dann baue das, dann ist das eben dein Call.

Zweites Argument: Kann auch ein uninspiriertes Gerät hervorragend sein in dem Sinne, dass es ein gut nutzbares Werkzeug für einen Anwendungsfall ist? Das wirft die Frage auf: Ist "Beliebigkeit" zwingend negativ? Oder anders gefragt: Wenn man Synth X mit Synth Y ersetzen kann ohne Geschmacksverlust - sagt das unbedingt etwas Schlechtes aus über X oder Y?
 
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M.i.a.u.: j[b++] und sllk
  • #72
Es gab noch nie eine bessere Zeit um elektronische Musik zumachen, für alle finanziellen Möglichkeiten gibt es mehr als genug Optionen, ist doch geil.

Doch klar. Die beste Zeit war wohl in den 90ern, um elektronische Musik zu machen.

Ich denke eher, dass Musik zu machen in der heutigen Zeit
ziemlich beschissen ist.

- Wenig bis keine Künstler, zu denen man aufsehen kann (Inspiration)
- Wenig bis gar kein Interesse der Menschen (Motivation)
- Keine mit der Musik verbundene Bewegung

usw usf.

Was nützt es mir die Hütte voller Synths zu haben, wenn
die Rahmenbedingungen nicht vorhanden, irrelevant oder scheisse sind?
 
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  • Hmm
M.i.a.u.: Rasenmähermann und sllk
  • #73
Ich habe eher ein Problem daß
zu wenig über tun und machen geredet und gezeigt wird

genau das zeigt nur, dass das überangebot dazu führt, dass die produkte von leuten gekauft werden, die sie eigentlich nicht brauchen.
das ist in vielerlei hinsicht erst mal überhaupt nichts gutes.
 
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M.i.a.u.: Audiohead
  • #74
genau das zeigt nur, dass das überangebot dazu führt, dass die produkte von leuten gekauft werden, die sie eigentlich nicht brauchen.
daran ist in vielerlei hinsicht erst mal überhaupt nichts gutes.
Erst mal nicht.
Aber dann fängt man an, nachzudenken, und dann fällt einem vielleicht auf, dass es ohne dieses Überangebot (das von den Leuten genährt wird, die Sachen kaufen, die sie teilweise gar nicht brauchen) gar nicht so viel schönes buntes Zeugs zu kaufen gäbe, aus denen wir mega-individualistischen Nerds uns unser ganz persönliches Setup aussuchen können.
Kapitalismus (und der ist nun mal das System, in dem wir leben - ob wir uns ihm nun hingeben oder verweigern) lebt eben genau von Leuten, die Sachen herstellen, und von Leuten, die diese Sachen (oder andere Sachen) dann kaufen. Wer nun genau was braucht, ist dem Kapitalismus egal.

Doch klar. Die beste Zeit war wohl in den 90ern, um elektronische Musik zu machen.
Warum? Glaub ich nicht (Erklärung unten).

Ich denke eher, dass Musik zu machen in der heutigen Zeit
ziemlich beschissen ist.
Warum? Glaub ich auch nicht (Erklärung unten).

- Wenig bis keine Künstler, zu denen man aufsehen kann (Inspiration)
Alle, die es schon in den 90ern gab (oder kann man zu Clara Rockmore, JMJ oder Jon Lord heutzutage nicht mehr aufschauen?), und noch Tausende mehr, die danach kamen.
Wer sich der Vielfalt verweigert, lernt halt nichts Neues mehr kennen.

- Wenig bis gar kein Interesse der Menschen (Motivation)
Es wird doch derzeit so viel Musik gehört wie nie zuvor, oder?
Klar, überwiegend belangloser Kram auf Spotiy, aber dazu gibt es ja Gegenentwürfe wie Bandcamp (das es in den 90ern übrigens noch nicht gab).

- Keine mit der Musik verbundene Bewegung
Gerade elektronische Musik findet doch so gut wie nur in den jeweiligen Bewegungen statt (EBM, Techno mit vielen Unterbewegungen, Industrial, Berliner-Schule, Noise und was weiß ich noch alles).
Oder meinst du eine globale Bewegung wie die Hippies oder Punk, die bestimmten Musikrichtungen erst auf die Sprünge helfen mussten?

Was nützt es mir die Hütte voller Synths zu haben, wenn
die Rahmenbedingungen nicht vorhanden, irrelevant oder scheisse sind?
Die erfüllte Rahmenbedingung "Hütte voller Synths" ist doch schon mal nicht schlecht, oder?
Aber Moment mal: Mit "Musik machen" meinst du vermutlich eher "Musik verkaufen", oder?
In dem Fall wärest du selbst ein Teil des Überangebots, und der Haken daran wäre eigentlich eher, dass es dir im Weg steht.
Und dagegen hilft: Besser sein als die anderen, oder zumindest auf interessante Art anders als die Masse.
Oder: Tatsächlich einfach nur Musik MACHEN...

Wenn sich in einem Bereich wirklich Beliebigkeit breit macht, können dann nicht gute Hersteller (und Musikanten) aus diesem stets grauer werdenden Brei leichter herauszustechen? Indem sie den oft dargestellten Zynismus ("Qualität setzt sich nicht durch", "es zählt nur das Marketing", "es zählen nur die Verkaufszahlen", "Menschen lieben Slop") nicht in den eigenen Kopf eindringen lassen?
Genau das passiert ja auch (sagte der kleine Bert mit glänzenden Augen und vor Aufregung zitternder Stimme).
Aber wie erfolgreich sind denn visionäre Instrumente wie Melancholytron, Uranograph oder Relic? Mad Sound Factory? Error Instruments? Die einzige echte Ausnahme ist doch Vlad Kreimer mit SOMA, und vielleicht noch die liebenswert durchgeknallten Gamechanger...

"Aus diesen drei Akkorden bestehen 95% der Pop-Songs"
"Drei Akkorde? KENN ich noch nicht mal!
Ich mach Drones, mir reicht ein TON (und zwar das tiefe C, weil das der Default an meinem Sequencer ist)!"

Zweites Argument: Kann auch ein uninspiriertes Gerät hervorragend sein in dem Sinne, dass es ein gut nutzbares Werkzeug für einen Anwendungsfall ist? Das wirft die Frage auf: Ist "Beliebigkeit" zwingend negativ? Oder anders gefragt: Wenn man Synth X mit Synth Y ersetzen kann ohne Geschmacksverlust - sagt das unbedingt etwas Schlechtes aus über X oder Y?
Alles richtige Überlegungen, und die Antwort ist vermutlich, dass jeden von uns etwas anderes inspiriert.
Einen M, VCS3 oder DX7 könntest du mir persönlich vor den Bauch binden, aber ich arbeite mich seit 16 Jahren oder länger an Electroplankton ab. So ticke aber ja bloß ich (in einer Pokemon-Welt sammle ich Liebigbilder, ist halt so); der Nächste mag vielleicht lieber eine Workstation, eine Groovebox, einen Laptop oder ein Rhodes.
Das alles kann sich jede:r selbst aussuchen, und zwar aus dem bösen unüberschaubaren uninspirierten Wust von Zeugs. Willkommen im Eingangspost.

Schöne Grüße
Bert
 
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M.i.a.u.: Archivicious, Audiohead, MartYATARI und 3 andere
  • #75
Doch klar. Die beste Zeit war wohl in den 90ern, um elektronische Musik zu machen.

Ich denke eher, dass Musik zu machen in der heutigen Zeit
ziemlich beschissen ist.

- Wenig bis keine Künstler, zu denen man aufsehen kann (Inspiration)
- Wenig bis gar kein Interesse der Menschen (Motivation)
- Keine mit der Musik verbundene Bewegung

usw usf.

Was nützt es mir die Hütte voller Synths zu haben, wenn
die Rahmenbedingungen nicht vorhanden, irrelevant oder scheisse sind?
Du bist nur alt! Ich bin auch in den 90ern musikalisch sozialisiert worden und trotzdem der Meinung, dass es sehr gute aktuelle Künstler gibt, zu denen man aufsehen könnte, wenn man das möchte.
 
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  • wunderbar
M.i.a.u.: elbonzoseco, schmudo, Synthesilent und 2 andere
  • #77
Erst mal nicht.
Aber dann fängt man an, nachzudenken, und dann fällt einem vielleicht auf, dass es ohne dieses Überangebot (das von den Leuten genährt wird, die Sachen kaufen, die sie teilweise gar nicht brauchen) gar nicht so viel schönes buntes Zeugs zu kaufen gäbe, aus denen wir mega-individualistischen Nerds uns unser ganz persönliches Setup aussuchen können.

auch das wäre es mE nicht wert.

quantifizierung macht produkte zwar billiger (und damit auch für die, "die sie brauchen"), aber es bleibt die ausbeutung von menschen, es bleibt die sinnlose umweltverschmutzung, es beibt, dass die, die es kaufen obwohl "sie es nicht brauchen" dann weniger geld für andere dinge haben, die sie (oder dritte) eher bräuchten.

und die quantifizierung führt ja auch unter den bedingungen der profitgetriebenen wirtschaft nicht automatisch auch zu höherer qualität, sondern eher zu immer mehr produkten, die nicht das sind, was sie vorgeben zu sein oder nach ein paar jahren auseinanderfallen.

synthesizer folgen da so ziemlich dem demonstrativen beispiel des PKW:
dieses podukt hatte auch in den neunzigern seine höchste lebensdauer erreicht, danach wurde die lebensdauer langsam wieder kürzer. sie rosten zwar nicht mehr nach 10 jahren durch, aber dafür geht jetzt die bremse nicht mehr wenn der computer ausfällt und den kann man in 10 jahren nicht mehr wirtschaftlich ersetzen.

ich argumentiere überhaupt nicht gegen die warenvielfalt und der damit einhergehenden möglichkeit sich aus vielen optionen eine aussuchen zu können. ich bezweifle nur, dass die heute 17 jährigen übehaupt überblicken können, was sie da kaufen wenn sie sich einen digidings und einen rappelbox kaufen um superproduzent des jahres zu werden - oder in der hoffung, dass die teile 30 jahre lang halten.

und es gibt offenkundig auch viele menschen, die mit dem überangebot auch überfordert sind.
 
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M.i.a.u.: sllk
  • #78
ich wäre in den 90ern mit dem Angebot an Synths super zufrieden gewesen (Virus, JP8000, Supernova, Raven, Microwave/Q, K5000S, ProTone, MCP ...), unterstützt von diversen Vintagesynths. Und Logic/Cubase mit Audiospuren gab es auch schon. Allein: mir hat damals das Geld gefehlt. :mrgreen:

Von daher ist heute die Auwahl zum "Musik machen" natürlich größer (zum einen durch das fortschrittliche Lebensalter und das entspr. höhere Einkommen, zum anderen durch relativ preisgünstige Geräte, auch im Analogbereich (hallo, Uli). Dazu kommt eine endlose Menge an günstigen oder kostenlosen Plugins ...

Gehört zu werden, oder die Chance auf ein Auskommen als Musiker ist natürlich etwas anderes. Aber ich bin zufrieden damit, mein Zeugs auf Soundcloud und hier abzuladen - damals gab es im Wesentlichen auch nur die Möglichkeiten, MCs oder CDs im Bekanntenkreis zu verteilen, oder selbige an irgendwelche Plattenfirmen zu schicken.
 
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M.i.a.u.: oli und sllk
  • #79
Ich freue mich über diese Frage, die theoretisch sehr intelligente Antworten hervorbringen kann. Gleichzeitig frage ich mich jedoch, in welche (fachlichen) Richtungen die Antworten gehen sollen. Mir würde dazu sehr viel einfallen, aber ich vermute, dass eine potenziell kluge Antwort einigen nur wenig gefallen würde.

Vorerst antworte ich mit einer simplen Analogie: Wann wird im Verkehr auf einer Schnellstraße oder Autobahn die meiste Energie in kürzester Zeit verschwendet? Und welche Schlussfolgerungen könnte man daraus ziehen?
 
  • #81
Alle, die es schon in den 90ern gab (oder kann man zu Clara Rockmore, JMJ oder Jon Lord heutzutage nicht mehr aufschauen?), und noch Tausende mehr, die danach kamen.
Wer sich der Vielfalt verweigert, lernt halt nichts Neues mehr kennen.

"Warum gibt es heute keine gute Rockmusik mehr?"

"Wieso? Hör doch einfach Pink Floyd"

Wir sollten nicht annehmen, dass irgendwas von gestern noch heute Relevanz hätte.
Auch nicht, dass man von drei alten Herren an modularen Synths eine Bewegung ausmachen
und nur weil Wacken jedes Jahr ausverkauft wäre, gibt es noch lange keine große Metal Bewegung.

Überhaupt... Trotz sehr populärer Musik gibt es heute gar keine Bewegung, die irgendwie mit der Hippie-Bewegung
oder dem Techno der 90er vergleichbar wäre.
 
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M.i.a.u.: MartYATARI
  • #82
Welchen Reis muss man nun kaufen?
 
  • HaHa
  • Gute Idee
M.i.a.u.: VEB Synthesewerk, MartYATARI und sllk
  • #84
"Warum gibt es heute keine gute Rockmusik mehr?"

"Wieso? Hör doch einfach Pink Floyd"
Genau das habe ich NICHT geschrieben.

Wir sollten nicht annehmen, dass irgendwas von gestern noch heute Relevanz hätte.
Doch, das sollten wir. Ganz dringend. Alles andere wäre anmaßend.

Überhaupt... Trotz sehr populärer Musik gibt es heute gar keine Bewegung, die irgendwie mit der Hippie-Bewegung
oder dem Techno der 90er vergleichbar wäre.
Wofür genau brauchst du denn beim Musikmachen eine Bewegung?

Schöne Grüße
Bert
 
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M.i.a.u.: MartYATARI, Archivicious, Kavenzmann und eine weitere Person
  • #85
Ich für meinen Teil brauche keine Massenbewegung, um zu wissen, was mir gefällt und was ich machen möchte.
 
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M.i.a.u.: Archivicious, Kavenzmann, Audiohead und eine weitere Person
  • #86
Und wenn es dich bewegt, bewegt es vielleicht auch andere.
 
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M.i.a.u.: MartYATARI, Audiohead, Synthesilent und eine weitere Person
  • #87
Genau das habe ich NICHT geschrieben.

Stimmt, Pink Floyd wäre noch zu jung, im Vergleich zu deinen Beispielen.

Doch, das sollten wir. Ganz dringend. Alles andere wäre anmaßend.

Sehe ich ganz genau so. Leider interessiert das weder dem Markt noch der Jugend.

Wofür genau brauchst du denn beim Musikmachen eine Bewegung?

"Ich" brauch gar keine Bewegung. Wenn ich Musik machen möchte, die mir gefällt, spiele ich Klavier, Gitarre oder Bass.

Du bist nur alt! Ich bin auch in den 90ern musikalisch sozialisiert worden und trotzdem der Meinung, dass es sehr gute aktuelle Künstler gibt, zu denen man aufsehen könnte, wenn man das möchte.

Also ich bin nicht sozialisiert. Wenn es danach ginge, würde ich andere Musik hören. Mir geht es eher um gut gemachte Musik, sowohl technisch, wie musikalisch
und da wird die Luft langsam dünn und das zieht sich durch sämtliche Musikrichtungen und reduziert sich nicht nur auf elektronische Musik.

gibt genug "Referenzen", zumeist älterer Musik, bei denen Vision, Fantasie, Groove, das Spiel der Elemente besser umgesetzt wurden,
als bei moderner Musik. Selbst moderne Klassik leidet darunter. Geniale Musiker, die zwar ihr Handwerk beherrschen, aber nicht die Musik als solche.

Heute ist eher Level Steve Vai oder moderner Metal Gitarrist absolut tight und komplex, früher war mehr Hendrix, Gilmoure, Clapton, BB King mit mehr Liebe zum Ton.

Bedeutet aber nicht, dass es gar nichts gäbe. Halt nur sehr, sehr wenig, das man meist dann auch schnell überhört hat, weil es nichts Neus zu entdecken gibt.

Bei Platten, die ich schon lange kenne, ist das etwas anders.
 
  • #88
ich wäre in den 90ern mit dem Angebot an Synths super zufrieden gewesen

Ich auch…und ebenso ist es nur an den Finanzen gescheitert - wie wohl bei den Meisten.

Selbst wenn es noch für Diesen oder Jenen gereicht hätte, musste ja parallel viel anderes Zeug angeschafft werden um überhaupt irgendwie sinnvoll Musik machen zu können.
 
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M.i.a.u.: Audiohead, sllk und Scenturio
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