Wieso berührt einen die Musik jüngerer Generationen (meistens) nicht?

Bernie
Bernie
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Das kann ich alles nachvollziehen. Aber war es denn früher die Masse die wirklich was drauf hatte?
Früher gabs auch viel Schrott, das ist keine Frage.
Aber wer damals so viel Geld in sein Hobby gesteckt hat, der wollte auch meistens etwas erreichen und hat sehr häufig zumindest Unterricht genommen und viel geübt. Dazu kam auch eine gewisse Erwartungshaltung von den Eltern da, wie: "Junge, spiel doch der Tante mal was vor."

Man hatte eben nicht 20 Hobbys gleichzeitig, so wie heute, das ging finanziell idR. schon nicht.
Wenn du über ein ganzes Jahr auf alles verzichtest hast, nur um dir einen gebrauchten Synthesizer zu kaufen, dann lag das Ding nicht nach drei Wochen unbenutzt in der Ecke. Man hat jede Minute damit verbracht, wollte alles rausholen und hat wann immer es möglich war damit Musik gemacht.
Das ist zumindest ein großer Unterschied zu früher, weil es jetzt Niemandem mehr verwehrt bleibt, elektronische Musik zu machen.
Wir leben jetzt wirklich in rosigen Zeiten.
 
weasel
weasel
🤷‍♂️
Wir leben jetzt wirklich in rosigen Zeiten.
Rosig im Sinne von: mit Dornen? 😂
Ich geb dir natuerlich recht das durch die technologische Entwicklung viele Qualitaetsfilter weggefallen sind. Jeder kann, also machen auch sehr viele. Und mit Sicherheit in absoluten Zahlen auch mehr untalentierte/falsch motivierte, die dann eben trotzdem Demos an jeden verschicken koennen und die Soundclouds der Welt verstopfen. Ich hab auch unendlich viele lieblose Demos gehoert die nur aus Splice-Loops zusammengebastelt waren. Aber daraus zu folgern das die junge Generation generell nur Schrott produziert und frueher alles besser war ist doch ein Trugschluss. Und hat meiner Meinung auch wenig mit der Ausgangsfrage zu tun warum es denn nunmal augenscheinlich so ist das da schon immer Generationenbrueche stattfanden und "die Alten" oft bzw eigentlich immer der Meinung sind das "die Jungen" alles falsch machen.

Ich will dir deine Erfahrung mit dem verstimmten Modular-Demo ja gar nicht absprechen, wie gesagt kenn ich sowas auch. Und es ist ein schraeger Vergleich, aber ich musste sofort durch die Geschichte denken: Genauso haben sich vermutlich vor 70 Jahren etablierte Musiker aufgeregt weil die jungen Idioten die Gitarren voellig verzerren. Oder irgendwelche Pianisten ein DX7 verteufelt haben weil es ja niemals so lebendig und dynamisch klingen kann wie ein echtes Klavier. Oder das die dummen Punker eh nur 3 Akkorde schrammeln koennnen. Wie gesagt, ist kein direkter Vergleich und ich stimme dir wie im ersten Absatz beschrieben ja auch zu. Aber diese Gedanken draengen sich bei der Diskussion natuerlich auf.
 
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Bernie
Bernie
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Rosig im Sinne von: mit Dornen? 😂
Ich meinte das schon im positiven Sinne. Dort wo ich herkomme, war für die Meisten das Musikmachen unerreichbar, es scheiterte ganz einfach am nötigen Kleingeld.
Man war schon froh, die Miete pünktlich bezahlen zu können, da war für solche Flausen der Kids keinen Platz.
Ich hab auch unendlich viele lieblose Demos gehoert die nur aus Splice-Loops zusammengebastelt waren. Aber daraus zu folgern das die junge Generation generell nur Schrott produziert und frueher alles besser war ist doch ein Trugschluss.
Ich hab ja nicht gesagt, das alles Neue Schrott ist, aber das Rauschen ist heute schon recht hoch.
Und hat meiner Meinung auch wenig mit der Ausgangsfrage zu tun warum es denn nunmal augenscheinlich so ist das da schon immer Generationenbrueche stattfanden und "die Alten" oft bzw eigentlich immer der Meinung sind das "die Jungen" alles falsch machen.
Nein, die machen ja nicht alles falsch. Was aber sehr häufig fehlt, ist das eigene Engagement.
Viele möchten nur ganz schnell mit vielen Followern "berühmt" werden, merken aber nicht, das man dafür hart arbeiten muss.
Hier liegen auch die Gründe für den Ausgangspost.

Ich will dir deine Erfahrung mit dem verstimmten Modular-Demo ja gar nicht absprechen, wie gesagt kenn ich sowas auch. Und es ist ein schraeger Vergleich, aber ich musste sofort durch die Geschichte denken: Genauso haben sich vermutlich vor 70 Jahren etablierte Musiker aufgeregt weil die jungen Idioten die Gitarren voellig verzerren. Oder irgendwelche Pianisten ein DX7 verteufelt haben weil es ja niemals so lebendig und dynamisch klingen kann wie ein echtes Klavier. Oder das die dummen Punker eh nur 3 Akkorde schrammeln koennnen. Wie gesagt, ist kein direkter Vergleich und ich stimme dir wie im ersten Absatz beschrieben ja auch zu. Aber diese Gedanken draengen sich bei der Diskussion natuerlich auf.
Das stimmt.
Aber in all deinen Beispielen findet sich etwas in der Musik, was wir alten Säcke heute so oft vermissen:

Es ist Liebe
 
betadecay
betadecay
Dronemaster Flash
Der musikalische Müll wurde durch Plattenfirmen vorselektiert und schaffte
es nicht zum nächsten Level.
(Sicherlich gingen da auch gute Sachen unter).
Wie lange ist Mike Oldfield mit seinen Röhrenglocken von Label zu Label getingelt, bis dieser Branson zugeriffen hat?
 
BTH 3000
BTH 3000
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Letztens beim Modehändler habe ich mich mit dem Verkäufer über Platten unterhalten, die ich verkaufe, und bei Marmion meinte seine 22-jährige Kollegin nur, dass sie das "stark" fände. Ich war total verblüfft, als Schönerberg rauskam war ich selbst erst 13 und wahrscheinlich haben sich ihre Eltern zu dem Zeitpunkt noch nicht gekannt!? Fand das total cool, dass sich auch heute noch viele aus der jüngeren Generation - wie wir damals - ernsthaft mit Musik auseinandersetzen.

Im Gegenzug sollte man der Jugend auch den Respekt zollen, mal deren Errungenschaften anzuhören. Mir gefällt vieles auch nicht - und gerade das finde ich ja gut! Sollen sie halt ihr Trapgedöns und Reggaeton machen, wäre ja schlimm, wenn die alle noch versuchen wie Snoop oder RAG zu klingen.

Und zwischendruch entdecke ich Perlen wie Haiyti, wo ich mir wünsche, diese geile Musik nochmal (post-)adoleszent erleben zu drüfen! Sowas wie "Speedleiche" wäre in meiner Jugend und bei meinen Freunden auch ein Hit geworden.

Fand das früher in den 90ern immer ganz schrecklich, diese alten Hardrockertypen, die nur AC/DC und Maiden akzeptierten und für die Nirvana schon viel zu modern waren.
 
Bernie
Bernie
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Wie lange ist Mike Oldfield mit seinen Röhrenglocken von Label zu Label getingelt, bis dieser Branson zugeriffen hat?
Und der war damals schon recht bekannt.

Mich haben sie 1982 bei der Polydor hochkantig rausgeworfen, als ich mein Album "Sequential Bitch" dort vorstellen wollte.
Ich habs heute noch in den Ohren: "Das ist doch hier kein Puff, verlassen sie sofort das Gebäude!"
Nun denn, das Album kam dann 1 Jahr später raus...
 
Tax-5
Tax-5
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Viele Hits und Stars hatten es schwer und wurden meist nur durch Zufall bekannt/berühmt.
Eiffel 65's Blue wurde zuerst verachtet und verschmäht, ging aber durch die Decke als ein italienischer Radio DJ das Stück spielte.

Davon gibts unzählige Beispiele und einige konnten ihre Berühmtheit halte, andere lieferten nicht mehr viel, lösten sich auf oder gingen mit der Zeit einfach vergessen.
 
fanwander
fanwander
*****
Aber in all deinen Beispielen findet sich etwas in der Musik, was wir alten Säcke heute so oft vermissen:

Es ist Liebe
Ich interpretiere das "liebe" mal als "Da gibt sich keiner Mühe". Ich glaube nicht, dass diese "Liebe" fehlt. Ich kenne genügend Leute, die sich hinsetzen und sich intensiv damit beschäftigen und ihr ganzes Herzblut reinhängen, damit es endlich so wie der von Dir weiter oben beschriebene Backstein klingt. Ihnen vorzuwerfen, sie hätten sich mit ihrem Backstein keine Mühe gegeben ist nicht ok. Dir (und mir) gefällt der Backstein halt nicht. Und vermutlich auch allen anderen nicht. Das hat aber nix mit der "Liebe" zu tun, die sie reingehängt haben.
 
fanwander
fanwander
*****
PS:
Fertige Tracks, die Jemand in 2 Stunden komplett "produziert" hat, höre ich mir nicht an, das ist Zeitverschwendung.
Mein finanziell erfolgreichster Titel war in 1 Stunde 40 Minuten fertig (Filmmusik für einen FFF-Schulfilm). Vom Komponieren bis zur Bandabgabe. Ich hab durchaus viele positive Zuschriften gekriegt (ja, damals hat man noch Zuschriften bekommen!), und die Tantiemen aus dem Titel haben mir immerhin über die Jahre gerechnet einen Urlaub finanziert.
 
serge
serge
*****
Wie lange ist Mike Oldfield mit seinen Röhrenglocken von Label zu Label getingelt, bis dieser Branson zugeriffen hat?
Gar nicht. Er war als Session-Musiker im "The Manor" von Branson unterwegs, hatte daheim ein kleines Demo angefertigt und hat dies einem der Toningenieure im "The Manor" vorgespielt, dieser hat es Simon Draper vorgespielt, dieser wiederum Richard Branson – und dann wurde Virgin Records gegründet (siehe hier).
 
betadecay
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Dronemaster Flash
Gar nicht. Er war als Session-Musiker im "The Manor" von Branson unterwegs, hatte daheim ein kleines Demo angefertigt und hat dies einem der Toningenieure im "The Manor" vorgespielt, dieser hat es Simon Draper vorgespielt, dieser wiederum Richard Branson – und dann wurde Virgin Records gegründet (siehe hier).
Oh, das hatte ich so gar nicht auf dem Schirm. Na ja, ich führe mal mein Alter als Begründung an, da geht dann schon mal was durcheinander.
 
Bernie
Bernie
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PS:

Mein finanziell erfolgreichster Titel war in 1 Stunde 40 Minuten fertig (Filmmusik für einen FFF-Schulfilm). Vom Komponieren bis zur Bandabgabe. Ich hab durchaus viele positive Zuschriften gekriegt (ja, damals hat man noch Zuschriften bekommen!), und die Tantiemen aus dem Titel haben mir immerhin über die Jahre gerechnet einen Urlaub finanziert.
Super, aber es ist ja nicht Jeder so ein Genie wie du.
 
Bernie
Bernie
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Ich interpretiere das "liebe" mal als "Da gibt sich keiner Mühe". Ich glaube nicht, dass diese "Liebe" fehlt.
Bei vielen schon.
Ich kenne genügend Leute, die sich hinsetzen und sich intensiv damit beschäftigen und ihr ganzes Herzblut reinhängen, damit es endlich so wie der von Dir weiter oben beschriebene Backstein klingt. Ihnen vorzuwerfen, sie hätten sich mit ihrem Backstein keine Mühe gegeben ist nicht ok. Dir (und mir) gefällt der Backstein halt nicht. Und vermutlich auch allen anderen nicht. Das hat aber nix mit der "Liebe" zu tun, die sie reingehängt haben.
Wir unterhalten uns ja hier darüber, natürlich rein sachlich und da klärt sich dann so manches. Meist ist es ja ein Zeitproblem, wo mal schnell zwichendurch was hingerotzt wurde.
Ich bewerte die Musik nicht nach dem, was mir persönlich gefällt, sondern rein danach, ob ich damit weiterarbeiten kann.
 
Pepe
Pepe
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Viele Hits und Stars hatten es schwer und wurden meist nur durch Zufall bekannt/berühmt.
Eiffel 65's Blue wurde zuerst verachtet und verschmäht, ging aber durch die Decke als ein italienischer Radio DJ das Stück spielte.
Als ich das Stück zum ersten Mal in einem Internetcafé (die Älteren erinnern sich) hörte - Monate bevor es in den Charts auftauchte - wusste ich, dass dieser Track berühmt würde. Ich fand es zwar nicht toll, aber es war derart eingängig und zeitgemäß, dass ich kein bisschen überrascht war, als es das Riesending wurde.
 
Tax-5
Tax-5
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Bei vielen schon.

Wir unterhalten uns ja hier darüber, natürlich rein sachlich und da klärt sich dann so manches. Meist ist es ja ein Zeitproblem, wo mal schnell zwichendurch was hingerotzt wurde.
Ich bewerte die Musik nicht nach dem, was mir persönlich gefällt, sondern rein danach, ob ich damit weiterarbeiten kann.

Die grössten Hits und bekanntesten Riffs wurden innert kürzester Zeit geschaffen. (Smoke on the Water soll in unter 15 Minuten geschrieben worden sein)
Es gibt aber auch viele Stücke die keine richtige Melodie haben oder eher etwas salopp daherkommen, aber ganz gut sind. Die Frage ist eigentlich immer: Soll Musik berühren und ein Gefühl auslösen oder einfach funktionieren?
Im Club braucht es 4/4, ein bisschen Synthiegeschrammel und ein billiges Vocalsample. Mit mehr wäre die Masse zum einen bereits überfordert, und zum anderen würde es sich dann schon nicht mehr als Funktionsmusik taugen.

Ausgefuchste Melodien oder Hooklines wird man nie in ner Warteschleife, Club Hintergrund, einem Porno oder als Liftmusik hören, weil dass da nicht funktioniert. Deswegen ist Funktionsmusik auch ein Mittel zum Zweck und eigentlich nie zum bewussten längeren/öfteren Hören gedacht. Das muss ein bisschen vor sich hinsäuseln und ggf. die Masse zum tanzen animieren, mehr nicht. Und so was darf (und meistens soll) auch innert kürzester Zeit zusammengebastelt sein. Am Ende juckt es den Fahrstuhlfahrer nicht, ob das Piano aus dem Korg Kronos oder von einer 20 Jahre alten Akai Library stammt.

Ich hatte mal einen Stapel Sonoton-CDs (100te CDs mit unterschiedlichen Stilen und Stimmungen), und hab mir tatsächlich einige durchgehört. Das ist fixfertig produzierte Musik auf CDs, die man sich bei Bedarf einfach lizenziert. Im Kontext von einem Werbespot oder Jingle mag das passen, aber bewusst anhören wie das Album eines Künstlers kann man dies nicht. Musikalisch sehr einfach gestrickt und die Sounds sind am Ende auch nur bekannte und vorgefertigte Sachen. Extravagante Flächen und Effekte findet man hier nicht. Oftmals sind das auch wirklich Stücke die an einem verregneten Nachmittag zusammengewurstelt wurden, aber funktionieren und bei einer entsprechenden Lizenzierung ganz schön Asche in den Geldbeutel spülen.
 
Doc Orange
Doc Orange
Cybernetics
Ausgefuchste Melodien oder Hooklines wird man nie in ner Warteschleife, Club Hintergrund, einem Porno oder als Liftmusik hören, weil dass da nicht funktioniert.
Ist nicht ganz richtig, auch wenn es meistens zutrifft. Ich habe in Fahrstühlen auch schon oft bekannte Stücke gehört, zwar meistens ziemlich cheesy arrangiert, aber durchaus anspruchsvoll, Bossa Nova, Girl of Ipanema, oder auch Burt Bacharach Kram, Way to San José und so Zeug. Das ist natürlich auch Musik, von der Leute ohne Ahnung auch sagen würden, dass es Fahrstuhlmusik ist. Ich hab auch schon mal Wonderwall im Supermarkt gehört - da war dann endgültig klar, dass Oasis Mainstream ist.
 
Tax-5
Tax-5
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Ist nicht ganz richtig, auch wenn es meistens zutrifft. Ich habe in Fahrstühlen auch schon oft bekannte Stücke gehört, zwar meistens ziemlich cheesy arrangiert, aber durchaus anspruchsvoll, Bossa Nova, Girl of Ipanema, oder auch Burt Bacharach Kram, Way to San José und so Zeug. Das ist natürlich auch Musik, von der Leute ohne Ahnung auch sagen würden, dass es Fahrstuhlmusik ist. Ich hab auch schon mal Wonderwall im Supermarkt gehört - da war dann endgültig klar, dass Oasis Mainstream ist.

Naja, es gibt so viele Fahrstühle und Warteschleifen auf der Welt.
So richtige billige Fahrstuhlmusik (Fachausdruck Muzak) kenne ich nur aus Filmen, Spielen und als Klischee. Ich kann mich nicht erinnern, je in einem Fahrstuhl mitgefahren zu sein, wo irgendwelche Musik läuft. Wozu auch? Mehr als 30-40 Sekunden ist man eh nicht in nem Fahrstuhl.

In Geschäften lief früher sehr oft ebenfalls irgendwelche belanglose Mukke. Bisschen was mit Streichern und ggf. Piano, aber nichts bekanntes. Das hat sich in den letzten Jahren starkt verändert und man lässt meist ein x-beliebige Radio* mitlaufen (hier in der Schweiz ist das fast immer Radio SwissPop) - In Kleiderläden oder generell in Geschäften in denen jüngeres Publikum verkehrt, läuft dann meist auch diese aktuelle Trap-HipHop-VocalRap-Grütze

In Supermärkten und co läuft dann eben oftmals irgendwelche Radiomusik und ab und zu kommt auch ein gutes und bekanntes Stück (oftmals was von Alphavill oder Den Harrow, nur kennt das ausser mir wohl keiner mehr im Laden ;-) ) aber weil es eben querbeet ist, läuft da auch viel Murks. NDW, Rock, Schlager, etc... man kann also akustisch auf fast alles stossen.


*Ich frage mich wie das rechtlich aussieht. Einen Laden einfach so mit Radiomusik zu beschallen dürfte doch, je nach Kundenzahl, einiges an Gebühren kosten.
 
AddictedToSuperGlue
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Naja, es gibt so viele Fahrstühle und Warteschleifen auf der Welt.
So richtige billige Fahrstuhlmusik (Fachausdruck Muzak) kenne ich nur aus Filmen, Spielen und als Klischee. Ich kann mich nicht erinnern, je in einem Fahrstuhl mitgefahren zu sein, wo irgendwelche Musik läuft. Wozu auch? Mehr als 30-40 Sekunden ist man eh nicht in nem Fahrstuhl.

In Geschäften lief früher sehr oft ebenfalls irgendwelche belanglose Mukke. Bisschen was mit Streichern und ggf. Piano, aber nichts bekanntes. Das hat sich in den letzten Jahren starkt verändert und man lässt meist ein x-beliebige Radio* mitlaufen (hier in der Schweiz ist das fast immer Radio SwissPop) - In Kleiderläden oder generell in Geschäften in denen jüngeres Publikum verkehrt, läuft dann meist auch diese aktuelle Trap-HipHop-VocalRap-Grütze

In Supermärkten und co läuft dann eben oftmals irgendwelche Radiomusik und ab und zu kommt auch ein gutes und bekanntes Stück (oftmals was von Alphavill oder Den Harrow, nur kennt das ausser mir wohl keiner mehr im Laden ;-) ) aber weil es eben querbeet ist, läuft da auch viel Murks. NDW, Rock, Schlager, etc... man kann also akustisch auf fast alles stossen.


*Ich frage mich wie das rechtlich aussieht. Einen Laden einfach so mit Radiomusik zu beschallen dürfte doch, je nach Kundenzahl, einiges an Gebühren kosten.

Im "Gamestop" in meiner Stadt lief kürzlich ziemlich interessanter Australischer Punk. Da die Angestellte dort für mich plötzlich auch interessant wurde, habe ich sie angesprochen. Es stellte sich heraus, dass der Laden externe Firmen/Agenturen beauftragt die dann Playlisten für die Läden erstellt. War etwas enttäuscht.
 
AddictedToSuperGlue
AddictedToSuperGlue
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Wollte noch erwähnen, dass ich die aktuelle Musik verteidigt habe, weil ich halt finde, dass es jemand tun sollte. Wäre wohl auch für die 90er in die Bresche gesprungen, obwohl ich die lieber vergessen würde. Peace.
 
MFakaNemo
MFakaNemo
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was heißt heute? ich hab mir grad überlegt was ich vor 10 Jahren gehört habe. das ist im Gegensatz zu "früher" ja quasi auch noch "heute", also recht aktuell.
2003 bin ich bei Chain Reaction, Basic Channel und Echospace eingestiegen. In der Folge kann ich heute einfach keinen Dubtechno mehr hören, weil er für mich alles gleich klingt. Immer die selben fast gleich klingenden FM Chains aus Ableton mit Operator, wenn ich Dubtechno hören will bleib ich z.B. bei diesen Klassikern, sonst würde mich Musik nur noch anöden aus dieser Richtung, weil das neue Zeug einfach nicht mehr so gut klingt wie das alte. Damit will ich sagen dass es auch deinen ganz persönlichen Lieblingsgeschmack eines Genres treffen kann - nicht nur die Generation die einen anderen Stil macht. Auch das ganze Retrowave Zeug hat bei mir schnell zur Übersättigung geführt, auch hier sind die originalen Werke von damals unübertroffen.

Auf der andereren Seite ist aber eine richtig geniale junge Generation herangewachsen die sehr experimentell denkt und mit minimalen Setups oder kleinen Geräten wirklich tolle Sachen herbeizaubert. Meistens sind das so Ambientgeschichten oder so verschwurbeltes Vintagezeugs oder minimalistische Sachen, Dark Electronic und Tribal. Es ist per se nicht alles lieblos oder schlecht, nur hat man eben nicht den Zugang zu dieser Art von "Liebe". Außerdem, das kommt noch hinzu: allein wenn man sich nur auf Bandcamp anschaut wieviel neue Releases auf der Welt pro Minute veröffentlicht werden, würde einem der Kopf platzen. Man braucht dort nur mal den Slider zu beobachten in der "Explore"-Sektion, was da minütlich verkauft wird, durch alle Genres hinweg. Damit will ich sagen, es gibt so großartige Musik die jeden Tag entsteht und wir als Individuen können niemals auch nur einen Bruchteil dessen erfassen und werden es auch nicht hören, uns entgeht so vieles und die paar Minuten im Leben die wir aktiv darauf verwenden ernsthaft nach neuer spannender Musik zu suchen ist im Vergleich dazu, was bereits veröffentlicht wurde, verschwindend gering, so dass wir gar nicht erahnen können wieviel der neueren Musik wirklich gut ist und wo die versteckten Perlen sind, die wir noch gar nicht kennen und die bestimmt unser Gesamtbild von der heutigen Musikwelt verändern würden.

Ich mach das immer so, dass ich auf Bandcamp bei meinen Followern in der ihre gekauften Kollektionen schaue. Und dort schaue ich immer nur die Albumcovers, die mich anspringen. Bilder sind meine ersten Trigger auf ein neues Album zu gehen. Erst vor ein paar Tagen hab ich dadurch ein geniales Ambientalbum aus Russland gefunden und ohne großartig darüber nachzudenken gekauft.
 
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was heißt heute? ich hab mir grad überlegt was ich vor 10 Jahren gehört habe. das ist im Gegensatz zu "früher" ja quasi auch noch "heute", also recht aktuell.
2003 bin ich bei Chain Reaction, Basic Channel und Echospace eingestiegen. In der Folge kann ich heute einfach keinen Dubtechno mehr hören, weil er für mich alles gleich klingt. Immer die selben fast gleich klingenden FM Chains aus Ableton mit Operator, wenn ich Dubtechno hören will bleib ich z.B. bei diesen Klassikern, sonst würde mich Musik nur noch anöden aus dieser Richtung, weil das neue Zeug einfach nicht mehr so gut klingt wie das alte. Damit will ich sagen dass es auch deinen ganz persönlichen Lieblingsgeschmack eines Genres treffen kann - nicht nur die Generation die einen anderen Stil macht. Auch das ganze Retrowave Zeug hat bei mir schnell zur Übersättigung geführt, auch hier sind die originalen Werke von damals unübertroffen.

Auf der andereren Seite ist aber eine richtig geniale junge Generation herangewachsen die sehr experimentell denkt und mit minimalen Setups oder kleinen Geräten wirklich tolle Sachen herbeizaubert. Meistens sind das so Ambientgeschichten oder so verschwurbeltes Vintagezeugs oder minimalistische Sachen, Dark Electronic und Tribal. Es ist per se nicht alles lieblos oder schlecht, nur hat man eben nicht den Zugang zu dieser Art von "Liebe". Außerdem, das kommt noch hinzu: allein wenn man sich nur auf Bandcamp anschaut wieviel neue Releases auf der Welt pro Minute veröffentlicht werden, würde einem der Kopf platzen. Man braucht dort nur mal den Slider zu beobachten in der "Explore"-Sektion, was da minütlich verkauft wird, durch alle Genres hinweg. Damit will ich sagen, es gibt so großartige Musik die jeden Tag entsteht und wir als Individuen können niemals auch nur einen Bruchteil dessen erfassen und werden es auch nicht hören, uns entgeht so vieles und die paar Minuten im Leben die wir aktiv darauf verwenden ernsthaft nach neuer spannender Musik zu suchen ist im Vergleich dazu, was bereits veröffentlicht wurde, verschwindend gering, so dass wir gar nicht erahnen können wieviel der neueren Musik wirklich gut ist und wo die versteckten Perlen sind, die wir noch gar nicht kennen und die bestimmt unser Gesamtbild von der heutigen Musikwelt verändern würden.

Ich mach das immer so, dass ich auf Bandcamp bei meinen Followern in der ihre gekauften Kollektionen schaue. Und dort schaue ich immer nur die Albumcovers, die mich anspringen. Bilder sind meine ersten Trigger auf ein neues Album zu gehen. Erst vor ein paar Tagen hab ich dadurch ein geniales Ambient aus Russland gefunden.
Yep. Hätte ich nur schlechter schreiben können. Mit den Bandcampkollektionen mache ich genauso. Als ich das erste Mal realisiert habe, was da eigentlich hinter steckt… Junge Junge. Ich meine, wenn man unter den ganzen Musik Blogs und Co. irgendwann mal die paar richten für sich gefunden hat, ist man eventuell ähnlich zufrieden am Ende des Tages. Trotzdem ist auf Bandcamp alles deutlich komprimierter und angenehmer. Häufig überlege ich kurz, was wohl das anstrengendste/abseitigste Album in der letzten Zeit war, welches ich sehr hoch bewerten würde. Dann schaue ich wers gekauft hat, scrolle mich durch deren Collections und freu mich. Deutlich mehr Zeit verbringe ich aber auf SoundCloud, da dort über die Jahre eine für mich wunderbare Gemeinschaft um meine favorisierten Genres entstanden ist, mit tollen Leuten, die ähnlich starken Output liefern, wie die Plattensammler auf Bandcamp.
 
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MFakaNemo
MFakaNemo
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Das Gefühl bei SoundCloud hatte ich auch, aber leider hat es sich irgendwie eingestellt. Die großartigste Zeit hatte ich da 2011-2014. Da hatte ich selbst auch viele Plays und das hing damit zusammen, weil SoundCloud die Gruppenfunktion hatte. Man hat einfach was hochgeladen und es gleich mit in die Gruppe gepostet, man war sofort im Fokus und die Leute hatten einen auf dem Schirm und haben geliked und kommentiert, sie sind auf das Profil von einem selbst gestossen und es wurde immer gut reagiert. Also das Resonanzverhalten war super und irgendwie war das auch eine Stimmung der damaligen Zeit, das ist nur meine Wahrnehmung. Seit Spotify das alles abgelöst hat und seit auf Soundcloud die Gruppen gelöscht hat, ist Soundcloud nicht mehr das was es mal war. Selbst das Setzen von Hashtags oder Genres verhilft einfach nicht mehr zu dieser durchschlagenden Wirkung, die man sonst hatte, die Community, jetzt etwa 10 Jahre später (krass, wie die Zeit einfach so schnell dahin ist :sad: ) ist einfach nicht mehr die gleiche, es ist irgendwie nicht mehr dasselbe. Man geht sehr schnell unter. Ich verlange ja keine außergewöhnliche Resonanz, aber inzwischen sind die Statistiken nur noch ein Schatten von den Statistiken von einst. Der einzige Faktor der jetzt hier noch zählt, ist die Zeit, also wenn man ein Stück einfach sehr lange online lässt. Dann bekomme ich (also ich spreche von mir) im Durchschnitt etwa 300-600 Plays.

Viel anderer ist es aber seitdem ich bei Distrokid bin. Ich kann sehen wie durch den Spotify Algorithmus die Plays und Follower in ganz kleinen Schritten mehr werden, habe ich anfangs innerhalb eines Jahres vielleicht zwei Euro verdient, ist es im Jahr darauf schon fast 50 €. Durch das Einschalten dieses Distributors erscheint ma quasi überall und was mir auch auffällt, ist, das mir aller 1-2 Wochen jemand neues auf Instagram und Bandcamp folgt. Anfangs war das noch nicht zu bemerken, aber über die Zeit hin hat sich eine Regelmäßigkeit eingestellt, und auch wenn das auf den ersten Blick nicht viel erscheint, in der Summe macht es die Kontinuität. Es fängt langsam an gewisse Zusammenhänge erkennen zu lassen und die Statistiken geben es langsam aber sicher auch her. D.h. irgendwie muss ja meine Musik gefallen. Vieles spielt sich auch genau auf Bandcamp ab, ich halte es für die großartigste Musikplattform überhaupt, eigentlich brauche ich überhaupt nichts anderes mehr. Bandcamp habe ich so viele neue Entdeckungen und tolle Käufe zu verdanken, die meinen Musikgeschmack wirklich massiv beeinflusst und geprägt haben. Die Art und Weise wie man wirklich auf genau das kommt was eine interessiert ist richtig genial, nicht nur durch die parallelen Empfehlungen wenn man etwas gekauft hat, sondern eben auch durch diese Explorefunktion, die Sammlungen anderer und die regelmäßigen E-Mails, in denen eine mitgeteilt wird, was deine Follower gekauft haben und was diejenigen gekauft haben, denen du folgst, wenn du dein privates Profil mit dem Künstler-Profil zusammengelegt hast. Auf diese Weise ist der Algorithmus sehr genau und wird immer weitergefüttert, man bekommt wirklich genau das gezeigt was für einen interessant und relevant sein könnte was man sonst niemals im Leben entdeckt hätte, und deswegen bin ich auch überzeugt davon, dass die Musik der heutigen Generation nicht minder interessant ist und definitiv mit genug Liebe gemacht wurde , es ist halt nur so dass wir den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. Und ich spreche hier nur für mich, denn ich habe ja wirklich einen sehr diversen Musikgeschmack.
 
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