Ich kann den Kulturpessimismus mancher hier nicht teilen. Musik bewegt die Menschen schon seit tausenden von Jahren und vermutlich wird das auch so bleiben. Dabei war Musik bis vor relativ kurzer Zeit etwas, das durch Aufführung und Erleben geprägt war. Erst seit man Musik konservieren konnte, hat sich dann eine Industrie drumherum entwickelt, die dann natürlich versucht den Entstehung und Produktionsprozess immer mehr zu automatisieren und billiger zu machen, was dann natürlich auch oft mit billiger Musik als Output endet. Mit AI hat findet die Automatisierung der Kreativität und Erstellung von Musik nun ihren Endzustand, mehr geht dann nicht mehr.
Ich würde nicht sagen, dass AI prinzipbedingt schlechtere Musik macht. Im Gegenteil. Irgendwann wird AI rein formal betrachtet großartigere Sachen schaffen können, als ein einziger Mensch es vermag. Kein Mensch schafft etwas im luftleeren Raum, sondern setzt auch nur Erfahrungen neu zusammen, die er irgendwann gemacht hat. EIn AI-Algorithmus ist genau ein Algorithmus, wie das menschliche Gehirn letztendlich auch, mit dem Unterschied, dass er Zugriff auf alle jemals konservierte Musik hat. Schon die Wissensbasis einer AI ist also viel größer als sie bei einem Mensch jemals sein könnte.
Es ist aber auch so, dass die menschliche Psyche so funktioniert, dass sie das wertschätzt, was selten oder aufwendig oder irgendwie besonders ist. Wenn Musik auf Knopfdruck generierbar ist, dann hat die Schaffung eines Werks nicht mehr den Wert, wie es bisher war.
Und Musik ist auch mehr, als nur Schall oder die formale Aneinanderreihung von Noten. Sie transportiert Gefühle, sie schafft Zusammengehörigkeit (und manchmal auch Abgrenzung), sie schafft Identitäten und sie wird mit Situationen verbunden, in denen man irgendein Stück gehört hat. Wer kennt nicht "unser Lied"?
Das wird nicht aufhören, aber die Konstellationen und eingefarenen Pfade werden sich ändern. Meine Einschätzung ist, dass sich der Trend, dass die Produktion eines Werks an sich nicht mehr wirklich Geld einbringt und die "Vermarktung" von Musik dann über Live-Auftritte und den Erlebnisfaktor stattfindet noch verstärken wird. Ich denke auch, dass das Spielen echter Instrumente und als Band musizieren wieder an Wert gewinnen wird. Zumindest schätze ich das wieder mehr wert als früher, weil elektronische Musk jetzt doch etwas beliebig geworden ist.
Ich versuche es positiv zu sehen. Mit den aktuellen Entwicklungen hat man die Chance sich vielleicht wieder auf das zu besinnen, was Musik, sowohl bei der Erzeugung, als auch beim hören menschlich macht. Und generell: wenn AI menschliche Kreativität und Arbeit irgendwann komplett ersetzen kann, was macht eigentlich unser Selbstverständnis und unseren Wert dann noch aus? Vielleicht war das bisher der USP und der Kern des Menschseins, aber wenn dieser Kern fehlt, vielleicht gibt es ja noch was Anderes, was bisher verdeckt war....