Re: Weihnachten: Teenage Engineering OP-1 im Store verfügbar
Soundwave schrieb:
das wort spielzeug ist hier wie ein tropfen blut in ein piranha becken...
ok, sagen wir ein spielerisches abgeschlossenes instrument ohne sync möglichkeit.
Der Casio VL-Tone war 1981 mein allererster "Synthesizer": Einstimmig mit acht Parametern, zu jeweils zehn Schritten aufgelöst, dazu passend ein Echtzeitsequencer mit 100 Noten Kapazität – Noten liessen sich nachträglich einfügen, das war es aber auch an Editiermöglichkeiten –, dieser wiederum nicht synchronisiert zu einem dreistimmigen (zwei tonale Clicks und ein kurzes Rauschsignal) Rhythmusgenerator mit zehn Presetpattern, abgerundet mit einem Taschenrechner. Ich gestehe ohne Umschweife, dass der OP-1 zuvorderst mein Interesse dadurch erweckte, dass sein Formfaktor so unverschämt an meinen VL-Tone aus mittlerweile angenehm verklärten Jugendtagen gemahnte. Ja, ich habe eine Schwäche für dieses Format – wohl mit ein Grund, warum ich neben dem VL-Tone den OP-1 und auch den Yamaha CS-01 II mein Eigen nenne.
Im Sommer 1986 lieh mir ein Freund eine
Tascam-1/4"-Vierspurmaschine mitsamt Einfachstmischpult, 'nen Korch Poly-61 und eine Dr. Böhm Digital Drums. Ich hatte'n DX7 und'n Akai S612 nebst MD280: Eine Sekunde Sample-Zeit! Speicherung auf 2,8"-Quick-Disk!! Und das für nur 3500 DM!!! Die Sache mit meiner Freundin war gerade in die Brüche gegangen, vor mir lagen also Sommerferien ohne jegliche Ablenkung durch's weibliche Geschlecht. Großartig.
Mit dem Setup hatte ich den Sommer über jede Menge Spaß, trotz fehlender Synchronisation. Man hätte es damals und vielleicht auch heute noch kaum als "Spielzeug" abgetan. Jetzt habe ich all' das und mehr in einem enorm handlichen Gehäuse, ohne nervige Kabelage, unter der liebevoll gestalteten Benutzeroberfläche des OP-1…und das Ding passt sogar auf den Nachttisch. Dazu ist der Spaß ungleich günstiger als das damalige Setup, wenn man sich die Originalpreise von vor 30 Jahren ins Gedächtnis ruft – aber selbst gebraucht wird man für die Trümmer von damals doch heutigentags mindestens soviel berappen müssen wie für einen OP-1.
Selbstverständlich muss sich das von diesem kleinen Kistchen Gebotene dem Leistungsumfang aktueller und zu teilweise lächerlich geringen Preisen angebotenen Softwarelösungen geschlagen geben, doch bitte ich dabei folgenden mildernden Umstand zu berücksichtigen: Es ist nicht jedem gleich wohl dabei, nicht nur seinen Lebensunterhalt durch die Arbeit an und mit einer Universalmaschine zu verdienen, sondern auch noch seine Freizeit davor zuzubringen. Was vielleicht abseits aller durchaus nachvollziehbaren praktischen und monetären Vorteile erklären mag, warum Menschen auch heute noch nicht alles jederzeit am Computer machen wollen. Inwieweit das ein Generationsproblem ist, sprich ob es nur Menschen meiner Alterklasse befällt, vermag ich nicht zu sagen.
Ist das Ding schließlich ein Statussymbol? Angesichts des Massenmarktes der Smartphones verschiedenster Hersteller, die ja immer wieder in die Diskussion geworfen werden, ist der OP-1 vor allem eines: ein Nischenprodukt, dass durch seinen Formfaktor an ein 30 Jahre Billiginstrument gemahnt. Angesichts hochpreisiger Neugeräte und eines florierenden Vintagemarktes gibt es auch im Bereich elektronischer Musikinstrumente ungleich besser zum Statussymbol geeignetere Investitionen.