Hab ich. Deshalb unterscheide ich zwischen „offen für Musik sein“ und „alles gut finden müssen“.
Wenn musikalische Qualität primär davon abhängt, wie „offen“ der Hörer ist, wird Kritik praktisch unmöglich: Gefällt es dir nicht, warst du eben nicht offen genug. Das ist keine Argumentation, sondern eine Immunisierung des eigenen Geschmacks.
"
Gefällt mir nicht" ist halt keine Kritik - und wer sonst wenn nicht derjenige, der etwas komponiert oder produzeirt hat, sollte denn das Ergebnis seiner Arbeit gut finden?
Mir scheint, das ist das Hauptproblem der meisten Leute: Fehlendes Selbstbewusstsein für das eigene Schaffen.
Solche Worte wie "Qualität" oder "Mainstream" kämen mir bei der Frage, was ich in 20 Jahren mache (bzw. jetzt sind es ja nur noch 10 :) ) überhaupt nicht in den Sinn.
Ich selbst könnte mich schon deswegen nicht an den Charts orientieren, weil ich seit 20 Jahren keinen Plan habe, wa da überhaupt so läuft. Das interessiert mich überhaupt nicht, was andere machen. Oder was man verkaufen kann und was nicht.
Die Leute beklagen, dass die arme Musik ausstirbt und danach schauen sie sich das 47. Video über die neuesten Geheimtips darüber an, welchen Masteringclipper man 10 mal hintereinander reihen muss um noch lauter zu werden wie DJ Koksdepp. Anstatt mal ein Instrument zu lernen oder sich zu erlauben, die DAW heute mal auf 5/4 Takt zu stellen.
Aber zum Bumm bumm machen brauchen sie dann eine Maschine, die Bumm Bumm für sie macht, weil sie nicht wisssen wie Bumm Bumm auch ohne Preset geht und ihnen das auch egal ist.
Vielleicht sind ja nicht nur die Konsumenten, die Kapitalmärkte, die Politik, die GEMA und die Konsumenten alle doof, sondern vielleicht sind ja die Komponisten und Produzenten genauso doof?
Von daher auch wäre die Frage relevant, wie frei letztendlich unser Geist ist, wenn wir uns davon
so sehr beeinflussen lassen?
da ist ja schon wieder dieses "wir".
Es ist jedermanns freie Entscheidung ob man sich beeinflussen lässt oder ob man selbst Impulse setzt. Also entscheide dich einfach.