Mein Weg zum klaren Mix - Tipps für Produzenten + Ableton Template

Sonosphere

Sonosphere

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Hallo liebe Community



Ich glaube jeder Neuling der Musikproduktion stellt sich die Frage, wie zur Hölle die Artists so klare Mixes hinbekommen.

Ich dachte, ich schreibe mal meinen Weg zum klaren Mix auf. Es braucht schon mehrere Steps, ein wenig Übung und gute Abhöre.

Sooo und wie wir in der Philosophie ja lernen, sollte man erstmal deklarieren worum es genau geht:


- Diese Aufzählung meiner eigens eingesetzten Schritte dient dem Mixen von Psytrance. Ich bevorzuge einen analytischen Sound und lasse den Mastering Engineer die Wärme dazugeben. Die Aufzählung ist und bleibt also ein subjektives Verfahren.

- Sprich: Ich mastere nicht selbst. Für mich kann nichts einen Mastering Engineer des Vertrauens ersetzen.

- Ich habe sehr gute Erfahrungen mit diesem Weg gemacht.

- Mein Psytrance bewegt sich zwischen 140 - 160 BPM, sprich ein analytisches Klangbild passt für mich bei dieser Geschwindigkeit.

- Ich habe sehr viele Elemente im Arrangement und grenze jedes Element auf das charakteristische Frequenzspektrum ab.

- Das Wichtigste: Wenn ihr stattdessen ein Singer-Songwriter-Projekt habt, dann bitte nicht alles blind befolgen, sondern hören. Es ist immer alles relativ und die künstlerische Kreativität soll ja von keiner Regel begrenzt werden.

- Gewisse Aussagen klingen pauschal und absolut. Das liegt aber daran, dass es für mich so funktioniert. Muss aber nicht für alle und schon gar nicht für jeden Musikstil gelten!


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1. Die Abhöre


Zuallererst ist es wichtig gute Studiomonitore zu benutzen und auch gute Kopfhörer. Ja beides! Denn beide Abhöre haben ihre Vorteile!


1.a) Studiomonitore werden "near-field" eingesetzt, das heisst ich sitze nahe an den Monitoren und habe umso weniger Klangeinbussen durch den Raumeinfluss. Jedoch habe ich durch die Anordnung des Stereodreiecks ein Stereobild, welches ein Kopfhörer nicht bieten kann. Der Sound des rechten Studiomonitors erreicht nämlich mein linkes Ohr und umgekehrt. Das ist bei den Kopfhörern nicht der Fall!

1.b) Kopfhörer eignen sich hervorragend um ganz tief in die Analyse zu gehen. Ich kann mit guten Kopfhörern die einzelnen Sounds viel präziser analysieren. Dafür aber ist es nicht möglich Phasenprobleme zu erkennen, da rechter und linker Kanal getrennt gehört werden (da auf Ohren anliegend).

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2. Organisation in der DAW



Wie alles im Leben (naja) muss man sich auch in der DAW gut organisieren. Im besten Fall erstellt ihr Gruppen für zusammengehörige Instrumente und Samples. Diese Subgruppen ermöglichen einerseits eine Übersicht und andererseits können sie sogar im Bedarfsfall gemeinsam bearbeitet werden (Vorsicht hierbei!). Ich habe für euch mein eigens erstelltes Ableton-Template angehängt. In diesem sind Gruppen sowie leere Beispielspuren mit EQ und Sends bereits vorhanden. Dieses könnt ihr einfach ohne weiteres als Template speichern und benutzen.


Beispielgruppen:

Kick & Bass

Percussion (Hihats/Snare/Crash)

Synths

Lead Synths

Atmos

Vocals

FX


Weswegen soll ich Gruppen benutzen?

Ich benutze Gruppen, da sie mir eine Übersicht ermöglichen, und ich beim exportieren für den finalen Mix manchmal Instrumentgruppen als Ganzes exportiere. Wenn sie zusammengehören, so belasse ich sie auch zusammen für den finalen Mix. Ausserdem kann ich durch die Ordnung auch sauberer vorgehen und werde nicht abgelenkt von 50 Spuren die wirr im Arrangement angeordnet sind. Jede Spur hat für mich auch eine Farbe. Ob Gruppen für euch passen müsst ihr selbst wissen. Für mich funktioniert es.


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3. Der Rough Mix und das Polieren des Endmixes



So! Dieser Teil ist ganz ganz ganz wichtig! In der elektronischen Musikproduktion geschieht alles gleichzeitig. Man komponiert, arrangiert, designed die Sounds und mixt die ganze Sache auch noch. ABER dieser Mix ist bei mir der "Rough Mix". Es ist ein grober Mix, aus dem man noch viiiel viel mehr rausholen kann.

Wie?
?(


Wenn ihr das Gefühl habt der Song ist fertig und auch gemischt, dann bounced ihr alle tracks oder Gruppen und exportiert sie in ein neues File. Dann habt ihr den Rough Mix und mischt noch einmal, macht alle Feineinstellungen und die Politur. Und in dieser Phase gebraucht ihr am besten nur noch Linearphasige EQs (siehe unten).

Ich persönlich produziere in Bitwig und exportiere alles ins Logic, da ich das Abmischen im Logic einfach so übersichtlich finde, das ist aber eine persönliche Präferenz.

Welche Sounds werden zusammen exportiert als eine Spur?
?(



In den bestehenden Gruppen (siehe oben) könnt ihr weitere Subgruppen erstellen mit Sounds, die eurer Meinung nach zusammengehören. Richtlinie ist: Sie müssen im gleichen Frequenzbereich sein. Das ist wichtig für den finalen Mix!

Beispielsweise gehören für mich in der Gruppe "Atmos" ein Wassergeplätscher und Vogelgezwitscher zusammen. Oder tiefe Gruaaaaaar-Psy-Sounds.
:huebbel:


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4. Das EQing

So... das ist der erste Schlüssel zum sauberen Mix. Und auch hier gilt: Ausnahme macht die Regel und wenn ein Künstler etwas bestimmtes tun möchte, das nicht zu der Regel passt, weil es gut klingt, dann ist es ja auch erlaubt.

Denn viele Neulinge setzen die EQs nicht "richtig" ein. Was heisst "richtig"? Es gibt mehrere EQs in einem Track. Im Grunde reichen zwei aus im Rough Mix und einer im finalen Mix.

4.a) Rough Mix:

Der erste EQ folgt direkt nach dem Synth oder Sampler und vor den Effekten! Er schneidet alles weg, was ganz sicher nicht in die Spur gehört. Diesen EQ könnt ihr auch solo abhören.


Ich halte mich an folgende Richtlinien:

Kick & Bass: 30-40Hz. (tut das um Himmels willen!) Hier muss man wohl testen ob linearphasige oder nichtlinearphasige EQs besser klingen. (Danke an Intercorni :) ) nicht-linearphasige verändern sie den Sound und insbesondere im Bassbereich hört man dies deutlich! Also ausprobieren.

Synths & Samples: 180 - 200 Hz. Hier mache ich das, weil ich keinen Clash mit dem Bass möchte und es für mein analytisches Klangbild begünstigt.


Warum tun wir das?
?(



Ich möchte auf keinen Fall, dass alle Effekte, die in die Spur kommen, die tiefen Frequenzen verarbeiten müssen. Denn gewisse nichtlineare Effekte erzeugen Obertöne, welche wiederum den Mix dreckig machen. Also weg damit.


4.b) Der zweite EQ folgt nach den Effekten und ist die letzte Instanz vor dem Side-Chain Kompressor (siehe unten). Mit diesem EQ forme ich den Sound so, dass der Sound dann in den Mix passt. Hier werden alle Frequenzbereiche abgesenkt, die den Sound irgendwie muffig oder unklar machen. Zudem werden alle Bereiche abgesenkt, die nicht charakteristisch für den Sound sind. Nur Mut dabei! Im Mastering zahlt es sich aus!


Ich hebe nicht explizit hohe Frequenzen an um den Sound klarer zu machen. Höchstens im Endmix, wenn alles andere gut EQt ist. Aber da gehe ich sehr vorsichtig vor.


Richtlinie:

Alle Problemfrequenzen weg, damit die guten bleiben! Wenn es leiser wird, dann gibt ihr Gain dazu. Fertig. Nur Mut!


Vorsicht im Bassbereich: Seid vorsichtig, wenn ihr den Bass EQt. Nicht-linearphasige EQs erzeugen Phasenverschiebungen, wodurch sich der Bass verändert. Gutes hören ist angesagt.



4.b) Endmix:

Wichtig: Benutzt hier linearphasige EQs. Damit ihr keine Phasenverschiebungen mehr verursacht. Treibt es nicht zuweit mit zu hohen Q-Werten um kein Ringing zu erzeugen.

Hier werden noch einmal alle nicht charakteristischen Bereiche abgesenkt oder sogar die Mitten abgesenkt oder beschnitten. Jenach Sound natürlich. Seht euch Frequenztabellen an, die die muffigen Frequenzbereiche markieren, oder aber hört einfach gut hin! Meistens sind es Mitte Frequenzen und tiefe. Viele Sounds brauchen bei mir keine 180Hz Frequenzen (Achtung, jenach Musikstil!!). Aber hört gut hin. Probiert aus. Hier dürfte auch mal hie und da etwas angehoben werden aber ganz vorsichtig damit. Lieber die Problemfrequenzen weg und das Anheben eher als Charakter und Akzentuierung einsetzen.

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5. Lautstärken:

Es mag zunächst nicht so wichtig klingen, aber die Lautstärken sind ebenfalls ein Schlüsselelement. Im Endmix geht ihr nochmal jede Spur durch und stellt die Lautstärke so ein, dass der Sound da ist wo er sein sollte. Im Hintergrund oder im Vordergrund. Ein klarer Mix bedeutet bei meinem Psytrance oft (nicht immer) dass die Pads eher leise sind (und gut EQt) und kurze Prägnante Sounds eher lauter, so dass sie auch entsprechen rauspreschen.


Der Kontrast macht die Klarheit! (Wie auch bei den Bildern)


Also alles nochmal durch und Mut haben zur Absenkung von allem was nicht zuvorderst sein muss. Im Mastering zahlt es sich aus! (Alles wird sowieso lauter und präsenter also packt zu im Mix!).

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6. Side-Chaining

Side-Chaining ist ein wichtiges Instrument, um Sounds, die gleiche Frequenzbereiche teilen automatisiert abwechseln zu lassen. Wenn gewisse Sounds trotz EQing(!) sich immernoch beissen, dann ist Side-Chaining angesagt. Entsprechend senke ich den Sound der gerade in den Hintergrund rücken soll für einen anderen um 3-5dB. Aber auch hier gilt: hinhören.


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Empfohlene Plugins:

- FabFilter Q3

- Omega Kush 438A

- PluginAlliance bundle (im Abo erhältlich - ist der Wahnsinn)



So das wars mal fürs erste. Ich werde bei Bedarf und wenn mir mehr in den Sinn kommt diesen Thread einfach erweitern.

Wenn ihr fragen habt oder Sounds, die ich mir anhören soll für Tipps, so postet sie einfach. Ich werde euch rasch antworten.


Angehängt findet ihr mein Ableton-Template sowie eine Frequenztabelle die ich per Google gefunden habe.



Viel Spass beim Sounden!
:huebbel:
:huebbel:
:huebbel:
 

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Zuletzt bearbeitet:
intercorni

intercorni

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Ich würde beim LowCut auf jeden Fall auch einen linearphasige EQ einsetzen!
 
sempiternal

sempiternal

Bass Junkie
Linearphase EQ & Low Cut... davon würde ich persönlich eher abraten.
Aber so hat jeder seine Meinung.. Generell Low Cut, is so ne Sache für sich.
 
Green Dino

Green Dino

Greta Sub Bass
Da kann man glaub endlose Diskussionen führen. Für den einen funktioniert das, für den anderen was anderes. lol.
Hat nicht jedes Forum mindestens einen Thread Hi Pass ja oder nein?


Ich bin während den letzten Jahren auch wieder mehr vom High Pass nutzen weggegangen (hatte das ca. 5 Jahre sehr rigoros gemacht, davor 5 Jahre kaum), nutze sogar mehr Low Pass um Spuren dumpfer (mehr in Richtung Tape) zu machen, wenn das gefühlsmäßig gut zum Track passt.

Ich kann jetzt auch nicht viel schreiben, wollte eigentlich nur dieses Video (mit gar nicht reißerischen Titel) hier lassen.
Kam zufällig in einer Playlist, die Technik ist aber für bestimmte Arrangements echt gut.
(Geht prinzipiell einfach darum ein Reverb über Sidechain Kompression zu „ducken“, der Sidechain Trigger ist aber die Quelle des Reverbs selbst.
Spielt die Quelle, tritt das Reverb in den Hintergrund, die Einstellungen des Kompressors bestimmen dann wie (und wie schnell) das Reverb nach dem Ausklingen des Tons wieder hochgezogen wird.
Man kann so größere, dramatischere etc. Reverbs verwenden ohne die Spur (und den Mix) permanent mit Reverb zu überladen.

Habs gestern kurz ausprobiert (passte gerade zum Arrangement) je nach dem welche Kompresorcharakteristik (also unterschiedliche „Vintage“ Emulationen z.B.) man nutzt, kann das „Gefühl“ beim Hochziehen des Revebs auch noch beeinflussen.

https://m.youtube.com/watch?v=ETvhemYVUh8
 
Zuletzt bearbeitet:
sempiternal

sempiternal

Bass Junkie
Wieso denn abraten? Also auch vom low cut selbst meinst du?

Das kann ich dir nun auf die schnelle und in kürze nicht ausführlich beantworten.
Low Cuts erzeugen Phasendrehungen und Ringing, beim Linear EQ noch schlimmer: Pre Ringing.
Deshalb können dir Low Cuts mehr kaputt machen, als du denkst zu reparieren.
Man sollte tiefer eintauchen und wirklich nur ganz fein Dinge rausnehmen, anstatt wie der Bezerker alles zu killen. Das wirkt sich am Ende nämlich auch auf den Mix aus und dann fragt man sich, wieso der Klang so dünn is.. aber wenn man das ganze Projekt voller Phasendrehung hat, schnell erklärt.

Ich hab jetzt während des Schreibens noch kurz nach einem Beitrag gesucht, da kannst dich mal reinlesen:
..mir is es sonst leider etwas viel zu schreiben, das is schon ein Thema wo man am Tisch gute 60/90 Minuten drüber sprechen kann.
 
einseinsnull

einseinsnull

[nur noch musik]
Low Cuts erzeugen Phasendrehungen und Ringing, beim Linear EQ noch schlimmer: Pre Ringing.

außer beim klassischen DC, denn unterhalb von 20 Hz hörst du auch von einer 90 grad verschiebung nix mehr, da führt ein assymetrisches filter zum gleichen ergebnis.
 
einseinsnull

einseinsnull

[nur noch musik]
Ich hab jetzt während des Schreibens noch kurz nach einem Beitrag gesucht, da kannst dich mal reinlesen:

der erklärt da was, was ich zwar irgendwann mal erfunden hab, aber vermutich kein mensch in einem kommernziellen produkt so macht.

im regelfall sind das einfach FIR filter. :)
 
NickLimegrove

NickLimegrove

Flexiganer
Dafür aber ist es nicht möglich Phasenprobleme zu erkennen, da rechter und linker Kanal getrennt gehört werden (da auf Ohren anliegend).

Vielleicht verstehe ich was anderes unter Phasenproblemen als du, aber: zwischen beiden Ohren ist das Gehirn, und das ist sehr wohl in der Lage, zu erkennen, wenn es zwischen linkem und rechtem Kanal Differenzen in Sachen Phasenlage gibt. Mit Kopfhörern geht das u.U. sogar noch besser, weil man nicht den Rattenschwanz an Problemen mit drin hat, den die Raumsituation um die Abhöre herum mit sich bringt.
 
H

helldriver

||
kurze Frage was ist in Linearphasiger EQ? Gehört da der UAD Cambridge und der Fabfilter Q3 dazu?
Danke
 
einseinsnull

einseinsnull

[nur noch musik]
da oben ist ein link zu einem prima artikel zu dem thema.

ob ein filter plug-in über diese eigenschaft verfügt erkennt man normalerweise am namen oder am untertitel... es ist schon eine sehr spezielle eigenschaft eines filters, die man nicht immer braucht.

der Q3 hat verschiedene modi, die man über ein menu auswählt. das kommt jetzt immer mehr...
 
Zuletzt bearbeitet:
R

Rsdr

Guest
1.a) Studiomonitore werden "near-field" eingesetzt, das heisst ich sitze nahe an den Monitoren und habe umso weniger Klangeinbussen durch den Raumeinfluss. Jedoch habe ich durch die Anordnung des Stereodreiecks ein Stereobild, welches ein Kopfhörer nicht bieten kann. Der Sound des rechten Studiomonitors erreicht nämlich mein linkes Ohr und umgekehrt. Das ist bei den Kopfhörern nicht der Fall!

1.b) Kopfhörer eignen sich hervorragend um ganz tief in die Analyse zu gehen. Ich kann mit guten Kopfhörern die einzelnen Sounds viel präziser analysieren. Dafür aber ist es nicht möglich Phasenprobleme zu erkennen, da rechter und linker Kanal getrennt gehört werden (da auf Ohren anliegend).
Da gibt es doch aber Plugins die genaus das machen, also was vom rechten Kanal auf den linken legen und umgekehrt. Also um so gut hören zu können wie mit Studio Kopfhörern muss bestimmt so einiges ausgeben werden. Allein schon so tief runter zu kommen, da müssen doch die Monitore schon einen stattlichen Durchmesser haben und der Raum darf da nichts verfälschen.

Ich bin da jetzt kein Experte, aber ich lasse das gleich sein mit diesen Monitoren, bringt doch nix wenn man nicht gerade einen guten Raum dafür hat und der Bass fehlt, gerade bei elektronischer Musik.
 
maak

maak

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Dass ein EQ über Phasenverschiebung funktioniert hab ich schon kapiert und Mr. Bill erklärt das hier auch gut.
Nur nicht bei Monosignalen (Bass). Wie kommt da eine Phasenverschiebung rein. Eher nicht zu sich selbst sondern zum Rest des Sounds oder?

Oder entsteht am EQ ausgang pseudo stereo? Also links/rechts gleiches Signal nur versetzt? Das wäre mir aber schon aufgefallen ;-)
 
einseinsnull

einseinsnull

[nur noch musik]
Nur nicht bei Monosignalen (Bass). Wie kommt da eine Phasenverschiebung rein.

mono... ne, dann hast du es nicht verstanden. :)

es wurde oben leider unpraktischerweise über verschiedene "phasen" und probleme damit gesprochen, so dass man das leicht verwechseln kann. (weiß einer bessere deutsche worte dafür damit man das unterscheiden kann?)

was filter verursachen ist vereinfacht dargestellt folgendes: die phase (gehen wir nicht näher darauf ein wie man das definiert) des passbands ist anders als die des stopbandes.

wenn du z.b. einen lowpass filter hast, dann verschiebt sich da was im signal, aber tendenziell nur oberhalb der filterfrequenz. die bässe kommen so raus wie sie reingingen, die höhen werden dadurch, dass sie in der lautstärke abgesenkt werden, gleichzeitig auch "verdreht".

diese differenzen oder ungenauigkeiten kann man dann im extremfall deutlich hören, vor allem wenn die filterfrequenz nicht moduliert wird, so wie z.b. bei einem EQ, den man beim mischen einsetzt.
 
Sonosphere

Sonosphere

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Wie linearphasige EQs funktioniern weiss ich, da ich Elektrotechnik studiert habe. Im Grunde muss man auch unterscheiden, mit welcher Flankensteilheit der Low-Cut gemacht wird. Bei Linearphasigen entsteht tatsächlich ein Pre-Ringing und da muss man sich einfach fragen, was nun schlimmer ist. Gerade bei Transienten möchte man wohl kein Pre-Ringing haben, bei Flächensounds mit langem Attack muss das nicht stören.

Beim FabFilter Q3 kann man ausserdem verschiedene Grade der "Linearphasigkeit" einstellen. Bei hohem Grad wird das Pre-Ringing ziemlich hörbar. Aber da kann man eine gewisse Mitte finden. Bei mir hats zumindest geklappt.

Bei meinem PSytrance ist ein Lowcut unumgänglich. Der Sound ist schnell und hat viele Elemente, entsprechend muss ich sie ausdünnen, da ich ja auch das analytische Klangbild haben möchte. Anders wäre es mit "Dream-Pop" oder sonstwas. Da würde ich vielleicht anders mischen.

High-Cuts oder weiche Absenkung der Höhen setze ich ebenfalls ein, ansonsten wirds dann ein wenig zu "digital"....



Vielleicht verstehe ich was anderes unter Phasenproblemen als du, aber: zwischen beiden Ohren ist das Gehirn, und das ist sehr wohl in der Lage, zu erkennen, wenn es zwischen linkem und rechtem Kanal Differenzen in Sachen Phasenlage gibt. Mit Kopfhörern geht das u.U. sogar noch besser, weil man nicht den Rattenschwanz an Problemen mit drin hat, den die Raumsituation um die Abhöre herum mit sich bringt.


Jap hier meinen wir was ganz anderes. Ich spreche vom Stereodreieck und dem Sound der sich zwischen Boxen und Ohren in der Luft "mischt".

Blödes Beispiel: Nehmen wir zwei Sinus-Signale. Und invertieren die eine (180° Phasenverschiebung) und dann pannen wir jeweils ein Signal Rechts und eines Links.

Mit dem Kopfhörer wirst du beide Signale hören. Mit den Monitoren werden sich die Signale im (theoretisch) perfekten Stereodreieck auslöschen. Natürlich nicht im ganzen Raum, aber theoretisch am Ort des Hörers.

Beim Kopfhörer hören wir die Signale eben immer getrennt.
 
Plasmatron

Plasmatron

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Schönes Tutorial. Hoffe es wird ein paar Leute ansprechen. Es gibt immer Leute die lesen ohne hier zu schreiben...
 
Plasmatron

Plasmatron

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@Sonosphere ich finde es gut das Du DEINEN Weg beschreibst und auch Mixe vorweisen kannst. Das gibt es hier viel zu selten.
 
NickLimegrove

NickLimegrove

Flexiganer
Blödes Beispiel: Nehmen wir zwei Sinus-Signale. Und invertieren die eine (180° Phasenverschiebung) und dann pannen wir jeweils ein Signal Rechts und eines Links.

Mit dem Kopfhörer wirst du beide Signale hören. Mit den Monitoren werden sich die Signale im (theoretisch) perfekten Stereodreieck auslöschen. Natürlich nicht im ganzen Raum, aber theoretisch am Ort des Hörers.

Dann meinen wir doch das Gleiche :)
Genau an das Beispiel von dir hatte ich auch gedacht. Und sage: im Kopfhörer hört man das ebenfalls. Wenn die eine Welle ins Ohr "drückt", die andere am anderen Ohr "zieht", das merkst du. Wahrnehmung von Differenzen in der Phasenlage (auch desselben Signals aus nur eine Quelle), solche Sachen sind mitentscheidend dafür, dass unser Gehör auch als Orientierungshilfe im Raum taugt.
 
borg029un03

borg029un03

Elektronisiert
@Sonosphere
Ich schließe mich meinem Vorredner an:
@Sonosphere ich finde es gut das Du DEINEN Weg beschreibst und auch Mixe vorweisen kannst. Das gibt es hier viel zu selten.

Von daher erstmal Lob für deine Mühen, aber ein paar Fragen bleiben dann doch:

In den bestehenden Gruppen (siehe oben) könnt ihr weitere Subgruppen erstellen mit Sounds, die eurer Meinung nach zusammengehören. Richtlinie ist: Sie müssen im gleichen Frequenzbereich sein. Das ist wichtig für den finalen Mix!

Unabhängig ob es Sinn macht oder nicht fehlt eine Erläuterung weshalb das wichtig für den finalen Mix ist. Ich sortiere nach Farben und in meinen Subgruppen kommt alles rein was im Rahmen des "Gluings" (schreibt man das so?) für mich Sinn macht.

Kick & Bass: 40Hz. (tut das um Himmels willen!) Nutzt Linearphasige EQ's für die Lowcuts (Danke an Intercorni :) ) Ansonsten verändern sie den Sound und insbesondere im Bassbereich hört man dies deutlich!

Ich tendiere zum Gegenteil, da Linearphasige (besser der englische Begriff "Minimal Phase") EQs da mehr Probleme machen als, dass sie sie lösen. Auch 40Hz find ich erstaunlich hoch so als pauschale Aussage. Bei Techno fängt da der Spaß doch erst an ;-)

Synths & Samples: 180 - 200 Hz. (das auch!)

Auch das find ich als pauschale Aussage problematisch, selbst eine Gitarre hat noch nen coolen Bounce bei so 120Hz, der wäre ja dann einfach weg. Auch find ich die Diskussion oder Anmerkung auf die Frequenz beschränkt etwas kurz gefasst, da die Flankensteilheit auch noch relevant ist wie stark der Charakter eines Synths beschnitten wird.

Wir wollen auf keinen Fall, dass alle Effekte, die in die Spur kommen, die tiefen Frequenzen verarbeiten müssen. Denn gewisse nichtlineare Effekte erzeugen Obertöne, welche wiederum den Mix dreckig machen. Also weg damit.

Wenn das aber gewünscht ist? Hier sollte der Produzent individuell entscheiden ob ein vorheriger Cut einen Mehrwert bringt oder nicht und sich im Idealfall auch allgemein dessen Vergegenwärtigen welcher Effekt wie mit tiefen Frequenzen umgeht.

"Niemals" werden hohe Frequenzen angehoben um mehr Klarheit zu schaffen.

Die Aussage steht mir einfach nur so im Raum ohne Erklärung und wirkt auch irgendwie zu absolut, als dürfte man hohe Frequenzen nie anheben.
 
fanwander

fanwander

*****
Die ganzen Aussagen zum EQing finde ich alle sehr anzweifelbar. Da hat jemand noch nie was von "Frequency Window Mixes".

Und das mit der "Phasenrichtigkeit von EQs" ist im Umfeld von rein elektronisch produzierter Musik komplett irrelevant! Das Problem besteht doch nur, wenn man wie zB bei der Mehrfachmikrofonierung von Orchester oder (bei Pop) von Schlagzeug das gleiche Signal über mehrere Mikrofone mitbekommt, deren Kanäle dann unterschiedlich EQ'd werden. Bei elektronische generierten Signalen gibt es diese Beziehung zwischen zwei verschieden eingestellten Kanälen nicht.
 
Sonosphere

Sonosphere

....
Dann meinen wir doch das Gleiche :)
Genau an das Beispiel von dir hatte ich auch gedacht. Und sage: im Kopfhörer hört man das ebenfalls. Wenn die eine Welle ins Ohr "drückt", die andere am anderen Ohr "zieht", das merkst du. Wahrnehmung von Differenzen in der Phasenlage (auch desselben Signals aus nur eine Quelle), solche Sachen sind mitentscheidend dafür, dass unser Gehör auch als Orientierungshilfe im Raum taugt.

Es stimmt schon, man merkt es. Aber die Sache ist die, die Signale müssten sich auslöschen und ganz verschwinden. Wir merken also dass es zieht, aber das ist nichtmal das was wirklich das Problem ist. :D
 
Plasmatron

Plasmatron

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Ich finde es auf jeden Fall toll das wir mal einen Neuankömmling haben der technisch interessiert ist und offensichtlich positiv eingestellt ist. Spreche da jetzt indirekt die Kollegen mit dem Lagerkoller an , sie wissen schon sie wissen schon..
 
Sonosphere

Sonosphere

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@borg029un03

Du hast völlig Recht! Gewisse Aussagen wirken tatsächlich pauschal, da nicht erläutert. Da muss ich nochmal dahinter!

Im Wesentlichen habe ich beim Verfassen des Textes zu wenig Acht darauf gegeben, dabei zu bleiben wie ICH es tue und habe ein IST-SOLL Fehler gemacht. Ich wollte ja schreiben wie ich es tue und nicht wie es sein muss.

Ich bin beim verfassen des Textes insbesondere stark von PSytrance ausgegangen. Logischerweise würde ein Solo Gitarrenstück ganz anders mischen und sicher nicht bei 200 Hz abschneiden. Das sollte ich noch editieren im Text, damit es klar wird.
 
 


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