Abmischen wie die Amis?

Hat irgendjemand eine Idee, was das für Reverb Settings sein könnten, die da auf den Vocals sitzen?
Wie ist es möglich eine solche Frequenzkontrolle der Stimme zu erreichen? Ein Kompressor alleine wird wahrscheinlich nicht ausreichen, könnten diese in Serie geschalten sein oder sogar ein multiband compressor? Meine Vocalbearbeitungen klingen jedenfalls nicht so kontrolliert wie im Beispiel, egal was ich an Kompression einstelle. Vielleicht gibt es ein paar Tricks die man wissen sollte.
Gäbe es allenfalls eine Möglichkeit, die Frequenzkontrolle einer Stimme mit einem Analyzer zu kontrollieren oder abzulesen? Wenn dem so ist, auf was muss man da achten?

Ansehen: https://www.youtube.com/watch?v=1VD-nYOOfz8
 
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Was vor allem auffällt: Der Stimme fehlen Bässen. Vermutlich ist sie mit einem dynamischen Mikro, aber NICHT mit Nahbesprechung aufgenommen. Das macht schon viel aus. Ansonsten: ja, könnte auch Multibandkompressor sein; aber vielleicht auch echt nur Bässe raus, und dann durch 'nen normalen Kompressor. Möglicherweise ist da auch ein Aphex C Exciter mit leichter Anhebung auf den Mitten. Exciter machen erstaunliche Dinge mit Stimme.
 
Die Bässe rausnehmen hat dann meist zu Folge, dass die Stimme dann eher wie durch ein Telefon klingt als natürlich und durchsetzungsfähig.
Hast Du da an einen Low Cut oder Low Shelf gedacht? Die Variante mit dem Aphex C Exciter kenne ich leider noch nicht.
 
Mit Bässe meine ich unter 200 Hz. Also ein bisschen mehr als der übliche Low Cut, aber noch nicht im Obertonbereich der Stimme (was beim Telefon der Fall wäre).

Telefon wäre wenn Du alles unterhalb 600Hz und über 1500Hz wegnimmst.
 
Und was denkst Du zum Thema Reverb. Dieser versteckt sich schön hinter der Stimme und gibt Ihr eine coole Ambiente. Der Reverb wird vermutlich mit einem Sidechain Signal durch die Lead Stimme heruntergedrückt, damit diese immer schön im Vordergrund bleibt.
 
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Ja der Raum im Hintergrund ist schön auf die Stimmen gemacht. Ziemlich sicher ist das nicht der Original-Raum der Aufnahme (dafür ist er zu groß). Ducking oder Side-Chain-Kompression ist da glaub ich nicht im Spiel (man hört den Hall deutlich während der Stimme auf den dunklen Vokalen - das wäre bei SC-Compression nicht der Fall). Vermutlich ein gut aufs Tempo abgestimmtes Predelay. Keine Early-Reflections, nur der Diffus-Hall.
 
Ah sorry, hab Dich falsch verstanden wegen dem Predelay ist mir Delay geblieben. Obwohl man mit delays auch einen recht guten Raumeindruck erreichen kann, wenn es kurz eingestellt ist. Da wäre aber dann wegen der Verständlichkeit der Sidechain Effekt gekoppelt mit der Lead Stimme schon eher erwünscht.
 
Also ich habe fast die halbe Nacht gemischt und kam auf kein befriedigendes Ergebnis mit der Stimme. Ist schon sehr schwierig an eine solche Referenz heranzukommen. Das mit den Bässen habe ich in verschiedenen Versionen ausprobiert, entweder wird mir die Stimme zu dünn oder bleibt immer noch zu mächtig. Oben um die 5 kH habe ich ebenfalls Probleme. Dort ist alles zu harsh, schraube ich die Frequenz aber runter, geht dann natürlich die Präsenz und Klarheit verloren. Es wurde damals mit einem Neumann TLM 49 aufgenommen, war vielleicht nicht die richtige Wahl. Die Multiband Geschichten habe ich auch ausprobiert, diese helfen ein wenig, aber das Ergebnis ist trotzdem nicht befriedigend. Ich frage mich, wie die das denn in den alten Zeiten gemacht haben, wo Tools wie multiband usw. noch nicht Thema waren...
 
Das ist ja das Problem mit Stimmen. Ist da einmal eine Verzerrung auf dem Band , bekommt man die nicht mehr unbemerkt entzerrt, Verfärbungen ja . Ausgerechnet bei Stimmen hat unser Gehör so viel Vergleiche Abgespeichert..

In den alten Zeiten hatte man eine Hand voll Standards und jeder wusste wie es klingt wenn man etwas ansetzt. Im Fall Stimme ist Outboard und Mikrofon doch das wichtigste.
 
Was Plug Ins angeht ... Da ich momentan 100% itb unterwegs bin, fällt mir auf, dass mir etwas fehlt.

Ich muss mich ständig irgendwie hinbiegen, dass habe ich noch anders in Erinnerung als ich mit
deutlich weniger Gear ( dafür Hardware ) mit 3 Synths, nem Sampler und im Mackie 16 ch Pult gemischt
habe. Es klang nicht besser, aber wesentlich anders und dieses "anders" ist das was ich heute suche.

Wahrscheinlcih schieße ich am Thema vorbei, wollte diesbzgl eigtl ein eigenes eröffnen, aber mal sehen,
ob wir noch den Bogen hinbekommen.

Dieses Video, bemüht sachlich zu sein, aber auf Homerecordler-Niveau, also nicht zu sehr abgehoben,
bringt mich auf Gedanken, ITB sei noch nicht soweit und ich solle das Projekt otb zu mischen vlt doch
wieder aufnehmen. Vlt ist es auch genau das was uns von den Amis unterscheidet ?

Wenn ich mir schon ausmale, dass ein vergleichsweise günstiges Behringer Pult und ein paar günstige
Multieffekte runder, musikalischer, besser? klingen, als Bemühungen es itb hinzubekommen ....

Genug geschwafelt...

 
Oder an kann einfach singen. Wäre ja auch mal eine Option. Vocals werden schon seit Jahrzehnten aufgenommen, und klingen oft auch gut, ganz ohne Bearbeitung. Ist auch das was ich bevorzuge, egal ob für Vocal oder sonstiges: erst mal lassen wie es ist, keine EQ's, Kompressoren, whatever. Ist es gut aufgenommen, wird es meist nicht gebraucht..
 
Tut mir Leid aber das stimmt so nicht, dass linar aufgenommene Vocals gut klingen. Jedenfalls nicht in der Pop Musik. Das moderne Klangbild aktueller Produktionen ist extrem hell und höhenreich. Das ist alles andere als natürlich und kein Sänger dieser Welt hat solch ein crispe helle Stimme.
 
Zahlreiche aktuell erfolgreiche US Pop Produktionen kommen aus Schweden, werden allerdings in den Staaten gemischt. Sehr interessant ist übrigens das Buch ,,Mischen wie die Profis‘‘ da hier etliche der Großen aus der Trickkiste berichten.
 
Meinst Du etwas dieses hier...
Also ich finde das Buch beschreibt das Abmischen eines Songs sehr gut und auch die Interviews der Profis sind sehr interessant. Leider geht das Buch nicht auf problematische Vocal Aufnahmen ein und wie man diese am besten beheben könnte. Vorraussetzung ist natürlich, wenn der Sänger oder Rapper für eine neue recording session nicht mehr verfügbar ist und man zwingend das vorhandene Material benutzen muss.
 

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Vocals sind keinesfalls schwerer zu mischen, sie sind aber häufig sehr schwer aufzunehmen. Das liegt dann meistens an der fehlenden Professionalität der Interpreten. Mikrofondisziplin ist ein Muss, den jedes Verändern des Abstandes zum Micro, ändert auch drastisch den Klang, dass lässt sich dann nur bedingt noch retten. Gerade bei Rappern mit mangelndem Timing und wenig Erfahrung, hilft nur Coaching. Grundsätzlich ist das Problem aber eben meistens vorm Micro.
 
Teamwork im Profi- und Einzelkämpfer im Hobby-Bereich.

Ein häufiges Manko bei Hobbyisten ist oft die fehlende Multitasking-Möglichkeit.
Im Schwerpunkt habe ich in den 90ern mit Sängern und Sängerinnen Vocal-Spuren aufgenommen.
Das Problem war öfter, dass die technisch sehr gelungene Aufnahme gesangstechnich in die Hose ging, weil ich mich auf die Technik aber nicht auf den Interpreten konzentrierte und diesen ggf. rechtzeitig "coachen" konnte.
 
Tut mir Leid aber das stimmt so nicht, dass linar aufgenommene Vocals gut klingen. Jedenfalls nicht in der Pop Musik. Das moderne Klangbild aktueller Produktionen ist extrem hell und höhenreich. Das ist alles andere als natürlich und kein Sänger dieser Welt hat solch ein crispe helle Stimme.
Irgendwie klingt das für mich nach dem, was mal über Kaffee gesagt wurde: nach und nach hat uns die Industrie daran gewöhnt, nur noch Müll zu trinken.
 
was die "amis" rein von der technik her viel häufiger machen als "wir" beim mischen und premastern ist vor allem das parallel processing.
 
du hast vielleicht schon mal einzelne effektgeräte gesehen oder benutzt, sie so heißen, und die das intern machen.

viele EQs z.b. arbeiten intern "parallel". das heißt, es wird eine kopie des eingangssignals erstellt, und darauf ein peaak notch filter angewandt. wenn jetzt der user das entsprechende EQ band auf "+ 1 db" stellt, werden round about (relative) 1db des gefiilterten signals zum original dazugemischt. im ergebnis hast du weniger phasenschweinereien.

auch von reverb kennst du das: man sendet eine kopie des das quellsignals über einen AUX send in den hall, und der ausgang vom hallgerät kommt später nur ganz leise zur mischung dazu. man macht das zwar hauptsächlich, damit man verschiedene signale unterschiedlich laut in den hall schicken kann, aber als nebeneffekt hast du auch weniger störgeräusche.

und genau das kann man beim mastern (aber nicht nur dort) auch mit dynamik und sättigungseffekten machen. man sendet über den anlogen mischer ein teilsignal an den effekt, dreht den effekt ordentlich auf, und mischt die schose wieder mit dem original zusammen.
so entstehen sehr unterschiedliche dynamikkennlinien, die der kompressor alleine nicht drauf hat.
außerdem kann man von den verschiedenen stems natürlich auch frequenzgefilterte teilsignale an den kompressor senden.
 
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das mache ich gelegentlich auch so, daß ich ein signal klaue und in einem anderen kanal bearbeite und dem original wieder zumische.
 
Die Sache ist aber, bei Analog geht das ganz gut, bei Digital Geräten mit Latenz bzw. in der DAW, auch wenn es nur ein paar Samples sind, kannst du dir aber mehr versauen und bekommst schon bald Kammfilterartefakte oder ähnliche Übersprechungen, die man ja zuvor eher schon ausgegleichen habe sollte bzw. reduziert! ;-)
 
ja, das ist ein wichtiger hinweis. es funktioniert nur wirklich gut, wenn man keine latenz hat oder in der lage ist, sie auszugleichen. bildet man eine einheit aus analog mischer und matering compressor, muss man die ggf. vorhandene lookup zeit des dynamikprozessors wissen oder messen und dann ausgleichen.
auf eine einzelne millisekunde kommt es aber nicht an, wir reden ja hier über ein teilsignal im bereich von -24db oder sowas.
 


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