VOKATOR – Vocoder und Spektraler Softwaresynthesizer

VOKATOR – Vocoder und Spektraler Softwaresynthesizer

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Native Instruments VOKATOR
ein review zum VOKATOR (nicht vocator,übrigens) by moogulator!!
vokator
vokator ist das erste programm,was in der profiline kommt und apples OS X nutzt. oder besser: damit kompatibel ist. wie bei NI nun üblich, bekommt der liebe user eine hybride CD für pc,mac os9 und os x! DAS ist ja wohl vorbildlich. hier kann der user nämlich wählen,mit welcher plattform man arbeiten will und wann.


zuallererst erstmal ein bisschen einführung:

was ist ein vocoder?
hier werden egal ob analog oder digital 2 teile aktiv: analyse und synthese teil.
analyse: hier gibt es so viele BPFs wie bänder minus 2: denn oben und unten sitzen einfach ein HPF und auf der anderen seite des frequenzbandes ein LPF. was tut er? er analysiert die entsprechenden signale, die hier noch durchkommen frequenzselektiv. nun kann man das ganze dem syntheseteil zuführen: aber man muss ja nicht dieselben BPFs nehmen, sondern könnte zB die bänder vertauschen.. die idee stammt übrigens bekanntlich aus der millitärtechnik um sprache zu verschlüsseln (vocoder=voice encoder decoder)

ein bisschen erinnert der vokator auch an das spektral delay aus gleichem hause, hier kommen aber eine menge von delays mit feedback ,je einzeln einstellbar, zum einsatz. also keine filter und analyse, sondern quasi frequenzselektive delayketten.. aber einige möglichkeiten liegen klanglich in eine mit analogtechnik nur sehr aufwendig machbaren weise. daher nun dieses OS9,os X und Win XP taugliche Programm für den freundlichen klangverbieger.. damit ist dies NI’s erster OS X tauglicher wurf..
man kann jede sektion mittels eines kleinen “displays” ab und anschalten.. mit einer kleinen engewöhnung geht das auch ganz gut.. man kann nämlich nicht scrollen, daher ist die bildschirmhöhe eben auch die grenze.
die installation ist nicht schwerer als ein symbol doppelzuklicken. nachdem man seine seriennummer brav getippt hat kann man direkt starten.

generell ist vokator ein zwitter: da ein vocoder normalerweise 2 signale benötigt, findet man den vokator als FX und als VSTi synth. das hat auch seinen grund. denn vokator hat nebenbei einen nicht unansehnlichen synthesizer- und sampleteil mit an bord.

vocoder? nunja, eigentlich ist das ma(r)slos untertrieben. es gibt mehr bänder als man erwarten wird und es gibt auch andere und mehr möglichkeiten.. dazu jetzt mehr…

es gibt grundsätzlich zwei inputs a und b, diese können mit verschiedenen quellen bestückt werden.
-das sind für A:
file player oder live input (also audio in)
-für B:
wavesynth oder osc synth oder auch ein live eingang.
wie man erkennen kann: das vocoderprinzip ist berücksichtigt: man kann das übliche “kraftwerk-schema” nutzen und zB eine synthesizerfläche oder ton als träger nehmen und dann die stimme oder ein sample als modulator. das ergebnis ist dann auch recht typisch: “autobahn”,”die roboter” und ähnliches. also eine art roboterhaft klingende über die miditastatur spielbare stimme.

anstatt des synthesizers kann auch ein drumloop der eine atmosphäre genutzt werden ,dazu aber später mehr..

vokator
DER REIHE NACH DIE EINZELKOMPONENTEN:
der synthesizer:
hier gibt es 2 oszillatoren ,die je stufenlose regler von sinus über dreieck über rechteck zu noise hat. das ist schon eine wonne hier einfach stufenlos herumzufahren. um ein waveformdisplay sind die regler angebracht. dazu gehört nämlich auch eine symmetrieeinstellung (also damit pulsbreiteneinstellung oder auch symmetrie des dreiecks oder des “rechtecknoise”-signals,wenn es noch zwischen noise und rechteck steht)
dazu kommt FM und detune. jeder der oszillatoren hat noch je einen harmonics regler,der eine form von “sync”-sound erzeugt. also mehr obertöne. natürlich ist es nicht wirklich sync,aber es erfüllt pro osc denselben zweck. das ist auch gut, denn vocoder mögen obertonreiche klänge. dazu gesellt sich noch ein einfacher ringmodulator,der sich (wie üblich) zwischen osc 1 und 2 befindet. die filtersektion ist ein weiteres quadrat (grafisch toll gelöst) ,welches cutoff und resonanz aber auch slope und typ-morphing beherrscht: meint: die flankensteilheit ist einstellbar und dazu auch ein sweep von LPF über BPF nach HPF möglich! wieso nicht immerschon so in so manchem softwaresynthesizer? das ist wirklich übersichtlich und klanglich sehr flexibel. auch die hüllkurve ist ein weiteres quadratisches display mit den 4 berühmten parametern ADSR.
dazu noch ein WaveShaper. dazu gibts chorus,velocityregler und einen lfo,der die genannten parameter modulieren kann.

der wavesynth
ist identisch mit dem synthesizer,nur ist anstelle der oszillatoren ein sampleplayer der neuen art, und natürlich modulieren die LFO parameter hier die entsprechenden parameter:
hier kann man dinge tun,die an reaktor oder auch den v-synth erinnern: nicht nur loopstart oder position,sondern auch speed und length, dies wird sicher mit der von reaktor bekannten granulartechnik gewonnen. da der lfo hier auch modulation ausüben kann, wie beim synthesizer auf harmonics oder fm etc.. kann man hier auch spannende loopmodulationen basteln. der lfo bietet ebenso flexible wellenformen und eine minihüllkurve zum faden (wavesynth). bei den mitgelieferten samples findet man übrigens auch schnipsel von skinny puppy, heaven 17 und richard devine (warp rec.) und anderen..

vokator
die liveinput kommen im VST oder VSTi betrieb natürlich von logic oder cubase oder sequencer-XYZ..

für den anderen input gibt es noch einen “tape” genannten loopplayer (wavesynth und loopplayer können natürlich auch auf one shot gestellt werden. der wavesynth hat auch die spielrichtungen vorwärts UND rückwärts bzw. alternierend.

das ist die basis an QUELLEN.

generell kann man von 128 bis 1024 bänder einstellen und verschiedene samplerates einstellen für den lofi-sound,wers mag. die latenz steigt allerdings mit zunehmender last. wenn man den “live”-knopf aktiviert,kann man diese allerdings etwa halbieren, man benötigt dann aber mehr rechenkraft. der vokator verlangt schon recht viel vom rechner,so kommt man im live mode schonmal an die 50% mit einem 800mhz powerbook,wenn groupmode aktiviert ist.. dazu aber mehr.. es gibt einen globalen bpm knopf,der vom fremden host geclockt werden kann. hier können sich alle quellen draufsyncen,die man draufsyncen will..

es gibt verschiedene verschaltungsmodi, diese sind immer mit den buchtaben kenntlich gemacht. dabei geht es um die ausgabe der beiden synthese signale (ja,es sind nämlich 2 FFT analyse/synthese sektionen vorhanden, dort gibt es auch spektraleffekte, compressor/dynamikbearbeitung und delay).

diese spektraleffekte können (erinnernd an das spektral delay von NI) einiges ausrichten. hier kann man im spektrum verschiedene ungewöhnliche veränderungen vornehmen,die vom “verschmieren” bis zum pulsieren zu bringen sind. dies ist schwer in worte zu fassen. es ist eine art von vertauschen und verschieben von frequenzen und frequenzbereichen. dabei haben die effekte unterschiedliche immer recht organisch klingende “alienizer” zu bieten. man kann dies wohl kaum anders erklären als: es ist nichts von dem,was man so langläufig kennt und kann sehr subtil sein. manches ähnelt einem filter,der frequenzbereiche abschneidet, andere nehmen teile aus dem spektrum und schieben sie unter bestimmten bedingungen an andere stellen. metallizer, spectrale- razierapparate und gater versüssen das leben..

bevor es zum vocoder geht mal einen hammer zwischendurch:

ALLEN PARAMTERN kann man einen von
4 LFOs,die es in einer zusätzlichen sektion gibt modulieren lassen. dazu kommen
2 env follower und 2 voiced/unvoiced module. erstere folgen einfach der kurve des signals (amplitude). letzere dienen im vocoderbereich zur trennung von konsonatischem (rauschhaft / explosivlaute) von vokalem. diese beiden sind auf input a bzw b immer auf horchposten und können frei eingesetzt werden. wie die LFOs können sie ALLES modulieren,was da ist.
dazu kommen noch 2 stepsequencer mit eintellbarer stepanzahl und pegeln.
will man nun einer dieser modulationsmodule auf einen parameter legen kann man mit der rechten maustaste (mac ctrl klick oder bei mehrfachtastenmäusen eben das -kontextmenü) alle modquellen ansehen an der quelle kann man einen schalter aktivieren,der einem die ziele und mod-tiefe anzeigt. zieht man nur an dem entsprechenden regler,kann man schnell eine modulation erzeugen.. zB lfo moduliert den cutoff des filters, einen spektraleffektparamter und vielleicht die loopgeschwindigkeit sowie das morphen von LPF bis BPF.. wie man mag..

vokator
achja: einen arpeggiator und eine art akkord speicher mit akkord step sequencer gibt es auch.

nun, der vocoderkern:
es gibt ja 2 vocodersektionen, wenn man group aktiviert,bekommt man pro input eine anzeige,die 4 bis 32 bänder (einstellbar) beliebig in ihrer spreitzung und position modulieren lässt. (ja, das kann man durch obige modulationsquellen modulieren lassen!! wahnsinn.. hier lassen sich schon recht spannende verwirbelungen erzeugen.

wie bei superteuren vocodern üblich, kann man im groupmode aber jedes der 32 (max) bändern (analyseteil) mit einem anderen band des syntheseteils verbinden. so kann also ein band ,dessen frequenz grade von einem lfo moduliert wird auf ein anderes band, welches ein anderes frequenzspektrum erfasst (wiedergibt!!) umpatchen.
die idee: vereinfacht könnte man sich so vorstellen: 32 bandpässe erhalten 32 signale, diese können so auch wieder abgespielt werden, indem sie auf der ausgabeseite einen von 32 BPFs ansteuern. normalerweise einfach der korrespondierende im frequenzband. das steuersignal kann aber ganusogut auch seinen nachbar oder einen ganz anderen BPF eines anderen frequenzbereiches steuern. dabei können auch fast “ambiente” klänge erzeugt werden,indem dies “weich” überblendet oder analysiert wird (träger eben).

nun kann auch das ganze frequenzbereichsband der bpf verschoben werden…

muss ich dazu noch was sagen? hardware wäre hier am ende! scchon lange!!
selbst der fette sennheiser oder ems vocoder.

nach getaner arbeit kann man im frequenzband mittels eines outputmoduls noch manipulationen im sinne eines EQ machen, hier gibt es anfasser,ähnlich einer hüllkurve,welche verschiedene kurvenformen und levels im frequenzband möglich machen.
damit lassen sich die klänge nocheinmal kräftig nachbearbeiten im gesamtklanglichen frequenzspektrum. hier können sehr komplexe spektrumänderungen gemacht werden und ein compressor kann hier noch dazugeschlatet werden.

vokator
falls das unklar geblieben sein sollte?
bitte nocheinmal verdeutlichen ,was ein vocoder macht! hier sind allein mit der 32-bandigen analyse-synthese-BPF-“patchbay” und natürlich der genrellen verstellbarkeit von bandbreite und frequenz der einzelnen bänder wellenmonster bauen, die immer etwas harmonisches haben. ein sprachsample kann hier fast zu einer art wavetableschwurbelatmo gemacht werden oder auch mittels einer rauscchigen wellenform ein sehr “böser” roboter gebaut werden kann,der polyphon mehrstimmig singen kann und alles was man an ausseridischem bis spektralem hier einwursten kann.

der mit sicherheit aufwendigste vocoder auf dem markt.
hier kann man auch drumloops in die beiden inputs geben, oder allgemeint drumloops mit sehr “abstrakten verschiebungen a la warp und consequence” nebst wilder filterung auch abgefahrenes vocoding zugefügt werden.
ich bin sicher: SO geht das mit NIX ANDEREM als dem VOKATOR!! schon allein einige BESTANDTEILE des vokator sind ihren preis wert!!

nur ist der vokator auch ein hungrigerwelcher, in seiner funktion als vst/i ist er am stärksten und kann nahtlos im sequencer eingesetzt werden und sogar auch mal eben als synthesizer dienen.
im standalone betrieb hätt ich mir eine art “write to disc” funktion gewünscht,die die experimente einfach mitschneiden..
nunja.. das kann man ja dann im softwaresequencer gemütlich eingebettet haben.
es ist aber schon empfohlen mehr als den empfohlenen 300mhz G3 oder 800mhz pc (p2 oder mehr) einzusetzen.. ein ghz pc sollte es hier schon besser sein.. oder auch ein 800mhz-oder-mehr-G4-mac. für os x ist 733mhz empfohlen.. daher würde ich jedem empfehlen diese höheren empfehlungen auch ernst zu nehmen.. sonst wirds schnell eng.

nun war ich aber noch garnicht am ende:

ein feature habe ich nämlich noch ausgespart: die 5 punkte morph-sektion!

damit kann man 5 komplette parameterssets des synthesizers und seiner kollegen in komplett andere einstellungen übergleiten lassen, indem man den über den 5 tasten befindlichen regler langsam mit der maus bewegt. klar, man kann auch direkt auf die nummer klicken,um direkt auf das nächste parameterset zu hüpfen! aber das alleine ist eine freude und macht den synthesizer und den waveplayer zu einem morphkaiser!!
der morphregler gilt für den synth oder waveplayer! nicht das hier der ein oder andere an was anderes denkt, aber das ist maleben etwas,was zB der nord lead 3 auch anbietet. sanftes übergehen zwischen allenmöglichen einstellungen der klangeber im vokator. in worten: obergeil!

ich kann wohl kaum verstecken,was in diesem vocoder deluxe plus (oderso) steckt!
vorallem für NEUE sounds wird der klangbastler zu vokator greifen. wem das spektral delay gefallen hat,wird sicher auch an vokator wonnestunden erleben!! nach meinem test auf allen 3 möglichen plattformen: es läuft gut und stabil.

da es eigentlich keine konkurrenz gibt (oder soll ich vielleicht den vocoderteil ausbauen, und ihn dann mit orange vocoder, dem waldorf Q vocoder und dem nord modular und vielleicht dem mam vf11, dem ems und dem sennheiser, korg vc10 und roland svc350 vergleichen? sie können doch alle weniger.. und haben bei weitem weniger modquellen ,spektraleffekte oder eingebaute synthesizer von dieser komplexität, geschweige denn von einem “new school” sampler.

daher kann ich nur sagen: wer vocoder und ungewöhnliche effekte abfährt wird hier wohl zugreifen MÜSSEN..
mir kommt NI langsam unheimlich vor ;)
mehr infos in diversen musikmagazinen wie keys und keyboards oder amazona und
auf der site von
NATIVE INSTRUMENTS
das erstmal, euer voka-moogulator