Nutzt jemand Linux zum Musik machen?

Dieses Thema im Forum "Linux" wurde erstellt von Anonymous, 4. Dezember 2015.

  1. Anonymous

    Anonymous Guest

    Ich selbst nutze Win10 und davor OSX zum Musik machen, aber ich habe auch eine Zeit lang Linux genutzt, allerdings dann nicht zum Musik machen. Mich würde es interessieren, ob hier einige Linux komplett für ihre Produktionen einsetzen.
     
  2. Ich produziere zwar nicht, aber spiele und recorde. Hauptsächlich Sample basiert mit Octa + Zeugs.

    Die Samplepreproduction mache ich mit Linux und so es noch notwendig ist, mach ich auch noch ein bissel leichte Postproduktion in dem Rahmen wie ich es mir zutraue. Ich könnte unter Linux mit Bitwig oder Renoise auch komplette Tracks bauen. Geht ohne Probleme, nur hab ich mir halt in den letzten 8 Jahren das Tracks bauen in DAWs abgewöhnt.
     
  3. Hmmm... vielleicht sollte ich bevor der Flamewar hier startet noch ein paar Worte verlieren. Ich mach das mal so, ich stelle Fragen die hier sehr warscheinlich aufkommen werden und beantworte sie direkt mal vorbeugend. Man verzeihe mir bitte die ein oder andere spitzfindige Äußerung, nach dem letzten Streit mit Robotwalla bin ich hier leider etwas vorbelastet. Daher geb ich mal direkt drauf. Bitte nehmt nichts davon persönlich und versucht einfach meinen Punkt zu verstehen.

    1. Linux. OMG! Das ist doch alles so Low Level. Die Frickler machen doch alle commandline. Die Software ist alles Flickwerk. Dafür ist mir meine Freizeit zu schade. Warum sollte ich wechseln? Mit welchem Killerfeature kann Linux mich locken?

    Falsche Frage. Du solltest keinesfalls wecheln. Bitte gehen sie weiter, es gibt hier nichts zu sehen.

    2. Ich bin Linux User, das ist mein Zuhause. Ich will aber auch Musik machen. Bisher boote ich dafür immer Windows/OSX. Geht das nicht auch mit Linux?

    Korrekte Frage! Und ja, es geht inzwischen alles irgendwie. Vieles auch recht Benutzer freundlich, sobald man die initiale Lernkurve überwunden hat.

    3. Ich brauche für meinen kreativen Prozess immer das Neuste am Markt.

    Vergiss es. Der Markt supported dich nicht. Bevor du umsteigst, schau dir an was für Tools für Musikproduktion auf Linux zur Verfügung stehen und stelle fest ob das für dich ausreicht. Es gibt inzwischen recht gute Tools, aber die Menge ist nicht sehr hoch. Seit es Engines für Pluginentwicklung wie JUCE gibt, wird es aber mehr. Da die Engine die Plugs die man auf ihr entwickelt direkt als Crossplattform Build ausspucken kann. Desweiteren hat es ein gewisser sehr heroischer Mensch aus der Schweiz geschafft U-HE zu belabern und daher gibt es seit ca. nem Jahr die komplette U-HE Produktpalette als Linux VST. Hier im Forum findest du auch weitere Threads die eine Übersicht schaffen und einen Einstieg bilden können.

    Grundsätzlich: Man wechselt nicht auf Linux, weil man darauf Musik produzieren will. Die Situation ist umgekehrt. Linuxuser und solche die es werden wollen, weil sie das OS mögen haben inzwischen auch die Möglichkeit Linux für Musikproduktion nutzen zu können, so sie mit der eingeschränkten Produktpalette klar kommen. Diese können somit auf ein Dualboot System verzichten.

    Ich persönlich benutze Linux seit 14 Jahren, ich bin da Zuhause und überglücklich darüber das ich inzwischen auf dem System auch Musik machen kann. Mit der eingeschränkten Produktpalette komme ich klar. Einstiegshürden gab es für mich keine. Ich kann innerhalb von nem Abend ein Linux System mit meinem Produktionsstack aufsetzen und hab dann daran auch nix mehr großartig zu tunen. Ich kenn alle Hebel und Schräubchen die ich dafür brauche.

    Die Fragen die du dir stellen solltest, sind:

    1. Welche spezifschen Gründe habe ich um diesen Switch zu wagen?
    2. Habe ich die Einstiegshürde auf dem OS bereits überwunden oder initial genug Zeit und Lernbereitschaft um dies für mich hinzubekommen?
    3. Reicht mir die Produktpalette?

    Falls ja, go for it! Hab Spass. Fragen gerne hier rein.
     
  4. glider

    glider .

    Also ich benutze eigentlich auch nur Linux (habe noch ein Air-Mac, aber nicht für Musik) und da gibt es einige praktikable Werkzeuge und Lösungen (z.B. FalkTX Sammlung etc.).
    Den Sequencer "SEQ24" habe ich eine zeitlang eingesetzt, der ist aber nicht sehr performant.
    Irgendwann hatte ich mir auch eine Renoise Lizens gekauft und eine zeitlang nur mit Renoise gespielt, z.B.
    ein Hörbeispiel aus Renoise gerendert: https://soundcloud.com/zenobic/questionable-things (enthält aber auch Synth-Samples (SE-1) die ich in vorigen Sessions aufnahm, live-ähnlicher Workflow, nur eben nicht live ).
    Da sich im Eurorack schnell, schwer berechnenbare, Modulationsideen verwirklichen lassen, benutze ich fast nur noch Audacity und diverse Plug-Ins (z.B. Paulstretch) zur Samplebearbeitung.
     
  5. Guter Tip. Diese kann man in kxstudio finden oder zu seinem Linux einfach dazuladen. :supi:
     
  6. bluebell

    bluebell ...

    Im Jahr 2012 hab ich gedacht, kauf mir mal nicht den langsamsten uns sparsamsten Rechner, sondern einen, der auch ein wenig Dampf hat, dann kannst du auch mal versuchen, Musik damit zu machen. Also mit Core i5, 16 GB RAM und SSD nicht ganz nach oben gegriffen, aber doch was Brauchbares gekauft. Dazu erst ein M-Audio Fasttrack Pro, was nicht dauerstabil lief. Danach ein Focusrite Scarlett 2i2, das hat sich dann bewährt.

    Wenn ich nur Synthkram gemacht hätte, hätte ich kein Audiointerface gebraucht, da hätte es der Digitalausgang des Onboard-Sounds und ein günstiger D/A-Wandler auch getan, aber ich wollte ja auch ein Mikrofon anschließen, und dass es brauchbare USB-Mikrofone gibt, wusste ich damals noch nicht. War ja alles neu seit meinen seligen Atari-ST-Zeiten.

    Da ich Linuxer war, wollte ich natürlich auch mit Linux Musik machen. Die größte Hürde war, den JACK zum Laufen zu bringen und da drauf den Pulse, und den zu bändigen, dass er nicht vorher startete. Mein erster Sequencer war Rosegarden, den ich recht intuitiv fand. Qtractor bot mir dann mehr an Audiorouting und Plugins (Rosegarden kann kein LV2).

    Ich war nie so der modulare Typ und hab auch festgestellt, dass Synth-Plugins in der DAW noch etwas kürzere Latenzen haben als wenn man verschiedene Programme per JACK verstöpselt. Das ist in erster Linie bei Drums hörbar.

    Generell bin ich sehr zufrieden mit Linux und Musikmachen. Ich könnte mir durchaus ein Windows und Kommerzware leisten, aber erstens brauche ich sie nicht, zweitens mag ich nicht umbooten, nur weil ich schnell mal was ausprobieren will, und drittens lege ich Wert auf den Quellcode. Ich kompiliere wichtige Programme selbst, stehe mit den Autoren in Kontakt und kann so gut Bugs reporten, Fixes austesten oder (ganz selten) auch mal selber einen Fix beisteuern. Außerdem kann ich kleinere Änderungen gleich mal selber durchführen ohne auf die Gnade des Autors angewiesen zu sein.

    Insofern werde ich kein Windowser, nur um Musik zu machen. Unter Linux gibt es alles, was man braucht, um gut klingende Musik zu machen. Dass meine Songs keine Welthits sind, liegt definitiv nicht daran, dass ich nicht genug kommerzielle Plugins gekauft habe. Natürlich gibt es noch ein paar offene Wünsche wie z.B. automatische Plugin Latency Compensation in Qtractor, was ich selbst nicht hinbekomme und dafür immer wieder den Autor nerve :) Ein paar Wünsche hat er mir schon erfüllt, so ist das mehrreihige Mixer-Layout in Qtractor schon klasse und in gar nicht so vielen DAWs zu finden: http://www.marzen.de/tmp/qtractor_mixer_optimized.png

    Was gibt es nicht unter Linux?
    - Melodyne (ein brauchbares Autotune gibt es durchaus, zita-at1, von falktx auch als lv2-plugin)
    - So perfekte Samplebibliotheken wie in der Windows-Welt, obwohl man mit sfz-Soundfonts selbst auch viel machen kann

    Aber an Synths, Sampleplayern und Effekten herrscht kein Mangel: EQ, Kompressor, Limiter, Vocoder, Transient Designer, Faltungshall bis zum Exciter, alles da in sehr guter Qualität

    Mit NetJACK kann ich sogar VMs einbinden. Ich weiß nicht, ob das mit Windows überhaupt geht.
     
  7. khz

    khz D@AU ~/Orwell # ./.cris/pr.run

    Ja.
    Vor allem wegen der Philosophie von GNU/Linux.
    Musik geht einiges (und anders als gedacht).
    Es verändert dich zwangsläufig und unwiderrufbar.
    Es ist - wie ich finde - ein guter Weg sich selbst als auch die Welt zu verändern - sofern man das will ... . :peace:
     
  8. mnb

    mnb -

    ja.
    ich benutze (fuer meine eigene musik) ausschliesslich pure data, und das laeuft unter linux am 'geschmeidigsten'.
    fuer die alten stuecke mit meiner alten band hab ich noch ein altes live(4) in einer vm.
     
  9. Strelokk

    Strelokk ︻╦╤─

    Dann muss sich in den letzten Jahren ja einigen getan haben. Muss ich mir unbedingt mal anschauen.

    Ich habe Mint auf meinem Backup-Rechner (altes Acer-Laptop von 200:cool:. An Mint hab ich mich schnell gewöhnt. Wenn ich meine Desktop-Kiste mal neu aufsetzen muss, bekommt es auch dort eine eigene HD.

    Anyway - welche DAW würdet ihr empfehlen, wenn es vorwiegend um Audio-Recording geht?
     
  10. dbra

    dbra Ehrenpräsident des Technofreunde Ohlenburg e.V.

  11. Psychotronic, großes Lob und Danke für Deine Erläuterungen. Du bringst es auf den Punkt!

    Manche Leute erwarten unter Linux den Funktionsumfang von sackteurer High-End-Audiosoftware, aber kosten darf es natürlich nix. Wenn man sie dann darauf hinweist, dass freie Software nicht nur "kostenlos" heißt, sondern dass auch eine Philosophie dahintersteckt, ist das Interesse oft schnell verschwunden :)

    Ich selbst nehme nur selten was auf, dafür hat mir bislang Audacity gereicht. Mit Pure Data mache ich aber sehr viel, und Pianoteq ist auch prima. Letzteres sollte ich aber endlich mal kaufen, weil

    1) Die Linux-Version Unterstützung verdient, und
    2) Die fehlenden Noten und das Zeitlimit der Testversion doch nerven...
     
  12. Drumfix

    Drumfix ...

    Man kann sein Geld auch für (Closed Source) Linuxsoftware ausgeben:

    DAWs; Bitwig Studio, Harrison Mixbus, Tracktion T6 und Renoise.
    Synths/Effekte: U-HE, OvertoneDsp, Harrison Consoles, Loomer, Discodsp
    Sampler: Redux

    Dazu noch der ganzen Zoo an Opensouce DAWs, Synths/Samplern und Effekten.

    Auch bei der Audiohardware gibts in jeder Preisklasse was passendes.
    Vor allem laufen auch 8x8 Midiinterfaces wie Emagic Unitor8/AMT, Roland/Edirol UM550/880, Midisport 8/8s,
    bei denen es unter Windows ja schon eng wird mit Treibern.

    Nee also, hat man die letzten Jahre vielleicht noch neidisch auf die ein oder andere Sache auf Win/OSX rübergeschaut,
    braucht man sich heute keinen Kopp mehr machen. Linux rocks!
     
  13. khz

    khz D@AU ~/Orwell # ./.cris/pr.run

  14. Interessant wäre, wenn möglich, wie du jetzt Tracks baust?
     
  15. Ich arbeite seit ewigen Zeiten zu gefühlt 80% Sample basiert. Insofern nutze ich Linux aus Pre-production Tooling um meine Samples zu erstellen oder anderweitig recordete Audiofiles in passende Struktur zu bringen. Das Zeug landet dann im Octatrack, dort schraub ich die Tracks. Sämtliche Tracks recorde ich Live ohne nachzubearbeiten. (nur Encoding und einheitliche Lautstärke...) :supi: