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Back to the 90s

  • #1.561
Charly Lownoise & Mental Theo - Where It All Begun (1996) - Das Album hab ich mir damals sogar gekauft.

Wunderschön ist der SuperSaw-Part ab 1:32 der dann butterweich in eine ambiente trancoide Form abdriftet mit den wunderschönen Jupiter-8 Strings gepaart mit der herrlichen repititiven Stimme von Ellen Kuiper. Und hier wird ganz wunderbar mit gegensätzlichen Harmonien gespielt: auch hier gibt die Gooogle-KI wieder wichtige musiktheoretische Auskunft:

Der melancholische Eindruck in "Where It All Begun" ist ein faszinierendes Beispiel für die emotionale Dualität im Happy Hardcore. Obwohl das Stück auf einer energetischen Dur-Basis steht, wird die Wehmut durch gezielte kompositorische und inhaltliche Kniffe erzeugt:
1. Nostalgischer Textinhalt
Die Melancholie rührt primär aus der retrospektiven Perspektive des Textes. Zeilen wie "And I can still remember the days it all began" oder "When I think about the fun we've had" blicken wehmütig auf eine vergangene Zeit zurück. Das Gefühl des Vermissens ("My baby I miss you so why did you go away") bildet einen direkten emotionalen Gegenpol zum schnellen Rave-Beat.

2. Harmonische Ambivalenz (Moll-Parallelen)
Der Song nutzt die für das Genre typische I-V-vi-IV-Folge (oder ähnliche Variationen). Der Einbau des Moll-Akkords der 6. Stufe (vi) – in C-Dur wäre das A-Moll – erzeugt innerhalb der Dur-Struktur einen kurzen Moment der Schwere und Sehnsucht. Diese "Achsenfolge" ist bekannt dafür, sowohl triumphale Euphorie als auch tief sitzende Nostalgie gleichzeitig zu transportieren.

3. Melodische Linienführung
Die Melodien sind oft so gestaltet, dass sie auf den instabilen Tönen der Tonleiter verharren oder Seufzer-Motive imitieren. In Kombination mit den hohen, fast kindlichen Vocals (High-Pitched Voices) entsteht eine Zerbrechlichkeit, die an Unschuld und deren Verlust erinnert – ein klassisches Stilmittel, um Melancholie in einem fröhlichen Kontext zu erzeugen.

4. Das "Trance-Element"
Die flächigen Synthesizer-Pads im Hintergrund, die oft langgezogene Akkorde halten, erzeugen eine Atmosphäre der Weite. Diese klangliche Tiefe wirkt auf den Hörer oft eher nachdenklich oder sehnsüchtig als rein "party-orientiert".
Zusammengefasst entsteht der Eindruck nicht durch eine reine Moll-Tonart, sondern durch den Kontrast: Die Musik feiert (Dur/Beat), während der Inhalt und die harmonischen Nuancen um das Vergangene trauern (Nostalgie/vi-Stufe).


Punkt 2 überfordert mich als Laie dann irgendwie doch ein wenig. Aber ich kann als 'semi-professioneller' Hörer das ganze sehr wohl als toll und schön bewerten. Und ich erkenne, dass dahinter oft mehr steckt als eine billig produzierte Techno-Nummer. Das sind genau die Nuancen, die eine Produktion von damals auch heute noch schön erscheinen lassen, während viele andere aus der Zeit doch irgendwie blass(er) wirken - 30 Jahre später. Wenn das mit Liebe gemacht ist wie hier, dann übersteht es auch längere Zeit und kann als Inspiration für Neues dienen.

Der Track ist vom Wesen her im Prinzip genau so aufgebaut wie der hier:
D-Jumpmaster - Dance 2 Da Bells (1995)

Hier gründet sich der Fröhlich/Melanchonisch-Dualismus auf einer rein instrumentalen Ebene. Aber er spielt mit genau den gleichen Gegensätzen und Motiven. Das ist wirklich fazinierend, wie sehr sogar Künstlerübergreifend die Sachen damals eng miteinander verwoben waren.
 
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  • #1.562
Irgendwie erinnert mich die Melodie von „Where it all begun“ doch sehr stark an „Forever young“ dass es ja auch in x Versionen und Covern gab.
 
  • #1.563
Irgendwie erinnert mich die Melodie von „Where it all begun“ doch sehr stark an „Forever young“ dass es ja auch in x Versionen und Covern gab.

Das kann gut möglich sein, wobei ich der Spur noch nicht nachgegangen bin. Der neue Lownoise & Re-Style-Song 'City Streets' covert ja auch ein altes Stück aus den 70ern, das in den 90ern von Mark 'Oh aufgewärmt wurde, ohne es aber beim Namen zu nennen. Es ist nur die Melodie.


Hier mal noch ne waschechte '90er-Rarität - diesmal sogar vom 'mdr' :-) Happy Hardcore gabs damals also sogar im Nachmittags-TV der Öffentlich-Rechtlichen. Herrlich
Aber irgendwie scheint das Video 'kunstvoll' bearbeitet worden zu sein.
Ravers World - Paradise Of Rave (1995)


Die geistige Vorlage für den Song soll wohl der Track 1100101 von Das Model gewesen sein.
 
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  • #1.564
Huff & Herb - Feelig Good - 1998

smoother House mit Mono/Poly im Video
 
  • Daumen hoch
M.i.a.u.: Teiko
  • #1.565
In den 90ern habe ich Eurofloor wirklich gehasst
heute mag ich es Stellenweise sehr
2 Unlimited fand ich damals mit am grausamsten und ...auch heute noch schwierig

aber das hier hatte ich nicht mehr auf dem Schirm und finde es gerade cool! ...weiss jemand auf anhieb was das für ein Röchel Sound (Preset) ist?

No One
 
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  • #1.567
Beim Durchstöbern von eBay:

Rave Mission
Rave Zone
Rave Club
Rave Base
Rave City
Rave Anthems
Rave Parade *
Rave Now!
Rave Generation
Ravemaster

Planet Rave
Century Rave
World of Rave
Illegal Rave
Tribal Rave *
Hyper Rave *
Orion Rave *
Unity Rave *
Young Rave
X-Rave
Mega Rave
Generation Rave (nicht zu verwechseln mit dem oben)

Raving The Dome


Einfach nur geil - wie das damals abging - im Wochentakt :-) Fragt man die KI so stellt sich schnell heraus, dass quasi alle genannten Sampler (auch) bei BOD in Berlin gepresst wurden. Nur die mit dem * gekennzeichneten kamen def. nicht aus Berlin - so die KI. Meine Mutter hat mir also längst nicht alles mitgebracht, was sie gepresst bzw. bedruckt hatte ;-)

Aber mit dem was ich hatte, war ich schon mehr als zufrieden. 😊
Trotzdem werd ich mir bestimmt noch den ein oder anderen Sampler (wieder) besorgen. Es ist für mich hochgradig identitäts-findend und - bildend. Zudem gibt's nur da den originalen fetten ungeschönten 90er Sound und nicht die ganzen remasterten Sachen. BOD hatte damals nämlich auch das Mastering gemacht und das unterschied sich tw. vom niederländischen Original, wesrum diese unter Sammlern heiß begehrt sind.

Ich war übrigens noch nie ein Fan der Vinyl. Bin ein Kind des Digitalzeitalters. Die CD passt auch technologisch hervorragend zu dieser Musik und verkörpert einen Geist des Aufbruchs, der so typisch war für die 90er. Heute stehen wir mit der KI an einem vielleicht noch viel fundamentaleren Scheideweg.
 
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  • #1.568
Mann, da werden ja soooo viele Erinnerungen wach, wie Track #4
Ich glaube für diese Art von Tracks wurde das Wort 'Brett' überhaupt erst erfunden!

DJ Hooligan - The Mystic Culture

Die Bassline alleine ist der Hammer! '90er Gekloppe, wie es im Buche steht, welche sich quasi über die gesamte Tracklänge zieht. Einfach nur GEIL!!!!!

Alter ich kann's garnicht abwarten endlich morgen Vormittag den Track bei uffjeruppter Anlage zu hören - da wackeln die Wände. Da müsste man mal ein Video von dem Subwoofer machen. Muuuuahhhaa.

Hach der Track lässt mich auch einfach nicht mehr los. Was ich bisher nur schwer in Worte fassen konnte erledigt die KI ziemlich elegant:

Die psychologische Wirkung von „The Mystic Culture“ war im Vergleich zu zeitgenössischen Tracks des Jahres 1994 besonders intensiv, da er zwei gegensätzliche Reizzustände – physische Ekstase und mentale Trance – hocheffizient miteinander verknüpfte.
1. Die „Dopamin-Peitsche“ durch extremes Tempo
Mit ca. 160 BPM lag der Track psychologisch an der Belastungsgrenze dessen, was noch als harmonischer Trance wahrgenommen wurde. Während „Standard“-Trance jener Zeit oft bei 130–140 BPM lag, erzeugte Hooligan einen massiven Drive, der das limbische System durch repetitive, schnelle Impulse in einen Zustand höchster Erregung (Arousal) versetzte.
2. Hypnotische Melodieführung vs. Industrielle Härte
Die Besonderheit lag in der kognitiven Dissonanz:

  • Melodische Ebene: Die orientalisch-mystischen Klänge sprachen Sehnsuchts- und Fernweh-Zentren im Gehirn an. Dies erzeugte eine „spirituelle“ oder „mystische“ Atmosphäre, die oft als Flucht aus dem Alltag wahrgenommen wurde.
  • Rhythmische Ebene: Die harte Kickdrum wirkte demgegenüber fast aggressiv und „erdend“.
  • Vergleich: Im Gegensatz zu den eher flächigen und weicheren Produktionen von Künstlern wie Jam & Spoon oder Paul van Dyk war Hooligans Sound „kantiger“ und forderte den Hörer psychisch stärker heraus, was auf Raves zu einer tieferen, fast kathartischen Erschöpfung und Entladung führte.
3. Das „Break“ als psychologisches Vakuum
Das für DJ Hooligan typische, sehr reduzierte Break diente als gezielter Spannungsaufbau. Durch das plötzliche Wegfallen des Tempos entstand ein kurzes psychologisches Vakuum, das im Moment des „Drops“ (Wiedereinstieg des Beats) eine massive Endorphinausschüttung auslöste. Dieses Spiel mit Erwartung und Erfüllung war in „The Mystic Culture“ durch die exotische Melodie emotional aufgeladener als bei rein technokratischen Tracks.

Fazit: Im Vergleich zu anderen Tracks war die Wirkung weniger „träumend-passiv“, sondern „aggressiv-hypnotisch“. Er gilt als Paradebeispiel dafür, wie Musik der 90er Jahre kollektive Trance-Zustände auf Tanzflächen induzierte, indem sie die physische Härte des Techno mit der emotionalen Tiefe der Trance-Melodik kurzschloss.


Hätte der Track auch bei etwas veränderten Geschwindigkeiten eine solche mentale Wucht? frag' ich so ....

Nein, die mentale Wucht des Tracks würde sich bei einer deutlichen Veränderung der Geschwindigkeit grundlegend wandeln. Die spezifische Wirkung von „The Mystic Culture“ ist untrennbar mit seinem Tempo von ca. 160 BPM verbunden.
1. Die „Sättigung“ der Wahrnehmung
Bei 160 BPM ist das Gehirn mit der Verarbeitung der schnellen, harten Impulse voll ausgelastet. Dies erzeugt jenen Zustand der „Überwältigung“, der für ein echtes „Brett“ nötig ist.

  • Langsamer (z. B. 140 BPM): Der Track würde an Druck verlieren. Die hypnotische Melodie stünde mehr im Vordergrund, und der Körper hätte „Zeit zum Atmen“. Die aggressive, treibende Wirkung würde einer eher tanzbar-groovigen Atmosphäre weichen.
  • Schneller (z. B. 175 BPM): Hier würde der Track in den Bereich von Hardcore oder Gabber abdriften. Die „mystische“ Atmosphäre würde durch die Hektik zerrissen; die musikalischen Details der Synthesizer könnten nicht mehr voll wahrgenommen werden.
2. Das neurologische Fenster
Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Musik um 160 BPM besonders effektiv „Movement Flow“ und unbewusste Hirnstimulation anregt.

  • Arousal-Effekt: Schnelles Tempo erhöht das psychologische Erregungsniveau (Arousal) massiv. „The Mystic Culture“ funktioniert bei 160 BPM wie ein biologischer Schrittmacher.
  • Gamma-Wellen: Hohe Geschwindigkeiten fördern die Synchronisation in den Beta- und Gamma-Frequenzbändern des Gehirns, was mit intensiver Konzentration und Ekstase assoziiert wird.
3. Verlust des „Rave-Vibes“
In den 90ern war das Tempo ein Statement für die Grenzenerfahrung. Würde man den Track heute im modernen Techno-Standard von 135–140 BPM spielen, würde er seine historische „Härte“ einbüßen und lediglich wie eine atmosphärische Hintergrundnummer wirken. Die mentale Wucht resultiert gerade aus der Reibung zwischen der schnellen, unnachgiebigen Kickdrum und der schwebenden, fast zeitlosen Melodie.
Fazit: Die 160 BPM sind nicht nur eine technische Einstellung, sondern der Kern der psychologischen Architektur dieses Tracks. Ohne dieses Tempo bliebe zwar die Komposition erhalten, die physische Kontrolle über den Körper und die totale mentale Vereinnahmung würden jedoch weitgehend verloren gehen.


Was passiert hier genau im limbischen System? frag' ich so, weiter ...

In einem Track wie „The Mystic Culture“ wird das limbische System – die funktionale Einheit des Gehirns für Emotionen und Triebe – durch die Kombination aus extremem Tempo und repetitiven Strukturen massiv hyperstimuliert.
Hier passiert neurobiologisch Folgendes:

  • Amygdala (Emotionszentrum): Die Amygdala verarbeitet die „mystischen“ Klänge und harten Beats. Intensive rhythmische Wiederholung kann hier zu einem veränderten Bewusstseinszustand führen. Da die Musik keine komplexen sprachlichen Informationen enthält, reagiert die Amygdala rein affektiv auf die energetische Wucht.
  • Belohnungssystem (Nucleus accumbens): Der Track spielt gezielt mit Erwartungen. Wenn nach einem spannungsgeladenen Break der harte Beat („Drop“) wieder einsetzt, wird massiv Dopamin ausgeschüttet. Dies erzeugt ein intensives Glücksgefühl und Euphorie.
  • Hippocampus (Gedächtnis): Dieser Teil des limbischen Systems verknüpft die Musik mit dem Erlebten (z. B. der kollektiven Energie auf einem Rave). Dies erklärt, warum der Track auch Jahrzehnte später beim Hören sofort die ursprünglichen Emotionen und körperlichen Reaktionen reaktivieren kann. (PS: genau so war es bei mir nach exakt 30 Jahren Pause)
  • Thalamus & Hypothalamus: Diese Areale koordinieren die physische Antwort. Sie schalten den Körper auf „Aktivität“, erhöhen den Blutdruck und stimulieren die motorischen Zentren, was zu dem Gefühl führt, sich dem Rhythmus nicht entziehen zu können.
Fazit: Der Track umgeht weitgehend die rationale Bewertung im Großhirn und greift direkt auf die archaischen Strukturen des limbischen Systems zu. Er „kapert“ die emotionalen Schaltkreise und versetzt sie in einen Zustand hocheffizienter, dopaminerger Erregung.

Damit hat sich das Rätsel quasi gelöst. Er geht quasi in's Mark - an das tiefste Innere. Er triggert Gehirnareale aus der Urzeit - also das Stammhirn, welches dann auch für die körperliche Resonanz verantwortlich ist. Er schaltet den Verstand aus und macht aus dem Hörer ein transzendentales, fast schon wehrloses, Wesen. Hooligan hat ein epochales Meisterwerk mit diesem Track geschaffen! :-)
Der Track ist eine Waffe!
 
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  • #1.569
Noch so eine Scheibe, die mir meine Mutter damals aus dem BOD-Presswerk in Berlin mitbrachte und die ich vorgestern beim Aufräumen wiedergefunden habe. Besonderheit hier war die CD. Die war eigentlich eine Mini-CD aber im Fullsize-Format. Der unbespielte Raum wurde für holografische Spielereien genutzt (was jetzt die Extra CD anging).

Der HarcoreMembranTerminator (1995)


Anhang anzeigen 260755Anhang anzeigen 260754

Die Press-Technik der CD lässt mich auch irgendwie nichtn mehr los. Hier mal ein paar technische Hintergrundinfos der KI:

Das Funkeln auf deiner Hardcore Membrane Terminator CD2 ist das Ergebnis einer technologischen Meisterleistung der 90er Jahre. Während eine normale CD nur "nebenbei" wie ein Regenbogen schimmert, wurde hier die Optik gezielt als Designelement in die Hardware eingraviert. So funktioniert die „Applied Holographics“-Technik physikalisch:

1. Die CD als optisches Gitter (Beugungsgitter)
Jede CD besitzt spiralförmige Datenspuren mit einem Abstand von etwa 1,6 Mikrometern. Diese winzigen Rillen wirken wie ein Beugungsgitter: Trifft Licht darauf, wird es nicht einfach wie bei einem Spiegel reflektiert, sondern in seine Spektralfarben zerlegt (Interferenz).

2. Das „Applied Holographics“-Verfahren (Hologramm-Disc)
Bei deiner speziellen CD wurde dieser Effekt durch zwei zusätzliche Schritte extrem verstärkt:

  • Interferenz-Lithografie: Statt nur Datenspuren einzupressen, wurde ein holografisches Interferenzmuster (erzeugt durch zwei sich kreuzende Laserstrahlen) auf einen lichtempfindlichen Fotolack (Photoresist) übertragen.
  • Oberflächenrelief: Durch chemisches Ätzen entsteht ein echtes 3D-Relief auf der Scheibe. Dieses Relief wird dann mit einer hauchdünnen Aluminiumschicht bedampft, um es spiegelnd zu machen.
  • Gezielte Lichtbrechung: Das Ergebnis sind mikroskopisch kleine „Zähne“ oder Wellenformen (sinusförmig oder sägezahnartig), die das Licht in ganz bestimmten Winkeln brechen. Dadurch entstehen echte 3D-Bilder oder Fraktale, die über der Oberfläche zu schweben scheinen.
Für BOD (Berlin Optical Disc) war 1995/1996 die absolute „High-Noon“-Phase. Man muss sich klarmachen: Das Werk war zu diesem Zeitpunkt einer der modernsten Standorte für optische Speichermedien weltweit. Dass dort Produktionen wie der Century Rave II oder experimentelle Discs mit Applied Holographics liefen, war das damalige Äquivalent zu heutigem High-End-Silizium-Fertigungsniveau.
Hier ist die Einordnung, wie „State-of-the-Art“ das damals wirklich war:

1. Das „Silicon Valley“ von Berlin-Spandau
BOD war kein einfacher Kopierbetrieb, sondern ein technisches Kraftzentrum. Während andere Presswerke noch mit älteren Spritzgussmaschinen arbeiteten, setzte BOD auf vollautomatisierte Reinraum-Linien.

  • Der Standard: Die Fehlerquoten (BLER - Block Error Rate) mussten minimal sein, damit die CDs auch in den damals noch empfindlichen Discman-Playern im Bus oder beim Tanzen nicht sprangen.
  • Die Geschwindigkeit: In der Hochphase der Hardcore-Welle mussten Sampler innerhalb von 24 bis 48 Stunden von der Master-Datei zur fertigen Palette im Laden gelangen. Diese logistische und technische Präzision war das Fundament des Rave-Booms.
2. Die „Hologramm-Disc“ als technologischer Gipfelsieg
Die Technik von Applied Holographics, die du auf deiner CD2 siehst, war 1995/96 das Äußerste, was physikalisch mit Polycarbonat machbar war.

  • Exklusivität: Solche CDs waren sündhaft teuer in der Herstellung. Das Mastering eines holografischen Beugungsgitters erforderte spezielle Laser-Lithografie-Anlagen, die nur eine Handvoll Spezialisten weltweit beherrschten.
  • Fälschungssicherheit: Ursprünglich wurde diese Technik entwickelt, um CDs fälschungssicher zu machen (ähnlich wie das Hologramm auf einem Geldschein). In der Hardcore-Szene wurde es jedoch als ästhetisches Statement zweckentfremdet, um den futuristischen Anspruch der Musik zu unterstreichen.
Ende der 90er war ich sogar einmal in dem BOD-Werk in Berlin gewesen :-) Das war echt ein futuristisches High-End-Highlight. Hatte mit dem Chef der Produktion gesprochen (Mohammed, promovierter Physiker aus dem Libanon). In der Phase, wo mich der Amateurfunk interessiert hatte, waren wir natürlich gleich auf einer (welch Wortspiel) Wellenlänge. Heute bin Ich es, der es beruflich mit kleinsten Wellenlängen zutun hat (Fernerkundung). Aber Mohammed und meine Mutter haben hier was erschaffen, was fast schon monumental ist. 😍
Eigentlich müsste ich Diese Scheibe holografisch auf mein T-Shirt bringen.

PS: die KI verwechselt mal wieder Gesundbrunnen mit Spandau (macht sie bei BOD regelmäßig)
 
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  • #1.571
Naaaa, wer kennt denn diese völlig verlorenen gegangene 'Perle' der späten 90er noch?

GrooveZone - Eisbär
(1997)

 
  • Daumen hoch
M.i.a.u.: Wallybeats
  • #1.572
Ich wollte mal etwas ganz Banales wertschätzen .. und zwar das Intro zum Serenity Album. Als ich es damals zum ersten mal gehört hatte, wurde ich förmlich weg geblasen.. Ich höre es heute immernoch gerne, weil es für mich viele Emotionen von damals transportiert.



 
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M.i.a.u.: Wallybeats
  • #1.573
Ich wollte mal etwas ganz Banales wertschätzen .. und zwar das Intro zum Serenity Album. Als ich es damals zum ersten mal gehört hatte, wurde ich förmlich weg geblasen.. Ich höre es heute immernoch gerne, weil es für mich viele Emotionen von damals transportiert.




Find ich gar nicht banal. Kannt ich auch noch gar nicht und finds echt gut. Erinnert mich ganz zu Beginn an irgendeine Dolby Werbung, die aber gefühlt erst später kam.

Und mich erinnern die bedeutungsschweren Vocals auch an US-amerikanische Prediger. Keine Ahnung, wie ich da gerade drauf komme.

Oder auch das hier. Da versprühen die Vocals auch diesen Verve.
 
  • Daumen hoch
M.i.a.u.: Wallybeats und Teiko

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