Mit Verlaub, Herr 0b110, gesellschaftliches, sozialphilosophisches Denken scheint offenbar nicht gerade Ihre Paradedisziplin. Ist ja auch out
das ist eben der irrtum, dass die frage nach der arbeit (oder deren qantitativen vorkommens) auf der obersten ebene bereits eine philosophische sei.
philosophische betrachtungen sind etwas rein individuelles und verkennen daher regelmäßig das eignetliche wesen von sachverhalten.
deswegen hat auch der herr direktor des adorno instituts am donnerstag abend wieder gemeinsam mit einem anderen der vorturner festgestellt es gäbe gar kein proletariat mehr.
ja klar, im frankfurter westend wo die eierköpfe wohnen, mag das so sein. was aber nichts daran ändert, dass die mehrheit der weltbevölkerung dazu gezwungen ist, entfremdeter arbeit nachzugehen, um ihre existenz zu sichern.
deutung ist schon okay, aber deutung ist nicht beschreibung.
Die Arbeit mag gefühlt nicht weniger geworden sein. Quantitativ. Qualitativ schon eher: Unsere Arbeit ist weniger wert für uns selber wie auch für nachfolgende Generationen.
es ist ziemlich egal, ob die quantität der arbeit nun in den letzten 300 jahren um 5% gestiegen oder um 5% gesunken ist, und es gibt keine fundierte und vergegenständlichte art, das überhaupt zu messen.
wal buchenberg behauptet, sie sei gesunken, und er kann das auch ganz pürima an der automobilindustrie erklären, aber ob die hunderte von millionen native southamericans vor 1000 jahren wirklich mehr als 60 stunden pflichtarbeit pro woche erledigt haben weiß kein mensch - und ich würde mal spontan "nein" raten wollen.
all you can do ist darüber zu streiten ohne je zu einem ergebnis zu kommen.
die ursprüngliche idee zu zeiten der industrialisierung war ja, dass die menschheit jetzt mal eine zeit lang ranklotzt, bis die roboter dann irgendwann alles alleine machen und die enkelchen dann von der arbeit weitestgehend befreit sind.
bis in die 20iger jahre hat man daran geglaubt und der letzte der daran noch festhielt war henry ford.
er sollte irren, wir arbeiten immer noch...
Die Zahl der Berufe nimmt rapide ab.
...und immer wenn eine tätigkeit ausstirbt entstehen neuen, oder werden im schlimmsten fall von den kapitalisten (oder der kommunistischen zerntalregierung) einfach neu erfunden.
hundertausende von menschen arbeiten heute in berufen wie sicherheitsdienst (reiche vor unordnung beschützen) oder social media management (bullshit kommunizieren), alles dinge, die es vor 40 jahren noch überhaupt nicht gab.
im grunde genommen könnte man genau diese menschen sofort von der arbeit freistellen und ihnen trotzdem brot geben. das ist nur nicht erwünscht, da abhängigkeiten generell und vor allem die, die mit beschäftigungen verbunden sind, ganz prima verhindern dass wir uns mit alternativen zu all dem falschen um uns herum beschäftigen.
Was ist ein Beruf im Vergleich zu einem Job? Mit einem Beruf identifiziert man sich, einen Job macht man des Geldes wegen. Der Begriff der Prostitution ist körperlich-sexuellen Dienstleistungen vorbehalten, aber eigentlich verkauft man auch abseitig von der Domäne Lebenszeit und -kraft, ohne von der Tätigkeit erfüllt zu werden, ohne sie den Kindern zumuten zu können reinen Gewissens.
Seh ich ja schon an uns, den Synthmuckern. Musiker, die stromunabhängige Instrumente beherrschen, machen für mich auf der Bühne allemal mehr her als so ein einsamer nasegeweißter DJ. Auf den bin ich nicht neidisch, während ich Texteditorenfenster mit kryptischen Klang- und Ton- und Taktbeschreibungen fülle, auf Liveproduktion gleich ganz verzichte. Musikproduktion macht der Rechner still, von der Lüftung abgesehen, während ich Tee trinke und ganz gespannt einen Fortschrittsbalken betrachte, oder Staub sauge oder so.
ja, sehe ich alles ähnlich, aber lass uns nicht zu weit von thema abkommen: ist KI eine technologie, die arbeit in gewissen bereichen überflüssig macht, und wenn ja, gilt das nur für bullshit jobs oder auch für kunst und philosophie?
Man könnte behaupten, die von der Musik entfremdete Musikproduktion treib ich so nur noch auf die Spitze. Dabei kommt es mir nur darauf an, alte, aber hochwertige universelle Hardware weiter zu nutzen.
Oder erst mal die fein durchorganisierten Arbeitsabläufe in einer Fabrik.
also ich produziere schon lange nicht mehr mehr (gewerbliche und konventionell), und bei meiner künstlerischen tätigkeit würde ich mir manchmal wünschen, ich hätte mehr "fabrikarbeit" drauf und würde mich mal diszipliniert an meine tollen pläne halten, die ich immer so gerne mache und dann doch nicht umsetze. :)
fließbandarbeit ist außerdem ganz toll - so lange ich mich frei dazu entschieden habe so zu arbeiten.
das problem bleibt einzig der zwang. unter wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen zwängen macht auch eine freiberufliche tätigkeit oder eine selbstständigkeit nur mäßig spass.
Und das nennen wir dann Effizienz.
ja.
die, die die deutungshoheit darüber haben, was effizienz ist, beschränken die effizienz von etwas auf vorläufig nachweisbare betriebswirtschaftliche ergebnisse.
je bullshittiger eine branche ist, desto wichtiger sind irgendwelche abstrakte eckdaten vor allem anderen.
der sinn des lebens sollte sein seine eltern zu pflegen, mit seinen kindern zu spielen, seinen nachbarn zu helfen, oder sich einfach nur die sonne auf den bauch scheinen zu lassen, und stattdessen stehst du morgens auf, hetzt mit dem rennwagen durch den stau, programmierst 14 stunden pro tag investmentbanking-bullshitscripte auf der blockchain, damit dein team die vorgegebenen zahlen erreicht, denn sonst wird es aufgelöst und du hast diese 35,000 pro monat plötzlich nicht mehr, die du doch unbedingt brauchst, um mit dem rennwagen morgens zur... scheiße, was für ein quatsch.
Die Arbeit, die die Nebenwirkungen schlechter Arbeit kompensieren oder wieder gut machen soll, wird immer mehr. Diese sinnleere Arbeit weggedacht, stimmt meine These wieder: (Echte) Arbeit wird immer weniger.
ich wäre mir da genau so wenig sicher wie bei der arbeit insgesamt.
es passiert heute schon unglaublich viel im rahmen von ehrenämtern oder hobbies, die es so vor 300 jahren nicht gegeben hätte, weil man dafür zu arm gewesen ist und eher für das bloße überleben der familie arbeiten musste, was einem gerade angeboten wurde.
daher, um beim thema zu bleiben: kann eine KI wirklich ersetzen, dass willi meier gerne sonntags mittags katzenbilder mit ölfarben malt? kann sie meiner meinung nicht.
kann eine KI jemanden überflüssig machen, der klangereignisse aneinanderreiht? geht meiner auffassung nach auch nicht.
es gibt seit 40 jahren begleitautomatik in orgeln, und wenn ich das nicht benutzen will um zu komponieren, dann benutze ich das nicht. kein mensch benutzt sowas zum komponieren. und dennoch gibt es jedes jahr mehr menschen, die musik machen, als im jahr zuvor.
und dann: ob man sich einfach so von etwas anderem ersetzen lässt ist wohl nicht zuletzt ein frage der inneren einstellung.
von daher könnte ich natürlich auch unrecht haben, wenn jetzt einfach die mehrheit der komponisten und produzenten sagt
"oh, da gibt es ja jetzt roboter, die komponieren können, dann höre ich jetzt wohl besser gleich freiwillig damit auf!"
das kann auch passieren. und dass ich es damit anders halten werde, ändert natürlich nichts an der gesamtentwicklung.