... "ausgedient" würde ich nicht sagen. Es geht mE um Hörgewohnheiten, also Klang und Klänge, die kapitalisierbar sind. Und um Geräte, die kapitalisierbar sind. Sonst machst du einen PPG 1003 für 10.000 Euro, der super wenig kann, aber klanglich irgendwas Geiles kann, das aber nur 100 Leute geil finden. Da leisten doch heute Prophet, Minimoog und TR 1000 noch viele gute Dienste.
Bsp: TR 808: Innovativ war die TR 808 nur in dem Sinne, dass sie, als sie rauskam, KEINE kapitalisierbaren Hörgewohnheiten funktional befriedigte (sample-rock-drums warrn hip, als sie rauskam), und nur Schlagzeug funktional irgendwie "komisch klingend" abbildete. Als dann die kapitalisierbaren Hörgewohnheit für die "analogen Klänge " der 808 erfunden wurden (techno/schmusepuse electronica-pop), wurden die "analogen Schaltungen" der 808 zum Klassiker. Der Witz ist nicht, dass es analog ist, oder digital ist, sondern was gerade, fortschrittstechnisch, gegen Gewinn produziert werden kann.
Die "analogen Synths, die wohl ausgedient haben" sind doch nur, die, die wir kennen – weil sie gut kapitalsierbar sind/waren und "gut" (= Hörgewohnheit plus ein bissl speziell) klangen. Keine Ahnung, was man aus spannungsgesteuerten Circuits oder ICs, alles designen kann, um sie noch ganz anders musikalisch zu nutzen. Ein Solar 42 geht auf Oszillator-Menge, ein Cric geht auf analoge Funktionsbausteine, ein Redshift auf nen schickes Analoges Osci-Design, der Landscape Noon hat macht das passiv. Da geht doch einiges. Die mutigen Synth-Bauer sind halt selten. Und der DMNO von UDO reizt mit analogem Routing und Bussen und krassem Filterdeseign unsere Gehörgewohnheiten für 15% ins geliebt-ungehört-ungewohnte Terrain: das ist kapitalisierbar, weil gerne hörbar. Es gibt analoge Synths mit mechanischen Motoren, Röhren und elektromagnetischen Feldern. Interessiert halt keinen ... könnte aber super dienlich sein, wenn man Mut hat, was mittzuteilen hat UND es den Leuten abringen kann ein bissl die lauschige Lausch-Komfort-Zone zu verlassen. Ein Synth, der kontrolliert mit Mixer-Feedbackschleifen arbeitet und nicht nur nach Apokalypse klingt, wäre wahrschenlich super dienlich, weil er fett klingt.
Kurz: Das Thema Analoge Klangerzeugung dient erst mal NUR der Kapitalisierung. Und die Analogen Synths, die wir noch nicht kennen, weil sie noch keiner gebaut hat, weil "unsere" Ohren (uns = Synth-Hersteller, Musiker, Publikum) die Ästhetik von irgendwelchen fancy Analogschaltungen nicht hören wollen oder nicht gewohnt sind, haben alle null Komma null ausgedient. Die warten auf ihre Zeit.