Besuch Elektronisches Studio WDR, Köln (5.2.2011)+19.3.

Dieses Thema im Forum "Studio" wurde erstellt von Anonymous, 5. Februar 2011.

  1. Anonymous

    Anonymous Guest

    Schon jetzt bewegen sich diverse Fahrzeuge sternförmig in Richtung Köln, um dann an im Laufe des Vormittags dort aufzulaufen. Wir besuchen die Syntheizerabteilung eines bekannten Geschäftes und überprüfen vor Ort, ob auch ordentlich Staub geputzt ist und alle Geräte ordnungsgemäß angeschlossen sind. Nach dieser ansterngenden Tätigkeit stabilisieren wir uns mit regionalen Speisen und Getränken in Peters Brauhaus, um dann gemeinsan nach Ossendorf zu fahren. Da wird uns Volker Müller erwarten.

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    ADMIN: Beiträge zum 19.3. ab hier viewtopic.php?f=75&t=53598&start=250#p569681 zu finden…
     
  2. Bernie

    Bernie Anfänger

    Re: 5.2.2011, Klassenfahrt nach Köln

    Ich bin startbereit.
    Jetzt genehmige ich mir noch ein Tässchen Kaffee, meine beiden Mitfahrer werden auch in 20 Minuten hier eintreffen und dann gehts ab in Richtung Kölle.
    Bis gleich!
     
  3. sadnoiss

    sadnoiss aktiviert

    Re: 5.2.2011, Klassenfahrt nach Köln

    Viel Spass und lernt recht viel ;-)

    Freue mich schon auf meine Klassenfahrt dort hin!
     
  4. mik93

    mik93 -

    Re: 5.2.2011, Klassenfahrt nach Köln

    oh verdammt - ich hab heute keine zeit :cry:
     
  5. Anonymous

    Anonymous Guest

    Re: 5.2.2011, Klassenfahrt nach Köln

    Großes Interesse von allen Teilnehmern an der Technik, vor allem aber an der Musik, von der wir einen repräsentativen Querschnitt der dort produzierten Stücke der letzten 50 Jahre mit ausführlicher Erläuterung durch Herrn Müller hören durften. Besonders gefallen hat mir die 4. Region von Stockhausens Hymnen mit dem permanenten Glissando - und das in einer Lautstärke ...
    Das Treffen ging von 14.30 bis 1:10, und vielen Dank von hier aus an Herrn Müller für sein ehrenamtliches Engagement. Vielleicht haben ja einige Teilnehmer aussagekräftige Fotos gemacht, die man hier einstellen könnte, oder schildern einfach mal kurz ihre Eindrücke. Vielleicht wird ja weiteres Interesse geweckt, sodass man neben den bereits jetzt schon ausgebuchten zwei weiteren Treffen noch ein weiteres organisieren kann. PN an mich.

    Und noch ein kleiner informativer Beitrag zur sogennten "Springer Maschine" oder "Temophon", deren Funktionsweise uns Herr Müller mangels Originalgerät vor Ort anhand einer Skizze ausführlich eräutert hat.

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    Ein Tempophon von Automation, Heidelberg. 20 Kilogramm voll Motoren und Mechanik. Und wofür? Ein Trickgerät für 1/4 Zoll Tonbänder um Geschwindigkeit und Tonhöhe unabhängig voneinander zu verändern. Soll z.B. ein Tonband schneller abgespielt werden verändert sich zwangsläufig die Tonhöhe. Mit dem Tempophon kann dies ausgeglichen werden. Oder muss eine vorhandene Musikaufnahme in der Tonhöhe verändert werden ohne das Tempo zu verändern, auch hier hilft das Tempophon. Das Geheimnis des ganzen ist ein rotierender Tonkopf, (in der Mitte mit weggeklappter Abdeckung), der sowohl in der Umdrehungsgeschwindigkeit als auch in der Rotationsrichtung variabel eingestellt werden kann. Zuzüglich kann die Bandgeschwindigkeit geregelt werden.

    Die Transposition einer Schallfolge ohne Geschwindigkeitsveränderung erlaubt ein sogenanntes Tempophon, ein Zeitlauf- und Tonhöhenregler von Springer. Mit diesem Gerät konnte einerseits die Tonlage eines Klangs angehoben oder abgesenkt werden, ohne seine Geschwindigkeit zu ändern, andererseits erlaubte es eine Geschwindigkeitsänderung der Tonhöhe. Das Tempophon ließ außerdem noch für eine dritte Anwendung, das sogenannte Rotierkopfverfahren modifizieren. Herbert Eimert benutzte dieses Verfahren bei der Realisierung von EPITAPH: "Von den technisch neuen Verfahren, die in dem EPITAPH Anwendung fanden, sei das der Klangerzeugung mittels Buchstaben-Iteration hervorgehoben: das Band steht still, es dreht sich der den Klang abnehmende Rotierkopf eines Zeitlaufreglers, der nicht für diesen Zweck, sondern für die Transposition von Tonhöhen ohne Veränderung der Bandlaufgeschwindigkeit konstruiert ist, aber sich auch als zweckverkehrtes Produktionsgerät für die Herstellung von Klängen aus den Sprachimpulsen verwenden lässt. Auf diese Weise kann jeder Vokal, jeder Konsonant des gesprochenen Wortes beliebig lang gemacht werden [und ebenso beliebig kurz für die Herstellung von Sprachimpulsen, die von dem geräuschhaften Knacken eines Impulsgenerators nicht zu unterscheiden sind, wie Teile der ausgedehnten Impulsstruktur in einem der mittleren Abschnitte des EPITAPHs zeigen]." [Eimert 1962]

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  6. Re: 5.2.2011, Klassenfahrt nach Köln

    Hm, dann hätte ich ja um 2.10h den Zug nach Osnabrück kriegen können und wäre um halb sechs dann tot ins Bett gefallen...

    Schade, dass ich so viel verpasst habe; ich könnte mir gut vorstellen, irgendwann später noch ein zweites Mal mitzukommen.
    Auch von mir nochmal ganz herzlichen Dank an Herrn Müller und an alle, die diesen Termin durch Idee und Organisation möglich gemacht haben!

    Ich muss gestehen, dass mir die Musik von Stockhausen und anderer Elektronischen Komponisten nicht viel sagt, aber das historische Interesse des Studios, die ganz unterschiedlichen Herangehensweisen an Elektronische Musik (ob mit kleinem oder großem E), der gigantische Mehrkanalklang und besonders die spürbare Begeisterung von Herrn Müller konnte ich trotzdem richtig einordnen, und ich habe ein paar interessante Anregungen mit nach Hause genommen.

    Schöne Grüße,
    Bert
     
  7. Bernie

    Bernie Anfänger

    Re: 5.2.2011, Klassenfahrt nach Köln

    Jou, das war absolut klasse, ein echtes Erlebnis.
    Das ganze know-how von Herrn Müller über die alten Arbeitsweisen und den beeindruckenden Maschinenpark ist wirklich beeindruckend. Ich habe an diesem Tag sehr viel gelernt, er hat das auch alles sehr schön erklärt. Die Loops mit den Bandschleifen waren schon faszinierend.

    Ich war alles in allem doch sehr über die hohe Qualität der Musik erstaunt, hätte nicht gedacht, das elektronische Musik, die vor 30, 40 Jahren und mehr produziert wurde, heute noch so brillant und differenziert klingen kann.
    Wenn die einzelnen Klänge dann so um dich herumfliegen ist das ein echter Hammer -über das Lautsprechersystem mit den 12 Boxen wird das eine bleibende Erinnerung sein. Kannte ich vorher so überhaupt nicht, hatte ich mir das alles auch viel unspektakulärer vorgestellt.

    Das war ein richtig toller Tag!
    Ich möchte an dieser Stelle dem lieben Herrn Müller nochmal gaaaanz dolle für sein Engagement danken, es ist super, das er uns so etwas überhaupt möglich macht.

    War selbst dann erst um 5:15h heute früh zu Hause, mußte vorher ja noch meine beiden netten Kollegen ins Bettchen bringen
     
  8. Re: 5.2.2011, Klassenfahrt nach Köln

    Auch vielen Dank von mir an die Organisatoren und an Herrn Müller :supi:

    Ich habe unglaublich viel Eindrücke mit genommen. Auf der einen Seite diese unglaubliche Ansammlung von einzigartiger Hardware und auf der anderen Seite die super Erklärungen von Herrn Müller. Auch habe ich mich sehr gefreut wieder ein paar Leute aus dem Forum endlich persönlich kennenzulernen. Für mich war das ein wirklich perfekter Tag und ich würde mich freuen, wenn es mal wieder die Möglichkeit gäbe an einem weiteren Besuch teilzunehmen.

    Hier sind die Fotos von mir:
    http://www.flickr.com/photos/nanotone/sets/72157625862733013/
    (Alle Bilder sind OOC, ich hatte noch keine Zeit da Hand anzulegen)

    Für den Mac gibt es das Old-School-Studio-Feeling für zu Hause:
    http://www.gleetchplug.com/gleetchplug/Berna.html
     
  9. Cyborg

    Cyborg aktiviert

    Re: 5.2.2011, Klassenfahrt nach Köln

    Hallo Bernie,
    wenn ich mich recht erinnere, ist der Luftraum in Deiner Soundscheune zumindest auf der unteren Ebene noch relativ frei. Da werden wohl bald einige Boxen hängen ;-)
    Ansonsten machte mich Dein euphorischer Bericht gerade ein bisschen neidisch :P
     
  10. Re: 5.2.2011, Klassenfahrt nach Köln

    vielen dank für die fotos. :nihao:

    ist ein weiterer besuch geplant ?

    war es möglich (ein wenig) hand anzulegen ?
     
  11. Re: 5.2.2011, Klassenfahrt nach Köln

    Nein
     
  12. Cyborg

    Cyborg aktiviert

    Re: 5.2.2011, Klassenfahrt nach Köln

    IMO würde sich selbst ein sehr erfahrener Synthesist mit den völlig anderen Gerätschaften nicht nur schwer tun, vielleicht sogar grillen ;-)
     
  13. Re: 5.2.2011, Klassenfahrt nach Köln

    :mrgreen:

    gibt her müller sein wissen weiter, oder wird man in 20 jahren nur noch auf die gerätschaften blicken und sich wundern was das war?
     
  14. Anonymous

    Anonymous Guest

    Re: 5.2.2011, Klassenfahrt nach Köln

    Durchaus ein erst zu nehmendes Problem, das als solches erkannt wurde und hoffentlich nach Umzug des Studios in den Kölner Mediapark und Ausbildung von Museumsführern gelöst wird. Zur Zeit sollte man in der Tat die Gelegenheit nutzen, an die unmittelbare Information durch Herrn Müller anlässlich von Klassenfahrten zu gelangen.

    Lesekompetenz ist die Fähigkeit, geschriebene Texte zu verstehen, zu nutzen und über sie zu reflektieren, um eigene Ziele zu erreichen.
    Pisa-Studie, SPIEGEL 10.12.01, Seite 64
     
  15. Bernie

    Bernie Anfänger

    Re: 5.2.2011, Klassenfahrt nach Köln

    Ja sicher, Herr Müller hat uns sehr viel erklärt und auch praktisch demonstriert.
     
  16. Jean Pierre

    Jean Pierre aktiviert

    Re: 5.2.2011, Klassenfahrt nach Köln

    Das war eine tolle Studienfahrt!

    Vielen Dank an Herrn Müller, der uns die Technik vom 1951 bis heute ausgiebig erläutert hat. Frequenzgeneratoren, Bandmaschinen, Synthi-100, EMS-Vocoder, Emu-II, 48-Kanal-Mixer, 8m-Lautsprechersprecherkreis unter der Decke mit 12 Lautsprechern für Mehrkanal-Wiedergabe und vieles mehr, zu allem hatte Herr Müller technische Informationen und Geschichten aus seiner aktiven Zeit im Studio für Elektronische Musik des WDR parat, die er lebendig und mit viel Herzblut erzählte. Dazu noch praktische Demonstrationen von Band-Echo/Delay über 2 Bandmaschinen (ca.2-3m Echo-Strecke), rhythmisches Zerhacken von Klängen und unendliches Glissando.

    Es wurde uns an Hand von Beispielen aus einigen innerhalb der aktiven 50 Jahre im Studio erstellten Kompositionen und Werken die Arbeitsweise im Studio erläutert und Auszüge aus bedeutenden Werken der Elektronischen Musik im Mehrkanalton wiedergegeben. Wenn auch das ein oder andere Werk nicht bei allen Teilnehmern der Studienfahrt Gefallen fand, so waren sich doch alle darin einig, dass hier Musik mit einer faszinierenden Klangvielfalt und in höchster Qualität präsentiert wurde, was wir insbesondere in Anbetracht des Alters einiger Aufnahmen nicht erwartet hatten. Solche Klänge kann man so nicht zu Hause erleben. Faszinierend auch die Erkenntnis, was man alles ausschließlich mit menschlichen Stimmen machen kann.

    Alle Fragen wurden zur höchsten Zufriedenheit beantwortet. Und selbst nach Mitternacht hat Herr Müller, fit wie ein Turnschuh, eben noch schnell mit Papier und Bleistift die Funktionsweise der Springer-Maschine erklärt.

    Alles in allem ein interessanter, vielfältiger und spannender Besuch, kurzweilig bis zum Schluss.
     

    Anhänge:

  17. Anonymous

    Anonymous Guest

    Re: 5.2.2011, Klassenfahrt nach Köln

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    Karlheinz Stockhausen (1928–2007), 1964

    Ich denke, es ist allen Teilnehmer klar geworden, dass es nicht wie so oft hier im Forum die Begeisterung für die Technik (vgl. elektrische Eisenbahn für den Vater) Motivation der Komponisten der Elektronischen Musik war, sondern der Mangel aufgrund fehlenden Instrumentariums, die Komposition bis hin in die Struktur jedes einzelnen Klangs hinein zu treiben*. Dass man da in Zusammenarbeit mit kreativen Technikern wie Heinz Schütz, dem Erfinder der Klangsynthesese mittels Bandschleifenverfahrens, Leopold von Knobelsdorf, der mit Herbert Eimert die Klangerzeugung mittels Buchstabeniteration anwendete, und seit 1971 bis in die jüngste Zeit hinein mit Volker Müller, dem einfallsreichen Techniker und Meister des Synthi 100, im Team zusammenarbeiten musste, um die musikalischen Ideen zu realisieren und dabei ganz in technischen Gegebenheiten denken musste, ist uns allen zweifelsfrei klar geworden.
    Sicherlich mag dem einen oder anderen diese "Neue Musik" nicht direkt ins Ohr gegangen sein, aber wie bei aller moderner Kunst ist diese für den Unerfahrenen und Ungeübten erst einmal ungewohnt und spröde, bietet aber, sofern das erste Interesse in ernste Beschäftigung übergeht, den Einstieg in eine neue klangliche Welt, in der es viel zu entdecken gibt. Und so sehe ich bei den bisherigen und zukünftigen Besuchen des Studios die Chance, dass man über das Interesse an Geräten in die Historie der Elektronischen Musik eintaucht und lernt, diese ansatzweise zu verstehen und als eigenständige Musik wertzuschäzen. Die anderen sollen von mir aus gerne weiter dudeln.

    Herbert Eimert _ Musiktheoretische Grundbegriffe der Elektronischen Musik
    http://www.elektropolis.de/ssb_story_eimert.htm

    dazu: Grundbegriffe der Elektronischen Musik - Hörbeispiele
    http://www.elektropolis.de/audio_f.html

    Karlheinz Stockhausen - Die vier Kriterien der Elektronischen Musik
    http://www.elektropolis.de/ssb_story_stockhausen.htm

    ___
    * Die Zusammenstellung und innere Zusammensetzung des Klangmaterials geht also bereits einen Schritt weiter, als bei den bis dahin bekannten Beispielen; die Unterwerfung des Materials unter die ordnende Vorstellung des Komponisten und die Anpassung eines gegebenen Materials an die neuen Forderungen musikalischer Form könnten das Unheil abwehren, daß umgekehrt der Komponist von den Bedingungen des Materials beherrscht würde und aus den Widersprüchen von Material und Kompositionsmethode der ersten Jahrhunderthälfte nicht mehr herausfände.

    Prinzipiell geht es überhaupt nicht um die Verwendung ungewohnter, unbedingt neuer Klänge - derart modische Chocs verbrauchen sich sehr schnell-, sondern darum, daß die musikalische Ordnung in die Schwingungsstruktur der Schallvorgänge hinein getrieben wird, daß die Schallereignisse in einer Komposition integraler Bestandteil dieses und nur dieses Stückes sind und aus seinen Baugesetzen hervorgehen: Textur des Materials und Struktur des Werkes sollen eins werden; mikrotonale und makrotonale Form müssen gemäß der Formidee für jedes Werk wieder neu in Übereinstimmung gebracht werden.
    Dabei sind die bisherigen Vorstellungen von musikalisch >tauglichen< Schallvorgängen zu revidieren: Jeder überhaupt nur vorstellbare Schall kann, wenn er aus der komponierten Struktur eines Werkes notwendig hervorgeht, musikalisch verwendet werden. Klänge, Geräusche - wie immer sie beschaffen sein mögen - sind zunächst bloßes Material, und nichts veranlaßt dazu, gewisse Schallvorgänge von vorneherein für den musikalischen Prozeß auszuschalten.

    Karlheinz Stockhausen - Arbeitsbericht 1952/53: Orientierung, Seite 35 unten
     
  18. Bernie

    Bernie Anfänger

    Re: 5.2.2011, Klassenfahrt nach Köln

    Stimmt.
    Ich höre einiges jetzt mit anderen Ohren.
    :D
     
  19. Anonymous

    Anonymous Guest

    Re: 5.2.2011, Klassenfahrt nach Köln

    Hier noch einmal Stockhausen selbst zu dem Klangbeispiel, das uns Herr Müller eindrucksvoll vorführte:

    Das erste Beispiel zeigt folgendes: Aus einer dichten Schar von mehr oder weniger undefinierbaren Tönen schießt ein Klang heraus, der 169 Hertz hat.
    Wir hören also ungefähr das kleine >Es<. Er schießt heraus und hat solch eine Klangfärbung [imitiert mit Stimme], fällt herunter in mehreren Kurven und zerbricht förmlich vor unseren Ohren, weil er durch die Wahrnehmungsgrenze schießt zwischen 30 und 16 Hertz; von 169 Hertz fällt er ungefähr 7 Oktaven 'runter. Das sind ungefähr vier Oktaven tiefer als das Klavier! Mit anderen Worten: die ursprünglichen Perioden hört man nicht mehr als Tonhöhen. Aber irgendetwas hört man ja doch noch: die Impulse, in die sich der konstante Ton zerlegt hat, haben auch noch eine Tonhöhe. Ich habe das ziemlich raffiniert gemacht, daß die Tonhöhe, auf der man landet, wieder dieselbe Tonhöhe ist, wie diejenige, mit der es begonnen hat, obwohl man 7 1/2 Oktaven gefallen ist.
    Das muß man erläutern. Der erste Ton hatte eine Klangfarbe, bestimmte Teiltöne oder Obertonkomponenten, und diese Klangfarbenkomponenten sind, nachdem der Ton 7 1/2 Oktaven tiefer gefallen ist und sich in Einzelimpulse aufgelöst hat, jetzt als Tonhöhenkomponenten zu hören. Diese Tonhöhe stammt von den vorherigen als Klangfarbe gehörten Teilkomponenten der ersten Tonhöhe. So kann man 7 1/2 Oktaven fallen und genau dort ankommen, von wo man ausgegangen ist. Und das hat oft sichtbar und auch hörbar bei Leuten merkwürdige Gefühle im Magen hervorgerufen. Es liegt einfach daran, daß man eben dort eine kritische Zone durchfährt, wo man das akustische Gleichgewicht verliert. Das ist so ähnlich, wie wenn man für einen kurzen Moment in einen gravitationslosen oder orientierungslosen Raum kommt. Man verliert das Gleichgewicht, und der Körper und die Psyche reagieren sofort, um die Balance wiederzufinden, und zeigen entsprechende Symptome. So etwas geschieht immer dann, wenn man durch solche kritischen Zonen fährt, die Niemandsland sind. Die sind weder Tonhöhen noch Zeitdauern. Man kann sie noch nicht als Rhythmus hören, man kann sie aber auch nicht mehr als Tonhöhe hören. Das entspricht den tiefen Knacken bei Orgeln zum Beispiel, wenn die Tonhöhe so tief ist, daß das ganze Gehäuse zu scheppern anfängt und schließlich auch die Lampen im Raum mitklirren. Was also zwischen ca. 12 Impulsen pro Sekunde und 30 Impulsen pro Sekunde ist, läßt uns die Orientierung verlieren. Das liegt an uns, nicht an dem Klang. Hören wir jetzt das Beispiel.

    Man kann so etwas künstlerisch mehr oder weniger artikulieren; also mehrmals hinunter- und wieder hinaufgehen, die Einzeltöne länger machen und dann zum Beispiel wieder auf einen kontinuierlichen Ton kommen, der vorher auch schon da war, und dann mit diesem Ton weiter arbeiten. Man kann also innerhalb eines musikalischen Prozesses solch einen phänomenalen Vorgang sich ereignen lassen, der wie eine Öffnungsstelle wirkt, wo man auf einmal begreift, was eine Zeittransformation ist. Das physikalische Beispiel kann mehr oder weniger artikuliert werden, und das macht den wichtigen Unterschied zwischen Beispielen in der Physik und in der Musik aus.
    Man kann bestimmte Kriterien auf ziemlich simple und banale Weise musikalisch klarmachen, oder aber sie irgendwie so komponieren, wie es noch keiner gemacht hat, also sehr eigenartig und unerwartet. Dann wird es Musik, dann wird es etwas Künstlerisches. Im übrigen aber ist es nichts anderes als eine Öffnung und eine Erweiterung des Bewußtseins. Auf einmal ist man nicht mehr derselbe, wenn man begriffen hat, daß Töne ja nur innerhalb eines bestimmten Prozesses so sind, wie sie scheinen; daß ich aus jedem Ereignis irgend etwas anderes machen kann, also aus einer Tonhöhe einen Rhythmus, aus einem Rhythmus eine formale Einteilung, aus einer formalen Einteilung eine Klangfarbe; daß man also kontinuierlich durch die musikalischen Wahrnehmungskategorien hindurchkomponieren kann.
    http://www.elektropolis.de/ssb_story_stockhausen.htm
     
  20. Re: 5.2.2011, Klassenfahrt nach Köln

    Eingetaucht bin ich.
    Gelernt habe ich.
    Ansatzweise verstanden habe ich.
    Wertschätzen tue ich.
    Weiterdudeln werde ich aber trotzdem!
    :D

    Schöne Grüße,
    Bert
     
  21. Anonymous

    Anonymous Guest

    Re: 5.2.2011, Klassenfahrt nach Köln

    Hier die entsprechende Teile aus dem Vortrag von Karlheinz Stockhausen, hier als Vortrag aus dem Jahr 1963, mit den entsprechenden Klangbeispielen.


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  22. marv42dp

    marv42dp aktiviert

    Re: 5.2.2011, Klassenfahrt nach Köln

    Dass das Eine das Andere nicht ausschliesst, sondern idealerweise sogar inspirativ ergänzt, erschliesst sich Dir vielleicht auf der nächsten oder übernächsten Erleuchtungsstufe. Ich wünsche viel Erfolg auf Deinem Weg dorthin.
     
  23. Anonymous

    Anonymous Guest

    Re: 5.2.2011, Klassenfahrt nach Köln

    Danke. :nihao:
     
  24. Jean Pierre

    Jean Pierre aktiviert

    Re: 5.2.2011, Klassenfahrt nach Köln

    unterschreib ich :supi:
    genauso sehe ich das auch :supi:
     
  25. Anonymous

    Anonymous Guest

    Re: 5.2.2011, Besuch Elektronisches Studio WDR, Köln

    Ist das so missverständlich formuliert? Ich möchte das so verstanden wissen, dass es Menschen gibt, die an moderner Kunst, deren Historie und Hintergrund nicht interessiert sind und mit dieser kulturellen Einschränkung dann dümmlich vor sich hinleben mögen.
    Eindrücke wie die vom letzten Samstag sind in der Tat dazu geeignet, seine eigene musikalische Position zu reflektieren und sein kreatives Potenzial - abseits von Anhäufung technischer Geräte - zu steigern. Wenn das beim Besuch nicht rüber gekommen sein sollte, dann war's fürn Arsch.
     
  26. Moogulator

    Moogulator Admin

    Re: 5.2.2011, Besuch Elektronisches Studio WDR, Köln

    Lass doch die Leute freiwillig Spaß und Interesse haben, die ständige Bewertung sagt doch nur was über den Threadstarter aus. Es wäre doch schade, wenn die historischen und auch sonstigen Informationen hierbei verloren gingen oder gar eine Projektion auf etwas zuließen. finde damit wird man dem tollen Angbot Herrn Müllers nicht gerecht.

    Es lohnt sich einfach, dies mal mit Fragen aller Art neugierig anzuschauen und ansich kann man nur gewinnen dabei. Alles andere dient anderen Zwecken.
     
  27. Anonymous

    Anonymous Guest

    Re: 5.2.2011, Besuch Elektronisches Studio WDR, Köln

    Bernie hat das meiner Meinung nach sehr gut auf den Punkt gebracht, dass er einiges nun mit anderen Ohren hört.
     
  28. Moogulator

    Moogulator Admin

    Re: 5.2.2011, Besuch Elektronisches Studio WDR, Köln

    Dem schließe ich mich sehr gern an. Das kann hier und da aber vieles auch bewirken zB ein Künstler oder ein Erlebnis/Erfahrung. Mein Schwerpunkt zielte darauf, weniger Wertungen und Vorspannungen einzubauen, die man besser nicht damit verbinden sollte. Neutrale Schilderungen sind da sicher hilfreicher als überbordende Bewertungsschemata.
     
  29. Anonymous

    Anonymous Guest

    Re: 5.2.2011, Besuch Elektronisches Studio WDR, Köln

    Dann laber doch nicht so eine gequirte Scheiße, denn um das, was der Besuch bei Bernie bewirkt hat, geht es doch letztendlich, sofern man nicht nur Müll in der Rübe hat.
     
  30. Moogulator

    Moogulator Admin

    Re: 5.2.2011, Besuch Elektronisches Studio WDR, Köln

    Das ist genau die Ausdrucksweise die dem Event und der Möglichkeit eher schadet. Das finde ich schade. Ich bin sicher, dass sich das tolle Erlebnis positiv forumlieren lässt ohne einen von dir möglicherweise noch einmal zu überdenkenden Satz wie
    . Das betriff auch die schon von anderen Nutzern bemerkte und überflüssige "dudeln" Bemerkung.

    Ich schätze das Potential und die Freundlichkeit und Bereitschaftt Herrn Müllers damit deutlich mehr Rechnung getragen würde und die positiv-interessierte Idee auch leicht vermittelt werden kann, wenn man (du) solche Artefakte einfach weg lässt. Nicht nur angesichts von "alten Gerätschaften", sondern dem, was musikalisch und historisch hier vermittelt wird. Ich bin sicher, dass Beiträge wie "dudeln" und der komplette zitierte Satz eben nicht dazu beitragen und bestenfall einen seltsamen Mythos erzeugen könnten, und interessante Erlebnisse und so weiter untergehenn. Das ist ebenfalls schade, wenn du hiermit Interesse triggern möchtest. Möge die positive Energie des Besuches sich auch in der Formulierung hier im Thread niederschlagen.
     

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